Lackendorf (, ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Burgenland im Bezirk Oberpullendorf in Österreich.
Geografie Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland; sie ist kongruent mit der gleichnamigen Katastralgemeinde und ist darin die einzige Ortschaft (Dorf).Burgenland, Jois – Markt Sankt Martin, 63. Lackendorf. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH (Verlag Österreich), Wien 2002–, .
Nachbargemeinden:
Geschichte Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.
Später unter den Römern lag das heutige Lackendorf dann in der Provinz Pannonia.
Die erste urkundliche Nennung des Ortes erfolgte im Jahr 1222 als major Louku. König Andreas II. tauschte es damals samt Weppersdorf vom Grafen Nikolaus Szàk gegen andere Besitzungen ein und verlieh es Graf Pousa (Sohn des Botus) für seine treuen Dienste in Griechenland. 1229 urk. Nennung „maior Lok“, 1482 Lakendorff, 1499 Lägkendorff, 1531 Lägkndorf und 1553 Lackendorf. Nahe der Ortschaft nimmt man einen kleinen See an, der nur bei großen Regenfällen bestanden haben dürfte, ansonsten aber nur eine große Lacke war.Schöbel et al.: Kunstdenkmäler. S. 265.
Bis zum 15. Jahrhundert erfolgte unter dem Grafengeschlecht der Athinai eine rasche Entwicklung der Ansiedlung. 1425 überließ Sigismund Athinai seine zu Landsee gehörigen 14 Besitzungen, darunter Lackendorf, dem Palatin Nikolaus (Miklós) Garai und seiner Frau. 1482 bekam Ulrich von Grafenegg die Herrschaft Landsee von König Matthias verliehen, sein Sohn verkaufte die Herrschaft 1506 dem Freiherrn Sigismund von Weißpriach. Dessen Sohn, Hans von Weißpriach, bis 1548 Inhaber der Herrschaft, siedelte nach den Verwüstungen durch den Türkensturm 1532 in den Dörfern Lackendorf, Lackenbach, Horitschon, St. Martin und Unterfrauenhaid Kroaten an.
mini|links|Lackendorf (Mitte rechts oben) um 1880 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Die Besiedlung war um die Mitte des 16. Jahrhunderts abgeschlossen. Nach dem Tod des Hans von Weißpriach kam es zu einem raschen Wechsel der Besitzer: 1548–1553 Erasmus, Christoph und Andreas Teuffl, 1553–1561 Nikolaus Oláh (Miklós Oláh), Erzbischof von Gran und als solcher Fürstprimas von Ungarn, 1561–1612 Nikolaus Császár und Tochter Ursula, die 1580 den protestantischen Franz Graf Dersffy heiratete. Deren Tochter ehelichte 1612 Nikolaus Esterházy de Galantha, was die Herrschaft zum Esterházyschen Besitz machte.
Laut Urbar 1640 hatte Lackendorf 69 Lehensherren, von denen 13 Hofstätter waren und die fast ausschließlich kroatische Namen hatten. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Esterházysche Großbesitz verwaltungsmäßig in PräfektorateDie Esterházy. In: August Ernst: Geschichte des Burgenlandes. 2. Auflage. Geschichte der österreichischen Bundesländer. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1991, ISBN 3-7028-0311-4 (S. 156 f. online). neu eingeteilt, Lackendorf gehörte fortan zum Präfektorat Frauenkirchen.Schöbel u. a.: Kunstdenkmäler. S. 266.
1848 brachte den Bauern Standesfreiheit und neuen Aufschwung. Als eine der letzten Frondienstleistungen wurde der neue 2 km lange und 2 m tiefe Graben westlich des Ortes geschaffen.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Lakfalva verwendet werden.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Gemeindezusammenlegung Mit 1. Jänner 1971 wurde Lackendorf im Rahmen des „Gemeindestrukturverbesserungsgesetzes“ durch einen Beschluss der Burgenländischen Landesregierung mit Raiding und Unterfrauenhaid zur neuen Gemeinde Raiding-Unterfrauenhaid vereinigt. Diese von der Bevölkerung als Zwang empfundene Zusammenlegung – der überwiegende Teil der Wahlberechtigten wünschte sich eine Vereinigung mit Lackenbach – wurde nie wirklich akzeptiert. Die Einwohner von Lackendorf fühlten sich, nicht zuletzt wegen des Untergangs ihres Gemeindenamens,Scheiden tut weh. (…) zum Thema. In: Burgenländische Freiheit. LIX. Jahrgang, Nr. 30/1989, S. 5 (Volltext online). innerhalb der Großverbandes stets benachteiligt.
