Alfred Louis Laubmann (* 20. Oktober 1886 in Kaufbeuren; † 18. Oktober 1965 in München) war ein deutscher Ornithologe.
Leben und Wirken Sein Vater war der Kaufmann Eugen Laubmann. Seine Mutter hieß Ida geb. Schaefer. Von 1891 bis 1897 besuchte er die Volksschule in Kaufbeuren und wechselte anschließend an das Wilhelmsgymnasium München, das er 1906 mit dem Abitur abschloss.Jahresbericht über das K. Wilhelms-Gymnasium zu München 1905/06. Nach der Schule studierte er von 1906 bis 1911 an der Ludwig-Maximilians-Universität München Naturwissenschaften mit Schwerpunkt Zoologie. Hier promovierte er unter Richard von Hertwig mit der Dissertationsarbeit Untersuchungen über die Hautsinnesorgane decapoder Krebse aus der Gruppe der Carididen. Im Jahr 1912 heiratete er Elisabeth Mayer.Hermann Oblinger, S. 9. Während des Sommersemesters 1910 hielt sich Laubmann im Rahmen seiner Promotion zu meereszoologischen Untersuchungen an der Station biologique de Roscoff auf.Alfred Louis Laubmann, Untersuchungen über die Hautsinnesorgane decapoder Krebse aus der Gruppe der Carididen (1913), S. 106. Im Frühjahr 1911 bekam er von der Direktion der Zoologischen Staatssammlung den Auftrag, die von Gottfried Merzbacher (1843–1926) in den Jahren 1907 und 1908 in Tian Shan gesammelten Vogelbälge zu bearbeiten. Die Ergebnisse der Untersuchungen publizierte er 1914.Alfred Louis Laubmann, Wissenschaftliche Ergebnisse der Reise von Prof. Dr. G. Merzbacher im zentralen und östlichen Thian-Schan 1907/8 (1914). Obwohl er in München lebte, verlor er seine Heimat, das Allgäu, nie aus den Augen und publizierte immer wieder über die Avifauna aus dieser Region.Walter Wüst, S. 654.
An der Zoologischen Staatssammlung arbeitete er über ein Jahrzehnt unter der Leitung Carl Eduard Hellmayrs als wissenschaftlicher Assistent. In dieser Zeit wurde von Hellmayr auch Erwin Stresemann angestellt. Als Hellmayr 1922 in die Vereinigten Staaten zog, wurde Laubmann zum Leiter der ornithologischen Abteilung befördert. 1926 wurde er zum Kurator befördert und 1927 mit dem Titel eines Professors ausgezeichnet. Seine eigene wertvolle Vogelsammlung, die aus ca. 6000 Bälgen bestand, stiftete er dem Staat. Unter den wohl bedeutendsten Publikationen waren das zweibändige Werk Die Vögel von Paraguay und seine verschiedenen Studien über die Eisvögel.Walter Wüst, S. 655.
Seine Forschungen beschäftigten sich vorwiegend mit systematischen Fragen, so dass es auch heute noch Arten und Unterarten gibt, die mit seinem Namen verbunden sind. Trotzdem kümmerte er sich auch um faunistische Aspekte. Zusammen mit Carl Renz und seiner Frau Elisabeth ging er auf eine Griechenland-Expedition, für die er sich extra von seinem Chef Ludwig Döderlein beurlauben ließ.Walter Wüst, S. 655. Das Ergebnis der Reise erschien 1927 unter dem Titel Zur Ornithologie der Ionischen Inseln. Die Publikationen Ornithologische Beobachtungen aus dem Gebiet des Maisinger Sees oder Kraniche am Südrand von München zeigen, dass er sich ebenso gerne mit seiner unmittelbaren Umgebung auseinandersetzte.
Der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern trat er bereits 1907 bei. Zwischen 1913 und 1921 agierte er dort als stellvertretender Sekretär, ab 1922 als Generalsekretär, Schriftleiter und Herausgeber von Verhandlungen der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern und Anzeiger der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Ihm ist es zu verdanken, dass das Niveau der Zeitschriften hoch gehalten wurde und die Publikationsorgane der Gesellschaft gleich über zwei Weltkriege gerettet wurden. Gleichzeitig war er in ständigem Austausch mit anderen angesehenen Ornithologen aus dem In- und Ausland. Einer seiner Freunde wurde im Jahre 1928 Walter Wüst, der ihm damals als Student vom Ismaninger Teichgebiet berichtete und schließlich einen Nachruf auf den Verstorbenen schrieb.Walter Wüst, S. 656. Für einen anderen, Josef Gengler, schrieb er 1933 einen Nachruf. Im Januar 1962 gab er die Verantwortung für die Zeitschriften ab, und Einhard Bezzel übernahm die Nachfolge.
