Die Kirche St. Johannes der Täufer in Pisz () stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und galt einst als die größte Fachwerkkirche in Masuren. Bis 1945 war sie Pfarrkirche für das evangelische Kirchspiel Johannisburg in Ostpreußen und ist seither das zentrale Gotteshaus der römisch-katholischen Pfarrei Pisz in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Pisz liegt im Südosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren südlich des Spirdingsees () im Kreuzungspunkt der polnischen Landesstraßen 58 und 63. Pisz ist auch Bahnstation an der Bahnstrecke Olsztyn–Ełk ().
Die Kirche steht in der Stadtmitte auf der Nordseite der ulica Tadeusza Kościuszki.
Kirchengebäude Über das älteste, bereits aus der Ordenszeit stammende Kirchengebäude ist nichts bekannt – außer dass um 1500 ein polnischer Adliger eine Glocke aus der Kirche geraubt hat, die seine Witwe 1502 wieder herausgab.Die Kirche in Johannisburg bei Familienforschung Sczuka
Am 21. November 1694 brannte ein wohl erst nach Einführung der Reformation errichteter Kirchenbau ab. Ein Neubau entstand bis 1696. Aus drei eingeschmolzenen Glocken wurde 1695 eine große gegossen. 1713 wurden der Boden und die Chöre fertig.
In den Jahren 1737 bis 1739 erhielt die Kirche einen Turm. Es ist der jetzt noch vorhandene und 35 Meter hohe massive Bau, an dessen Spitze man 1748 eine Uhr anbrachte.
Am 28. Oktober 1838 musste das Gotteshaus wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Der Gottesdienst wurde in eine Notkirche verlegt, die in Turoscheln (1938–1945 Mittenheide, ) stand.
Im Jahr 1843 konnte endlich die neu erbaute und heute noch vorhandene Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 120, Abb. 552–554. Es handelt sich um einen schlichten Saalbau aus Fachwerk; der Turm der vorigen Kirche steht vorgelegt. mini|Die Kirche von Südosten im Winter mini|Blick auf den Altar von 1696
Der Innenraum der Kirche hat eine flache mit Kassetten bemalte Holzdecke und seitliche Emporen. Der reich ausgestattete Altar wurde aus der früheren Kirche übernommen. Die figurenreiche barocke Kanzel von 1701 ist aus dem Achteck geschnitzt und wird von Mose und Johannes dem Täufer getragen. Ein Taufengel von 1704 wird der Werkstatt des Isaak Riga zugeschrieben, und zwei Abendmahlsengel wurden Anfang des 18. Jahrhunderts geschaffen.
Zwei Standleuchter stammen von 1820, sie wurden wahrscheinlich aus Königsberger Eisenguss gefertigt. Der silberne Abendmahlskelch zeigte das eingravierte Bild des Pfarrers Hieronymus Maletius mit seiner Frau und seinem Sohn, die während der Pest in Johannisburg am Leben blieben und aus Dankbarkeit den Kelch stifteten.
Die Orgel der Kirche fertigte 1801 der Königsberger Orgelbauer Max Terletzki an. Das Geläut bestand bei der Kirchweihe aus zwei, heute aus drei Glocken.
Im Jahr 1933 wurde die Kirche grundlegend renoviert. Die Kosten beliefen sich auf 33.000 Mark.
Seit 1945 ist die Kirche ein katholisches GotteshausKatholische Pfarrei (Parafia) in Pisz und wurde für die veränderten liturgischen Zwecke entsprechend umgestaltet. Die Pfarrkirche wurde dem Namenspatron der Stadt Johannes dem Täufer gewidmet.
