Lutzmannsburg (, ) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland in Österreich.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland in einer mittleren Seehöhe von und gehört zum südöstlichen Teil des politischen Bezirks Oberpullendorf. Die Gegend um Lutzmannsburg stellt die Übergangszone von der Landseer Bucht zur Kleinen Ungarischen Tiefebene und weiter zum Pannonischen Becken dar. Das Ortsgebiet der Gemeinde ist in eine großflächige Ebene eingebettet. Diese wird vom Fluss Rabnitz durchflossen, in den im Ortsteil Strebersdorf der Raidingbach und der Stooberbach einmünden.

Im Süden wird Lutzmannsburg vom „Lutzmannsburger Weingebirge“, einem Ausläufer der Günser Berge, begrenzt, im Osten von der Staatsgrenze zu Ungarn.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Lutzmannsburg () samt Hofstatt Strebersdorf (ungarisch: Micske; kroatisch: Selce) ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Lutzmannsburg und Strebersdorf.

Lutzmannsburg gehört wie auch Horitschon, Deutschkreutz, Raiding und Neckenmarkt zum Blaufränkischland.

Eingemeindungen Mit 1. Jänner 1971 wurden die Gemeinden Strebersdorf und Lutzmannsburg unter dem Namen Lutzmannsburg zusammengelegt.

Nachbargemeinden

Klima

Geschichte mini|links|Lutzmannsburg (Mitte links) und seine Umgebung um 1880 mini|links|Gedenkstein 800 Jahre Ortsteil Strebersdorf

Der Erdstall von Lutzmannsburg wurde 2018 im Areal des künftigen Rückhaltebeckens Zagersbach in Lutzmannsburg vollständig freigelegt. Erdställe, auch Schratzllöcher genannt, sind unterirdische Systeme aus Gängen und Kammern, die im Hoch- und Spätmittelalter in ländlichen Siedlungen zu Flucht- und Versteckzwecken genutzt wurden. Das Phänomen ist aus mehreren Regionen Europas bekannt. Das Hauptverbreitungsgebiet reicht vom Bayerischen Wald über Ober- und Niederösterreich und das Burgenland bis in die Slowakei. Die bergmännisch angelegten Anlagen finden sich meist unter alten Bauernhöfen, manchmal auch unter Kirchen und Friedhöfen. Das regional unterschiedliche Nutzungsende im 14./15. Jahrhundert ist nicht abschließend geklärt.

Der Erdstall von Lutzmannsburg ist der einzige in Österreich, der zur Gänze ausgegraben wurde. Aus wissenschaftlicher Sicht am interessantesten sind die Erdställe des 11. und 12. Jahrhunderts. Die Gänge des Erdstalls waren zum Teil an die drei Meter tief und sehr eng. Partiell gibt es sogenannte Schlupfe. Die Archäologen gruben in vier Monaten insgesamt 150 Kisten voller Material aus: Tonscherben, Werkzeug und vollständig erhaltene Weinkrüge aus dem 11. Jahrhundert. Manche haben Eingravierungen, die als russische Clanzeichen identifiziert werden konnten. Wie diese ins Burgenland kamen, soll die Wissenschaft klären. Mittlerweile wurden der Erdstall aus Sicherheitsgründen wieder zugeschüttet, die Fundstücke sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Der älteste Fund von Lutzmannsburg ist das Skelett eines jungen Mannes, der zwischen 4366 und 4316 v. Chr. bestattet wurde. Das Grab gehört nicht nur zu den ältesten des Burgenlandes, sondern auch zu den ältesten Mitteleuropas. In zwei 2018 gefundenen, zur Siedlung gehörenden Brandgräbern waren eine Frau (zwischen 3340 und 3206 v. Chr.) und ein Mann (zwischen 3247 und 3101 v. Chr.) beigesetzt. Damit konnte die archäologische Datierung der Gräber in die Badener Kultur (Kultur der Kupfersteinzeit im Mittel-Donauraum) bestätigt werden.Kurier; von Claudia Köglbauer-Schöll, 09.04.2021

Um Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Für die Zeit des Römischen Reichs, in der das Gebiet zur Provinz Pannonien gehörte, lässt sich im Bereich der Lutzmannsburger Weinberge eine größere Siedlung nachweisen. Im Frühmittelalter, während der Zeit der Völkerwanderung, besiedelten Goten, Hunnen, Langobarden, Slawen, Awaren und andere Stämme die Region um Lutzmannsburg, ehe es gegen Ende des 8. Jahrhunderts von Karl dem Großen in die Awarenmark seines Reiches eingegliedert wurde. Daraus erfolgte eine fränkisch-bayrische Besiedelung. Als das Erzbistum Salzburg im Jahr 796 das Gebiet zwischen Donau und Plattensee zur Mission zugeteilt wurde, hielt auch in Lutzmannsburg die Christianisierung Einzug. Nach Einzug der Magyaren und der Heirat des ungarischen Königs Stephan I. mit der bayerischen Herzogtochter Gisela, der späteren Königin von Ungarn, kamen nach der Jahrtausendwende zahlreiche bayerische Adelige ins Land.

Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1156 zurück, als der ungarische König Géza II. den Rittern Gottfried und Albrecht für treue Kriegsdienste das Dorf „Lusman“ verlieh. Da der Ort bereits damals als Markt bezeichnet wurde, zählt Lutzmannsburg zu den ältesten Marktgemeinden des Burgenlandes. Um 1171 wurde am heutigen Kirchberg eine Komitatsburg errichtet, aus der sich der heutige Name ableitet.

Der Ortsteil Strebersdorf wird erstmals 1195 in einer Schenkung des Provinzverwalters (Banus) Dominicus an das Stift Heiligenkreuz erwähnt.

Durch kriegerische Auseinandersetzung zwischen Ungarn und Österreich kam es zum Verfall der Lutzmannsburger Burg, die um 1263 nicht mehr bewohnbar war. Die Befestigung wurde auf Grund ihrer kurzen Bestandszeit nicht wie die meisten anderen Komitatsburgen städtisch überbaut. Wo die „modernen“ Zerstörungen durch die beiden Friedhöfe und den Straßenbau noch nicht zu weit fortgeschritten sind, sind Wall und Graben selbst heute noch gut im Gelände erkennbar.

Am Ende des 13. Jahrhunderts wurde das gesamte Gebiet aus königlichem Besitz in das Eigentum der Güssinger Grafen übertragen. In weiterer Folge gehörte das Gebiet von Lutzmannsburg zur Burg Güns, die 1445 vom deutschen König und späteren Kaiser Friedrich III. erobert wurde.

Obwohl das Dorf 1529 und 1532 infolge der Türkenkriege völlig zerstört wurde, konnte es wieder rasch aufgebaut werden.

Der um 1570 evangelisch gewordene Ort war im 17. Jahrhundert Sitz des Archidiakonats, zu dem alle Orte Westungarns gehörten. Aufgrund der Gegenreformation 1674 und des Toleranzediktes 1781 durch Kaiser Joseph II. gibt es im Ort sowohl eine katholische als auch eine evangelische Kirche.

Ursprünglich lag der Markt Lutzmannsburg am Bett der Rabnitz. Da diese immer wieder über ihre Ufer trat und das Dorf überschwemmte, wurden in den 1820er Jahren die Häuser des Ortes nördlich der Rabnitz auf eine Anhöhe hinauf gebaut. Die Hofstatt, die heute noch am Bett der Rabnitz liegt, wurde im Jahr 1965 abermals vom Hochwasser heimgesucht.

Ab 1898 musste auf Grund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Locsmánd verwendet werden. Mit Eröffnung der Bahnstrecke Zalabér–Oberloisdorf am 9. November 1913 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz.

Da Lutzmannsburg kein Frontgebiet war, blieb der Ort während des Ersten Weltkriegs weitgehend verschont und es kam zu keinen Kriegsschäden. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war bei Lutzmannsburg der Südostwall abgesteckt. In der Umgebung von Lutzmannsburg überschritt 1945 die Rote Armee die Grenze zu Österreich. 1948 kam es als Folge des Kalten Krieges an der Gemeindegrenze zu Ungarn zur Errichtung des Eisernen Vorhangs, womit Lutzmannsburg nach Osten und Süden isoliert war.

Bedingt durch den Ungarischen Volksaufstand war Lutzmannsburg in der zweiten Novemberhälfte 1956 Auffanglager für ungarische Flüchtlinge.

Ab 2. Mai 1989 wurde der Eiserne Vorhang wieder abgebaut. In dieser Zeit wurde der DDR-Bürger Kurt-Werner Schulz am 21. August 1989 beim Versuch, die Grenze zwischen Répcevis und Lutzmannsburg zu überqueren, von einem ungarischen Grenzsoldaten erschossen und ging so als „letztes Opfer des Kalten Krieges“ in die Geschichte ein.

