Die kapverdisch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Kap Verde und Portugal. Die Länder unterhalten seit 1975 direkte diplomatische Beziehungen.Übersicht zu den diplomatischen Beziehungen zwischen Portugal und Kap Verde, diplomatisches Institut im portugiesischen Außenministerium, abgerufen am 4. Mai 2019

Die engen und vielfältigen Beziehungen gehen auf die portugiesische Kolonialgeschichte seit dem 15. Jahrhundert zurück, als die unbewohnten Kapverdischen Inseln 1445 erstmals von portugiesischen Seeleuten gesichtet und nach 1456 besiedelt wurden. Die Länder sind seither sowohl historisch als auch wirtschaftlich und kulturell eng miteinander verbunden. Die Verwaltungsgliederung Kap Verdes etwa ist bis heute in Aufbau und Begrifflichkeit stark an die Verwaltungsgliederung Portugals angelehnt.

Portugal ist Kap Verdes wichtigster Handelspartner und Investor, zudem bestehen vielfältige kulturelle und persönliche Verbindungen, mit der bedeutenden kapverdischen Gemeinde in Portugal als wichtigem Element. Nach den Brasilianern stellten die kapverdischen Einwanderer eine Zeit lang die größte ausländische Bevölkerungsgruppe in Portugal und sind heute die viertgrößte Gruppe (nach Brasilianern, Indern und Ukrainern, Stand 2025).

Geschichte

15. Jahrhundert bis 19. Jahrhundert mini|Ribeira Grande auf Santiago 1589, Karte von Baptista Boazio Portugal nahm die unbewohnten Inseln 1456 in Besitz und begann um 1461 die dauerhafte Besiedlung mit der Errichtung eines Militärpostens auf der Insel Santiago, aus dem sich danach der Hauptort Ribeira Grande entwickelte. Die Portugiesen errichteten 1495 hier die erste christliche Kirche südlich der Sahara und die Kapverden wurden Sitz eines Generalgouverneurs und damit erste offizielle Kolonie des entstehenden Portugiesischen Weltreichs. 1513 fand die erste Volkszählung auf den Kapverdischen Inseln statt; sie ergab 162 freie Einwohner, darunter 58 Weiße, 16 Schwarze und 12 Priester, der Rest waren Soldaten und Strafgefangene. Sklaven wurden dagegen 13.000 gezählt. mini|Kolonialer Gouverneurspalast in Mindelo Als Zwischenstation für den Überseehandel, vor allem für den Sklavenhandel, wurde der Hauptort Ribeira Grande im Verlauf des 16. Jahrhunderts sehr wohlhabend. Die Begegnung der Sklaven der verschiedenen Heimatregionen Westafrikas mit den portugiesischen Kolonialherren löste dabei die erste Kreolisierung der Kolonialgeschichte aus. Das heute auf den Kapverden gesprochene Kapverdische Kreol, eine Kreolsprache auf Basis des Portugiesischen, fand hier seinen Ursprung.

Mit dem Reichtum kamen auch Angriffe von Piraten, darunter mehrmals Francis Drake. Dabei entkamen häufig Sklaven, die sich im Hinterland Santiagos frei ansiedelten und als Badius bezeichnet wurden. Sie gelten als Urzelle des eigenständigen Kapverdes.

Die Portugiesen betrieben auf den Kapverdischen Inseln Plantagenwirtschaft, jedoch sorgten die geringen Niederschläge und häufigen Dürreperioden seither immer wieder für Hungersnöte, bei denen immer wieder Tausende Menschen starben, meist ohne größere Hilfe aus dem Mutterland zu erhalten. Mit der weiter steigenden Einwohnerzahl im 17. und 18. Jahrhundert nahmen diese Hungersnöte zu.

Um 1740 begannen amerikanische Sklavenhändler und Walfänger, sich auf den Kapverden zu versorgen. Damit legten sie den Grundstein für die bis heute andauernde Auswanderung der Kapverdier an die Ostküste der USA.

Als im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Plantagenwirtschaft immer unmöglicher wurde und die Hungersnöte zunahmen, gaben viele portugiesische Unternehmer auf und ließen ihre Sklaven frei. Menschen mit gemischt europäischer und afrikanischer Abstammung machen seither einen Großteil der freien Bevölkerung der Kapverden aus.

