Die Lieder der Grenzkrieger () sind ein Teil des Zyklus der traditionellen albanischen epischen Lieder. Mündlich von Barden überliefert, fanden sie im 17. oder 18. Jahrhundert ihre endgültige Fassung. Die Lieder wurden zum ersten Mal Anfang des 20. Jahrhunderts von den Franziskanern Shtjefën Gjeçovi und Bernardin Palaj niedergeschrieben. Palaj war wohl der erste, als er sie 1937 auf Albanisch publizierte. Robert Elsie übersetzte sie 2004 als Erster ins Englische. Die traditionellen albanischen Barden, die die Lieder auswendig vortragen, gehören zu den letzten dieser Art im modernen Europa.

Geschichte Die Lieder entstammen dem südslawischen Umfeld und wurden von zweisprachigen Sängern – einige sagen zurück – ins albanische Umfeld übersetzt.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xvi („From this and from conspicuous Slavic terms in some of the songs, it would seem evident that we are dealing with the body of oral material which, probably after centuries of evolution, crystallized in a southern Slavic milieu and which was then transmitted by bilingual singers to (some would say back to) an Albanian milieu.“). Untersuchungen zeigen, dass die von den albanischen Barden mündlich überlieferten Lieder aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. v. Bei der Übertragung aus dem südslawischen Milieu Bosniens wurden die Lieder nicht einfach aus dem Serbischen übersetzt, sondern unabhängig ans nordalbanische Hochland angepasst.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xvii („Despite transmission from a Bosnian Slav milieu, the Songs of Frontier Warriors are by no means simply translations of Serbo-Croatian epic verse.“).

Einige albanische Wissenschaftler gehen abweichend davon aus, dass die Lieder aus der Zeit vor der slawischen Einwanderung stammen. So thematisieren sie unter anderem den Einfall fremder Völker in diese Region.

Untersuchungen der Vorkriegszeit Der Franziskanerpriester Shtjefën Gjeçovi, der als erster den Kanun schriftlich festhielt, hat auch die Lieder der Grenzkrieger gesammelt und niedergeschrieben.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xi. Nach 1919 wurde Gjeçovis Arbeit durch den Priester Bernandin Palaj fortgeführt. Sowohl Gjeçovi wie auch Palaj reisten zu Fuß durch die Berge, um die Barden zu finden und die Lieder aufzuzeichnen. Das Buch Këngë Kreshnikësh dhe Legenda (deutsch: Lieder der Grenzkrieger und Legenden) erschien als erste Publikation im Jahr 1937 nach Gjeçovis Tod. Es wurde später ins Buch Visaret e Kombit (englisch Treasures of the Nation) (deutsch: Schätze der Nation) aufgenommen.

Zu dieser Zeit, als man sich in Albanien um die Sammlung der Lieder bemühte, begannen sich auch jugoslawische Gelehrte für die des Lesens unkundigen Barden des Sandschaks und Bosniens zu interessieren.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xii. Das weckte das Interesse von Milman Parry, ein auf Homer spezialisierter Dozent der Harvard University, und seines Assistenten Albert Lord. Während eines einjährigen Aufenthalts in Bosnien (1934/35) nahmen Parry und Lord 12.500 Texte auf.

Von den fünf aufgenommenen Barden waren vier Albaner: Salih Ugljanin, Djemal Zogic, Sulejman Makic und Alija Fjuljanin. Diese Sänger, die aus Novi Pazar und dem Sandschak stammten, konnten ihre Lieder sowohl auf Albanisch als auch auf serbo-kroatisch vortragen.

Im Jahr 1937, kurz nach dem Tod von Parry, reiste Lord nach Albanien. Er begann, Albanisch zu lernen und bereiste durch das ganze Land, um die albanischen Heldenlieder zu sammeln. Sie werden in der Milman Parry Collection an der Harvard University gesammelt. Über sein Unternehmen berichtete Parry das Folgende:

Untersuchungen der Nachkriegszeit Die Erforschung der albanischen Literatur wurde in den 50er Jahren mit der Gründung des Albanischen Wissenschaftlichen Instituts, dem Vorläufer der Albanischen Akademie der Wissenschaften, wiederaufgenommen.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xiii. Die Gründung des Folkloreinstituts in Tirana im Jahr 1961 war von großer Bedeutung für die fortdauernde Forschung und die Publikation zu Themen der Folklore auf einem hochstehenden wissenschaftlichem Niveau. Zudem trug auch die Gründung des Albanischen Instituts () in Pristina zur Publikation einiger Werke über das albanische Epos bei.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. xiv.

Das serbo-kroatische Epos scheint seit der Zeit von Parry und Lord ausgestorben zu sein, da es keine Barden mehr gibt, die diese Lieder vortragen, während das albanische Epos noch lebendig ist. Es gibt noch eine beträchtliche Zahl von Lahutaren in Albanien, im Kosovo und auch in den albanischen Gebieten Montenegros. Man geht davon aus, dass diese Männer die letzten traditionellen einheimischen Sänger von epischen Versen in Europa sind.

Aneinandergereiht bilden die Lieder ein langes Gedicht, ähnlich dem finnischen Kalevala, das 1835 von Elias Lönnrot aus finnischer und karelischer Folklore zusammengetragen und publiziert wurde.Elsie, Mathie-Heck (2004), S. viii.

Die Lieder der Grenzkrieger werden als die maßgebende Inspiration für Gjergj Fishtas Epos Lahuta e Malcis betrachtet.

Bekannte Lieder

Martesa e Mujit (Mujis Hochzeit) Fuqia e Mujit (Mujis Macht) Orët e Mujit (Mujis Stunden) Ajkuna qan Omerin (Ajkuna trauert um Omer) Martesa e Halilit (Halilis Hochzeit) Muji e tri zanat e malit (Muji und die Zanen vom Berg) Halili pret Pajo Hashashi (Halili wartet auf Pajo Hashashi)

Gjergj Elez Alia Eines der bekanntesten Lieder des Zyklus ist das von Gjergj Elez Alia, dem Krieger, der mit neun Wunden an seinem Körper neun Jahre lang zuhause im Krankenbett lag. Als er die Nachricht erhielt, dass Balozi i Zi (der schwarze Ritter) aus dem Meer gekommen sei und Menschen töte, erhebt sich Gjergj und tötet den Balozi.

Quellen

Weblinks

Vortrag epischer Lieder (Video) Revista Bukureza: Këngët e kreshnikëve, Fuqia e Mujit (albanisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (Albanisch) Kategorie:Epos Kategorie:Mythologie