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Bereits in vorreformatorischer Zeit war Johannispurgk ein Kirchdorf,Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 491. wohl als Gründung des Deutschen Ordens. Die Reformation fasste hier sehr früh Fuß, und es wirkten hier bis 1945 zwei bis drei Geistliche gleichzeitigFriedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 59–60.. Bis 1715 gehörte das Kirchspiel Johannisburg zur Inspektion Lyck (). Später und bis 1945 wurde die Stadt selber das Zentrum eines Kirchenkreises innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen in der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union. Im Jahr 1925 zählte die Pfarrei insgesamt 12.105 Gemeindeglieder, von denen mehr als die Hälfte in den Orten des weitflächigen Kirchspiels lebte.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließen nach 1945 das Leben der evangelischen Gemeinde in Pisz einbrechen. Die heute hier lebenden wenigen evangelischen Kirchenglieder finden in der wieder entstandenen PfarreiEvangelische Pfarrei in Pisz eine neue Heimat. Sie verfügt über ein neues Gemeindehaus mit dem Taufstein aus der Kirche Alt UktaUkta – Ukta und hat ihren Sitz in der ul. Ingnacego Daszyńskiego 12A und gehört zur Diözese Masuren (Sitz: Olsztyn (Allenstein)) der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen. In Biała Piska (Bialla, 1938–1945 Gehlenburg), Ełk (Lyck) und Wejsuny (Weissuhnen) bestehen Filialgemeinden.
Kirchspielorte Bis 1945 waren nahezu fünfzig Orte, Ortschaften und Wohnplätze in das evangelische Kirchspiel Johannisburg eingepfarrt:Der * kennzeichnet einen Schulort.
Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name Adlig Borken Borki Klein Wiartel Wiartel Mały *Babrosten Babrosty Kobussen Vorwerk Maldaneien Birkenbruch Białobrzegi Kruppa Geyersmühle *Breitenheide Szeroki Bór Kullik, Oberförsterei und Försterei Kulik Browarnik Henkelswalde Browarnik *Lupken Łupki *Faulbruch Imionek Maldaneyen Maldaneien Maldanin Faulbruchswerder Czarny Róg Masten Maszty Grodzia (ab 1933)Vogelsang Grodzie *Mittel Pogobien Mittelpogauen Pogobie Średnie *Groß Kessel Kocioł *Niedzwedzen (ab 1924)Reinersdorf Niedźwiedzie *Gutten J Stare Guty Pieczisko (ab 1935)Waldofen Pieczysko Hahnebruch Kurze Bagno *Rybittwen Ribitten Rybitwy *Hinter Lippa Hinter Oppendorf Lipa Tylna Samordey, Forst Samordei Zamordeje *Hinter Pogobien (ab 1933)Hirschwalde Pogobie Tylne *Sawadden Ottenberge Zawady Jablon Wasserborn Jabłoń *Schiast Schast Szast Janina (ab 1931)Hirscheck Janina *Snopken Wartendorf Snopki *Jaschkowen Reiherswalde Jaśkowo *Sowirog Loterswalde Sowiróg *Jeglinnen Wagenau Jeglin Sparken Szparki Jegodnen Balkfelde Jagodne Vorder Pogobien Vorderpogauen Pogubie Przednie Jegodschin Waldeslust Jegodzin *Wiartel Wiartel *Johannisburg Pisz *Wiesenheimbis 1904: Pietrzyken Pietrzyki Johannishöhe *Wilken Wilkenhof Wilki *Kallenzinnen Dreifelde Kałęczyn Wolfsbruch Wilcze Bagno Karwik Karwik Wolka Kerschek Haselheide Kierzek Wonglik Balzershausen Wąglik
