Brüel [] ist eine Kleinstadt im Norden des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Sternberger Seenlandschaft mit Sitz in der Stadt Sternberg verwaltet. Der Ort ist ein Grundzentrum.Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011). Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 (mit PDF-Links).

Geografie mini|rechts|Roter See

Lage Brüel liegt nahe der mittleren Warnow im nördlichen Bereich der Sternberger Seenlandschaft. Die Stadt wird flankiert durch den Roten See im Süden, den Keezer See im Westen sowie den Tempziner See und den Groß Labenzer See im Norden und Nordosten. Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist eine unbenannte Höhe südwestlich der Stadt mit . Die Entfernung zur Hansestadt Wismar beträgt etwa 30 Kilometer, zur Landeshauptstadt Schwerin etwa 27 Kilometer.

Umgeben wird Brüel von den Nachbargemeinden Kloster Tempzin im Norden, Blankenberg im Nordosten, Weitendorf im Südosten sowie Kuhlen-Wendorf im Südwesten.

Die Kernstadt Brüel erstreckt sich zu beiden Seiten des Mühlenbachs, der aus dem Tempziner See gespeist wird und östlich von Brüel bei Weitendorf in die Warnow mündet. Auf einem Hügel nordwestlich des Baches liegt das administrative Zentrum mit Kirche, Rathaus, Marktplatz, Sparkasse und ehemaligem Bahnhof. An der einzigen Straßenbrücke des Baches befindet sich die frühere Wassermühle und die Feuerwache. Der südöstliche Stadtteil umfasst die ehemalige Burganlage, die Schule und die Kreuzung der Bundesstraßen 192 und 104. Dieser Teil der Stadt reicht im Süden entlang der Schweriner Straße (B 104) bis zum Mühlenberg, auf dem bis in die 1960er Jahre eine Windmühle stand.

Stadtgliederung Zu Brüel gehören die Ortsteile Golchen, Keez, Necheln und Thurow sowie die Siedlung Kronskamp.

Geschichte Name Der Name Brüels stammt eventuell vom altpolabischen oder slawischen bryla ab, was so viel wie (Erd)-Schollen-Platz bedeutet. Eine andere Namensdeutung leitet den Namen vom häufig gebrauchten althochdeutschen Bruil oder Broil ab und das bedeutet dann feuchter Wiesengrund. Später wurde der Ort Bruyle (1266), Brule (1271) oder Broile (1456) und dann Brüle (1502) genannt.Ernst Eichler, Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.

Frühgeschichte Die frühesten Funde eines Lagerplatzes sowie steinerner Werkzeuge steinzeitlicher Nomaden im Innenstadtbereich von Brüel stammen aus dem Mesolithikum (mittlere Steinzeit), also etwa einer Zeit von 8000 bis 4000 v. Chr. Eine erste sesshafte Besiedelung erfolgte nachweislich im Neolithikum (Jungsteinzeit). Archäologen fanden sowohl Spuren steinzeitlicher Häuser als auch Keramik und Steingeräte aus dieser Zeit. Ob auch in der Bronze- oder Eisenzeit Menschen hier lebten, ist anhand der Funde nicht erkennbar.

Mittelalter mini|Stadtkirche Brüel, Westgiebel aus dem 15. Jahrhundert Erste Spuren einer Besiedelung finden sich erst wieder in der älteren Slawenzeit ab dem 6. Jahrhundert. Aus dieser Zeit wurden beispielsweise Reste einer Herdstelle sowie Teile einer Küche entdeckt. Seither sind aus allen folgenden Jahrhunderten Funde belegt, was eine durchgehende Besiedelung bis zur urkundlichen Ersterwähnung wahrscheinlich macht. Während der Ost-Kolonisation unter Heinrich dem Löwen wurde die vorhandene Slawenburg im 12. Jahrhundert zerstört und am selben Ort eine neue größere, nun steinerne, Burganlage errichtet. Quellen lassen darauf schließen, dass diese bis ins 16. Jahrhundert bestand. Die Umstände ihrer Zerstörung sind unbekannt, heute ist lediglich der alte Burgwall zu erkennen.

