Stadt Hoym/Anhalt ist ein Ortsteil der Stadt Seeland im südwestlichen Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).
Geografische Lage Die Stadt Hoym liegt im nördlichen Harzvorland an der Selke, etwa 12 Kilometer westlich von Aschersleben. Sie hat eine eigene Anschlussstelle an die vierspurige Bundesstraße 6, seit 2011 Bundesautobahn 36.
Geschichte Hoym wurde im Jahr 961 erstmals urkundlich erwähnt. Bodenfunde aus frühgeschichtlichen Zeiten zeigten bereits frühere Besiedlungen an. Die Schreibweise wechselt im Laufe der Jahrhunderte von Hahem, Hohem, Hogem, Hoygem, Hoygem,minor Hoiem für Klein-Hoym. Neben Hoiem, Hoymb bis schließlich seit dem 16. Jahrhundert Hoym. Am 10. November 1195 wird das hier ansässige Rittergeschlecht mit Cuno de Hoym zuerst erwähnt.Hauptstaatsarchiv Dresden Vom Jahre 1543 ist bekannt, dass Hoym Stadtrecht erhielt. Damit wurde auch die Brauereigerechtigkeit erlangt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Hoym sowohl von den kaiserlichen Regimentern als auch von den Schweden besetzt. An der Pest starben im Jahr 1626 in Hoym 500 Menschen, 1636 waren es nochmals 140.
Residenzstadt Ab 1721 war Hoym Residenzstadt des Fürstentums Anhalt-Bernburg-Hoym. Aus dieser Zeit stammt das Schloss Hoym. In ihm ist heute die größte Behinderteneinrichtung des Landes Sachsen-Anhalt untergebracht. Ebenfalls war Hoym bis 1850 Sitz des Amtes bzw. Justizamtes Hoym.
20. und 21. Jahrhundert Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden mindestens 260 Bewohner der damaligen Landes-Siechenanstalt Hoym in der Euthanasieanstalt Bernburg ermordet. Dietmar Schulze: „Euthanasie“ in Bernburg. Die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg/Anhaltische Nervenklinik in der Zeit des Nationalsozialismus. Verlag Die Blaue Eule, Essen 1999 S. 141–142 mini|Schloss Hoym, Luftaufnahme (2015) Hoym bildete zusammen mit vier weiteren Orten am 15. Juli 2009 die neue Gemeinde Seeland.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
Am 1. Juli 2014 ist das neue Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. In dessen §14 (2) wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, den Ortsteilen, die vor der Eingemeindung Städte waren, diese Bezeichnung zuzuerkennen.Kommunalverfassungsgesetz des Landes in der Fassung vom 1. Juli 2014 Die Stadt Seeland hat von dieser Regelung Gebrauch gemacht. Ihre neue Hauptsatzung ist mit Wirkung vom 8. September 2015 in Kraft getreten. Im §1 (2) werden die Ortsteile mit ihren amtlichen Namen aufgeführt.Leitseite zu den Satzungen
Auf Grund des § 10 i. V. m. §§ 8 und 45 Abs. 2 Nr. 1 Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (KVG LSA) vom 17. Juni 2014 (GVBl. LSA S. 288) hat der Stadtrat der Stadt Seeland in seiner Sitzung am 6. Dezember 2016 folgende 1. Änderungssatzung zur Hauptsatzung beschlossen: Die Stadt Hoym trägt den Zusatz „Anhalt“. Somit heißt es jetzt „Stadt Hoym/Anhalt“.
Einwohnerentwicklung Jahr 1861 1880 1900 1939 1970 2004 20072020 Einwohner 2470 2918 3375 3853 3971 2687 25702255 Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 289. (Einwohnerzahlen 1861 bis 1970)
Religion mini|Ev. Stadtkirche St. Johannis Hoym gehörte zum Archidiakonat Gatersleben des Bistums Halberstadt. Im 16. Jahrhundert wurde Hoym durch die Reformation protestantisch geprägt.
