mini|R. V. C. Bodley, ca. 1914.
Ronald Victor Courtenay Bodley, MC (* 3. März 1892 in Paris, Frankreich; † 26. Mai 1970 in Bramley, Surrey, England; ) war ein British-Army-Offizier, Schriftsteller und Journalist. Er wurde in Paris geboren und lebte in Frankreich bis zu seinem neunte Lebensjahr,Carnegie 1981: 280 bevor er das Eton College und anschließend die Royal Military Academy Sandhurst besuchte. Er wurde in das King’s Royal Rifle Corps übernommen und diente darin im Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg verbrachte er sieben Jahre in der Sahara und bereiste danach Asien. Er verfasste mehrere Reiseberichte und galt als der profilierteste britische Schriftsteller über die Sahara und als eine der Hauptquellen in Europa über das Japanische Südseemandat.
Bodley ging 1935 in die USA, wo er als Drehbuchautor arbeitete. Am Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrte er in die British Army zurück und ging nach Paris um für das Ministry of Information. Später immigrierte er in die USA, wo er wiederum als Schriftsteller arbeitete, sowie als Berater des United States Office of War Information.
Leben Jugend bis zum Ersten Weltkrieg Bodley wurde am 3. März 1892 in Paris geboren. Sein Vater war der Beamte und Schriftsteller John Edward Courtenay Bodley und seine Mutter Evelyn Frances Bodley (geborene Bell). Er war der älteste von drei Kindern; sein Bruder Josselin und die Schwester Ava wurden 1893 und 1896 geboren.William Snell: R. V. C. Bodley („Bodley of Arabia“) at Keio University, 1933. In: The Hiyoshi review of English studies. Keio University, 2013, 63: 17–49. Die Eltern ließen sich 1908 scheiden. Bodley war ein Nachfahre von Sir Thomas Bodley, dem Gründer der Bodleian Library und durch seine Mutter ein Cousin von Gertrude Bell, einer Schriftstellerin und Archäologin, die dabei half die Haschimiten als Dynastie zu etablieren. Sein Großvater besaß einen Türkischen Palast in Algier, den Bodley als Kind oft besuchte.
Bodley wurde an einem LycéeBodley 1968. in Paris erzogen, bevor er ans Eton College gesandt wurde und danach auf das Royal Military College. Bodley interessierte sich für die Schriftstellerei und verfasste Gedichte in Eton und für ein Kadetten-Magazin in Sandhurst. Nach dem Abschluss wurde er im September 1911 in das King’s Royal Rifle Corps als Second Lieutenant aufgenommen.Englishman in the Garden of Allah. In: The Sydney Morning Herald 9. August 1947.London Gazette, is. 28532: 6882–6882, 19. September 1911. Er diente drei Jahre lang in einem Regiment in Britisch-Indien (British Raj), wo er begann zu schreiben und Theaterstücke aufzuführen. Sein kommandierender Offizier bemerkte einmal: „Die Stücke sind amüsant. Du bist eine Bereicherung für das Regiment und alle, aber bist du zur Armee gegangen um ein Soldat oder ein Kommödiant zu werden?“„The plays are amusing. You're a credit to the regiment and all that, but did you join the army to become a soldier or a comedian?“ Kurz darauf brach der Erste Weltkrieg aus und Bodley wurde für vier Jahre an die Western Front versetzt.Bodley 1945. Er wurde mehrmals verwundet,Janet Flanner; Eugene Kinkead; Russell Maloney: Bodley of Arabia. In: The New Yorker 27. Februar 1943. auch von Giftgas. Mit 26 Jahren errang er den Rang eines Lieutenant Colonel und wurde Kommandant eines Bataillons. Dann wurde er am 15. August 1918 zum assistierenden Militärattaché ernanntDutton 2001: 164 und nach Paris entsandt. Er nahm an der Pariser Friedenskonferenz 1919 teil. Was er dort miterlebte, hinterließ bei ihm das Gefühl, dass er und Millionen andere Soldaten für nichts gekämpft hatten; er schrieb später, dass „egoistische Politiker die Grundlage für den Zweiten Weltkrieg legten – jedes Land schnappte so viel wie möglich für sich selbst, nationale Gegnerschaften wurden geschaffen und geheime Intrigen aufgefrischt.“„selfish politicians [were] laying the groundwork for the Second World War – each country grabbing all it could for itself, creating national antagonisms, and reviving the intrigues of secret.“ Carnegie 1981: 281. Desillusioniert vom Militär zog Bodley eine politische Karriere in Betracht. Darin wurde er von David Lloyd George bestärkt.