Pfarrer Von der Zeit der Reformation bis 1945 amtierten an der evangelischen Kirche in Johannisburg als evangelische Geistliche die Pfarrer: Bernhard N., bis 1533 Martin N., ab 1533 Johann Kapkowski, 1542 NN., 1550 Martin Glossa, 1547–1564 Thomas Oningius, ab 1564 Sebastian Czechanski, 1565 Johann Meyer, bis 1588 Johann Cretius Nicolaus Orlowius, 1592–1627 Thomas Pilchowski, 1599/1605 Christoph Oberhüber, 1617–1626 Georg Gregorowius, 1628–1670 Christoph Orlowius, 1628–1670 Georg Czierniewski, 1648–1657 Albrecht Hoffmann gen. Baginski, 1658–1690 Johann Gregorovius, 1672–1692 Paul Roscius, 1684 Simon Hoffmann gen. Baginski, 1690–1710 Hieronymus Maletius, 1692–1700 Georg Ambrosius, 1698–1710 Wilhelm Tyßka, 1710–1725 Fabian Kowalewski, 1711–1720 Christian Werner, 1720–1721 Christoph Pisanski, 1722–1757 Johann Friedrich Boretius, 1726–1735 Gottfried Schwenkner, 1735–1741 Theodor Salomon, 1742–1756 Gottfried Richter, 1757–1781 Johann Schultz, 1757–1769 Matthias Boretius, 1769–1791 Thimotheus Gisevius, 1781–1787 Michel Schulz, 1787–1833 Jacob Hambruch, 1791–1800 Paul Samuel Paulini, 1800–1836 Gottfried Schulz, 1818–1820 Wilhelm Schulz, 1823–1838 Johann Franz Ed. Thiesen, 1838–1851 Samuel Rudolf Ebel, 1852–1866 Eduard Friedrich Moldehnke, 1866–1869 Robert Stiller, 1867–1888Angehöriger des Corps Masovia Ernst Otto Casper, 1869–1884 Johann Julius G. Rimarski, 1885–1886 Johann Hermann Bolz, 1885–1886 Gustav Johannes Willamowski, 1885–1887 August Louis Johann Sakowsky, 1888 Friedrich Julius Leopold Skierlo, 1888–1916 Gottlieb Heichrich August Rothe, 1889–1907 Moritz Em. Paul Gielke, 1891–1895 Carl Hartmann, ab 1899 Paul Hensel, 1907–1929 Otto Eichel, 1911–1929 Carl Rosenhan, 1919–1931 Enst Link, 1929–1945 Waldemar Ambrosy, 1931–1945 Albert Droysen, 1933–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen der Pfarrei haben sich erhalten und werden bei der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig aufbewahrt:Johannisburg bei wiki
Taufen: 1696 bis 1710, 1721 bis 1814, Stadt: 1815 bis 1849, Land: 1766 bis 1851 Trauungen: 1730 bis 1764, 1766 bis 1875 Begräbnisse: 1711 bis 1721, 1736 bis 1766, Stadt: 1847 bis 1857, Land: 1858 bis 1874 Kommunikanten: 1801 bis 1808.
Römisch-katholisch Die Zahl der katholischen Kirchenglieder vor 1945 in der Stadt Johannisburg war überschaubar: 1890 zählte man 117, und 287 im Jahr 1925. Seit 1869 gibt es in der Stadt eine eigene Pfarrei, deren Fläche den gesamten Kreis Johannisburg umfasste. Bis 1945 gehörte die Pfarrei zum Dekanat Masuren II im Bistum Ermland, dessen Amtssitz auch in Johannisburg war.
Die Zahl der Katholiken nahm nach 1945 einen ungeheuren Aufschwung. Zahlreiche polnische Neusiedler ließn sich in der Stadt Pisz und Umgebung nieder; fast ausnahmslos waren sie katholischer Konfession. Das bisher evangelische Gotteshaus wurde ihre Pfarrkirche; heute gibt es in Pisz vier katholische Kirchen, von denen drei in den 1990er Jahren errichtet wurden. Pisz ist jetzt Sitz des elf Pfarreien umfassenden Dekanats Pisz im Bistum Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Literatur Max Krause: Johannisburgs Kirche und ihre Kunstwerke. In: Unsere Heimat 15, 1933, S. 27.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1840er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Johannes-der-Täufer-Kirche Kategorie:Fachwerkkirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren