Gebr. Laumans GmbH & Co KG Ziegelwerke ist ein deutscher Hersteller von gebrannten Tondachziegeln mit Sitz in Brüggen-Bracht im nordrhein-westfälischen Kreis Viersen. Das Unternehmen produziert mit 85 Mitarbeitern jährlich rund 11 Millionen Dachziegel (Flächen- und Formziegel).
Geschichte Vorgeschichte Schon vor 1850 entstanden in den niederländischen Gemeinden Tegelen, Venlo und Swalmen Töpfereien und Ziegelbrennereien, die die dort vorkommenden Tonlager als Ausgangsbasis für ihr Gewerbe nutzten. Der Kupferschläger und Gastwirt Jacob Laumans (1799–1836) begann 1835 mit der Dachziegelproduktion im niederländischen Tegelen.Uit aarde geschapen. S. 22 f. Tegelen war das Zentrum des keramischen Gewerbes in Nordlimburg; im Gemeindegebiet befanden sich umfangreiche Tonlager. Nach dem frühen Tod Jacob Laumans' im Jahr 1836 führte seine Witwe Maria Josepha Laumans-Janssen mit ihrem zweiten Ehemann Peter Benders den Betrieb unter seinem Namen weiter. Nach dem Tod des Stiefvaters übernahm 1864 Jacobs Sohn Quirinus (1827–1900) mit seinem Bruder Caspar das Geschäft und gab ihm den Namen Gebr. Laumans. Diese Dachziegelei an der Industriestraat in Tegelen wurde noch im Handstreichverfahren betrieben. Unter Quirinus wurde der Betrieb als erste Ziegelei in Tegelen mechanisiert.
Seit 1880 wurden keine Handstrichziegel mehr produziert, sondern nur noch Maschinenfalzziegel, etwa 200.000 Stück pro Jahr, die man in sechs Kasseler Öfen brannte. Die Maschinenfalzziegel verfügten an den Längsseiten und an dem Kopf über Verfalzungen, die ineinandergriffen und eine bessere Abdichtung gegen Staub, Schnee und Regen bewirkten. Sie bedurften keiner Vermörtelung und keiner Strohdocken mehr, was die Brandgefahr verkleinerte. Die Nachfrage nach den damals neuartigen Maschinenfalzziegeln war groß, weil viele Heißbetriebe im Ruhrgebiet (wie Kokereien, Stahlwerke, Gießereien, Schmieden und Walzwerke) eine hitzebeständige, unbrennbare und kostengünstige Dachbedeckung wollten.
Um die deutsche Industrie vor Produkten aus dem Ausland zu schützen, führte Otto von Bismarck 1885 auch auf Dachziegel einen Schutzzoll ein, so dass die niederländischen Produkte zu teuer wurden. Aber dieser Zoll galt nicht für den Ton, sondern nur für das Fertigprodukt. Deshalb errichtete 1885 u. a. die ebenfalls aus Tegelen stammende Ziegelei Gebr. Teeuwen eine Fabrik in Kaldenkirchen, das in Preußen (und damit auf dem Zollgebiet des Deutschen Reiches) lag. Man baute den Ton in den Niederlanden ab und verarbeitete ihn in Preußen. Damit umging man den preußischen Einfuhrzoll für Dachziegel und konnte in Preußen kostengünstig Dachziegel anbieten. mini|227x227px|Firmengründer der Gebrüder Laumans GmbH & Co KG Ziegelwerke Stephan Laumans (1866–1942) mini|hochkant|Quirin Laumans (1901–1988)
Durch eine Teilung des Besitzes ging 1889 der in Kaldenkirchen an der Steylerstraße gegründete Betrieb der Gebr. Teeuwen an Quirin Laumans über, wohingegen die Gebr. Teeuwen direkt daneben einen neuen Betrieb bauten. So kamen die Gebr. Laumans in den Besitz ihrer ersten deutschen Ziegelfabrik. Quirinus Laumans und seine Frau Maria Petronella, geb. Teeuwen, hatten fünf Söhne: Paul und Quirin studierten in Delft und wurden Ingenieure, Jacques (eigentlich Petrus Jacobus Hubertus, * 1863, † 1943), Stephan (Stephan Johann Caspar, * 1866, † 1942) und Caspar (* 1871, † 1938) sollten die diversen Betriebe der Familie – neben drei Dachziegeleien auch einen Holzhandel, einen kleinen Bauernhof und eine Gastwirtschaft – betreiben. Jacques bekam den Holzhandel und die Dachziegelfabrik in Reuver, Stephan und Caspar die Dachziegeleien in Tegelen und Kaldenkirchen.Die beiden Brüder heirateten die Schwestern Lucie und Sophie Gitmans. Siehe: Sophie Laumans: Niets bijzonders, gewoon geleefd. Utrecht 1997. Mittlerweile waren auch auf deutscher Seite in den Gemeinden Brüggen, Kaldenkirchen und Elmpt Dachziegelfabriken errichtet worden und brachten in das von der Krise der Heimweberei geschüttelte Grenzland wieder Beschäftigung, Steuergelder und Einkünfte aus dem Tonverkauf.
