mini|St.-Georg-Kirche über der Guber, davor (mit Walmdach) die Johanneskirche Die St.-Georg-Kirche ist eine Pfarrkirche in Kętrzyn (Rastenburg). Der Deutsche Orden erbaute sie zwischen 1359 und 1370 als Wehrkirche in Masuren. Von 1524 bis 1945 war sie ein evangelisches Gotteshaus, als Bazylika kolegiacka św. Jerzego („Stiftsbasilika St. Georg“) dient sie seit 1945 der Römisch-katholischen Kirche in Polen. Papst Johannes Paul II. gab ihr 1999 den Basilika-Titel.gcatholic.org

Anlage Die Georgskirche wurde in die Befestigung an der Südwestecke der Altstadt integriert. Ihre Südwand war die Verlängerung der Stadtmauer, was die ungewöhnliche Mauerstärke von 1,50 m erklärt. Der 48 m hohe Turm war gleichzeitig der Südwestturm des Verteidigungsrings, hatte an der Basis 2 m dicke Mauern und war vom Kirchenschiff aus über eine Treppe zugänglich. Unter dem Dach des Kirchenschiffs und des Turms verlief ein Wehrgang. Noch im 14. Jahrhundert kam ein (niedrigerer) Verteidigungsturm an der Südostecke hinzu. Beim Ausbau der Kirche im 15. Jahrhundert wurde er erhöht. Reicher verziert als der höhere im Westen, diente er als Glockenturm. Seine größte und älteste Glocke stammte von 1509. Wegen eines Sprunges musste sie 1799 umgeschmolzen werden. Die Uhr versetzte man von dem 1783 abgebrochenen alten Rathaus hierher. Ihre Glocke wurde Anfang des 16. Jahrhunderts gegossen. Der Westturm trug eine Laterne mit hoch aufragender Spitze. 1638 schlug während des Gottesdienstes ein Blitz ein. Er warf den Kopf herunter und verursachte einen Dachstuhlbrand im Kirchenschiff. Danach wurde die Spitze nicht wieder aufgesetzt. Der Westgiebel mit seinen Fialen, die flach aus dem oberen Teil der Giebelmauer hervortreten und das Dach nur wenig überragen, wurde als „Rastenburger Typ“ zum Vorbild für viele andere Kirchen in der Gegend. Das Pfarrhaus hinter dem Josephiturm wurde 1910 erbaut.

Hinter dem Chorraum steht die unscheinbare Johanneskirche. Wie die Georgskirche seit der Reformation im Herzogtum Preußen evangelisch, war sie die Kirche der Masuren.

Umbauten mini|Grundriss

Am Anfang befand sich auf der Nordwest-Seite der Eingang zur Kirche. Dort behinderte er jedoch die Verteidigung; deshalb entstand auf der Nordseite die noch heute benutzte Eingangsvorhalle, die im selben Stil gestaltet wurde. In dieser Halle ist das Weihekreuz von der Kirchweihe 1517 ausgestellt, das man erst 1994 wiederentdeckte. mini|links|Georgskirche Ursprünglich als schlichte Hallenkirche ohne Chor konzipiert, teilte man um 1470–1480 den Innenraum durch viereckige, mit Arkaden untereinander verbundene Pfeiler in drei Schiffe ein. Ihre jetzige Gestalt erhielt die Kirche nach einem Brand 1500 bis 1515. Damals baute man den Chor an, schuf den Eingang im Norden mit Vorhalle und ersetzte die Holzdecke durch Kristallgewölbe, beginnend im Chor, wobei die leichte Erhöhung des Mittelschiffs um 2 m zu einem basilikaähnlichen Raumeindruck führte. Diese Bauarbeiten fanden sich dokumentiert auf einer Tafel, die außen in der Ostwand eingelassen war. Diese konnte man aus dem Schutt der Kirche nach dem Krieg retten und jetzt soll sie am letzten Halbpfeiler links verankert worden sein.Rudolf Grenz: Der Kreis Rastenburg. Marburg 1976, S. 424. Vom Mittelschiff in Richtung Altar blickend stellt man fest, dass der Chorraum deutlich nach links abbiegt. Das gibt es in Europa ganz selten. Manche Historiker sind der Ansicht, dass der erst nach 1500 gebaute Chorraum sich nicht gerade einfügen ließ, was durch den schon früher hier erbauten Glockenturm bedingt war. Andere wiederum behaupten, dass der Chorraum absichtlich so gebaut wurde. Die Kirche war nach dem Vorbild eines lateinischen Kreuzes errichtet. Um die Leiden Christi zu würdigen, wurde der Chorraum so gekrümmt, wie Christus am Kreuz den Kopf auf die rechte Schulter herabhängen ließ. In der Mitte der südlichen Wand liegt die ab ca. 1485 angefügte und 1599 im Gewölbe und am Giebel umgebaute Taufkapelle St. Jakob, heute die Muttergotteskapelle. Sie ist auf die 1420 aus der Schützenbruderschaft hervorgegangene St.-Jakobs-Bruderschaft zurückzuführen.

Ausstattung mini|hochkant|Kanzel der St.-Georgs-Kirche mini|hochkant|links|Innenraum der St.-Georgs-Kirche Die bemerkenswerte Kanzel entstand 1594. Sie trug einst Bilder von Jesus Christus, Paulus von Tarsus und Martin Luther. Im Jahr 1994 sind hier wohl Bilder von Luther und Philipp Melanchthon angebracht worden. Dazu gibt es Darstellungen der Evangelisten. Der einstige Hochaltar steht jetzt rechts vom Chorraum. Er entstand 1862 und zeigt das Gemälde „Christus am Kreuz“ (1870/71) von Ludwig Rosenfelder, dem ersten Leiter der Kunstakademie Königsberg. Es wurde nach dem Krieg mit finanzieller Unterstützung ehemaliger Rastenburger restauriert. Die Orgel ist ein Werk von Johann Josua Mosengel von 1721. An der Orgelempore links gab es das Geweih eines Sechzehnenders mit geschnitztem Kopf. Viele der einst zahlreichen Grabplatten von Pfarrern und Bürgern des 16. bis 18. Jahrhunderts sind nicht mehr vorhanden, auch nicht die mit der ältesten Stadtansicht von Rastenburg des Bürgers Friedrich Spiller, der, gerade zum Bürgermeister gewählt, 1625 der Pest zum Opfer fiel. Die Seuche grassierte damals in der ganzen Stadt und soll 2500 von 3200 Einwohnern das Leben gekostet haben, wie eine Tafel, die sich einmal neben der Taufe befand, bekundete.Diethelm B. Wulf: Heimatbrief Rastenburg, Dezember 2007, S. 438. Im westlichen Teil des rechten Schiffes sind drei Grabplatten eingemauert; die interessanteste stammt aus dem Jahr 1597 und stellt Oberst Schenk dar, den Kommandanten der Stadtwache. Was sonst an Epitaphien gerettet werden konnte, befindet sich teils im Rastenburger, teils im Museum für Ermland und Masuren. Das silberne Taufbecken wurde 1738 von der Familie Hippel gestiftet. Es ist erhalten und steht in der Kirche.

Evangelische Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Rastenburg gehörten bis 1945 neben der Stadt Rastenburg nahezu 50 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente. Göttingen 1968, S. 474.Ein * kennzeichnet einen Schulort

Name PolnischerName Name PolnischerName Name PolnischerName * Alt Rosenthal Stara Różanka * Jeesau Jeżewo Neumühl Nowy Młyn Birkenthal Kattkeim Katkajmy Philippsdorf Filipówka Birkenwerder Brzeźnica Klein Bürgersdorf Poganówko * Prangenau Pręgowo * Borken Borki Klein Galbuhnen Prömbock Porębek Drachenstein Smokowo Klein Neuendorf Nowa Wieś Mała *Rastenburg Kętrzyn Erlenhof Olchowo Klein Neuhof Biedaszki Małe Reimsdorf Sławkowo Friedrichswalde Borek Klein Schatten Szaty Małe Schäferei Owczarki Georgenberg Jurki Kotittlack Kotkowo * Scharfs Siemki Georgenfelde Wymiary Krausenberg * Schrengen Linkowo Glubenstein Głobie * Krausendorf Kruszewiec Seelack Żyłki Groß Bürgersdorf Poganowo Louisenthal Cegielnia Thurwangen Turwągi Groß Galbuhnen Gałwuny Moritzhof Marszewo *Weischnuren Wajsznory Groß Köskeim Kaskajmy * Muhlack Muławki * Weitzdorf Grabno Groß Neuhof Biedaszki Muhlackshof Muławski Dwór Wilhelmsdorf Wilamowo Grünthal Bocian Neuendorf Nowa Wieś Kętrzyńska Windtkeim Windykajmy Hinzenhof Zalesie Kętrzyńskie Neu Galbuhnen Nowe Gałwuny Wolka1938–1945 Spittel Wólka

Evangelische Pfarrer (bis 1945) Im 20. Jahrhundert war der Inhaber der 1. Pfarrstelle (bis 1809 mit Diakonenstelle) zugleich Superintendent des Kirchenkreises. Die 2. Pfarrstelle gehörte dem „polnischen“ Pfarrer an der Johanneskirche.Die Pfarrerliste der Johanneskirche vor und nach 1945 siehe dort Ab 1912 gab es für die Kirchen in Rastenburg eine 3. Pfarrstelle und bereits ab 1888 zusätzlich den Einsatz von Hilfspredigern.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 117–119.Rastenburger Pfarrerskinder