In der Folge der Grenzöffnung wurde unmittelbar hinter der Therme ein „Kleiner Grenzübergang“ für Fußgänger und Radfahrer zu Ungarn errichtet. Am 21. Dezember 2007 wurde die Grenzstation auf Grund des Schengener Abkommens aufgelassen.

Bevölkerungsentwicklung hochkant=1|mini|Typische Häuser burgenländischen Baustils entlang der Hauptstraße

Die Bevölkerungsentwicklung war bis 1900 ansteigend und erreichte mit 1.862 Einwohnern ihren Höchststand. Seit dieser Zeit war sie bis 2021 rückläufig (826 Personen). 2025 lebten hier 842 Menschen. Zum Stichtag der letzten Volkszählung am 15. Mai 2001 hatte Lutzmannsburg 944 Einwohner (davon 127 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren und 206 Senioren über 60 Jahren) mit beinahe ausnahmsloser (97,9 %) österreichischer Staatsbürgerschaft. Neben deutsch (855 Personen) zählen ungarisch (51) und burgenland-kroatisch (14) zur häufigsten Umgangssprache. Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 57,7 % (545 Personen) der Gemeindebevölkerung. Rund 5,4 % der Bevölkerung gehört der Volksgruppe der Burgenlandungarn an. Ein für Österreich relativ großer Anteil von 38 % (359 Personen) bekennt sich zur Evangelischen Kirche (Stand 2001).Statistik Austria: Volkszählung vom 15. Mai 2001, Demografische Daten (PDF-Datei, 5 kB, abgerufen am 4. August 2008)

Nach der Volkszählung 2001 bestanden in Lutzmannsburg 497 Gebäude, davon 438 Wohnhäuser (mit 507 Wohnungen, von denen jedoch nur 398 Hauptwohnsitze waren), 15 Hotels, acht Industrie- und vier Bürogebäude.Statistik Austria: Gebäude- und Wohnungszählung vom 15. Mai 2001 (PDF-Datei, 6 kB, abgerufen am 4. August 2008)

Auf Grund der jüngsten Erfassung durch die Gemeinde per 31. Dezember 2007 sank die Bevölkerung weiter auf nunmehr 875 Einwohner. In den letzten 100 Jahren hat sich die Bevölkerungszahl damit etwa halbiert. Maßgeblich dafür ist neben einer stark rückläufigen Geburtenrate die lange Zeit negative Wanderungsbilanz, die erst in den letzten Jahren durch die Errichtung der Therme umgekehrt werden konnte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Katholische Pfarrkirche Lutzmannsburg Evangelische Pfarrkirche Lutzmannsburg Römisch-katholische Pfarrkirche im Ortsteil Strebersdorf Pranger

Vereinsleben In Lutzmannsburg haben neun Vereine ihren Sitz, die mit verschiedenen Aktivitäten zum Geschehen in der Gemeinde beitragen. Diese sind: Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Strebersdorf Urbarial Gemeinde Freiwillige Feuerwehr Lutzmannsburg Freiwillige Feuerwehr Strebersdorf – gegründet am 21. Oktober 1890 Weinbauverein Lutzmannsburg Volkstanzgruppe Lutzmannsburg Tourismusverband Jugend Lutzmannsburg Dartverein Lutzmannsburg (Dart Monkeys) Gründungsjahr:2015 Theatergruppe Lutzmannsburg Verein für Reitkunst & Gebrauchsreiterei Österreich

Regelmäßige Veranstaltungen Anfang August: Rotweinerlebnis Anfang November: Tag der offenen Kellertür Mitte Mai: Weinblütenfest am Sonnberg

Wirtschaft und Infrastruktur Lutzmannsburg hatte wirtschaftlich lange darunter zu leiden, dass die Gemeinde unmittelbar neben dem Eisernen Vorhang lag. Die Wirtschaft war dadurch auf landwirtschaftliche Produkte und vor allem den Weinbau beschränkt. Erst durch den Bau des Thermalbades in den 1990er Jahren erfolgte ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung.

Verkehr mini|hochkant=1|Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist heute ein Appartementhaus Lutzmannsburg ist von Norden über die Landesstraße 228 (Nikitscher Landesstraße), die in Deutschkreutz von der Bundesstraße 62 (Deutschkreutzer Straße) abzweigt und von Westen über die Landesstraße 225 (Lutzmannsburger Landesstraße), die in Unterpullendorf von der Bundesstraße 61 (Günser Straße) abzweigt, erreichbar.