Vonseiten der Landesregierung wurde es als Zeichen der Ernsthaftigkeit gewertet, mit welcher die Großgemeinde die Gleichberechtigung aller Ortsteile wahrte, als der Gemeinderat von Raiding-Unterfrauenhaid im Mai 1977 beschlossGestützt auf das Gesetz vom 15. Dezember 1969 über das Leichen- und Bestattungswesen im Burgenland (Burgenländisches Leichen- und Bestattungswesengesetz), , die Aufbahrungshallen (Leichenhallen) in allen drei Ortsteilen zu gleicher Zeit in Angriff zu nehmen und gemeinsam fertigzustellen – und diese am 29. Oktober 1978, in drei konsekutiven Festakten, ihrer Bestimmung zu übergeben.Lackendorf, Raiding, Unterfrauenhaid: Drei moderne Aufbahrungshallen. In: Burgenländische Freiheit. XLVIII. Jahrgang, Nr. 44/1978, S. 32 f. (Volltext online).
Auf Grund der anhaltenden Widerstände und da sich Anfang 1988 noch immer mehr als 90 % der Lackendorfer Ortsbevölkerung für eine Gemeindetrennung ausgesprochen hattenFestgestellt im Wege einer von den beiden politischen Ortsparteien vorgenommenen Haus-zu-Haus-Befragung. – Die gesetzliche Grundlage für das Instrument der gemeindemitgliederbezogenen Volksabstimmung wurde erst im Juni selben Jahres als Burgenländisches Gemeindevolksrechtegesetz geschaffen () und kam, obwohl ins Auge gefasst, im Falle der Trennung der Gemeindeteile von Raiding-Unterfrauenheid nicht zum Einsatz., wurde vom Gemeinderat Raiding-Unterfrauenhaid am 23. September 1988 ein einstimmiger Beschluss auf Trennung aller drei Ortsteile gefasst und, nach Klärung der Frage der Vermögensauseinanderlegung, am 27. April 1989 beim Amt der Landesregierung der Antrag auf Trennung eingereicht. Die Großgemeinde wurde in der Folge per Verordnung vom 6. September 1989 mit 1. Jänner 1990 wieder aufgelöst, womit Lackendorf – wie auch Raiding sowie Unterfrauenhaid – wieder eine den Grenzen der Katastralgemeinde folgende selbständige Gemeinde wurde.Gemeinde Lackendorf: . (PDF; 304 KB), abgerufen am 22. Juli 2013.
Bevölkerungsentwicklung
1869 hatte das Dorf 604 Einwohner. Diese Zahl stagnierte trotz hoher Geburtenzahlen bis 1910, da viele Menschen aus- bzw. abwanderten, vor allem nach Wien und in die Industriegebiete Niederösterreichs. 1923 wurde die höchste Einwohnerzahl mit 727 Personen erreicht und sank bis 1939 wieder auf 611. In der Nachkriegszeit sank die Einwohnerzahl trotz der positiven wirtschaftlichen Entwicklung weiterhin kontinuierlich, wenn auch nur leicht. Erst nach 2011 war eine leichte Trendwende erkennbar. 2020 hatte Lackendorf 593 Einwohner.http://atlas-burgenland.at./
Auch die sprachlich-ethnische Situation hat sich im Laufe des 20. Jahrhunderts stark geändert: 1880 gaben noch 339 (oder 68,0 %) der Einwohner Kroatisch und nur 230 Deutsch als Muttersprache an. Der Anteil der kroatischsprachigen Bevölkerung ging ab Beginn des 20. Jahrhunderts von Jahrzehnt zu Jahrzehnt stark zurück: 1900: 48,9 %, 1910: 32,0 %, 1920: 14 %. 1923: 1,3 %; gänzlich verschwunden dürfte das Kroatische in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts sein.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.7|Krainatzkapelle (Johannes-Nepomuk-Kapelle),Schöbel u. a.: Kunstdenkmäler. S. 269. 2009 restauriert; bei Hauptstraße 20 mini|hochkant=0.7|Marienkapelle (Schmeller-Kitt: Nikolauskapelle), erbaut 1693. (Auch: Nikloskapelle, 1883 von der Familie Franz und Maria Niklos errichtet.)