Mit der Abschaffung der Sklaverei während des 18. und 19. Jahrhunderts und nach den häufigen Dürren nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Kapverden weiter ab. Seuchen und Vulkanausbrüche nahmen die Inseln zusätzlich in Mitleidenschaft. Die Dampfschifffahrt, die insbesondere den kapverdischen Hochseehafen von Mindelo als Zwischenstation und Kohlelager nutze, sorgte danach für eine Belebung, und auch der Salzhandel insbesondere der Inseln Sal und Maio lief weiter.

Seit dem 20. Jahrhundert mini|Kopie des Lissabonner Torre de Belém im Zentrum Mindelos Der Erste Weltkrieg 1914 beendete die bescheidene Wachstumsphase auf den Kap Verden, und die Auswanderung verstärkte sich danach wieder. Das portugiesische Mutterland unternahm zumeist nur wenig zur Abmilderung der Nöte auf den Kapverden.

Während der semi-faschistischen Salazar-Diktatur in Portugal ab den 1930er Jahren erfuhr Kap Verde eine relative Wirtschaftserholung, mit der Ansiedlung von Fischverarbeitungsindustrie (insbesondere Thunfischverarbeitung, u. a. durch französische Investitionen). Auch behielt Kap Verde seine weiterführende Schulen, die hier zu einem etwas höheren Bildungsniveau als in den übrigen Kolonien führten und dadurch zum Nachschub an Verwaltungsbeamten für die portugiesische Kolonien beitrugen.

1951 erhielt Kap Verde als erste Kolonie den Status einer portugiesischen Überseeprovinz. Dieser war jedoch kaum mehr als kosmetischer Natur, und die aufkommende Unabhängigkeitsidee nahm weiter zu. Insbesondere Amílcar Cabral, Sohn kapverdischer Eltern, wurde eine zentrale Figur im antikolonialen Kampf gegen das portugiesische Estado-Novo-Regime, das mit unnachgiebiger Härte reagierte.

In dem Zusammenhang baute das Regime mit dem Campo do Tarrafal sein bereits 1936 eröffnetes politisches Gefängnis auf der kapverdischen Hauptinsel Santiago zu einem Konzentrationslager aus. Widerstandsaktivisten und politische Gefangene aus dem gesamten Kolonialreich und dem Mutterland wurden hier interniert und häufig auch systematisch gefoltert, viele starben dabei.

Im Gegensatz zu Angola, Mosambik und Guinea-Bissau, wo ab 1961 der Portugiesische Kolonialkrieg ausbrach, wurde Kap Verde jedoch kein Schauplatz eines offenen Guerillakrieges. mini|Im Campo do Tarrafal, zentrales politisches Gefängnis der portugiesischen Diktatur Die Nelkenrevolution am 25. April 1974 beendete schließlich die Diktatur in Portugal. In der Folge stellte das nunmehr demokratische Portugal den Kolonialkrieg ein, entließ seine afrikanischen Territorien in die Unabhängigkeit und stellte seine internationalen Beziehungen auf eine neue Grundlage. Insbesondere strebte das neue, progressive Portugal dabei partnerschaftliche Beziehungen zu einer Vielzahl afrikanischer Staaten an. In dem Zusammenhang wurde auch Kap Verde von Portugal unabhängig, und die Beziehung beider Staaten erhielten eine neue Basis.

Am 18. Juli 1975 akkreditierte sich als erster Vertreter Portugals in Kap Verde João de Sá Coutinho Sotto Maior, Portugals Botschafter in Guinea-Bissau. Parallel wurde am 30. Juni 1975 bereits die portugiesische Botschaft in der kapverdischen Hauptstadt Praia unter Leitung des Übergangs-Geschäftsträgers Manuel António Pacheco Jorge Barreiros eröffnet, der am 6. Juli 1975 dann erster akkreditierter Vertreter Portugals in Praia wurde.

Danach orientierte sich Kap Verde unter seinem Einparteiensystem der PAICV an der Planwirtschaft der sozialistischen Staaten, während Portugal sich auf den Kapverden wirtschaftlich vor allem auf Projekte der Entwicklungszusammenarbeit beschränkte.

Nach der marktwirtschaftlichen Öffnung ab 1990 traten Unternehmen aus dem wirtschaftlich stark wachsenden Portugal als wichtigste Investoren in Kap Verde auf, insbesondere in Schlüsselindustrien wie Energie oder Banken. Bis heute blieb Portugal der wirtschaftlich und politisch wichtigste Partner Kap Verdes, und gegenseitige Staatsbesuche auf allen Ebenen finden regelmäßig statt.

