HMS Jervis (F00) war der Flottillenführer der Zerstörer der J-Klasse der Royal Navy. Das bei Hawthorn, Leslie & Co. in Hebburn am Tyne gebaute Schiff wurde als erstes der neuen Zerstörerklasse 1937 begonnen. Es kam am 10. Mai 1939 nach Jackal und Jersey in den Dienst der Royal Navy, wo die J-Klasse die „7th Destroyer Flotilla“ bildete. Nur die Jaguar kam erst kurz nach dem Kriegsbeginn am 12. September 1939 zur Flotte.

Die Jervis galt als ein glückliches Schiff, da nur sie und die Javelin den Krieg überstanden, während die anderen sechs Schiffe der Klasse verloren gingen. Trotz intensiver Beteiligung am Krieg soll auf ihr kein einziger Besatzungsangehöriger durch Feindeinwirkung ums Leben gekommen sein. Mit dreizehn Battle Honours war der Zerstörer eines der meist ausgezeichneten Schiffe der Royal Navy im Zweiten Weltkrieg. Ausgezeichnet wurde sie für die Einsätze Mediterranean 1940–44, Libya 1940–42, Matapan 1941, Sfax 1941, Crete 1941, Malta Convoys 1941–42, Sirte 1942, Sicily 1943, Salerno 1943, Aegean 1943, Anzio 1944, Adriatic 1944 und Normandy 1944.

Geschichte HMS Jervis wurde als erstes Schiff der neuen Zerstörerklasse am 26. August 1937 bei Hawthorn, Leslie & Co. zusammen mit dem Schwesterschiff Kelly auf Kiel gelegt. Als erstes Schiff der Royal Navy mit dem Namen Jervis lief der Neubau mit der Baunummer 614 am 9. September 1938 in Hebburn vom Stapel. Namensgeber war Admiral Sir John Jervis, Earl St Vincent. Die Jervis wurde auf der Bauwerft als Flottillenführer der J-Klasse fertig gestellt. Wie bei den zuvor gebauten Zerstörern der Tribal-Klasse unterschieden sich die Flottillenführer auch bei den neuen Zerstörern nur in den Aufbauten und der Raumaufteilung von den normalen Zerstörern, aber nicht in der Bewaffnung. Am 10. Mai 1939 wurde die Jervis als drittes Schiff der Klasse in den Dienst der Navy übernommen, in der die acht Einheiten der J-Klasse die 7. Zerstörerflottille bildeten, die der Home Fleet zugeteilt wurde. Bei Kriegsbeginn waren sieben Einheiten der Klasse im Dienst Royal Navy. Nur die Jaguar kam erst kurz nach Kriegsbeginn am 12. September 1939 zur Flotte.

Einsätze Bei Kriegsbeginn ging die Jervis mit ihrer Flottille auf ihre Kriegsstation nach Immingham zur Humber-Force, zu der noch die Kreuzer Southampton und Glasgow gehörten. Die Einheiten kamen bis zur norwegischen Küste zum Einsatz. Am 4. September versenkte sich der deutsche Frachter Johannes Molkenbuhr (Hugo-Stinnes-Linien, 5294 BRT) nahe Stadlandet selbst, bevor er von dem Prisenkommando der Jervis geentert werden konnte. Bis in das Frühjahr 1940 blieb der Zerstörer bei der Home Fleet im Einsatz, sicherte Vorstöße der schweren Einheiten, suchte nach U-Booten oder deutschen Handelsschiffen, die versuchten, die Heimat zu erreichen.

Am 19. März 1940 rammte die Jervis bei der Sicherung eines Geleitzuges einen schwedischen Dampfer und erlitt schwere Schäden am BugBilder der 1940 beschädigten Jervis. Die notwendige und umfangreiche Reparatur des Zerstörers erfolgte bei Swan Hunter in Wallsend. Erst Anfang Juni war die Jervis wieder einsatzbereit und stand bei den Einsätzen vor Norwegen und zur Evakuierung alliierter Truppen vom europäischen Festland nicht zur Verfügung. Während der Reparaturzeit der Jervis wurde auch die „7th Destroyer Flotilla“ aufgelöst. Die bei der Home Fleet verbleibenden Zerstörer der J- und K-Klasse wurde in der „5th Destroyer Flotilla“ zusammengefasst, während die ab Mitte Mai 1940 ins Mittelmeer verlegten Einheiten der beiden Klassen dort mit der 14th eine neue Flottille bildeten.

Einsätze im Mittelmeer Am 27. Juni 1940 verlegte der Zerstörer dann ins Mittelmeer, um die Führung der dort neugebildeten „14th Destroyer Flotilla“ bei der Mediterranean Fleet zu übernehmen. Als Passagier bis zu seinem neuen Dienstort war der neu ernannte Gouverneur von Gibraltar an Bord. Zur Flottille gehörten die schon im Mai ins Mittelmeer verlegten Janus, Juno, Nubian und Mohawk sowie die der „Red Sea Force“ zugeteilte „28th Destroyer Division“ mit Kandahar, Kimberley und Kingston (Khartoum war bereits am 23. verloren gegangen).ROYAL, DOMINION and INDIAN NAVY SHIPS, JUNE 1940.

