Der Kilgour-Matas-Untersuchungsbericht ist ein Untersuchungsbericht von 2006 (2007 aktualisiert) über die Anschuldigungen des Organraubs an lebenden Falun-Gong-Praktizierenden in China. Der kanadische Staatssekretär und Kronanwalt David Kilgour PC und der Menschenrechtsanwalt David Matas führten diese Untersuchung durch. Die Koalition zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong in China (CIPFG) beantragte diesen Bericht, nachdem im März 2006 die Frau eines Chirurgen behauptet hatte, dass Falun-Gong-Praktizierenden heimlich und gegen ihren Willen im Thrombosekrankenhaus in Sujiatun Organe entfernt werden. Der Bericht beruht auf Indizienbeweise und kam zum Ergebnis, dass „es umfangreiche erzwungene Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden gegeben habe und es heute noch gibt.“ China hat diese Behauptungen konsequent abgestritten.

Der ursprüngliche Bericht wurde gemischt aufgenommen. Dr. Thomas Lum erwähnte am 11. August 2006 im CRS Report for Congress „China and Falun Gong“, dass sich der Bericht zum größten Teil auf logische Schlussfolgerungen stütze und „viele Behauptungen und Argumente von internationalen Menschenrechtsexperten weitgehend anerkannt werden“. Andererseits würden „scheinbar einige der Hauptbeweise den Ergebnissen anderer Untersuchungen widersprechen“. In dem ursprünglichen Bericht vom 6. Juli 2006 belegten Kilgour und Matas, dass „die [Organ-]Quelle der 41.500 Transplantationen für die sechs Jahresperiode 2000 bis 2005 ungeklärt ist“ und schlussfolgerten, dass „es umfangreiche erzwungene Organentnahmen an Falun-Gong-Praktizierenden gegeben habe und es heute noch gibt.“ Der UN-Sonderberichterstatter für Folter Manfred Nowak sagte im März 2007, dass die Indizienkette, die Kilgour und Matas dokumentierten, „ein zusammenhängendes Bild gibt, das Grund zur Besorgnis verursacht“. Dies veranlasste den UN-Ausschuss gegen Folter im November 2008, eine Anfrage für „eine volle Erklärung der Quelle der Organtransplantationen“, zu stellen, um die Behauptungen des Organraubs zu untersuchen und Maßnahmen zu ergreifen, damit diejenigen, die Misshandlungen durchführen, bestraft werden. Unter anderen internationalen Bedenken erwähnte die nationale Nierenstiftung in den USA, dass sie über diese Anschuldigungen „zutiefst besorgt“ sei.

Nach der Veröffentlichung des ursprünglichen Berichts am 6. Juli 2006 erklärten chinesische Beamte, dass China die Prinzipien der Weltgesundheitsorganisation einhalte, die den Verkauf menschlicher Organe ohne schriftliche Zustimmung des Spenders verbieten. Sie verurteilten den Bericht als Verleumdung „aufgrund von Gerüchten und falschen Anschuldigungen“, und sagten, dass die chinesische Regierung bereits die Behauptungen untersucht hätte und dass diese unbegründet seien. Der Bericht von Kilgour und Matas ist in Russland und China verboten.

Andere Ermittler griffen die Anschuldigung des Organraubs noch vor der Veröffentlichung des Kilgour-Matas-Berichtes auf und führten eigene Ermittlungen durch. Ihre Ergebnisse bestätigten Kilgours und Matas Schlussfolgerungen. Kirk Allison, stellvertretender Direktor des Programms für Menschenrechte und Medizin an der University of Minnesota, kam zu dem Schluss, dass der Organraub an Falun-Gong-Praktizierenden tatsächlich stattfindet. Der China-Analytiker Ethan Gutmann griff den Kilgour-Matas-Bericht auf und führte eigene Untersuchungen durch. Gutmann schätzte, dass zwischen 450.000 und einer Million Falun-Gong-Anhänger zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Arbeitslagern und Gefängnissen eingesperrt wurden und vielleicht Zehntausende für den Organraub vorgesehen sind.

