Heiko Heinisch (* 1966 in Offenbach am Main) ist ein in Österreich wirkender Historiker und Autor. Der Themenbereich, in dem er publiziert, erstreckt sich von Antisemitismus, nationalsozialistischer Judenverfolgung bis hin zu Menschenrechten, Integration von Zugewanderten und Islam.

Leben Nach Abschluss seines Geschichtsstudiums an der Universität Wien (Diplomarbeit 2002: Geiseln der nationalsozialistischen Außenpolitik: Hitlers Hegemonialpläne und die Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg)Heiko Heinisch. Kurzprofil auf der Websites des Czernin Verlags, abgerufen am 2. März 2023. arbeitete Heinisch u. a. als freier Mitarbeiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Historische Sozialwissenschaft in Wien und am Institut für Islamische Studien der Universität Wien. Seit 2005 ist er freiberuflich tätig. Nach Beschäftigung mit den Themen Antisemitismus und nationalsozialistische Judenverfolgung wuchs sein Interesse an der Geschichte von Ideen. Deshalb befasse er sich seitdem vermehrt mit den Themen Freiheit, Menschenrechte und Demokratie.

Er hält Vorträge und veröffentlichte Bücher zu christlicher Judenfeindschaft, nationalsozialistischer Außenpolitik und Judenvernichtung und widmet sich seit einigen Jahren den Problemen, vor die Europa durch die Einwanderung konservativer Bevölkerungsschichten aus mehrheitlich islamischen Ländern gestellt wird. Heinisch war 2016 Mitglied des Expert Forum Deradikalisierung, Prävention & Demokratiekultur der Stadt Wien und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Dokumentationsstelle Politischer Islam, die 2020 von der Bundesregierung Kurz II eingerichtet wurde.

Heinisch schrieb Kolumnen für The European und schreibt heute regelmäßig für das Online-Debattenmagazin diekolumnisten.de und vereinzelt Gastkommentare in den österreichischen Tageszeitungen Wiener Zeitung, Der Standard und Kurier. Er schrieb außerdem für die Wochenzeitung Der Falter oder die FAZ.

Am 2. Oktober 2017 stellte Heinisch, zusammen mit dem vormaligen österreichischen Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz, auf einer Pressekonferenz in Wien einen von ihm sowie von Imet Mehmedi et al. im Auftrag des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) verfassten Forschungsbericht Die Rolle der Moschee im IntegrationsprozessHeiko Heinisch, Imet Memedi et al.: Die Rolle der Moschee im Integrationsprozess. (PDF; 488 KB) ÖIF-Forschungsbericht. Österreichischer Integrationsfonds (Hrsg.), Wien September 2017, abgerufen am 2. März 2023. vor. Der Auftrag wurde im Herbst 2016 erteilt, die Erhebungen im Frühjahr 2017 durchgeführt, die Kosten betrugen rund 33.000 Euro. Der Bericht untersucht und analysiert . Im Ergebnis zusammengefasst weist der auch von Heinisch als .Kurz präsentiert Moscheen-Studie. In: Kurier.at, 2. Oktober 2017, abgerufen am 2. März 2023. Zugleich räumen die Autoren ein, dass für aussagekräftigere Daten ein längerer Untersuchungszeitraum nötig gewesen wäre.