1951 ging Laubmann in den verdienten Ruhestand, ohne jedoch die Ornithologie aus den Augen zu verlieren. Seine Position bei der Zoologischen Staatssammlung übernahm Gerd Diesselhorst.
Mitgliedschaften und Ehrungen Laubmann war Mitglied des International Ornithological Committee, seit 1925 Ehrenmitglied der Société Ornithologique de France, seit 1930 des Club van Nederlandse Vogelkundigen, seit 1935 des Ungarischen Ornithologischen Institutes, des Naturwissenschaftlichen Verein für Schwaben in Augsburg, seit 1923 korrespondierendes Mitglied der American Ornithologists’ Union, seit 1933 korrespondierendes Mitglied der Sociedad Ornitológica del Plata und seit 1935 Beiratsmitglied der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft.Walter Wüst, S. 655.
Erstbeschreibungen durch Alfred Louis Laubmann miniatur|Herkuleseisvogel miniatur|Chinasingdrossel Zu den neuen Arten und Unterarten von Laubmann gehören chronologisch u. a.:
Arten Herkuleseisvogel (Alcedo hercules , 1917) Chinasingdrossel (Otocichla mupinensis , 1920)
Unterarten Eichelhäher (Garrulus glandarius corsicanus , 1912) Glanzkrähe (Corvus splendens zugmayeri , 1913) Rotlappenkiebitz (Vanellus indicus aigneri (, 1913)) Bennettschwalm (Aegotheles bennettii wiedenfeldi , 1914) Karmingimpel (Erythrina erythrina kubanensis , 1915) Zippammer (Emberiza cia prageri , 1915) Kapkrähe (Corvus capensis kordofanensis , 1919) Melanesienliest (Todiramphus tristrami stresemanni (, 1923)) Kobalteisvogel (Alcedo semitorquata heuglini , 1925) Braunliest (Halcyon smyrnensis fokiensis & , 1926) Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra tianschanica , 1927) Grünfischer (Chloroceryle americana mathewsii , 1927) Rotrücken-Sensenschnabel (Campylorhamphus trochilirostris hellmayri , 1930) Goldschulterstärling (Agelasticus thilius petersii (, 1934)) Brustband-Eisvogel (Alcedo euryzona peninsulae , 1941) Grünfischer (Chloroceryle americana hachisukai (, 1941))
Dedikationsnamen Carl Eduard Hellmayr und Josef von Seilern und Aspang ehrten ihn 1915 im Namen einer Unterart des Gelbbauch-Kernknackers (Pheucticus chrysogaster laubmanni).Carl Eduard Hellmayr u. a., S. 160. Hermann Grote benannte 1933 eine Unterart des Halsbandliests (Todiramphus chloris laubmannianus) zu seinen Ehren.Hermann Grote, S. 266. Erwin Stresemann beschrieb mit Pica pica laubmanniErwin Stresemann, S. 342. ein Synonym für die Elster-Unterart (Pica pica bactriana), Gregory Macalister Mathews 1925 mit Alcedo laubmanniGregory Macalister Mathews, S. 342. ein Synonym für die Menintingeisvogel-Unterart (Alcedo meninting coltarti), Adolf von Jordans 1928 mit Alectoris rufa laubmanniAdolf von Jordans, S. 306. ein Synonym für die Rothuhn-Unterart (Alectoris rufa intercedens), Oscar Neumann 1933 mit Crypturellus obsoletus laubmanniOscar Neumann, S. 181. ein Synonym für den Kastanientinamu (Crypturellus obsoletus), Vladimir Sergeyevich Stakhanov 1929 mit Emberiza fucata laubmanniVladimir Sergeyevich Stakhanov, S. 6. ein Synonym für den Bandammer (Emberiza fucata) und Wilhelm Heinrich Jakob Götz (1902–1979) beschrieb 1923 mit Dryobates medius laubmanniWilhelm Heinrich Jakob Götz, S. 321. ein Synonym für eine Unterart des Mittelspechts (Dendrocopos medius caucasicus (, 1904)) sowie eine Unterart der Falkenlibelle unter dem Namen Cordulia aenea laubmanni.Wilhelm Heinrich Jakob Götz, S. 36.
Publikationen (Auswahl)
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Ornithologe Kategorie:Absolvent der Ludwig-Maximilians-Universität München Kategorie:Kurator einer naturwissenschaftlichen Sammlung Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1886 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann