In der Liste der Stolpersteine in Idstein werden jene Gedenksteine aufgeführt, die im Rahmen des Projektes Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Idstein verlegt wurden. Bisher erfolgten zwei Stolpersteinverlegungen. Die erste am 14. November 2014, bei der sieben Steine gesetzt wurden abgerufen am 15. Juni 2017. und eine weitere am 23. Oktober 2019, bei der vier weitere Steine folgten.

Verlegte Stolpersteine Bild NameInschrift Verlege­datum Adresse Anmerkung 120px Hier wohnte Julius Grünebaum Jg. 1862 unfreiwillig verzogen 1938 Frankfurt gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 8.12.1940 Borngasse 18 ()120px|Stolpersteinlage Idstein Borngasse 18120px|Stolpersteine Idstein Borngasse 18 Julius Grünebaum, geboren am 25. Januar 1862 in Espa,Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 12. heiratete am 30. November 1889 Paula Goldschmidt, geboren am 12. August 1864 in Oberlahnstein, sie war die Tochter des vormaligen Lehrers und späteren Händlers Mayer (auch Meier) Goldschmidt (gestorben 1899) und dessen Ehefrau Karoline Goldschmidt, geborene Feist (geboren in Sprendlingen; gestorben 1922 im Alter von 83 Jahren). Mayer Goldschmidt hatte Ende 1889 in Idstein ein vormals Louis Goldschmidt (gestorben 1887) gehörendes Geschäft in Stoffen und Bettzeug erworben und die Firma Meier Goldschmidt & Cie gegründet. Zu den Gesellschaftern gehörte in der Folge sein Schwiegersohn Julius Grünebaum. Von da an lebten in der Borngasse 9 (heute 18) neben der Familie Goldschmidt, zu der außer den Eltern von Paula noch deren Geschwister Eugenie und Salli gehörten, auch Grünebaums mit ihrer sich bis 1901 auf sieben Köpfe anwachsenden Familie.

Der erstgeborene Hugo Grünebaum, geboren am 27. August 1890 in Idstein, sollte dreimal heiraten. Seine erste und seine dritte Frau wurden ebenso Opfer des Holocaust wie schließlich auch er selbst. Von Mainz aus erfolgte am 25. März 1942 die Deportation von Hugo und seiner dritten Ehefrau in das Ghetto Piaski. Das weitere Schicksal seiner Tochter aus erster Ehe, Eleonore, die 1940 mit ihrer Mutter in das Lager Gurs in Frankreich gelangte, ist ebenso ungeklärt wie das seines Sohnes Horst.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 14–15. Sally Grünebaum, geboren am 23. April 1892 in Idstein, der zweitgeborene Sohn, fiel während des Ersten Weltkriegs am 14. Juli 1917 als Stabsunteroffizier bei Geluwe in Flandern. Recha Grünebaum, geboren am 8. August 1895 in Idstein, ermordet vermutlich 1942 in Treblinka, heiratete den Handlungshilfen Max Weiss (geboren am 10. Oktober 1889 in Hechtsheim; ermordet 1942 in Treblinka) und zog mit diesem zunächst nach Mainz-Hechtsheim und später in die Mainzer Innenstadt. Wie ihre beiden Töchter Ilse (1922 bis 1942) und Lotte (1924 bis 1943) fanden sie den Tod in den Vernichtungslagern des Ostens.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 15. 120px Hier wohnte Hedwig Grünebaum Jg. 1897 unfreiwillig verzogen 1938 Frankfurt gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 7.5.1942 Hedwig Grünebaum, geboren am 21. Dezember 1897 in Idstein,Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 13. war das einzige der Grünebaumschen Kinder, das nicht die örtliche Realschule absolvierte. Auch ein ausgeübter Beruf ist bei ihr nicht belegt, wohl aber eröffnete sie mit ihrer Schwester Herta am 1. Juli 1926 ein Feinkostgeschäft, das aber wohl vor 1929 wieder schließen musste.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 17. 120px Hier wohnte Herta Grünebaum Jg. 1901 unfreiwillig verzogen 1938 Frankfurt gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 9.5.1942 Herta Grünebaum, geboren am 14. April 1901 in Idstein, besuchte von 1914 bis 1916 die Realschule in Idstein. Ob und welche Schule sie danach besuchte ist nicht überliefert, wohl aber, dass sie von Oktober 1919 bis 1926 als Gehilfin, Schreib- und Bürokraft auf der Stadtverwaltung angestellt war. Ihr Einkommen trug wesentlich dazu bei, den Lebensunterhalt des vierköpfigen Haushalts, bestehend aus Julius Grünebaum, den Schwestern Herta und Hedwig sowie deren mittelloser Tante Eugenie Goldschmidt zu bestreiten. Nachdem während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 auch das Haus von Julius Grünebaum geplündert und der Hausstand zerstört worden war, kehrte die Familie ihrer Heimatstadt Idstein den Rücken. Wie alle Idsteiner Juden hatten sie die Pogromnacht in dem ebenfalls geschändeten Haus Lahnstein verbracht, wo sie in der Folge unterkamen blieb unbekannt. Am 1. Dezember meldeten sie sich dann in Frankfurt am Main, Aystettstr. 6 an, dem Wohnsitz ihres Onkels Salli Goldschmidt. Der promovierte Nationalökonom und langjähriges Redaktionsmitglied der Wirtschafts- und später politischen Redaktion (1902 bis 1936) der Frankfurter Zeitung hatte im selben Jahr seine Frau Maria geborene Mayer verloren. Während das Idsteiner Haus – unfreiwillig – verkauft wurde versuchten sich die nun zusammengedrängt und von geringen Mitteln lebenden unter den bestehenden Repressalien in Frankfurt neu einzurichten, eine Emigration im Blick haltend. Doch als Hedwig und Herta einen Nachmittag zum Spaziergang nutzten, beging ihr Vater Julius Grünebaum am 8. Dezember 1940 Selbstmord durch erhängen. Derweil betrieb Salli Goldschmidt seine Ausreise weiter, starb jedoch schließlich vor deren Antritt am 13. November 1941. So blieben nur noch die zwei Schwestern und ihre schwer herzleidende Tante im Haus zurück. Für den 8. Mai 1942 war sodann in Frankfurt eine Deportation nach Izbica oder Majdanek terminiert, zu der sich mehr als 1000 Juden in der Großmarkthalle einzufinden hatten. Das Ziel blieb ihnen unbekannt, Wertgegenstände gleich welcher Art mussten sie zurückgelassen, die Transporte wurden zu diesem Zeitpunkt einige Tage zuvor angekündigt. Herta und Hedwig Grünebaum nahmen daraufhin ebenso wie ihre Tante Eugenie Goldschmidt am 7. Mai 1942 Schlafmittel, um sich das Leben zu nehmen. Hedwig und Eugenie fand man bereits tot auf, Herta lebte. Mit schweren Vergiftungen in das jüdische Krankenhaus überführt stirbt sie dort am 9. Mai. Ihre Gräber, wie das ihres Vaters blieben in Frankfurt erhalten. Geboren am 14. April 1901 in Idstein.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 15–20. 120px Hier wohnte Eugenie Goldschmidt Jg. 1866 unfreiwillig verzogen 1938 Frankfurt gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 7.5.1942 Eugenie Goldschmidt, geboren am 28. März 1866 in Westerburg, war eine Schwester von Paula und Salli Goldschmidt. Gemeinsam mit ihren beiden Nichten suchte sie am 7. Mai 1942 in Frankfurt am Main den Freitod.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 20. 120px Hier wohnte Julius Kahn Jg. 1901 unfreiwillig verzogen 1938 Wiesbaden deportiert 1942 Majdanek ermordet 25.8.1942 Rodergasse 6 ()120px|Stolpersteinlage Idstein Rodergasse 6120px|Stolpersteine Idstein Rodergasse 6 Julius Kahn, geboren am 27. April 1901 in Idstein, als Sohn des Max Kahn und dessen Ehefrau Bertha (gestorben am 9. März 1938Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 7), entstammte der ältesten in Idstein ansässigen jüdischen Familie. Sein Urahn Mayer Hirtz, geboren 1656 in Camberg zog 1682 nach Idstein, avancierte dort als Händler und mit einzelnen Waren auch Großhändler am gräflichen und später fürstlichen Hof zum Hofjuden, was wohl auf sein nutzbringendes mitwirken bei Waren- und Kreditgeschäften zurückzuführen war. Er starb 1715, verlor aber ab 1710 sukzessive sein Vermögen, da der Fürst seine Ausstände nicht beglich.Gerhard Buck, Claudia Niemann: Die Familien Kahn und Grünebaum in Idstein. Opfer von Vertreibung und Holocaust, S. 2–3