Im Januar 2007 legten Kilgour und Matas eine erweiterte Fassung ihres Untersuchungsberichtes vor. 2009 veröffentlichten die Autoren eine aktualisierte Version des Berichts als Buch mit dem Titel Bloody Harvest: The killing of Falun Gong for their organs und erhielten im gleichen Jahr eine Auszeichnung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. 2010 wurden Kilgour und Matas für ihren Untersuchungsbericht und die anschließende Öffentlichkeitsarbeit für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Hintergrund Falun Gong Falun Gong, auch als Falun Dafa bekannt, ist eine spirituelle Qigong-Praktik, die aus Körperübungen, einer Meditation und einer Moralphilosophie besteht, und an die buddhistische Tradition anknüpft. Die Praktik wurde zum ersten Mal im Frühjahr 1992, gegen Ende des chinesischen „Qigong-Booms“, von Li Hongzhi in Nordost-China öffentlich gelehrt.

Zunächst wurde Falun Dafa von der Kommunistischen Partei aktiv unterstützt. Beispielsweise lobte im September 1993 das Ministerium für Öffentliche Sicherheit Falun Gong dafür, die „traditionellen Tugenden zur Verbrechensbekämpfung des chinesischen Volkes zu fördern, indem es die soziale Ordnung und Sicherheit gewährleistet und die Rechtschaffenheit in der Gesellschaft fördert“. Im Dezember desselben Jahres erhielt Falun Gong den „Preis für Fortschrittliche Grenzwissenschaft“. Qiao Shi, der pensionierte Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses äußert sich 1998 über Falun Gong, dass es „für das chinesische Volk und China Hunderte Vorteile und nicht einen einzigen schlechten Effekt hat“. Im Oktober 1998 veröffentlichte Chinas Nationale Sportkommission eine medizinische Untersuchung an über 12.000 Falun-Gong-Praktizierenden und berichtete, dass 97,9 % der Befragten ihre Gesundheit verbessert hatten. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis: „… dass die Übungen und Auswirkungen von Falun Gong hervorragend sind. Die Praktik hat einen außerordentlichen Beitrag zur Verbesserung der Stabilität und Ethik der Gesellschaft geleistet.“ Im Februar 1999 stellte Wu Shaozu von der Nationalen Sportkommission Chinas in einem Interview mit U.S. News & World Report fest, dass die Popularität von Falun Gong die Gesundheitskosten dramatisch reduziert habe, und der damalige Premier Zhu Rongji darüber sehr glücklich sei. Durch die Unterstützung der chinesischen Regierung wuchs die Popularität von Falun Dafa und eine Phase rasanten Wachstums setzte ein.

Am 20. Juli 1999 begann jedoch die Kommunistische Partei Chinas eine Kampagne zur „Ausrottung von Falun Gong“, mit der die spirituelle Praktik in China beseitigt werden sollte. Um die Verfolgung von Falun Gong an- und auszuführen, wurde am 10. Juni 1999 eine außerrechtliche Organisation namens Büro 610 gegründet, dessen Aufgabe bis heute die Koordination und Überwachung der Beseitigung von Falun Gong ist. Die im Anschluss folgende Unterdrückung war begleitet von dem was Amnesty International eine „massive Propagandakampagne“ nannte. Die Maßnahmen der Verfolgung beinhalteten eine umfassende Propaganda-Kampagne, ein Programm erzwungener ideologischer Konversion und Umerziehung, und eine Vielzahl ungesetzlicher Zwangsmaßnahmen, wie willkürliche Verhaftungen, Zwangsarbeit und körperliche Folter, oft mit Todesfolge. Ausländische Beobachter schätzen, dass Hunderttausende, vielleicht Millionen Falun-Gong-Praktizierende in Arbeitslagern zur Umerziehung durch Arbeit sowie in Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen eingesperrt worden sind, weil sie sich weigerten, die spirituelle Praktik aufzugeben. Ehemalige Gefangene berichteten, dass Falun-Gong-Praktizierende regelmäßig „die längsten Urteile und die schlimmste Behandlung“ in Arbeitslagern erhielten. In einigen Einrichtungen stellen Falun-Gong-Praktizierende sogar die große Mehrheit der Gefangenen dar. Auf Befehl aus Peking werden Praktizierende einer zwangsweisen „Umerziehung“, systematischer Folter, rechtswidriger Inhaftierung, Zwangsarbeit und missbräuchlicher psychiatrischer Maßnahmen unterworfen, mit dem offensichtlichen Ziel, Praktizierende zu zwingen, ihren Glauben an Falun Gong aufzugeben. Laut New York Times wurden bis 2009 innerhalb der Verfolgungskampagne mindestens 2000 Falun-Gong-Praktizierende zu Tode gefoltert. Einige internationale Beobachter und Justizbehörden beschrieben die Kampagne gegen Falun Gong als Völkermord.

