Der Dürkopp Typ P 16, auch Dürkopp 16/45 PS,Weitere alternative Modellbezeichnungen bzw. Schreibweisen sind P16 und 16/45PS (jeweils ohne Leerzeichen) sowie ein Verzicht auf den Zusatz Typ. war ein Personenwagen-Modell der Oberklasse, das von 1917 bis 1922 gebaut wurde. Hersteller waren die Dürkoppwerke AG, die ihren Hauptsitz im westfälischen Bielefeld hatten und zu dieser Zeit auch eine Automobilbauabteilung an der Zweigniederlassung in Berlin-Reinickendorf unterhielten.

Der Dürkopp Typ P 16 hatte einen Vierzylindermotor mit 4,2 Liter Hubraum. Er löste nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg die Personen­wagen­modelle der Baureihe Dürkopp Typ DG ab. Zugleich erweiterte er die Baureihe Typ P nach oben, die 1914 mit dem Dürkopp Typ P 10 (10/30 PS) eingeführt worden war und bis zur Einstellung der Pkw-Fertigung 1927 noch um sechs weitere Modelle ergänzt wurde. Der Typ P 16 bildete 1919 die Grundlage für das nochmals größere Sechszylinder-Modell Dürkopp Typ P 24 (24/70 PS); beide wurden 1923 von dem kleineren Sechszylindermodell Dürkopp Typ P 12 (12/45 PS) mit „nur noch“ gut 3,1 Liter Hubraum abgelöst.

Hintergründe mini|hochkant=1.3|Das denkmalgeschützte Unternehmens­gebäude in der Nikolaus-Dürkopp-Straße 2 in Bielefeld

Die Dürkopp & Co. AG in Bielefeld baute bereits ab 1897 Automobile. Dreißig Jahre zuvor hatte der Gründer Nikolaus Dürkopp (1842–1918) das Unternehmen als Werkstatt zur Reparatur und Herstellung von Nähmaschinen gegründet. Hiermit sowie mit der Produktion von Fahrrädern ab 1883 und stationären Gasmotoren ab 1886 erlebte das Werk einen rasanten Aufschwung, der Nikolaus Dürkopp großen Reichtum bescherte.

Von 1899 bis 1908 trug das Unternehmen den Firmennamen Bielefelder Maschinenfabrik, danach Dürkoppwerke AG. Die Personenwagenfertigung blieb stets eine untergeordnete Sparte, die wegen des hohen Anteils an Handarbeit und geringer Stückzahlen wenig profitabel war und über längere Zeit mit den Gewinnen aus anderen Sparten unterstützt werden musste. Andererseits trugen die Kraftfahrzeuge erheblich zum guten Markenruf bei. In diese Phase fielen auch Motorsport-Erfolge wie zwei zweite Plätze bei der Rallye Monte Carlo 1911 und 1912. Auf der Suche nach immer höheren Motorleistungen entstanden Kuriosa wie der Dürkopp Typ DG 40 (40/100 PS) von 1912 bis 1914, ein Vierzylinder mit 13,0 Liter Hubraum.

Im Jahr 1908 pachtete Dürkopp die Fertigungsstätte der Oryx Motorwerke AG in Berlin-Reinickendorf, die das Unternehmen 1911 vollständig erwarb. Nach dem Ersten Weltkrieg, spätestens ab 1920, wurden dort die Dürkopp-Lastkraftwagen und die großen Dürkopp-Personenwagen produziert. Zeitweise beschäftigte das Unternehmen 1500 von insgesamt 6000 Arbeitnehmern im Automobilbau.

Die Modellgeschichte mini|hochkant=1.2|Ein kleinerer Dürkopp 8/18 PS aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, konzeptionell und stilistisch dem Typ P 16 (16/45 PS) recht ähnlich

Der Dürkopp Typ P 16 (16/45 PS) wurde 1917, noch während des Ersten Weltkriegs vorgestellt. Die wirtschaftliche Lage im Deutschen Reich war jedoch kriegsbedingt schlecht und es herrschte Materialmangel. Insofern ist zweifelhaft, ob bis 1919 nennenswerte Stückzahlen des Modells entstanden. Für 1920 ist eine Zulassungsblaupause des damaligen Regierungspräsidenten in Minden für den „P 16“ der Dürkoppwerke AG in Bielefeld überliefert., abgerufen am 29. Juli 2017. Unklar ist, ob dies ein Anhaltspunkt dafür ist, dass erst 1920 die eigentliche (Klein-)Serienfertigung dieses Modells begann; möglicherweise ist das Dokument nur das Ergebnis einer veränderten (lokalen) Zulassungspraxis.

