Bei der Weiterbildungsberatung handelt es sich um eine Form der Bildungsberatung. In ihrem Fokus stehen Ausbildungs- und Berufswege und die Auswahl passender Weiterbildungsangebote und -anbieter. Mit Anstieg der Bedeutung des Lebenslangen Lernens für den gesamten Lebensverlauf von der Schulzeit bis ins Rentenalter nimmt auch der Bedarf an Beratung in verschiedenen Bereichen und Lebensabschnitten stetig zu. Allerdings liegt noch kein elaboriertes Konzept für die Beratung vor.

Aufgabenbereiche der Weiterbildungsberatung Die Weiterbildungsberatung kann aus analytischer Perspektive in zwei wesentliche Aufgabenbereiche differenziert werden: die personenbezogene Beratung und die organisationsbezogene Beratung. Beide Beratungsfelder können jeweils in weitere Unterbereiche unterteilt werden. In der Realität ist diese strikte analytische Trennung der Aufgabenbereiche aufgrund fließender Übergänge jedoch nicht möglich. Hier können auch Mischformen vorkommen.C. Schiersmann, H.-U. Thiel: Beratung in der Weiterbildung. In: F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Tübingen 2007, S. 893C. Schiersmann: Beratung im Kontext lebenslangen Lernens. In: R. Tippelt, A. von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Wiesbaden 2011, S. 749.

Personenbezogene Weiterbildungsberatung Die personenbezogene Weiterbildungsberatung wird in die drei Dimensionen der Orientierungsberatung, der Kompetenzentwicklungsberatung und der Lernberatung unterteilt.C. Schiersmann: Beratung im Kontext lebenslangen Lernens. In: R. Tippelt, A. von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Wiesbaden 2011, S. 750. Der bis vor einiger Zeit häufig verwendete Begriff der Bildungslaufbahnberatung, die eine Weiterbildungsberatung im engeren Sinne darstellt, bezieht sich auf die Dimensionen der Orientierungs- und Kompetenzentwicklungsberatung.

Orientierungs- und Kompetenzentwicklungsberatung

Bei der Orientierungsberatung steht die Unterstützung von Personen bei ihrer Orientierung und Entscheidung für individuell geeignete Weiterbildungsangebote sowie Berufswege im Vordergrund.

Vor dem Hintergrund der Entwicklung neuer Beschäftigungsformen, der damit einhergehenden Zunahme individueller Patchwork-Biografien von Bildungs- und Berufswegen sowie der Zielvorstellung des lebenslangen Lernens hat die längerfristig aus- und festgelegte Berufs- und Karrierelaufbahnberatung an Bedeutung verloren. Inzwischen stellt sich ein neuer Aufgabenbereich der Weiterbildungsberatung heraus, welcher am besten mit dem Wort Kompetenzentwicklungsberatung beschrieben werden kann. Die Kompetenzentwicklungsberatung unterstützt Individuen bei der biografiebezogenen Dokumentation und Bilanzierung ihrer vorhandenen Kompetenzen. Zudem steht die Identifikation von Entwicklungspotenzialen und die Auswahl passender Strategien zur Kompetenzentwicklung entsprechend dem Bildungs- und Erwerbsprofil der Personen im Mittelpunkt der Beratung. Die Inhalte der Kompetenzentwicklungsberatung spielen nicht nur auf individueller Ebene eine wichtige Rolle. Auch auf bildungspolitischer Ebene hat dieser Aufgabenbereich der Weiterbildungsberatung eine enorme Relevanz. So werden beispielsweise non-formal und informell erworbene Kompetenzen sowie deren Bilanzierung und Zertifizierung auf europäischer Ebene immer wichtiger für die internationale Anerkennung von Kompetenzen und die damit verbundene Steigerung der Mobilität von Arbeitskräften.