In einer Urkunde zur Gründung des nahegelegenen Antoniter-Klosters Tempzin vom 7. Juni 1222 wurde Bruile erstmals erwähnt. Die ältesten Teile der Kirche aus dem 13. Jahrhundert standen zu dieser Zeit bereits. Reimar von Plessen erhob Brüel laut einer Urkunde von 1340 zum Stedeken, also zur Stadt, wahrscheinlich mit Parchimer Stadtrecht. Diese Jahresangabe ist aber umstritten. Andere Quellen besagen, dass Brüel erst um 1377 Stadtrecht erlangte. Als Brüel bei einem Stadtbrand 1485 seine Privilegien verlor, erneuerte Heinrich von Plessen diese zwei Jahre später. 1502 stiftete er vier Vikarien. Sein Bild und das seiner Frau Abel, geb. von Lützow, zieren noch heute eine Kirchenwand.

Brüel war eine Landstadt in Mecklenburg und als eine der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

Neuzeit Brüel blieb bis 1611 bei den von Plessens. In dieser Zeit wurde es auch immer wieder mit Schenkungen bedacht, wie z. B. mit einer noch heute existierenden Kirchenglocke von 1588.

In der Folgezeit wechselte Brüel häufiger die Besitzer. Auch diese machten der Stadt immer wieder Schenkungen, wie Wilhelm Ludwig von Kohlhans, der ihr 1698 ein größeres Armenhaus stiftete. 1702 erwarb Christian von Freyburg von Kohlhans Hof Bruel, die alte Plessensche Burg mit Grundbesitz.Wolf Lüdeke von Weltzien: Die Schlottman von Freyburg. In: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. Band 1. Buch- und Bildverlag, Nagold 1989, ISBN 3-926341-04-1, S. 97.

Die Stadt war im Mittelalter durch einen Wall mit einem darauf befindlichen Plankenzaun und zwei Stadttoren, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden, befestigt. 1708 wurde Brüel auf Befehl von Herzog Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin zusätzlich noch mit einem Graben umgeben. Auf dem alten Burgberg wurde 1878 ein neues Schulhaus errichtet, dessen Kellergewölbe noch von der Burg stammt.

mini|Wasser-Kornmühle aus dem 19. Jahrhundert (Brüeler Mühle) mini|Rathaus Brüel hatte eine jüdische Gemeinde. Spätestens ab 1750 sind in Brüel jüdische Einwohner nachweisbar. Mit ca. 5 % an Einwohnern jüdischen Glaubens zählte Brüel zu den Mecklenburger Städten mit einem vergleichsweise hohen Anteil. 1919 zog der letzte jüdische Bürger weg. Der erhaltene jüdische Friedhof liegt in Richtung Weitendorf in einem Kiefernforst.Jürgen Gramenz, Sylvia Ulmer: Die Juden von Brüel (Mecklenburg). Rekonstruktion einer Gemeinde. Cardamina Verlag Susanne Breuel, Plaidt 2013, ISBN 978-3-86424-141-3.

Dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wurde 1845 durch den Rat der Stadt und Bürgermeister Heinrich Friedrich Born das Bürgerrecht verweigert. Ab 1845 lebte und arbeitete er immer wieder einige Zeit auf dem Rittergut von Rudolf Müller im nahegelegenen Holdorf, nachdem er ein Jahr zuvor aus Preußen ausgewiesen wurde.

Brüel entwickelte sich zu einer Landstadt, deren typische Häuser man heute noch in der Stadt sieht. Innenstadt und Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.

Von 1952 bis 1994 gehörte Brüel zum Kreis Sternberg (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, ab 1990 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Parchim eingegliedert, der 2011 mit dem Landkreis Ludwigslust zum Landkreis Ludwigslust-Parchim zusammengelegt wurde.

Bis zu seiner Auflösung am 1. Juli 2004 war Brüel Sitz des Amtes Brüel.

Geschichte der Ortsteile Golchen:

Der Ort entwickelte sich zum Herrensitz. Gut Golchen ging 1783 in den Besitz der Familie von Ko(h)lhans. 1802 wurde Rittmeister Ulrich Johann von Kohlhans auf Golchen nachweisbar. Aufgrund eines Familienfideikommiss-Minorats für Christian Friedrich von Kolhans-Wotrum kam es dann zu einer durchaus üblichen, hier bestand in erster Linie die Hoffnung den Namen weiter einen Platz in der Geschichte zu sichern, Namen- und Wappenvereinigung als „v. Stralendorff genannt v. Kolhans“. Dieser hatte in erster Ehe Wilhelmine von Stralendorff geheiratet. Und so nahm Ulrich von Stralendorff am 26. April 1775 dann frühzeitig den Namen und das Wappen derer von Kolhans an. Der letzte Eigentümer des Gutes bis vor der Bodenreform-Enteignung in den Jahren von 1918 bis 1945 wurde Heinrich Richard von Stralendorff jun. gen. von Kolhans. Er wurde in Zahrensdorf im Frühsommer 1945 ermordet und liegt im Park von Golchen begraben.

