Das Kloster Himmelpforten im Osteland war von ca. 1250 bis 1629 ein Kloster zuerst der Zisterzienserinnen, ab dem 16. Jahrhundert lutherischer Konventualinnen, in Himmelpforten, Landkreis Stade, in Niedersachsen. Es darf nicht mit dem Kloster Himmelpforten (Ense) in Nordrhein-Westfalen, Kloster Himmelspforten in Würzburg, Kloster Himmelpforten (Harz), noch mit Kloster Himmelpfort in Brandenburg verwechselt werden. „Himmelspforte“ nannte sich auch die Zisterzienserinnenabtei Schweinheim.

Geschichte Der Frauenkonvent, dessen lateinischer Name Porta Coeli lautete, wurde Mitte des 13. Jahrhunderts auf dem Westerberg beim stiftbremischen Weiler Rahden nahe Lamstedt gegründet, eine Stätte, die später noch durch die nicht mehr bestehende St. Andreaskapelle markiert war.Georg von Issendorff, Kloster und Amt Himmelpforten. Nach Akten und Urkunden dargestellt, Nachdruck der Ausgabe vom "Stader Archiv", 1911/1913, erweitert durch Clemens Förster, Stade und Buxtehude: Krause, 1979, S. 5. Keine ISBN. Der Konvent wurde dem Vorbild von Kloster Uetersen entsprechend, von dem es wohl auch besiedelt worden war, angelegt. Uetersen war eine Stiftung von 1234 durch Heinrich II. von Barmstede, Schwiegervater von Adelheid von Haseldorf.

Da der Zisterzienserorden die Aufnahme der wachsenden Zahl von Frauenkonventen, die nach den Regeln des Ordens lebten, sehr beschränkte und weder die Aufnahme des Klosters in den Orden noch die damit einhergehende Berufung zuständiger Abtväter überliefert sind, war das Kloster Himmelpforten wahrscheinlich offiziell nie Teil des Ordens.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 33. Keine ISBN.

1244 und 1245 hatte das Generalkapitel des Zisterzienserordens bestimmt, dass nur solche Konvente als Nonnenklöster aufgenommen würden, deren zuständiges Kathedralkapitel und zuständiger Bischof Temporalien und Spiritualien der aufzunehmenden Gemeinschaft von ihrer Kontrolle eximierten.Gerd Ahlers, Weibliches Zisterziensertum im Mittelalter und seine Klöster in Niedersachsen, Berlin: Lukas-Verlag, 2002, (=Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser; Bd. 13), teilw. zugleich Berlin, Freie Univ., Diss., 1997, S. 49. ISBN 3-931836-47-9. Und gerade eine so weit reichende Aufgabe ihrer Souveränität wollten Bremens Domkapitel und Fürsterzbischof dringend vermeiden.