Christoph Meddingen, 1526–1528 Michael Meurer, 1529–1531 Michael von Drahe, 1531–1538 Appollinaris Pflüger, 1531–1538 Johann Pauli, 1539–1549 Georg Blumenstein, 1545 Bonaventura vom Stein, 1550–1551 Albert Meldius, 1552–1566 Bonaventura Achtzenicht, 1561 Christoph Sperber, 1564–1565 Lucas Knieper, 1564–1567 Johann Lidicius Liedtcke, 1566–1570 Johann Wiesener, bis 1567 Matthäus Marquardt, 1567 Bartholomäus Leimbrock, 1568–1570 Matthias Brew, 1571–1575 Johann Leuckenroth, 1571–1579 Lazarus Hohensee, 1576–1581 Bartholomäus Eßworm, 1579–1586 Caspar Stürmer, 1581–1597 Joachim Bliefert, 1586–1593 Valentin Belendorf d. Ä., 1594–1607 Simon Siedler, 1597–1616 Gerhard Roberti, 1608–1616 Johann Roberti, 1616–1625 Adam Prätorius, 1616–1642 Valentin Belendorf d. J., 1625–1628 Andreas Gille, 1628–1638 Andreas Zeidler, 1638–1646 Christian Sinnknecht, 1641–1644 Wilhelm Witzendorf, 1644–1646 Christian Walter, 1646–1663 Philipp Cramer, 1647–1653 Christian Heiligendörfer, 1653–1656 Jacob Pentecowius, 1656–1657 Christoph Bolius, 1658–1696 Reinhold von Derschau, 1664–1671 Martin Babtius, 1671–1674 Georg Heiligendörfer, 1674–1689 Salomo Jester, 1689–1697 Christoph Heilbrunner, 1691–1699 Matthäus Bolius, 1696–1699 Johann Baasel, 1699–1703 Johann Johansen, 1699–1712 Friedrich Seuberlich, 1703–1729 Adam Sebastian Gasser, 1712–1720 Georg Heiligendörfer, 1721–1722 Johann Heinrich Saft, 1722 Johann Georg Bernhardi, 1722–1752 Franz Albrecht Schulz, 1724–1729 Andreas Schumann, 1729–1781 Elias Heinrich Lindeau, 1752–1781 Johann Christoph Wiolf, 1771–1772 Johann Emanuel Volmer, 1774–1782 Ernst Friedrich Hamilton, 1782–1783 Wilhelm Pisanski, 1782–1808 Reinhold Johann, 1783–1792 Ludwig Leopold Hagemann, 1793–1822 Carl Friedrich Wendland, 1822–1824 Christian Michael Nietzki, 1824–1825 Fürchtegott Adolf Kah, 1825–1840 Friedrich Wilh. Theod. Dreist, 1841–1855Amtsblatt der Preussischen Regierung zu Königsberg, Band 31 Carl August Thal, 1856–1878 Christian Klapp, 1879–1891siehe Karolewo (Kętrzyn) #Anstalt für Fallsüchtige Johann Theodor Pisch, 1888–1889 Rudolf Richard O. Taegen, 1888–1889 Gustav Friedrich Büchler, 1889–1902 Albert Ferd. O. Rudzewski, 1892–1893 Heinrich Otto K. Borowski, 1893–1910 Carl Otto P. Zeigmeister, 1899 Otto Gerß, 1901–1902 Willy L.F.M Schwensfeier, ab 1902 Bruno Gehlhaar, 1905–1908 Otto Nikutowski, 1908–1910 Richard Vierzig, 1910–1912 Gottfried Julius Doliva, 1911–1913 Ernst Eckermann, 1912–1913 Bruno Marquardt, 1912–1916 Gustav Plath, 1914–1929 Friedrich von Baußnern, 1923–1929 Oskar Gaidies, ab 1923 Karl Sedlag, 1929–1945Ein Sohn war Ulrich Sedlag. Wilhelm Gemmel, 1930–1945 Johannes Klein, 1939–1945

Sprachdenkmal Über die Georgskirche schreibt Arno Holz im Abschnitt Kindheitsparadies seines Phantasus:Arno Holz: Werke, Band I, Phantasus I. Herausgegeben von Wilhelm Emrich und Anita Holz, Hermann Luchterhand Verlag, Neuwied / Berlin-Spandau 1961, S. 185.

Literatur Unsere Kirchspiele. Eine Serie über die Kirchspiele des Kreises Rastenburg, Ostpreußen, im Heimatkreisblatt Rund um die Rastenburg. Erarbeitet unter der Redaktion von Monika Guddas in den Jahren 1983–1995. 1995, S. 103–108, 169–172, 215–221. Verwahrt im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin.

Weblinks

St. Georg-Kirche zu Rastenburg (ostpreussen.net) St. Georg-Kirche (Kętrzyn)

Einzelnachweise

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