Keez:

Vor der Bodenreform waren die letzten Besitzer des Gutes Keez zunächst Vertreter der briefadeligen mecklenburgischen Familie von Suckow, in Person des Woldemar von Suckow (1882–1962) und bis 1937 seine Frau Margarete, geborene Lemcke. Dann erwarb es der bekannte Kunsthistoriker und altmärkische Rittergutsbesitzer Dr. phil. Udo von Alvensleben-Wittenmoor. Das Allodialgut Keez bestand etwas aus 439 ha Fläche.

Necheln:

Ort und Gut Necheln gehörte in der früheren Zeit verschiedenen bekannten Adelsfamilien, 1650 verpachtete es Adam von Barner auf neun Jahre an den Major Caspar von Winterfeldt-Cobrow. Um 1787 war es dem Herrn Kammerjunker und Klosterhauptmann von Raven gehörig. Gut Necheln war mehrfach verbunden zu Gut Golchen, Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Kavallerie-Offizier Richard von Stralendorff (1862–1902), seine Frau war Franziska von dem Knesebeck, als Gutsherrn. Das Gut, der größte Teil der Ortsgemarkung, beinhaltete 202 ha. Es stand in den 1920er Jahren im Eigentum von Werner Heicke aus Brüel, als Verwalter fungierte Herr Schönfeld.

Siedlung Kronskamp:

Kronskamp (Brüel) bestand auch aus dem Hof der Familie Friedrich Garfs, mit 15 ha Größe. Die Villa der Familie im Landhausstil diente nachfolgend zu DDR-Zeiten unter anderem als Erholungsheim der Mathias-Thesen-Werft. Die Christusfigur auf dem Friedhof ist vom Bildhauer Hugo Berwald.

Thurow:

1444 verlieh Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg die Güter Bresen, Ventschow, Turow, Jesendorf und Bibow an Johann von Bassewitz. Gutsbesitzer waren danach u. a. die Familien von Sperling (Mitte 16. Jh.), von Wopersnow und Lübbe (ab 1822). Mitte des 19. Jahrhunderts wechselten sich die Brüder Heinrich und Carl Lübbe, beides Juristen, sich miteinander als Gutsherren ab. Das Gutshaus stammt aus dem 19. Jahrhundert. Heinrich Lübbe war Gutsbesitzer auf Thurow mit Feldmark Wendfeld, 483 ha.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1819 1074 1827 1252 1831 1436 1846 1489 1861 1985 1880 2277 1919 1850 Jahr Einwohner 1990 3399 1995 3301 2000 3278 2005 3094 2010 2763 2015 2605 2020 2587 Jahr Einwohner 2021 2602 2022 2593 2023 2586 2024 2557

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Religion Evangelisch-lutherische Kirchgemeinde mit Kirche und Pfarrhaus in der Ernst-Thälmann-Straße 1 Römisch-katholische Kirche mit der St.-Bonifatius-Kirche von 1961 in der Schweriner Straße 29Helmut Kuzina: St. Bonifatius – eine der kleinsten Kirchen in der mecklenburgischen Diaspora. In: myheimat.de, abgerufen am 25. Juli 2015. Evangelische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit dem Gemeindezentrum Adventgemeinde in der Schweriner Straße 7Internetauftritt der Brüel Siebenten-Tags-Adventisten; eingesehen am 30. Januar 2022

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Brüel besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Brüeler Wählergemeinschaft – – 90,1 % 11 Die Linke 17,7 % 2 5,8 % 1 Einzelbewerber Willi Boldt – – 4,2 % – CDU 43,6 % 5 – – Einzelbewerber Torsten Lange 14,6 % 1 – – SPD 10,5 % 1 – – Bürgerschaft der Gemeinde Brüel 10,2 % 1 – - Einzelbewerber Hans-Werner Lübcke 3,3 % 1 – – Insgesamt 100 % 11 100 % 12

Bei der Wahl 2019 entfielen auf den Einzelbewerber Torsten Lange zwei Sitze. Daher blieb in der Stadtvertretung ein Sitz unbesetzt.

Bürgermeister 2004–2019: Hans-Jürgen Goldberg (Die Linke) seit 2019: Burkhard Liese (CDU)