Gertrude Bell machte Bodley jedoch mit T. E. Lawrence bekannt. Bodley traf Lawrence am Rande der Friedenskonferenz und erzählte ihm von seinem Plan, in die Politik zu gehen. Lawrence wurde rasend und nannte ihn einen „moron and a traitor“ (Trottel und Verräter). Als er darauf zur Antwort gab, er habe keine andere Perspektive, nachdem der Krieg zu Ende sei und fragte, was er denn tun solle, antwortete Lawrence „Go live with the Arabs“ (Geh, lebe mit den Arabern.) Bodley bekannte, dass seine Unterhaltung mit Lawrence, die „weniger als 200 Sekunden dauerte“ (lasted less than 200 seconds), sich als lebensverändernd erwies.Carnegie 1981: 281. Sofort regelte er seine Angelegenheiten und mit einer Barschaft von £300 und ohne Aussicht auf weitere EinkommenBodley 1955: 149. zog er zum Leben in die Sahara. Seine verwunderten Freunde gaben noch eine Abschiedsparty. Sie stimmten darin überein, dass er wahrscheinlich innerhalb von sechs Wochen zurückkommen werde. Er blieb jedoch für sieben Jahre in der Sahara.
Reisen durch die Sahara und durch Asien Bodley verbrachte sieben Jahre in der Sahara bei einem nomadisierenden Beduinenstammes. Er erwarb eine Herde Schafe und Ziegen. Dann stellte er 10 Hirten für seine Herde an und machte einen Gewinn von 120 %. Er kleidete sich nach einheimischer Sitte, sprach Arabisch und praktizierte die muslimischen Glaubensregeln. Vor allem verzichtete er auf Alkohol, auch nach dem Aufenthalt in der Sahara blieb er abstinent. Er verließ den Stamm auf Anweisung des Stammesführers, der ihm bedeutete, dass es keinen Sinn habe, weiter vorzutäuschen ein Araber zu sein. 1927 veröffentlichte er das Buch Algeria from Within (Algerien von Innen), nachdem ihn der Verleger Michael Joseph dazu ermutigt hatte. Das Buch basiert auf seinen Erfahrungen in Französisch-Algerien.Alonzo W. Pond: Algeria from Within. by R. V. C. Bodley. In: American Journal of Sociology vol. 33 iss. 5, März 1928: 844–845. doi:10.1086/214565p. W. C.: R. C. Bodley: Algeria from within – R.C. Bodley. In: The Geographical Journal, The Royal Geographical Society, vol. 70, iss. 4, October 1927: 398–399. doi:10.2307/1782074|jstor=1782074 Der Erfolg des Buches überstieg seine Erwartungen bei weitem, woraufhin Bodley das Schreiben zum Beruf machte. Sein erster Roman, Yasmina, wurde noch im selben Jahr veröffentlicht; er verkaufte sich gut und wurde nachgedruckt. Der nächste Roman, Opal Fire, war jedoch wieder ein kommerzieller Fehlschlag. Bodley schätzte seine Zeit in der Sahara als „die friedlichsten und zufriedensten Jahre“ seines Lebens.the most peaceful and contented years of his life. Carnegie 1981: 280 Bodley galt als der einer der bedeutendsten britischen Schriftsteller zur Sahara.Speake 2003: 886.
„Einer der stärksten Eindrücke, den ich hatte, als ich mit den Arabern lebte, war die 'All-täglichkeit' Gottes. Er bestimmte ihr Essen, ihr Reisen, ihre Geschäfte, ihr Lieben. Er war ihr stündlicher Gedanke, ihr engster Freund, auf eine Art, die unmöglich ist für Menschen, deren Gott von ihnen durch Riten und formellen Gottesdienst getrennt ist.“„One of the strongest impressions I had when I lived with the Arabs, was the 'everyday-ness’ of God. He ruled their eating, their travelling, their business, their loving. He was their hourly thought, their closest friend, in a way impossible to people whose God is separated from them by the rites of formal worship.“ Ronald Bodley, commenting on life in the Sahara, Cranston 1949: 171.