Alle Weiterbildungsinstitutionen (z. B. Berufs- und Arbeitsberatung der Bundesagentur für Arbeit, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, eigenständige Beratungsstellen sowie auch regionale Netzwerke, die Beratung durchführen) bieten in irgendeiner Art und Weise Kompetenzentwicklungsberatung an. Dabei unterscheiden sich die Angebote der Institutionen jedoch nach ihrem Umfang, ihren Beratungsschwerpunkten und den Zielgruppen. Auch Führungskräften kommt inzwischen im Rahmen der Durchführung von Karriere- und Zielvereinbarungsgesprächen vor allem in Großbetrieben eine weiterbildungsrelevante Beratungsfunktion zu.C. Schiersmann, H.-U. Thiel: Beratung in der Weiterbildung. In: F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Tübingen 2007, S. 894. In einem Forschungsprojekt von Schiersmann und Remmele (2004) wurden u. a. die Gründe und Ziele der Kompetenzentwicklungsberatung von verschiedenen Institutionen und Anbietern erfasst. Die Ergebnisse der Untersuchung reichten von personenbezogener Weiterbildungsberatung als individuelle Orientierungshilfe bei der Auswahl passender Weiterbildungsmaßnahmen über die Deckung von Qualifizierungslücken bis hin zur Beratung für eine erfolgreiche Vermittlung in den Arbeitsmarkt.C. Schiersmann, H.-U. Thiel: Beratung in der Weiterbildung. In: F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Tübingen 2007, S. 894 f. Diese Projektresultate lassen die bei Schiersmann 2011 genannten Zielperspektiven von Bildungs- und Berufsberatung auch bei der personenbezogenen Weiterbildungsberatung erkennen: Erhöhung der persönlichen Beschäftigungsfähigkeit auf individueller Ebene durch Stärkung der bildungs- und berufsbiografischen Gestaltungskompetenz, Steigerung der Effektivität und Effizienz des Bildungssystems auf bildungspolitischer Ebene durch Senkung von Abbruchquoten und Fehlzuweisungen, Stärkung des Arbeitsmarktes auf arbeitsmarktpolitischer Ebene durch Angebot von optimal qualifiziertem Arbeitskräftepotenzial und Förderung der sozialen Integration von eher ausgegrenzten Personengruppen, wie z. B. Migranten, Geringqualifizierten oder Arbeitslosen auf gesellschaftspolitischer Ebene sowie Steigerung von Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe.

Lernberatung

Zuletzt spielt neben der Orientierungs- und der Kompetenzentwicklungsberatung auch die Lernberatung eine wichtige Rolle im Rahmen der personenbezogenen Weiterbildungsberatung. Lernberatung fokussiert auf Individuen, die sich unmittelbar vor oder in einer konkreten Lernsituation befinden. Ursprünglich war das Konzept der Lernberatung eher defizitorientiert auf Zielgruppen mit Lernproblemen ausgerichtet.C. Schiersmann, H.-U. Thiel: Beratung in der Weiterbildung. In: F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Tübingen 2007, S. 896. Die Anforderungen an die Lernberatung änderten sich jedoch mit der zunehmenden Fokussierung auf selbstgesteuertes Lernen, auf non-formale und informelle Lernkontexte sowie durch den gesteigerten Einsatz neuer Technologien und der damit einhergehenden stärkeren Nutzung computer- und netzbasierter Lernkontexte. Als charakteristisch für den Wandel der Lernkultur kann die Abkehr von der Vermittlungsperspektive von Lehrenden hin zur Entwicklung einer Aneignungsperspektive der Lernenden angesehen werden.C. Schiersmann, H.-U. Thiel: Beratung in der Weiterbildung. In: F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Tübingen 2007, S. 891. Heutzutage steht bei der Lernberatung die Ressourcenorientierung im Vordergrund, die durch eine intensive Reflexion des Lernprozesses einzeln oder in Lerngruppen erreicht wird.M. Kemper, R. Klein: Lernberatung. Gestaltung von Lernprozessen in der beruflichen Weiterbildung. Baltmannsweiler 1998. Die Reflexion kann beispielsweise in Form von Feedback, in Lernkonferenzen oder durch Lerntagebücher angeregt werden. E-Learning- und Blended-Learning-Konzepte sowie Lernzentren werden im Rahmen von individualisierter Lernberatung immer wichtiger. Generell ist Lernberatung, welche in der Arbeit von Weiterbildnerinnen und Weiterbildnern alltäglich zu finden ist, ein wesentlicher Bestandteil pädagogischen Handelns.C. Schiersmann: Beratung im Kontext lebenslangen Lernens. In: R. Tippelt, A. von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Wiesbaden 2011, S. 751.