Als Oberklassemodell folgte der Typ P 16 auf die Dürkopp-Personenwagen der großen Baureihe Typ DG. Hinsichtlich Größe und Motorisierung entsprach er in etwa dem (kleinsten) Typ DG 18 (18/45 PS), einem Vierzylinder mit gut 4,5 Liter Hubraum, der von 1908 bis 1913 gefertigt wurde; als dessen Nachfolger war schon 1912 das deutlich hubraumstärkere Zwischenmodell Typ DG 25 (25/60 PS) vorgestellt worden, ein Vierzylinder mit gut 6,3 Liter Hubraum, der bis 1914 gebaut wurde.

Bei seiner Vorstellung 1917 war der Typ P 16 das Spitzenmodell. Darunter rangierten zwei kleinere Pkw-Modelle mit Vierzylindermotoren, einerseits der seit 1913 gebaute Typ EK 6 (6/24 PS) mit gut 1,5 Liter Hubraum und zum anderen der Typ P 10 (10/30 PS) mit 2,6 Liter Hubraum. In den Folgejahren baute Dürkopp die Baureihe Typ P zur breit gestaffelten und einzigen Pkw-Reihe der Marke aus: Mit den gleichen Zylinderabmessungen des vierzylindrigen Typ P 16 folgte 1919 als neues Spitzenmodell der sechszylindrige Typ P 24 (24/70 PS) mit gut 6,2 Liter Hubraum und nochmals rund 25 Zentimeter mehr Länge. Zeitgleich erschien unterhalb des Typ P 10 und als Ersatz des 1920 auslaufenden Typ EK 6 der relativ erfolgreiche Vierzylinder Typ P 8 (8/24 PS) mit 2,1 Liter Hubraum.

Der Typ P 16 und die gesamte Baureihe Typ P folgten noch dem Bestreben des Unternehmensgründers Nikolaus Dürkopp, „möglichst solide und dauerhafte Qualitätsautomobile für den Alltagsgebrauch herauszubringen.“ Tatsächlich genossen die Dürkopp-Personenwagen dieser Ära „einen guten Markenruf“, dennoch brachten es die größeren Modelle nur zu kleinen, kaum kostendeckenden Serien. Nach dem Tod des Gründers ließ das Unternehmen die drei größeren Modelle Typ P 10, P 16 und P 24 1922 auslaufen. Ersetzt wurden sie 1923 durch den Sechszylinder Typ P 12 (12/45 PS) mit 3,1 Liter Hubraum; er wurde noch bis 1926 gefertigt, ohne größere Stückzahlen zu erreichen und damit kostendeckend zu werden.

Während der Produktionszeit gab es in technischer Hinsicht keine nennenswerte Weiterentwicklung des Typ P 16 (16/45 PS). Nähere Produktionszahlen sind nicht überliefert. Ausgehend von der Resonanz in den Medien und den Fertigungszahlen konkurrierender Modelle dürften lediglich zweistellige Stückzahlen anzunehmen sein. Vermutlich haben – wenn überhaupt – nur einzelne Exemplare dieses Oberklassemodells bis heute überdauert. Aus jüngerer Zeit ist allein ein einziges Fahrzeug (Baujahr 1917) näher bekannt; mit Limousinenaufbau und hellgrauer Lackierung mit dunkler abgesetzten Kotflügeln stand es im Automuseum Nettelstedt im ostwestfälischen Lübbecke.Ansichtskarte eines Dürkopp Typ P 16 (16/45 PS) aus dem Baujahr 1917, zuletzt ausgestellt im Automuseum Nettelstedt, auf dem Webportal ansichtskarten-center.de, abgerufen am 1. August 2017.

Der Bestand dieses Modells ist unter anderem dadurch dezimiert, dass die Wehrmacht den Dürkopp Typ P 16 – wie alle Modelle der Baureihe Typ P – im Zweiten Weltkrieg requirierte.Übersicht über die von der Wehrmacht requirierten und eingesetzten Dürkopp-Kraftfahrzeugmodelle auf dem Webportal Kfz der Wehrmacht, abgerufen am 29. Juli 2017.

Erwähnungen des Fahrzeugmodells in zeitgenössischen fremdsprachigen Veröffentlichungen blieben selten.Beispielhaft: Automotive Industries (Zeitschrift), Band 48, Chilton Company 1923, S. 400 (als Duerkopp P16) (englisch). Bereits gegen 1907 hatte Dürkopp seine zunächst umfangreichen internationalen Aktivitäten aufgegeben, darunter eine Kooperation mit einem französischen Unternehmen in Courbevoie an der Seine bei Paris (Automobile der Marke Canello-Dürkopp) und der Verkauf von Fahrzeugen im Vereinigten Königreich (Automobile unter der Marke Watsonia). Ebenfalls aufgegeben worden waren die Kooperation mit dem belgischen Hersteller Automobiles Dasse aus Verviers (Automobile der Marke Dürkopp-Dasse) und der Import von Elektroautos des französischen Herstellers Compagnie Française des Voitures Électromobiles aus Paris (Automobile der Marke Cardinet). Auch waren mit dem Ersten Weltkrieg aufsehenerregende Expeditionsreisen mit Dürkopp-Automobilen eingestellt worden, bei denen mit internationaler Resonanz Afrika und Mittelamerika erkundet worden waren. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs waren Deutschland und Dürkopp als Automobilhersteller international weitgehend isoliert.