Organtransplantation in China Hauptartikel:Organtransplantation in China

China betreibt seit den 1960er Jahren ein Programm für Organtransplantation, das weltweit zu den größten Programmen dieser Art zählt. 2004 erreichte es einen ersten Höchststand von über 13.000 Transplantationen (im Nieren- und Leberbereich). Unfreiwillige Organentnahmen sind nach dem chinesischen Gesetz rechtswidrig, doch wurde dies durch eine Bestimmung im Jahr 1984 legalisiert, sodass Organe von zum Tode verurteilten Kriminellen mit der Zustimmung der kriminellen Person oder der Erlaubnis der Verwandten entfernt werden können. In den 1990er-Jahren wurden internationale Bedenken über mögliche ethische Verletzungen, die durch erzwungene Zustimmung und Korruption entstehen könnten, immer stärker. Dies führte dazu, dass medizinische Gruppen und Menschenrechtsorganisationen begannen, diese Praktik zu verurteilen. 2001 gewannen diese Bedenken wieder an Aktualität, als der chinesische Chirurg Wang Guoqi in den USA politisches Asyl beantragte. Vor dem US-Repräsentantenhaus sagte er aus, dass er im Allgemeinen Brigadekrankenhaus der paramilitärischen Polizei in Tianjin bei über 100 hingerichteten Häftlingen Haut, Augenhornhäute und andere Gewebeteile für den Organmarkt entnommen habe, und dass mindestens einer der Gefangenen während der Operation noch atmete. Darüber hinaus habe er noch andere Ärzte bei der Organentnahme hingerichteter Gefangener gesehen, die das Krankenhaus an Ausländer verkaufte.

Im Jahr 2005 verlangte der Weltärztebund ausdrücklich, dass China damit aufhört, Gefangene als Organspender zu benutzen, und im Dezember 2005 gab der stellvertretende Gesundheitsminister Chinas Huang Jiefu zu, dass die Praktik der Organentfernung bei hingerichteten Gefangenen weitverbreitet sei und 95 % aller Organe für Organtransplantationen in China von hingerichteten Gefangenen stammen. Gleichzeitig versprach er, Schritte zu unternehmen, um diesen Missbrauch zu beenden. Doch trotz dieses Versprechens folgten keine Veränderungen, sodass der Weltärztebund 2006 China erneut aufforderte, keine Gefangenen mehr als Organspender zu nutzen.

Sujiatun Innerhalb eines Monats nach der Presseberichterstattung teilten dritte Ermittler mit, unter anderem Vertreter des US-Außenministeriums, dass es für diese Behauptungen momentan nur unzureichende Beweise gäbe.

Nach Bekanntwerden der im März erhobenen Anschuldigungen bezweifelte der Menschenrechtsaktivist Harry Wu die Vorwürfe, dass Falun-Gong-Praktizierende Ziel eines großangelegten Organraubes sein könnten. Dies, obwohl er selbst und seine Laogai-Foundation bereits 1995 vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Beziehungen der Vereinigten Staaten zum Organhandel aussagte und er 2001 die Aussage des Chirurgen Wang Guogi vor dem US-Repräsentantenhaus als „sehr glaubwürdig“ bezeichnete, dass zum Tode verurteilte Häftlinge auf Abruf für ihre Organe getötet werden. Wu hinterfragte auch die Glaubwürdigkeit der Whistleblower von Sujiatun, obwohl er diese laut David Matas gar nicht interviewt hatte. Matas fand, dass es gegenüber den Zeugen und dem Wahrheitsfindungsprozess unfair sei, die Aussagen als Lügen zu bezeichnen, ohne die Zeugen selbst befragt zu haben. Des Weiteren beschrieb Harry Wu als medizinischer Laie das Volumen der Organentnahmen, die Annie beschrieben hatte (2000 Entnahmen der Augenhornhaut in zwei Jahren) als „technisch unmöglich“, wobei dies laut medizinischen Experten sehr wohl möglich sei. Mohan Rajan beschrieb die Operationsdauer mit nur 20 Minuten, wodurch ein einziger Chirurg 2000 Augenhornhäute in 83 Tagen entfernen könnte. Im Juli 2006 veröffentlichte Wu einen Artikel, der seine Untersuchungsergebnisse beinhalten sollte. Matas kritisierte den Inhalt mit dem Argument, dass Wus Artikel dessen Ansichten aus einem Brief vom 21. März widerspiegelten, den er bereits zwei Monate vor Abschluss seiner eigenen Untersuchung veröffentlicht hatte. Aufgrund dessen könne Wus Aussage nicht auf seiner eigenen vollständigen Untersuchung beruhen.