Organisationsbezogene Beratung Die organisationsbezogene Beratung ist ein Arbeitsfeld der Weiterbildungsberatung.A. Strauch, S. Jütten, E. Mania: Kompetenzerfassung in der Weiterbildung. Instrumente und Methoden situativ anwenden. Bertelsmann, Bielefeld 2009, S. 26. Unter dem Begriff der organisationsbezogenen Beratung ist eine Beratungsform zu verstehen, die sich auf Organisationen, Institutionen und Systemen erstreckt. A. Fogolin: Individuelle Beratungsbedarfe im Vorfeld der Belegung eines berufsbildenden Angebotes im Fernlernen. In: A. Fogolin (Hrsg.): Bildungsberatung im Fernlernen. Beiträge aus Wissenschaft und Praxis. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2012, S. 106. Schiersmann differenziert innerhalb des Begriffes zwischen Qualifizierungsberatung für Betriebe und Organisationsberatung für Weiterbildungseinrichtungen.

Qualifizierungsberatung für Betriebe Grundsätzlich kann die Qualifizierungsberatung als eigenständige Leistung, aber auch im Kontext anderer Beratungsdisziplinen erfolgen. Festzustellen ist in der Praxis jedoch, dass die Qualifizierungsberatung für Betriebe häufig parallel zu anderen Beratungsformen verläuft.H.Loebe, E. Severing: Handlungshilfen für Bildungsberater. Wege in den Betrieb. Band 20. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2007, S. 5. Insbesondere im Rahmen von Management- und Organisationsberatung ist ein beiläufiges in Erscheinung treten vermehrt zu beobachten, wodurch die überwiegende Zahl der Anbieter als privatwirtschaftlich einzustufen sind. Dennoch stellt die Qualifizierungsberatung, wie oben bereits erwähnt, ebenso ein eigenständiges Tätigkeitsfeld dar, welches wiederum klar von den öffentlich-rechtlichen Anbietern verwaltet wird. Hier sind insbesondere Verbände und Kammern federführend.C. Schiersmann: Auf dem Weg zu einer Beratungswissenschaft für das Feld Bildung, Beruf Beschäftigung. In: U. Heuer, R. Siebers (Hrsg.): Weiterbildung am Beginn des 21. Jahrhunderts. Festschrift für Wiltrud Gieseke. Waxmann, Berlin 2007, S. 155. Die Zielgruppe der Qualifizierungsberatung bezieht sich vor allem auf kleine und mittlere Betriebe, die aufgrund von fehlender Kapazitäten sowie mangelndem know-how auf Unterstützung in Form der Beratung angewiesen sind. Im Vordergrund einer solchen ganzheitlichen Qualifizierungsberatung steht die Ausgestaltung der Qualifizierungsstrategien und eine Flankierung betrieblicher Weiterbildungsprozessen. Die Aufgabe der unabhängigen Qualifizierungsberatung besteht demnach darin, konkrete Gebiete der Weiterbildung zu erschließen und somit passgenaue sowie unternehmensspezifische Bildungsangebote mittels Bedarfsanalysen zu ermitteln. Folglich intendiert die Qualifizierungsberatung eine Stärkung der Innovationskraft, eine Förderung der Wettbewerbsfähigkeit und eine Modernisierung der bereits vorherrschenden Strukturen. Stand: 4. Juni 2017.

Organisationsberatung für Weiterbildungseinrichtungen