Heinisch und die Politikwissenschaftlerin Nina Scholz waren von der Staatsanwaltschaft Graz im Sommer 2020 mit der Erstellung eines Gutachtens über die Muslimbrüder und die Hamas beauftragt worden, das im Rahmen der polizeilichen „Operation Luxor“ am 9. November 2020 zitiert wurde. In dem folgenden Verfahren warfen neun von insgesamt etwa 70 Beschuldigten den beiden Sachverständigen mangelnde Sachkunde und Befangenheit vor und erhoben dementsprechend Einspruch. Zusätzlich wurden in einem Gegengutachten des Politikwissenschaftlers Thomas Schmidinger zahlreiche Kritikpunkte angeführt. Die Einsprüche wurden vom Landesgericht Graz abgewiesen. In der folgenden Berufung sah das Oberlandesgericht Graz jedoch den erfüllt und entließ die beiden Gutachter, da Heinisch vier Jahre zuvor in einer Fernsehdiskussion über einen der Beschuldigten geäußert hatte, dieser bekenne sich offen dazu, Kader der Muslimbruderschaft zu sein. In einer ersten Reaktion bezeichnete Nina Scholz die Entscheidung des OLG Graz als „bizarr“. Bislang (Stand 17. August 2023) wurde gegen keinen Beschuldigten der „Operation Luxor“ Anklage erhoben, die Ermittlungen dauern an.Jan Michael Marchart: Gutachter in umstrittener Operation Luxor wegen Anscheins der Befangenheit enthoben. In: Der Standard, 27. Juni 2022, abgerufen am 2. März 2023. In einer weiteren Entscheidung bezeichnete das OLG Graz Teile des Gutachtens als „Mutmaßungen und Spekulationen“. Im Oktober 2023 entschied das Landesgericht Graz, dass die beiden ihr Honorar von rund 10.000 Euro zurückzahlen müssen und warf ihnen eine „schuldbare Unwissenheit“ vor. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Heinisch war im September 2022 als Experte in eine Anhörung in den Innenausschuss des Deutschen Bundestages zum Thema „Finanzierung des politischen Islamismus in Deutschland offenlegen und unterbinden“ geladen. Er regte an, analog zu Österreich eine wissenschaftliche Dokumentationsstelle für politischen Islam einzurichten, die Grundlagenwissen über Ideologie und Akteure vermittele.

Positive Rezeption Das gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch Europa, Menschenrechte und Islam – ein Kulturkampf? wurde positiv vom Rezensenten Heinrich Schmitz im The European aufgenommen. Die Autoren würden mit überzeugenden Begründungen die rechtsstaatlichen Ergebnisse der Aufklärung verteidigen, aber auch zeigen, .

Kirstin Breitenfellner lobt im Falter das ebenfalls gemeinsam mit Nina Scholz geschriebene Buch Charlie versus Mohammed: Plädoyer für die Meinungsfreiheit als eindrucksvoll. Das größte Verdienst des Buches bestehe darin .Kirstin Breitenfellner: Dschihad und Selbstzensur der Medien. Nina Scholz und Heiko Heinisch halten ein eindruckvolles Plädoyer für die Meinungsfreiheit. FALTER-Rezension. In: Der Falter, Ausgabe 31/2016, 5. August 2016, S. 17 (Rezension Online, abgerufen am 2. März 2023).

Jérôme Segal versteht Charlie versus Mohammed: Plädoyer für die Meinungsfreiheit in der Tageszeitung Der Standard nicht als eines gegen den Islam, sondern als eine Stimme für ein Aggiornamento ebendieser, denn für die Autoren gehöre der Islam zu Europa, . Weiter meint Segal, dass man am Beispiel der Diskussion über in Wien sehen könne, wie wichtig dieses Buch sei. Diese Debatte sei noch immer nicht möglich, ohne dass der Vorwurf der „Islamophobie“ auftauche, und die österreichischen Islamverbände würden schon wieder die Gelegenheit verpassen, ein Aggiornamento zu führen.

Das 2019 erschienene, ebenfalls gemeinsam mit Nina Scholz verfasste Buch Alles für Allah. Wie der politische Islam unsere Gesellschaft verändert bezeichnete Abdul Ahmad Rashid im Deutschlandfunk als „sehr lesenswertes Buch, das kenntnisreich und unaufgeregt auf die Strategien und die Gefahren des politischen Islam für die westlichen Gesellschaften hinweist“. Der Historiker René Wildangel schreibt in der Süddeutschen Zeitung, das Buch „löst immerhin ein, was thematisch versprochen wird: Die Autoren beschäftigen sich mit dem politischen Islam und unternehmen auch eine historische Einordnung und Definition. Das Buch gibt einen durchaus gelungenen Überblick über islamistische Organisationen in Deutschland und Österreich“. Gleichzeitig merkt er an, die Behauptung, die Gefahr des Islamismus würde unterschätzt, „mutet angesichts der aktuellen öffentlichen Debatten in Deutschland und Österreich bizarr an.“ Und als „zynisch“ kritisiert Wildangel die Bezeichnung von Islamophobie als „kalkulierten Opferdiskurs“, da Angriffe gegen Muslime real gewachsen sind.