Mit Diamond und der australischen Vendetta begleitete der Zerstörer den ersten Konvoi von Malta nach Alexandria nach dem Kriegseintritt Italiens, mit dem Zivilbedienstete und Familienangehörige aus Malta evakuiert wurden. In den folgenden Monaten sicherte Jervis Bewegungen der Mittelmeerflotte, Nachschubgeleite, alliierte Handelsschiffe oder beschädigte Schiffe. Sie suchte nach U-Booten der Achsenmächte und griff gelegentlich in die Landkämpfe in Nordafrikaso Rohwer: Seekrieg. 22.–25.9.1940, Mittelmeer, aber auch im Dezember ein. Ende Oktober stieß die Jervis mit Juno und den Leichten Kreuzern Orion und Sydney durch die Ägäis bis vor die Dardanellen zur Bekämpfung von Konterbande transportierenden Schiffen vor.Rohwer: Seekrieg. 25.–28.10.1940, Mittelmeer

1941

Der erste größere Einsatz der Jervis im Jahr 1941 war die Beteiligung an der Operation ExcessRohwer: Seekrieg. 6.–13.1.1941, Mittelmeer, Operation »Excess« zur Verstärkung der Insel Malta., mit der verschiedene britische Konvois von Gibraltar, Malta und Alexandria nach Malta, Griechenland und Ägypten gesichert wurden und an der fast alle britische Einheiten der Force H und der Mediterranean Fleet beteiligt waren. Jervis gehörte zur „Force A“ der Mittelmeerflotte, die mit dem Flugzeugträger Illustrious und den Schlachtschiffen Warspite und Valiant sowie den weiteren Zerstörern Nubian, Mohawk, Dainty, Gallant, Greyhound und Griffin alle Geleitzüge östlich der Straße von Sizilien sichern sollte. Südöstlich von Malta wurde der Verband am 9. Januar noch durch den Schweren Kreuzer York und die leichten Kreuzer Orion, Ajax sowie die australischen Perth und Sydney verstärkt. In der Abenddämmerung traf der Verband dann mit den aus Gibraltar kommenden Transportern zusammen, von denen einer für Malta und drei für Griechenland bestimmt waren. Die unmittelbare Konvoisicherung bestand aus dem Kreuzer Bonaventure und den Zerstörern Jaguar, Hero, Hasty und Hereward, die 400 Soldaten des Heeres und der Luftwaffe für Malta an Bord hatten. Dazu waren in der Straße von Sizilien noch die Kreuzer HMS Gloucester, Southampton und die Zerstörer Ilex und Janus der Mittelmeerflotte getreten, die zuvor 500 Soldaten des Heeres und der Luftwaffe aus der Ägäis nach Malta gebracht hatten. Der Konvoi war, noch im Schutz der Force H, am 9. erstmals von der italienischen Luftwaffe angegriffen worden. Am frühen Morgen des 10. erfolgten ein italienischer U-Boot-Angriff und dann der Angriff zweier italienischer Torpedoboote nahe Pantelleria, von denen eines versenkt wurde.

Vom 20. bis 22. Januar verlegten die Zerstörer Jervis, Janus, Juno und Greyhound in Höchstfahrt von Alexandria über die Suda-Bucht nach Malta, um den schwerbeschädigten Flugzeugträger Illustrious von dort vom 23. bis 25. nach Alexandria zu begleiten, nachdem das Arsenal Malta die Schäden behelfsmäßig so weit behoben hatte, dass der Träger 24 kn laufen und wieder gesteuert werden konnte.Rohwer: Seekrieg, 23. – 25.1.1941 Mittelmeer Ende März 1941 lief die Mittelmeerflotte aus, um einen durch die britische Funkaufklärung erkannten Vorstoß der italienischen Flotte ins östliche Mittelmeer abzufangen, was am 28. März zur Seeschlacht bei Kap Matapan führte. Die Jervis führte die 14. Flottille mit Janus, Mohawk und Nubian, die die Sicherung der schweren britischen Einheiten bildete und erst am Abend in das Gefecht eingriff. Mit vier weiteren Zerstörern sollten sie in der Nacht versuchen, die am Nachmittag von einem Torpedoflugzeug getroffene Vittorio Veneto zu finden und mit Torpedos zu versenken. Das italienische Schlachtschiff lief allerdings inzwischen erheblich schneller und auf einem veränderten Kurs nach Italien, so dass die Zerstörer sie verfehlten und wegen eines missverstandenen Befehls auch die Suche abbrachen. Die britischen Schlachtschiffe Barham, Valiant und Warspite hatten sich bis etwa 22:30 dem nach einem Lufttorpedotreffer liegengebliebenen Schweren Kreuzer Pola und dem zur Unterstützung heranlaufenden Verband mit den Schwesterschiffen Zara und Fiume sowie vier Zerstörern fast unbemerkt auf Kernschussweite genähert.