Die wichtigsten Stifter des Klosters, Mitglieder der Familie Brobergen (auch Broc[k]bergen, 1745 ausgestorbenPeter von Kobbe, Geschichte und Landesbeschreibung der Herzogthümer Bremen und Verden: 2 Bde., Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1824, Bd. 1: S. 300. Keine ISBN.), beabsichtigten, es als Eigenkloster zu etablieren.Matthias Nistal, „Die Zeit der Reformation und der Gegenreformation und die Anfänge des Dreißigjährigen Krieges (1511–1632)“, in: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser: 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hrsg.) im Auftrage des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Stade: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 1995 und 2008, Bd. I 'Vor- und Frühgeschichte' (1995; ISBN 978-3-9801919-7-5), Bd. II 'Mittelalter (einschl. Kunstgeschichte)' (1995; ISBN 978-3-9801919-8-2), Bd. III 'Neuzeit' (2008; ISBN 978-3-9801919-9-9), (=Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden; Bde. 7–9), Bd. III: S. 1–158, hier S. 78. ISBN 978-3-9801919-9-9. Die Brobergens aus Brobergen, die in der Gegend allodiale Besitzungen hielten, wünschten das Kloster als eigene Machtbasis außer direkter Kontrolle des fürsterzbischöflichen Landesherrn,Konrad Elmshäuser, „Die Erzbischöfe als Landesherren“, in: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser: 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hrsg.) im Auftrage des Landschaftsverbands der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Stade: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 1995 und 2008, Bd. I 'Vor- und Frühgeschichte' (1995; ISBN 978-3-9801919-7-5), Bd. II 'Mittelalter (einschl. Kunstgeschichte)' (1995; ISBN 978-3-9801919-8-2), Bd. III 'Neuzeit' (2008; ISBN 978-3-9801919-9-9), (=Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden; Bde. 7–9), Bd. II: S. 159–194, hier S. 165. ISBN 978-3-9801919-8-2.Adolf E. Hofmeister, „Adel, Bauern und Stände“, in: Geschichte des Landes zwischen Elbe und Weser: 3 Bde., Hans-Eckhard Dannenberg und Heinz-Joachim Schulze (Hrsg.) im Auftrage des Landschaftsverbands der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Stade: Landschaftsverband der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 1995 und 2008, Bd. I 'Vor- und Frühgeschichte' (1995; ISBN 978-3-9801919-7-5), Bd. II 'Mittelalter (einschl. Kunstgeschichte)' (1995; ISBN 978-3-9801919-8-2), Bd. III 'Neuzeit' (2008; ISBN 978-3-9801919-9-9), (=Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden; Bde. 7–9), Bd. II: S. 195–240, hier S. 195. ISBN 978-3-9801919-8-2. worin sie sich mit ihren Verwandten, dem um 1190 erstmals erwähnten Ministerialen Friedrich dem Älteren von Haseldorf und dem Kleriker Friedrich dem Jüngeren von Haseldorf, einig waren.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 27. Keine ISBN. 1250, im Jahr seines Eintritts in den Klerus, stiftete der erbenlose Friedrich der Jüngere allodiale Besitzungen seiner Familie auf der Lamstedter Geest und in den Ostemarschen dem Kloster,Friedrich der Jüngere stiftete weitere Familienbesitzungen anderen Klöstern im Erzstift, wie dem Kloster St. Marien zu Stade, dem Kloster Zeven, der Erzabtei Harsefeld. Vgl. Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 27. Keine ISBN. seine Familie erlosch in den 1280er Jahren im Mannesstamm.

Allerdings vermochten die Brobergens und Haseldorfs sich mit ihrer Absicht letztlich nicht durchzusetzen.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 28. Keine ISBN. In diesem Zusammenhang spielte eine Rolle, dass das Erzbistum Bremen-Hamburg den Metropolitananspruch der fusionierten Erzdiözese Hamburg über die neuen baltischen Diözesen aufrechterhielt. Deren Bischöfe, wie ab 1255 auch Friedrich der Jüngere von Haseldorf als Oberhirte eines zu gründenden Bistums von Karelien, stammten oft aus dem Erzstift Bremen und strebten eine baltische Kirchenprovinz an, womit sie 1253/1255 mit Rigas Erhebung zum Erzbistum reüssierten, dem auch das Bistum Dorpat als Suffragan unterstand, das Friedrich der Jüngere 1268 tatsächlich erhielt.

Sein persönliches Erbe vermachte Friedrich der Jüngere dem Kloster Porta Coeli, wohin es verschifft wurde.Georg von Issendorff, Kloster und Amt Himmelpforten. Nach Akten und Urkunden dargestellt, Nachdruck der Ausgabe vom "Stader Archiv", 1911/1913, erweitert durch Clemens Förster, Stade und Buxtehude: Krause, 1979, S. 8. Keine ISBN. Fürst Wizlaw II. von Rügen ließ es mit Beschlag belegen und hielt es 1290 in Stralsund zurück. Die Himmelpfortener Äbtissin beanspruchte es, wie auch Truchsess Markwart, zweiter Gemahl oder Sohn Adelheid von Barmstedes, Schwester Friedrichs des Jüngeren. Die Verzichtserklärung der Äbtissin vom 17. März 1291 trägt die älteste erhaltene Version des Klostersiegels, die die Gemeinde Himmelpforten seit 1955 offiziell als Wappen nutzt.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 5. No ISBN.

Das die säkulare Herrschaft im Erzstift ausübende Domkapitel in Bremen, angeführt von Dompropst Gerhard zur Lippe (um 1240–1259), Protégé seines Großonkels Fürsterzbischof Gerhard II. zur Lippe, sowie des letzteren Neffe und ab 1251 als sein Stellvertreter amtierende Koadjutor Simon zur Lippe, rangen darum, alle rivalisierenden Herren im Erzstift unter landesherrliche Kontrolle zu bringen. So ordneten sie das Kloster und seine Temporalien stiftischer Herrschaft unter.