Kritik Der Politikwissenschaftler Benjamin Opratko von der Universität Wien kritisierte 2019, dass Heinisch und Scholz nicht nur den Begriff „Islamophobie“, sondern das Forschungsfeld in seiner Gesamtheit in Frage stellen würden. Und zwar „mit der kaum verhohlenen Absicht, die Existenz antimuslimischer Phänomene zu leugnen oder sie in Konkurrenz zu anderen Formen der Abwertung und Exklusion wie Antisemitismus zu stellen und für weniger relevant zu erklären.“

2023 wurde der zweite Teil einer 2017 veröffentlichten Studie über Wiener Moscheen veröffentlicht. Auftraggeber war der Österreichische Integrationsfonds, der Integrationsministerin Susanne Raab untersteht, die über die Veröffentlichung nicht informiert war. Diese Studie wurde von der Religionssoziologin Astrid Mattes kritisiert: „Es ist ein verqueres Religionsverständnis, dass Menschen Demokratie über Religion vermittelt bekommen sollen. Religionen sind zwar Teil der Demokratie, aber in sich keine demokratischen Systeme.“

2025 wies die Redaktion der Wochenzeitung Falter den von Heiko Heinisch geäußerten Vorwurf einer manipulativen Berichterstattung über eine von Kenan Güngör und ihm verfassten Studie zurück: „Sämtliche Passagen mit Bezug auf die Studie wurden dem Sozialwissenschaftler Kenan Güngör als Erstautor der Studie vorab zur Autorisierung vorgelegt.“Falter 52/25, Seite 4.

Alles für Allah (2019)

In einer Rezension in der österreichischen Wochenzeitung Die Furche wurde das Buch Alles für Allah. Wie der politische Islam unsere Gesellschaft verändert als „islamkritisch“ bezeichnet: Die sogenannte Kindergartenstudie des Religionspädagogen Ednan Aslan werde unkritisch zitiert, während die daraufhin erstelle Studie des Bildungswissenschaftlers Henning Schluß unerwähnt bleibe. Insgesamt würde das Buch dem gesellschaftlichen Diskurs nicht weiterhelfen, denn „die Muslime im Land werden von den Autoren unter dem Präliminarium der Bedrohung in den Blick genommen.“

2019 kritisierte der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger in einer Rezension mit dem Titel „Eine Kampfschrift, kein Sachbuch“ für die Wiener Wochenzeitung Der Falter das erwähnte Buch als „eindimensional“. Viele Tatsachen würden ausgeblendet und Organisationen, die mit der Muslimbruderschaft kaum Berührungspunkte haben, würden als deren Vorfeldorganisationen bezeichnet. Zudem arbeite das Buch anhand von Kontaktschuld. So kritisieren Heiko Heinisch und Nina Scholz das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), da dieses 2018 mit der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) ein Projekt namens „MuslimInnen gegen Antisemitismus“ durchgeführt hatte.

2020 schrieb der Politikwissenschaftler Lino Klevesath, dass Alles für Allah einer unklaren Definition des Begriffs „Politischer Islam“ folge und daher Praktiken wie das Tragen eines Kopftuchs oder das Fasten im Monat Ramadan als Ausdruck eines Siegeszugs des politischen Islam deute. Dabei handele es sich jedoch um Formen religiöser Frömmigkeit, die für sich genommen keine politischen Handlungen darstellen. Ähnlich äußerte sich 2022 der Rechtswissenschaftler Mathias Rohe von der Universität Erlangen-Nürnberg. Denn nach Ansicht von Heiko Heinisch stelle die Ablehnung von interreligiösen Feierlichkeiten eine Form des „Politischen Islam“ dar: „Dann aber müsste auch die Ablehnung der Abendmahlsgemeinschaft von Christen durch die Römisch-katholische Kirche eine ‚Parallelgesellschaft‘ konstituieren.“https://www.ezire.fau.de/files/2022/10/Rohe_2022_Sachverstaendigenstellungnahme.pdf, S. 5.

Operation Luxor und Politischer Islam