Die britischen Schlachtschiffe setzten die Schweren Kreuzer außer Gefecht, die völlig überrascht wurden und Fiume sank. Auch zwei der italienischen Zerstörer wurden versenkt, während zwei beschädigt entkamen. Die sich zurückziehenden britischen Zerstörer passierten in den frühen Morgenstunden die noch treibenden Wracks und Jervis versenkte Zara mit einem Torpedo. Wegen befürchteter Luftangriffe bei Tageslicht wurde auf das Einbringen der Pola verzichtet. Jervis enterte den Kreuzer, übernahm einige Maschinenwaffen und 257 Mann der noch an Bord verbliebenen Besatzungsmitglieder. Den Rest der an Bord verbliebenen übernahm die Nubian. Dann versenkten die beiden Zerstörer den Kreuzer mit Torpedos. Um weitere Schiffbrüchige zu retten, übermittelte der britische Befehlshaber offen die letzte Position der versenkten Kreuzer.Rohwer: Seekrieg. 26.–29.3.1941, Mittelmeer / Funkaufklärung Seeschlacht bei Kap Matapan.

Schon in der Nacht zum 16. April 1941 führte die Jervis die anderen drei Zerstörer der Flottille von Malta gegen einen aus Neapel nach Tripolis laufenden Konvoi der Achsenmächte mit den deutschen Transportern Adana, Arta, Aegina und Iserlohn sowie dem italienischen Munitionstransporter Sabaudia. Begleitet wurde der Konvoi von drei italienischen Zerstörern. Der am Tag von britischen Maryland-Aufklärern entdeckte und begleitete Konvoi wurde in der Nacht von den überwiegend mit Radar ausgestatteten britischen Zerstörern nahe Kerkenah gestellt und unter Feuer genommen. Drei der Transporter sanken, zwei wurden im flachen Wasser auf Grund gesetzt. Auch die Zerstörer Baleno und Lampo der Folgore-Klasse wurden versenkt, ohne sich wirkungsvoll verteidigen zu können. Lampo lief auf einer Sandbank auf Grund und konnte später geborgen werden. Nur der Luca Tarigo der Navigatori-Klasse gelang vor ihrem Untergang noch der Abschuss von Torpedos, von denen zwei die Mohawk trafen, die von den Briten aufgegeben werden musste.Rohwer: Seekrieg. 13.–16.4.1941, Mittelmeer.

Ein Einsatz in der Nacht zum 24. April von Jervis mit Janus, Juno und Jaguar war weniger erfolgreich. Die Zerstörer trafen südlich von Lampedusa auf das von Tripolis zurücklaufende bewaffnete Motorschiff Egeo (3311 BRT), das nach heftigem Gefecht durch Torpedos der Juno versenkt wurde. Sie fanden jedoch nicht das von der britischen Luftaufklärung entdeckte Nachschubgeleit für das deutsche Afrika-Korps von Neapel und Palermo nach Tripolis mit den deutschen Frachtern Arcturus, Castellon, Leverkusen und dem italienischen Transporter Giulia, das gesichert von den Zerstörern Folgore, Saetta, Strale und Turbine am 24. ohne Verluste Tripolis erreichte.Rohwer: Seekrieg. 21.–24.4.1941, Mittelmeer.

Als im Mai 1941 die Deutschen aus der Luft auf Kreta landeten (Unternehmen Merkur), gehörte die Jervis zu den Einheiten der Royal Navy, die eine Verstärkung der gelandeten Truppen verhindern sollten. Am 21. beschoss sie mit den Zerstörern Nizam und Ilex den Flugplatz Scarpanto auf der damals italienischen Insel Karpathos (italienisch: Scarpanto). Beim Rückmarsch wurden die Schiffe aus der Luft angegriffen. Es folgten weitere Einsätze um Kreta, die Jervis ohne ernsthafte Schäden überstand. Zuletzt half sie am 29. und 30. mit Booten bei den Evakuierungen aus Sfakia zu den größeren Einheiten unter dem Schutz der Flakkreuzer Coventry und Calcutta.

Im Juli 1941 bildete die Jervis mit dem Kreuzer Leander sowie die Zerstörern Decoy und Havock eine Kampfgruppe zur Unterstützung der britischen, Commonwealth- und frei-französischen Truppen, die das vichytreue Mandatsgebiet Syrien besetzten (Syrisch-Libanesischer Feldzug). Versuche, die vichy-französischen Zerstörer in ein Gefecht zu verwickeln, scheiterten.