Nach der Zeit in der Sahara verbrachte Bodley drei Monate in Java auf einer Tee-Plantage, bevor er nach China und Japan weiterreiste. Der Erfolg von Algeria from Within ermöglichte ihm, in Asien als Journalist Arbeit zu finden. Er wurde Auslands-Korrespondent für The Sphere in London und des australischen The Advertiser. Bodley war einer der wenigen Westler, der in den 1930ern Zugang zu den Gebieten des Japanischen Südseemandats erhieltPeattie 1992: 245. und wurde zu einer der Hauptquellen über die Ereignisse in diesen Gebieten.Peattie 1992: 246. Das Japanische Südseemandat bestand aus Inseln des Nordpazifik, die zum Deutschen Kolonialreich gehört hatten und während des Ersten Weltkriegs von Japan besetzt worden waren. Japan verwaltete die Inseln unter einem Mandat des Völkerbunds. Wie andere Europäer, die die Region besuchten, berichtete er, dass es keine Indizien dafür gab, dass Japan die Region militarisierte. Bodleys Reise war vom japanischen Außenministerium „sorgfältig choreographiert“ worden. Bodley schrieb über seine Erfahrungen in seinem Buch von 1934 The Drama in the Pacific. Er berichtet, dass er fast jede Insel besucht habe und nichts getan wurde um Marine-Basen zu errichten„having visited practically every island … I am convinced that nothing has been done to convert any place into a naval base“. Peattie 1992: 246 Mark Peattie verteidigt in seinem Buch Nan'yo: the Rise and Fall of the Japanese in Micronesia, 1885–1945 (1998) Bodley. Er beschreibt, wie komplex die Militarisierung des Gebiets vonstattenging. Die Fehleinschätzung hatte nichts mit Naivität zu tun. Bodley war auch Passagier auf dem Schiff Shizuoka Maru, als dieses auf einem Riff nördlich von Yap im April 1933 auflief und sank.Peattie 1992: 333–334. Danach wurde Bodley ein Job als Englisch-Dozent an der Keiō-Universität angeboten, und er unterrichtete neun Monate lang. Seine Erfahrungen veröffentlichte er 1933 in dem Buch A Japanese Omelette. Bodley und Professor Eishiro Hori erstellten umfangreiche Anmerkungen zu der japanischen Schulbuchversion von Round the Red Lamp von Arthur Conan Doyle, und 1935 veröffentlichte Bodley eine Biographie von Tōgō Heihachirō.
In Amerika 1935 wanderte Bodley in die Vereinigten Staaten ein um als Drehbuchautor zu arbeiten. Er reiste von Japan an Bord der Chichibu Maru. Im Oktober 1936 wurde Bodley von Charlie Chaplin angestellt.News and Comment of Stage and Screen. In: Fitchburg Sentinel, 26. September 1936: 10. Er sollte den Roman Regency von David Leslie Murray für einen Film adaptieren. Es war das erste Mal, dass Chaplin jemanden zum Verfassen eines Drehbuchs anstellte. Vorher hatte er die Drehbücher selbst verfasst. Bodley vollendete einen Entwurf bis Januar 1937,Shiela Graham: Nothing to Harlow, Taylor Romancing. In: Lincoln Evening Journal, 26. Januar 1937. und fertigte eine Endversion bis zum März aus, aber Chaplin verwarf das Drehbuch im Mai wiederFlom 1997: 118. für ein anderes Projekt, an dem er arbeitete.Robinson 1992: 482–483- Bodley arbeitete auch an dem Drehbuch für den Film Der Lausbub aus Amerika (A Yank at Oxford) (1938).Trudy McCollough: Writer Bodley Loves His Quietude. In: Abilene Reporter-News, 23. Juli 1944: 50. s. a. Glancy 1999: 220. In den Vereinigten Staaten war Bodley für seine Freunde als „Ronnie“ bekannt und wurde in der Presse oft als Bodley of Arabia bezeichnet.