Beim Aufbau der staatlichen Institutionen Kap Verdes und der Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte kooperieren beide Länder ebenfalls, etwa in Justiz, Verwaltung oder der Nationalbibliothek von Kap Verde. Auch wurde das politische Gefängnis in Tarrafal als Museu do Tarrafal zunächst zur Gedenkstätte und in den 2010er Jahren zum vollen Museum hergerichtet und am 20. Januar 2016 durch die Premierminister beider Länder, José Maria Neves und António Costa eingeweiht.Eintrag zur Colónia Penal do Tarrafal / Museu do Tarrafal (unter Cronologia) in der portugiesischen Denkmalliste SIPA, abgerufen am 18. Juni 2017

Nach Ausbruch der weltweiten COVID-19-Pandemie 2020 und der anschließenden Impfkampagne ab Anfang 2021 verpflichtete sich Portugal, 5 % seiner Impfdosen an die PALOP-Länder und Osttimor zu liefern. Mitte Mai 2021 erhielt Kap Verde die ersten 24.000 Impfdosen.Portugal envia 24 mil doses de vacinas anticovid-19 para Cabo Verde - „Portugal sendet 24.000 Covid-19-Impfdosen nach Kap Verde“, Artikel vom 14. Mai 2021 der Zeitung Público, abgerufen am 8. Juni 2022

Migration Entwicklung Seit der portugiesischen Entdeckung und Besiedlung der Kapverdischen Inseln im 15. Jahrhundert lassen sich Portugiesen dort nieder, und Menschen von den Kapverden kommen nach Portugal.

War es bis zur Nelkenrevolution 1974 eine relativ überschaubare Anzahl hauptsächlich von Geschäftsleuten und Studenten, die von den Kapverden nach Portugal kamen, so gingen nach der folgenden Unabhängigkeit Kapverdes Retornados ins bisherige Mutterland. Zudem wurde Portugal danach bevorzugtes Ziel der kapverdischen Auswanderung, zusammen mit der Ostküste der USA und den Niederlanden.

Nach dem marktwirtschaftlichen Umbau der kapverdischen Wirtschaft Anfang der 1990er Jahre wurde die ehemalige Kolonialmacht Portugal, die ein beträchtliches Wirtschaftswachstum seit dem EU-Beitritt 1986 erlebte, zum bedeutendsten Investor in Kap Verde. Damit kamen auch neue portugiesische Unternehmer, Techniker und Facharbeiter. Parallel lockten in Portugal insbesondere die großen Bauvorhaben wie die Expo 98, der Autobahnbau in Portugal oder die Fußball-EM 2004 kapverdische Arbeiter.

Nach den Brasilianern (mit fast 16 %) waren Bürger der Kapverden im Jahr 2017 mit knapp 15 % die größte Gruppe unter der ausländischen Bevölkerung in Portugal.Perfil dos Imigrantes em Portugal (Profil der Einwanderer in Portugal), akademische Studie (PDF-Abruf, S. 24), abgerufen am 7. Mai 2017 Durch verstärkte Einbürgerungen, vor allem aber durch eine deutlich zugenommene Einwanderung aus anderen Ländern reduzierte sich ihr relativer Anteil, so dass er Ende 2025 nur noch etwa 4,25 % betrug, sie dabei aber noch die viertgrößte ausländische Bevölkerungsgruppe waren (nach Brasilianern, Indern und Ukrainern).Relatório de Migração e Asilo 2024 (PDF-Abruf, S. 8), Migrations- und Asylbericht 2024 der portugiesischen Einwanderungsbehörde AIMA, abgerufen am 18. Juni 2026

2010 stellten Portugiesen 3,6 % der Bevölkerung Kap Verdes und etwa 10 % seiner ausländischen Bewohner. Damit waren sie die fünftgrößte Gruppe unter der ausländischen Bevölkerung Kap Verdes. (PDF-Abruf, S. 117f.), Portal des Außenministeriums Portugals zu den portugiesischen Auslandsgemeinden, abgerufen am 7. Mai 2017 Im Jahr 2021 stellten sie mit knapp 11 % einen nur wenig veränderten Anteil an der ausländischen Bevölkerung Kap Verdes.Daten zur portugiesischen Einwanderung nach Kap Verde bim staatlichen kapverdischen Observatório das Migrações, abgerufen am 18. Juni 2026