Die Modellbezeichnung Die Modellbezeichnung „16/45 PS“ nimmt – wie damals weit verbreitet – Bezug auf die Leistung. Die Angabe „16 PS“ steht für die Steuer-PS, die Angabe „45 PS“ für die tatsächliche Motorleistung in Pferdestärken.

Auch in der Modellbezeichnung „Typ P 16“ findet sich die Angabe der Steuer-PS wieder. Die genaue Bedeutung des „P“ ist nicht gänzlich klar. Sie steht vermutlich schlicht für „Personen(-kraft-)wagen“, nachdem Dürkopp entschieden hatte, statt mehrerer Pkw-Baureihen wie bislang nur noch die Reihe Typ P mit mehreren verschiedenen Modellen anzubieten. Dafür spricht auch der Umstand, dass parallel die Dürkopp-Lastkraftwagen einheitlich das Kürzel „L“ erhielten.

Die Dürkopp-Baureihe Typ P entstand von 1914 bis 1927 in insgesamt acht Versionen. Sie ersetzte die „große“ Baureihe Typ DG sowie die kleineren Modelle wie Typ KW, NG und EK. Außer den bisher genannten Modellen des Typ P entstanden noch drei weitere Vierzylinder: der Typ P 8 A (8/32 PS) mit 2,1 Liter Hubraum (1924 bis 1927), der Typ P 8 B Sportwagen mit kompressor-geladenem Königswellen-Motor, 2,0 Liter Hubraum und bis zu 60 PS (44 kW) (1925 bis 1927) sowie der Typ P 8 C (8/40 PS) mit einem anderen, langhubigeren 2,1-Liter-Motor (nur 1926).

Die maßgeblichen Personen hinter dem Dürkopp Typ P 16 Nikolaus Dürkopp mini|hochkant=1.2|Der letzte Wohnsitz des Unternehmens­gründers, die Villa Dürkopp in Bad Salzuflen mini|hochkant=0.7|Das Grabmal von Nikolaus (zeitgenössisch: Nicolaus) Dürkopp

Maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung und den Bau des Personenwagens Typ P 16 (16/45 PS) von 1917 hatte der Unternehmensgründer Nikolaus Dürkopp. Dabei brachte er seine Kenntnisse als gelernter Schlosser sowie seine praktischen Erfahrungen aus früheren Tätigkeiten bei Feinmechanikern, Uhrmachern und der Nähmaschinenfertigung ein.

Bereits 1894 hatte er einen ersten, damals noch gescheiterten Versuch unternommen, eine Automobilabteilung in das Unternehmen zu integrieren; erste Erfolge zeigten sich mit hohem finanziellen Aufwand erst gegen 1898. Auch für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entschied er sich, die großen Dürkopp-Personenkraftwagen nur als Einzelstücke auf Bestellung zu fertigen. Zu seinen Grundprinzipien gehörten höchste Qualität und die Erfüllung spezieller Kundenwünsche. Eine Fließbandfertigung lehnte er im Automobilbereich ab, obwohl sie ihm in anderen Unternehmenssparten deutliche Kostenvorteile gegenüber seinen Konkurrenten brachte. Seine Begeisterung für Automobile ging so weit, dass er für deren Entwicklung seinen großen Reitstall aufgab; bis zuletzt beteiligte sich Nikolaus Dürkopp an den Pkw-Planungen und -Entwicklungen, unternahm insbesondere auch persönlich die Test- und Probefahrten mit den neuen Personenwagen aus seinem Unternehmen.Jürgen Bönig: Die Einführung von Fließbandarbeit in Deutschland bis 1933. LIT Verlag, Münster 1993, Band 1, ISBN 3-89473-111-7, S. 514.

Weitere Personen Als weitere Personen, die an der Entwicklung und dem Bau des Dürkopp Typ P 16 beteiligt waren, können genannt werden: Paul Dürkopp, Sohn von Nikolaus Dürkopp aus erster Ehe, der nach dem Tod seines Vaters 1918 die Unternehmensführung übernahm, Gustav Möllenberg als Generaldirektor des Unternehmens sowie der Ingenieur Erich Küchen als persönlicher Assistent von Nikolaus Dürkopp und enger Freund von Paul Dürkopp – aus seinem familiären Umfeld erlangte später der Ingenieur Richard Küchen Bekanntheit.