Die einzige Kirche in Hoym ist die St.-Johannis-Kirche, sie stammt noch aus vorreformatorischer Zeit und ist nach Johannes dem Täufer benannt. Ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Ballenstedt der Evangelischen Landeskirche Anhalts.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen wieder Katholiken nach Hoym. Die Braunkohleindustrie in Nachterstedt sowie die Ziegelei in Hoym boten Arbeitsplätze. Die Katholiken gehörten zunächst zur Pfarrei St. Bonifatius (Bernburg), später zur 1904 gegründeten Kirchengemeinde Königsaue, und ab 1926 zu Ballenstedt. Von 1933 an wurde für die Insassen der Pflegeanstalt Hoym gelegentlich katholischer Gottesdienst in der Friedhofskapelle der Anstalt durch Geistliche aus Ballenstedt gehalten, an denen auch Katholiken aus Hoym und Umgebung teilnehmen. Nachdem sich durch Flucht und Vertreibung die Zahl der Katholiken im Raum Hoym vergrößert hatte, fanden ab Juni 1945 abwechselnd katholische Gottesdienste in Hoym und Reinstedt statt. 1947 erfolgte in Hoym die Gründung einer eigenen katholischen Kirchengemeinde. In Hoym und Reinstedt wohnten damals rund 900 Katholiken. 1957 wurde der Saal der Gaststätte Lindengraben an der Grabenstraße angemietet und zu einer Kapelle umgestaltet, die bis 1975 bestand. Da die Kuratie Hoym 1964 nur noch 300 Katholiken umfasste, wurde sie ab 1965 wieder von Priestern aus Ballenstedt betreut. 1975 folgte in der Sakristei der evangelischen St.-Johannis-Kirche die Einrichtung einer katholischen Kapelle.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 287–291. Inzwischen wurde die Kapelle wieder aufgegeben, Katholiken in Hoym gehören heute zur Pfarrei Aschersleben.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat aus Hoym setzte sich zuletzt aus 14 Ratsmitgliedern zusammen. Die Linke: 5 Sitze CDU: 4 Sitze FDP: 3 Sitze SPD: 1 Sitz DSU: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl am 13. Juni 2004)
Wappen
Partnerschaften Der Ortsteil Hoym unterhält Partnerschaftsbeziehungen zur Gemeinde Hatten (Niedersachsen).
Sehenswürdigkeiten und Gedenkstätten
mini|Schloss Hoym St.-Johannis-Kirche mit alter Taufschale, ältestem Kirchenbuch Hoyms um 1300, Orgelneubau von 1882 Rathaus am Rathausplatz 1, erbaut 1864/65, 1902 umgebaut, Inschrift mit Wappen auf der Straßenseite (1540) Schloss Hoym Sammelgrab und Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof für 18 KZ-Häftlinge, die im April 1945 bei einem Todesmarsch aus dem KZ Langenstein-Zwieberge, einem Außenlager des KZ Buchenwald, erschossen und begraben wurden, sowie ein ebenfalls umgekommener italienischer Militärinternierter als ein Opfer von Zwangsarbeit Gedenkort für die ermordeten 299 Patienten der ehemaligen Landessiechenanstalt Hoym im Schlosspark in der heutigen Schloss Hoym Stiftung historische Judenmauer an der Hauptstraße und jüdischer Friedhof Am GieseckenbergGedenktafel für den Jüdischen Friedhof. In Glaube und Heimat vom 12. Mai 2024, S. 9.
Verkehr Der Bahnhof Nachterstedt-Hoym liegt an der Bahnstrecke Halle–Vienenburg.
Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den TaktBus des Bahn-Bus-Landesnetz Sachsen-Anhalt erbracht. Folgende Verbindung, betrieben von der Kreisverkehrsgesellschaft Salzland, führt durch Hoym: Linie 140: Aschersleben ↔ Reinstedt ↔ Hoym ↔ Quedlinburg
Hoym besitzt einen eigenen Anschluss an der Bundesautobahn 36 (Braunschweig – Bernburg (Saale)).
Durch den Ort verläuft die internationale Hauptstadt-Route (EV2) des Eurovelo-Radfernnetzes. Sie ist in Deutschland verlaufsgleich mit dem Europaradweg R1 und entspricht im nationalen D-Routennetz der Europaroute (D3). Ebenfalls routengleich in dem Abschnitt verläuft die D-Route Radweg Deutsche Einheit.
Das Ultraleichtfluggelände Hoym liegt etwa 2 km südwestlich des Zentrums.
Söhne und Töchter der Stadt Gottlieb Ephraim Berner (1671–1741), Mediziner Johann Friedrich Petri (1751–1830), reformierter Geistlicher Johann Christoph Bendler (1789–1873), Ratsmaurermeister und Politiker in Alt-Berlin (nach ihm benannt Bendlerblock und Bendlerstraße) Prinzessin Hermine von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym (1797–1817), Erzherzogin von Österreich und Palatinessa von Ungarn Prinzessin Adelheid von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym (1800–1820), Erbprinzessin zu Lübeck und Prinzessin zu Holstein-Oldenburg Karl Behm (1864–1919), Konteradmiral der Kaiserlichen Marine Paul Rabe (1869–1952), Chemiker und Hochschullehrer Alfred Bohnagen (1877–?), Handwerker, Journalist und Schriftsteller Walter Halbritter (1927–2003), Staatssekretär und Leiter des Amtes für Preise der DDR im Ministerrang Karl Wilhelm Fricke (* 1929), Publizist, Ehrendoktor der Freien Universität Berlin
Literatur Sabine Schnierer: Verwahrt, verlegt, vergessen: Die Einbeziehung der Landes-Siechenanstalt Hoym in das „Euthanasie“-Programm des Nationalsozialismus. Shaker Verlag, Aachen 1997, ISBN 3-8265-5582-1.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Salzlandkreis Kategorie:Seeland (Sachsen-Anhalt) Kategorie:Ort an der Selke Kategorie:Ersterwähnung 961