Gründung der ersten Brachter Dampfdachziegelfabrik 1896 griff dann der Dachziegelboom auch auf die Bürgermeisterei Bracht über.Auf den Ton kommt es an; Bracht. Geschichte einer niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Stephan Laumans errichtete auf der Stiegstraße in Bracht die erste Brachter Dampfdachziegelei, weitere Firmeninhaber waren seine Brüder Caspar und Jacques. Die Genehmigung für diese erste Brachter Dampfdachziegelei, die sich Stephan Laumans und Co nannte, wurde am 2. Dezember 1896 erteilt. Das Kapital stellte Vater Quirinus zur Verfügung, immerhin 36.000 Goldmark.Gewerbeanmeldung am 27. April 1897, Gemeinde Brüggen. Das war der Startschuss für die Dachziegelindustrie in Bracht. In den kommenden Jahren bis zur Jahrhundertwende wurden in Bracht sechs weitere Dachziegeleien gegründet.Auf den Ton kommt es an, S. 59–64, S. 471.
Eigentümer, Eigentümerwechsel und Geschäftsführung mini|hochkant|Lambert Laumans (1903–1989)
Schon 1898 fusionierten die Tegelener, Kaldenkirchener und Brachter Betriebe der Familie Laumans unter dem Firmennamen Gebr. Laumans zu einer Gesellschaft.Gesellschaftsvertrag vom 25. Februar 1898, Landesarchiv NRW, Not.Rep.1720 Güntzer, s. Auf den Ton kommt es an, S. 72. Gesellschafter waren die Brüder Caspar, Stephan und Jacques Laumans. Nachdem der Vater 1900 verstorben war, hatte Stephan in Bracht die Geschäftsführung inne, Caspar war in Kaldenkirchen und Tegelen der führende Kopf. Jacques konzentrierte sich auf seine eigene Dampfdachziegelfabrik, die er seit 1893/94 im niederländischen Reuver betrieb; bei den Gebr. Laumans schied er 1903 auch als stiller Teilhaber aus.
Stephan zog 1897 nach Bracht; 1906 baute er für sich und seine Familie ein standesgemäßes Haus, die Villa Lucia, auf der Stiegstraße. 1910 beantragte er die deutsche Staatsbürgerschaft,Kreisarchiv Viersen, Gemeindearchiv Bracht, Akte 843,1. ab 1914 saß er im Brachter Gemeinderat. 1926 ging die Firma A. Baehren im benachbarten Brüggen in Konkurs. Das Werk wurde im November 1926 von der Firma Gebr. Laumans gekauft und im Januar 1927 wieder in Betrieb genommen.Auf den Ton kommt es an, S. 317. Damit besaß das Familienunternehmen Gebr. Laumans vier Werke in Tegelen, Kaldenkirchen, Bracht und Brüggen. Schon einige Monate später – im April 1927 – wurde das Unternehmen auf die beiden Familienzweige aufgeteilt.Auf den Ton kommt es an, S. 317. Caspar – bisher für Tegelen und Kaldenkirchen zuständig – übernahm mit seinem Sohn Lambert (18. Februar 1903 bis 8. Mai 1980) das Tegelener Stammwerk und den Kaldenkirchener Betrieb unter dem Namen C. Laumans. Stephan betrieb das Brachter Werk und die Brüggener Neuerwerbung unter dem bisherigen Namen Gebr. Laumans gemeinsam mit seinen Söhnen Quirin (25. Oktober 1901–1988) und Lambert (9. März 1903–1989) weiter.
Nach Stephans Tod mitten im Zweiten Weltkrieg wurde Gebr. Laumans von den Brüdern Quirin und Lambert LaumansLambert wurde im März 1927 in Köln zum Dr. rer.pol. promoviert. weitergeführt, die die Geschicke bis Anfang der 1970er-Jahre leiteten. 1970 wurde aus Gebr. Laumans eine GmbH & Co. KG. Danach trat die nächste Generation in die Firmenleitung ein; Quirins Sohn Stephan (* 1935) wurde geschäftsführender Gesellschafter für das Brachter und Lamberts Sohn Lambert (1941–2013) für das Alt-Brüggener Werk. Seit 2003 ist mit Gerald Laumans (* 1967), Sohn von Stephan jun., die vierte Generation der Brachter Dynastie in der Geschäftsführung des Unternehmens tätig. 2004 wurde die dänische Piper-Gruppe Mitgesellschafter bei der Gebr. Laumans GmbH Co KG.