Diese Unterordnung des Klosters unter landesherrliche Kontrolle manifestiert sich in der Verlegung seines Sitzes nach Eulsete (heute Himmelpforten), einem Ort – nach Ansicht Bernd Ulrich Huckers – in strategischer Lage am Rande zu Kehdingen,Bernd Ulrich Hucker, „Freiheit und Herrschaft bei den Kehdingern“, in: Stader Jahrbuch, N.F. 61 (2001/2002), S. 101–108, hier S. 104f. von wo man die dort sich weitgehend selbst verwaltenden Marschenbauern beobachten konnte und zu überwachen hoffte, deren innere Autonomie Kapitel und Fürsterzbischof als rivalisierend zur Landesherrschaft wahrnahmen. Adolf E. Hofmeister hält Hucker entgegen, dass damals kaum absehbar war, wie das Kehdinger Moor zwischen Himmelpforten und dem Kehdinger Siedlungskern in der Marsch je für landesherrliche Einsätze passierbar sein würde,Adolf E. Hofmeister, Besiedlung und Verfassung der Stader Elbmarschen im Mittelalter: 2 Tle., Hildesheim: Lax, 1979–1981, (=Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen; Bde. 12 und 14), Teil II: 'Die Hollerkolonisation und die Landesgemeinden Land Kehdingen und Altes Land' (1981), S. 344. ISBN 3-7848-3644-5. um die Unterwerfung der Republiken bildenden freien Bauern im Erzstift, wie die der Stedinger im Kreuzzug durch Fürsterzbischof Gerhard II., voranzubringen.

Verlegung und landesherrliche Unterordnung des Klosters und seiner Temporalien dokumentiert eine Urkunde des Domkapitels. Die Urkunde vom 1. Mai 1255 ermächtigte Albertus, den Propst des Klosters, dessen Besitzungen in Anbetracht deren allodialen Status ohne fürsterzbischöflichen Lehnsvorbehalt zu verwalten, vermerkt die Zustiftung des Eulsete benachbarten Dorfes Großenwörden ans Kloster durch Friedrich den Jüngeren von Haseldorf, der dann als Domherr ins Hamburger Kapitel eintrat,Georg von Issendorff, Kloster und Amt Himmelpforten. Nach Akten und Urkunden dargestellt, Nachdruck der Ausgabe vom "Stader Archiv", 1911/1913, erweitert durch Clemens Förster, Stade und Buxtehude: Krause, 1979, S. 6. Keine ISBN. das seit der Fusion der Diözesen Hamburg und Bremen dem Bremer Kapitel nachgeordnet war. Die Urkunde machte aber auch klar, dass das Kloster alle Besitzungen, ganz gleich von welcher Seite gestiftet, allein Kraft des Schutzes des Domkapitels halte, jede etwaige Exemtion von stiftischer Landesherrschaft ausschließend.

Eulsete (plattdeutsch: Eylsede, etymologisch als [Wohn-]Sitz eines Eylos/Eilhards gedeutet) nahm im Laufe der Zeit die plattdeutsche Übersetzung des lateinischen Klosternamens, Klooster to der Himilporten oder jünger tor Hemmelporten, an, der in hochdeutscher Lautung später amtlich wurde.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 23. Keine ISBN.

Da sich nur wenige vom Kloster ausgestellte Urkunden erhalten haben, sind kaum gesicherte Aussagen möglich. Es sind keine Nonnen oder Konventualinnen aus dem Stande der Gemeinen überliefert, aber Angehörige folgender Familien sind belegt: Brobergen, von der Brock, von Campe, von der Decken, Drew(e)s, von Gruben, von Hadeln, Haken, von der Hude, von Issendorff, von der Kuhla, von der Lieth, Marschalck, Plate, von Reimershausen, Rönne, Voss, und von Weyhe.Silvia Schulz-Hauschildt, Himmelpforten – Eine Chronik, Gemeinde Himmelpforten (Hrsg.), Stade: Hansa-Druck Stelzer, 1990, S. 36. Keine ISBN.