Der Murtensee (veraltet Murtenersee, historisch Üchtsee), , ist mit einer Fläche von 22,8 km² der kleinste der drei grossen Schweizer Jurarandseen, nach dem Neuenburgersee und dem Bielersee.
Geographie mini|links|Dampfschiff Neuchâtel in Murten Der Murtensee liegt in den Kantonen Freiburg und Waadt. An seinem südlichen Ufer liegt die namengebende Stadt Murten. 40 Meter vom Nordufer entfernt, nahe Guévaux, liegt die Insel La Grande Île mit einer Fläche von 0,1 ha.
Hauptzufluss ist die Broye, die 63 % des Einzugsgebietes entwässert. Abfluss ist der Broyekanal, der in den Neuenburgersee führt. Im langjährigen Mittel (seit 1983) lag der Wasserstand mit nur 2 cm über dem des Neuenburgersees. Zusammen mit dem Neuenburgersee dient der Murtensee als Ausgleichsbecken für die in den Bielersee mündende Aare. Wenn Hochwasser der Aare den Bielersee ansteigen lässt, kommt der Abfluss zum Stillstand und fliesst zeitweise sogar rückwärts.
Der 22,8 km² grosse See ist 8,2 km lang und maximal 2,8 km breit. Seine maximale Tiefe beträgt 45 m, sein Inhalt rund 0,55 km³. Das Einzugsgebiet ist 693 km² gross. Die theoretische Aufenthaltszeit des Wassers im See (Füllzeit) beträgt 1,6 Jahre. Vor der Juragewässerkorrektion war der Seespiegel ca. 2,5 m höher und der See 4,6 km² grösser. Die Dufourkarte verzeichnete ihn auf (1860) mit 27,42 km².
Sagen 1840 veröffentlichte Georg Zetter unter seinem Pseudonym Friedrich Otte das Buch Schweizer-Sagen in Balladen, Romanzen und Legenden. In einer dieser Sagen ist der Murtensee Hauptschauplatz.Otte: Schweizer-Sagen in Balladen, Romanzen und Legenden. 1840.
Darin wird beschrieben, wie ein Naturphänomen den See rot färbt.Otte: Schweizer-Sagen in Balladen, Romanzen und Legenden. 1840, S. 40 (Sage), S. 84 (Kommentar).
In der Sage selbst glaubten die Anwohner, dass es das Blut der Burgunder sei, das nun hochgewirbelt werde und den See blutrot färbe.Antoinette Schwab: Blutrot wird der See im Herbst. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Oktober 2002. Diese Burgunder hatten, unter der Herrschaft von Karl dem Kühnen, 1476, bei der Schlacht von Murten, versucht, die Eidgenossenschaft einzunehmen, waren aber kläglich gescheitert. Viele verloren ihr Leben.
Die Schlacht von Murten ist für die Region und Bern ein prägendes Ereignis (Murten war damals unter Berner Herrschaft). Dies zeigt sich auch am Berner Münster. Dort, am Eingangstor, tragen die törichten Jungfrauen (geschaffen zwischen 1460 und 1480) jeweils Burgunderkleidung.Simon Wälti: War die Jungfrau ein Mann? In: Der Bund. 20. Januar 2019.
Im Buch Schweizer-Sagen in Balladen, Romanzen und Legenden wird ebenfalls vermerkt, dass die Alge, damals Aftermose genannt, von Alphonse de Candolle als Oscillatoria filis, cylindricis, tenuissimis, fusco-rubenscentibus confestissime annulatis bezeichnet wurde. Heute ist sie als Burgunderblutalge bekannt und nach dieser Sage benannt.
Dieses Naturphänomen soll sich auch am Bodensee zutragen.
Schifffahrt 1872 wurde die Société de navigation sur les lacs de Neuchâtel et Morat (LMN) gegründet, die noch heute zusammen mit der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft auf den drei Seen die öffentliche Schifffahrt betreibt.
Schiffländen
Schiffländen der Personenschifffahrt, von Süden nach Norden:
+ Schifflände am Murtensee Name Ufer Lage Kt. ⊙ Bild Anmerkungen Avenches Plage Süd Avenches VD 18px|verweis=Wikipedia:Bilderwünsche/Anleitung keine Kursschiffe Faoug débarcadère Süd Faoug VD 140px|2019 Vallamand Nord Vallamand VD 140px|2019 Murten/Morat (Schiff/bateau) Süd Murten FR 140px|2017 Môtier (Vully) Nord Môtier, Mont-Vully FR 18px|verweis=Wikipedia:Bilderwünsche/Anleitung Praz Nord Praz, Mont-Vully FR 140px|2019 Sugiez (bateau) Sugiez, im Broyekanal FR 18px|verweis=Wikipedia:Bilderwünsche/Anleitung
Ökologie Über den Phosphorkreislauf gelangt nach wie vor zu viel Phosphor in den Murtensee. Ein Teil davon kommt über das gereinigte Abwasser aus 31 Kläranlagen. 60 Prozent kommen aus diffusen Einträgen, hauptsächlich im Zusammenhang mit der Landwirtschaft.
Der Bestand an Felchen kann im Murtensee, wegen fehlender Laichmöglichkeiten, nur durch jährliche Besatzmassnahmen gehalten werden. Inzwischen wird der Laich aus dem Neuenburgersee in der interkantonalen Fischzucht in Colombier NE ausgebrütet, bevor die jungen Fischlein im Murtensee ausgesetzt werden. Ab 2018 hat sich die invasive Quagga-Muschel massiv ausgebreitet.
Der Kanton Freiburg möchte die privaten Bootsstege, insbesondere in der Gemeinde Mont-Vully, aufheben, da sie gegen die nationalen Uferschutzvorschriften verstossen. Die Besitzer wollen sich allenfalls bis vor Bundesgericht dagegen wehren.
Freizeit Der Murtensee bietet verschiedene Freizeit- und Wassersportmöglichkeiten; unter anderem gibt es eine Segelschule, eine Surfschule und zwei Wakeboardschulen.
Am östlichen Ufer des Sees befinden sich drei kleinere Aussichtsplattformen.
Expo.02 Während der Expo.02 schwamm auf dem Murtensee, 200 m vom Hafen in Murten entfernt, ein rostiger, begehbarer Monolith des Architekten Jean Nouvel von 34 Metern Seitenlänge, in dessen Innerem zwei Panoramabilder zu sehen waren (vgl. Bild). Nach der Landesausstellung wurde er wieder demontiert.
Bilder
Siehe auch Liste der Seen im Kanton Freiburg Liste der Seen im Kanton Waadt Einbaum im Murtensee
Weblinks
Murten-Tourismus Standortentwicklung Murtenseeregion Murtensee.info
Literatur Erich Liechti, Jürg Meister, Josef Gwerder: Die Geschichte der Schiffahrt auf den Juragewässern. Neuenburgersee – Murtensee – Bielersee – Aare. Meier, Schaffhausen 1982, ISBN 3-85801-035-9.
Einzelnachweise
Kategorie:See im Kanton Freiburg Kategorie:See im Kanton Waadt SMurtensee Kategorie:Murten