Entwicklung des Brachter Stamm-Werkes bis 1927 Das Brachter Werk entstand am Weg, der zur Honschaft Stieg führte, später Stiegstraße genannt. Heute ist sie die wesentliche der das Brachter Gewerbegebiet erschließenden Straßen. miniatur|Anschluß Bracht/Laumans an das nationale Eisenbahnnetz 1911
Die Gemeinde Bracht besaß einen Gemeindewald von rund 2000 Hektar, der über umfangreiche Tonlager und damit das notwendige Rohmaterial zur Ziegelherstellung verfügte. Im Weberdorf Bracht standen um 1890 fast alle Webstühle still und die Männer und ihre Familien waren auf staatliche Unterstützung angewiesen, die den Gemeindehaushalt enorm belasteten. Dennoch standen die älteren Weber für die neue Ziegelbranche nicht zur Verfügung, da ihre körperliche Konstitution die harte Arbeit in den Ziegeleien nicht zuließ. Arbeitskräfte konnten so vorwiegend unter den bisherigen Landarbeitern und Bauernsöhnen und den jüngeren männlichen Mitgliedern der Weberfamilien geworben werden, auch aus den Niederlanden kamen Arbeiter. Der fehlenden Anbindung an das Schienennetz begegneten die Brachter Industriellen gemeinsam, indem sie den Bau einer Kleinbahn zum Staatsbahnhof in Kaldenkirchen unterstützten, die 1901 von der Continentalen Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft fertiggestellt wurde. Der Transport des Rohmaterials von den Tongruben im Gemeindewald zur Fabrik erfolgte von nun an durch Schmalspurbahnen.Auf den Ton kommt es an, S. 179–185; Bracht. Geschichte einer niederrheinischen Gemeinde von der Frühzeit bis zur Gegenwart. mini|Laumans Transport-Logistik um 1911
Die 1896/97 errichtete Laumans’sche Fabrik war noch sehr einfach. Der in den Tongruben im Brachter Wald gestochene Ton wurde mittels Pferdewagen zu einem Tonlagerplatz zur Lagerung gebracht. Kollergänge zur Vermengung gab es wohl noch nicht, das musste in Handarbeit geschehen. Mit Hilfe von max. zwei Revolverpressen, die von einer Dampfmaschine angetrieben wurden, wurden Tonbatzen zu Falzziegeln gepresst, die in offenen Trockenschuppen vor dem Brennen getrocknet wurden. Die Trocknung war von der Außentemperatur abhängig. Im Winter konnte in diesem „Sommerbetrieb“ nicht produziert werden. In anfangs nur vier Einzelkammeröfen, sog. Kasseler Öfen, wurden die Ziegel gebrannt und nach dem langwierigen Brennvorgang im Freien gelagert. Vor dem Bau der Kleinbahn mussten sie auf Pferdewagen zum Kaldenkirchener Bahnhof transportiert werden.
Im zweiten Produktionsjahr ging Stephan Laumans von einer Produktion von 650.000 Dachziegeln aus, in den Folgejahren betrug der Ausstoß rund 850.000 Dachziegel jährlich. Dies wurde durch den Bau zusätzlicher Öfen möglich. 1899 erfolgten der Bau eines neuen zweistöckigen Ofengebäudes, acht weiterer Öfen und eines einzigen 35 m hohen Kamins, so dass das Brachter Werk zu Beginn des Jahrhunderts mit 22 Öfen arbeitete und damit ungefähr eine Jahreskapazität von 4 Millionen Ziegeln hatte. Das Kapital erhöhte sich entsprechend von 36.000 (Gold-)Mark auf 120.000 Mark im Jahr 1902. Die Abwärme der Öfen wurde im neuen Gebäude im oberen Stockwerk zur Trocknung der Ziegel verwendet, so dass die Produktion witterungsunabhängig und der Betrieb damit zum „Winterbetrieb“ wurde. Ein herber Rückschlag war der Brand des neuen Ofenhauses im November 1905, doch da das Gebäude versichert war, wurde zügig wieder aufgebaut und vergrößert, so dass schon im kommenden Frühjahr mit 24 Öfen produziert werden konnte.Die Dampfdachziegeleien der Familie Laumans in Kaldenkirchen, Bracht und Brüggen. Teil 1, S. 123f.; Auf den Ton kommt es an, S. 156ff.