Boris Awramowitsch Kusnezow (; * 19. März 1944 in Kirow) ist ein russischer Rechtsanwalt. Er arbeitete ursprünglich 20 Jahre als Kriminalkommissar bei der Polizei und wurde erst später Rechtsanwalt, wobei er durch die Vertretung bzw. Verteidigung in spektakulären und international bekannten Rechtsfällen auf sich aufmerksam machte.Die Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013. Seit 2007 befindet er sich aus Furcht vor möglichen Nachstellungen des russischen Geheimdienstes im US-amerikanischen Exil.Ihr drittes Kind kam im Gefängnis zur Welt, Die Welt, 26. Februar 2009. , Sputnik, 5. Februar 2008.

Bekannte Rechtsfälle Boris Kusnezow vertrat in Russland konträre Mandate und erlangte durch seine Tätigkeit relativ großen Wohlstand.Die Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013.

So vertrat er den Konteradmiral Juri Klimtschugin, der laut Gerichtsurteil ein Schiffsdock um 4,515 Millionen US-Dollar unter dem Marktwert verkauft haben soll, Russland.RU, 20. Juni 2006., 2002 den der Spionage bezichtigten Wissenschaftler Igor Wjatscheslawowitsch SutjaginStar-Anwalt flieht vor Geheimdienst, Der Standard, 2. August 2007. und den Ex-Berater des früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin, Pawel Pawlowitsch Borodin, gegen den die Schweiz die Auslieferung beantragt hatte, weil ihm vorgeworfen wurde, in eine Bestechungsaffäre um zwei schweizerische Baufirmen verwickelt und an der Geldwäsche von 25 Millionen Dollar beteiligt gewesen zu sein.Früherer Jelzin-Berater Borodin in USA verhaftet, Handelsblatt.com, 18. Januar 2001.

Er verteidigte 1991 den KGB-Generalmajor Oleg Kalugin in einem Verfahren gegen den sowjetischen Parteichef Michail GorbatschowDie Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013 und Star-Anwalt flieht vor Geheimdienst, Der Standard, 2. August 2007., den früheren Vizevorstandschef der Unikumbank, Andrej Gloriosow, der etwa 231 Millionen US-Dollar unterschlagen haben soll, die für die Kreditierung Indiens beim Kauf von MiG-29-Kampfflugzeugen bestimmt waren,, Russland.RU, 2. Mai 2006. und die Menschenrechtlerin Manana Aslamasjan, Leiterin der aus dem Westen finanzierten unabhängigen Stiftung Internews,Die Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013. wie auch später die Familie der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja. Dieses Mandat wurde nach der Flucht von Boris Kusnezow von Anna Stawizkaja (* 1972) übernommen.Gezielter Verrat, Der Spiegel, 1. Dezember 2008.

Der bekannteste Fall war vermutlich die 2001 bis 2006 erfolgte Vertretung von 55 Hinterbliebenen im Fall des Mitte August 2000 in der Barentssee gesunkenen Atom-U-Bootes Kursk gegen das Oberkommando der Russischen Seekriegsflotte, wobei es nicht um die materielle Entschädigung ging, sondern die vollständige Aufklärung des Untergangs des U-Bootes.Kursk-Hinterbliebene wollen neue Ermittlungen, Russland-Aktuell, 12. August 2002. Die Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013. Wer verschuldete Kursk-Unglück?, news.ch, 6. August 2005. Siehe auch: , Sputnik, 12. August 2005; , Sputnik, 5. Februar 2008.

Gründe für die Flucht und Exil Boris Kusnezow vertrat 2006 den ehemaligen Bundessenator aus der Provinz Kalmückien, Lewon Tschachmachtschjan, Sputnik, 5. Februar 2008., der im Februar verhaftet und verdächtigt wurde, auf betrügerischem Wege 300.000 Dollar vom Chef der Transaero Airlines erhalten und weitere 1,2 Mio. Dollar in Aussicht gestellt bekommen zu haben. Boris Kusnezow beantragte als dessen Rechtsanwalt beim russischen Verfassungsgericht, die Entscheidung des Obersten Gerichts vom 23. Mai 2006, Tschachmachtschjan abhören zu dürfen, als gesetzeswidrig zu erkennen. Das Gericht wies den Antrag Kusnezows wegen Unzuständigkeit zurück und übermittelte Unterlagen dem russischen Geheimdienst. Kurz darauf wurde Kusnezows Anwaltsimmunität aufgehoben und er selbst am 11. Juli wegen der Preisgabe von Staatsgeheimnissen angeklagt.Star-Anwalt flieht vor Geheimdienst, Der Standard, 2. August 2007.

Die Moskauer Rechtsanwaltskammer stellte sich hinter Kusnezow und deren Präsident, Genri Resnik, erklärte, dass Kusnezow überhaupt kein Staatsgeheimnis verraten habe, seine Verfolgung sei ausschließlich „politischer Natur“, „eine Rache an einem unbequemen Anwalt und gleichzeitig eine Botschaft an alle russischen Anwälte“.Die Methode FSB, Die Zeit online, Oktober 2007, zuletzt geändert am 6. Dezember 2013.

Literatur Boris Kusnezow und das Verfahren von Bundessenator Lewon Tschachmachtschjan sowie die Flucht des Anwalts wird auszugsweise in der Politsatire Diamantentropfen von Manfred Quiring erwähnt.Manfred Quiring, Diamantentropfen, München 2016, neobooks, ISBN 978-3-7380-5466-8. Siehe: Google Books

In Pulverfass Russland: Wohin steuert die Großmacht? von Dirk SagerDirk Sager, Pulverfass Russland : Wohin steuert die Großmacht?, 2009, Rowohlt Digitalbuch, 1. Auflage, ISBN 978-3-644-10011-4. Google Books wird über die Gründe für die Flucht von Boris Kusnezow kurz ausgeführt.

Einzelnachweise

Kategorie:Rechtsanwalt (Russland) Kategorie:Russe Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Mann