Filialkirche St. Rochus:Ursprünglich 1663 aus Mitteln der Gläubigen neu errichtet (ohne Turm und Friedhof) und am 19. Februar 1673 durch Bischof Georg (György) Pongràcz eingeweiht. Zu jener Zeit hingen zwei Glocken in einem hölzernen Campanile neben der Kirche. 1886 wurde der westliche Turm mit dem Westgiebel an die Kirche angestellt und das alte Westportal nach außen versetzt. — Restaurierungen fanden in den Jahren 1887, 1943 sowie 1986 statt.Schöbel u. a.: Kunstdenkmäler. S. 267. Krainatzkapelle (Johannes-Nepomuk-Kapelle) Marienkapelle (Nikloskapelle)Schöbel u. a., Kunstdenkmäler. S. 269 nennt und Foto-belegt die Marienkapelle, welche eine mit 1683 datierte Inschrifttafel aufweist, die 1976 in Schmeller-Kitt: Burgenland. S. 165 das Baujahr begründet und die als sog. Nikolauskapelle verzeichnet wird. Die Nikloskapelle wird bei Schöbel als eine weitere, jüngere Kapelle (ohne Bildbeweis) angeführt. Gemäß der Leitziele des Dorferneuerungskonzeptes vom März 2001 wurde im September 2009 die Umgestaltung des Platzes vor dem Gemeindeamt sowie des dem Amtshaus vorgelagerten Teils des Dorfangers beschlossen. Dies bedingte die Verlegung des Kriegerdenkmals vom Heldenplatz auf dem Dorfanger zum Vorplatz bei der Leichenhalle sowie den Neubau von Urnennischen.Robert Sellmeister: Dorferneuerung – Parkplatzumgestaltung, Kriegerdenkmal und Urnengräber. In: Gemeindenachrichten, September 2009 (3.).
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren Von den 21 Landwirtschaftsbetrieben des Jahres 2010 waren 12 Haupterwerbsbetriebe. WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige 2)2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)21301825Produktion562635Dienstleistung21127138 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, 2) Erwerbstätige am Arbeitsort
Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 lebten 291 Erwerbstätige in Lackendorf. Von diesen arbeiteten 49 im Ort, 242 arbeiteten außerhalb der Gemeinde. Von der Umgebung pendelten 66 Personen zur Arbeit nach Lackendorf.
Bildung Die Caritas Burgenland betreibt eine Kinderkrippe und den Kindergarten in Lackendorf. In der Gemeinde Lackendorf befindet sich eine Volksschule.
Infrastruktur Straße: Durch das Gemeindegebiet verläuft im Süden die Deutschkreutzer Straße B62. Über diese erreicht man im Osten das rund zwanzig Kilometer entfernte Sopron oder die sechs Kilometer entfernte Burgenland Schnellstraße im Westen.
Politik Gemeinderat
mini|Gemeindeamt Lackendorf
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 13 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Lackendorf 2017 (abgerufen am 26. Dezember 2017) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Lackendorf 2012 (abgerufen am 26. Dezember 2017) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Lackendorf 2007 (abgerufen am 26. Dezember 2017) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Lackendorf 2002 (abgerufen am 26. Dezember 2017) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. SPÖ23958,878 224 53,21 7 270 59,60 8 266 57,70 8 292 64,60 9 223 52,72 7 ÖVP16741,135 197 46,79 6 183 40,40 5 195 42,30 5 144 31,86 4 149 35,22 5 FPÖnicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 16 3,54 0 51 12,06 1 Wahlberechtigte556 558 570 562 544 506 Wahlbeteiligung79,14 % 83,33 % 86,32 % 88,43 % 91,18 % 89,72 %
Bürgermeister Bürgermeister ist Werner Hofer (SPÖ), der 2012 die Nachfolge von Robert Sellmeister (SPÖ) antrat, der seit 1987 der Gemeinde vorstand.BVZ vom 7. September 2011: Bürgermeister dankt nach drei Perioden ab (abgerufen am 26. Dezember 2017) Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 1. Oktober 2017 wurde Hofer mit 57,27 % in seinem Amt bestätigt. Er erreichte damit um 4,06 % mehr Stimmen als seine SPÖ. Sein Mitbewerber Andreas Bauer (ÖVP) erreichte 42,73 % der Stimmen. Bauer wurde in der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am 13. Oktober 2017 zum Vizebürgermeister gewählt.
Bei der Wahl 2022 wurde Werner Hofer mit 59,43 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.
Amtsleiter ist Otto Scheu.
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