mini|Generalmajor Leopold von Rauch, Lithographie von Gabriel Decker, ca. 1850

Gustav Adolf Leopold von Rauch (* 27. Februar 1787 in Königsberg i.Pr., heute Kaliningrad; † 26. November 1860 in Trziblitz/Böhmen, heute Třebívlice) war ein preußischer Generalmajor und Mitglied der Direktion der Allgemeinen Kriegsschule, welche der Ausbildung künftiger Stabs- und Generalstabsoffiziere diente. Rauch stand in einem engen familiär-freundschaftlichen Kontakt mit Ulrike von Levetzow, die Goethe zu seiner „Marienbader Elegie“ veranlasste und bei welcher nach seiner frühen Verwitwung seine beiden Söhne aufwuchsen.Peter Uhrbach: Goethes „Fräulein in Böhmen“, Ulrike v. Levetzow; in: Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturwissenschaften. 52. Jahrgang. Passagen Verlag, Wien 2006/Nr. 1. S. 287, 296.

Leben Eltern und Geschwister Leopold von Rauch entstammte der preußischen Adelsfamilie Rauch. Er war das achte der zwölf Kinder des aus dem bayerischen Chiemgau stammenden Generalmajors Bonaventura von Rauch, Direktor der preußischen Ingenieurakademie in Potsdam, und dessen Ehefrau Johanna, geborene Bandel (1752–1828). Rauchs Mutter Johanna Bandel entstammte einer im Anhaltischen und Braunschweigischen beheimateten Domänenpächter- und Landwirtsfamilie; sie war eine Nachfahrin von Hans Reinicke (um 1483–1538), Freund und Wegbegleiter des Reformators Martin Luther.Heinrich Banniza von Bazan/Richard Müller: Geschichte in Ahnentafeln. Band 2. Alfred Metzner Verlag, Berlin 1942, S. 132.

Zu seinen Brüdern zählten der preußische Kriegsminister und Ehrenbürger von Berlin, General der Infanterie Gustav von Rauch, und der preußische Militärbevollmächtigte in St. Petersburg und Generaladjutant König Friedrich Wilhelms IV., Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Rauch. Seine Schwestern waren u. a. Charlotte (erste Ehefrau von Levin Friedrich von Bismarck, preußischer Regierungspräsident und Ehrenbürger von Magdeburg), Friederike (verheiratet mit dem Generalmajor Heinrich von Knobelsdorff, Inspekteur der preußischen Gardekavallerie) und Cecilie von Rauch (Ehefrau von Gustav Freiherr von Maltzahn Graf von Plessen, Majoratsherr auf Ivenack in Mecklenburg und Oberstleutnant im Regiment der Gardes du Corps).

Zu seinen Nichten gehörte Rosalie Gräfin von Hohenau, geborene von Rauch (1820–1879), seit 1853 morganatische, zweite Ehefrau von Prinz Albrecht von Preußen (1809–1872), des jüngsten Bruders von König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm I.

Militärischer Werdegang Leopold von Rauch wuchs in der väterlichen Dienstwohnung der Potsdamer Ingenieurakademie auf, die ihren Sitz im Kabinetthaus am Neuen Markt 1 hatte. Von 1799 bis 1803 besuchte er - bis 1801 zusammen mit seinem älteren Bruder Wilhelm von Rauch (1785–1816)Wilhelm von Rauch: Plan der Babels Berge und des Dorfes Glinicke nebst umliegender Gegend / aufgenommen im Jahr 1801 durch die Eleven der Königlichen Ingenieurakademie

(Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Kart. X 32424) - die preußischen Kadettenanstalten in Stolp und Berlin. Anschließend wurde er als Portepee-Fähnrich dem Infanterie-Regiment von Puttkamer Nr. 36 in Brandenburg an der Havel zugeteilt. 1806/07 nahm er am Koalitionskrieg gegen das napoleonische Frankreich teil. Infolge der preußischen Kapitulation wurde er inaktiv, währenddessen jedoch zum Sekondeleutnant befördert, allerdings bei halbem Gehalt. 1809 ließ sich Leopold von Rauch beim Leib-Infanterie-Regiment Nr. 8 reaktivieren. Das Regiment war als neuer Verband in Berlin aufgestellt worden. 1811 wurde Rauch als Adjutant zum Normal-Infanteriebataillon kommandiert, welches dem Garde Regiment zu Fuß in Potsdam angegliedert war. 1813 erhielt er die Beförderung zunächst zum Premierleutnant und noch im selben Jahr zum Stabskapitän. Während der Befreiungskriege wurde er als Adjutant der Garde-Reservebrigade, beim Chef des Generalstabs des II. Armeekorps und als Adjutant der 1. Gardebrigade verwendet. Dabei wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. In der Schlacht bei Kulm 1813 erlitt Leopold von Rauch eine so schwere Verwundung, dass er von da an nur noch in Adjutanturen bzw. in militärischen Stäben verwendet werden konnte. Herzog Karl zu Mecklenburg-Strelitz, Kommandeur der Gardebrigade und Bruder der Königin Luise, beurteilte seine Adjutanten Rauch: „Gleich tätig und fähig. Er hat eine treffliche Haltung in seinem ganzen Benehmen und ist sehr empfehlenswert.“von Priesdorff, Soldatisches Führertum, Band 6, S. 40.

1819 wurde Leopold von Rauch zum Major ernannt. Dem 2. Garde-Regiment zu Fuß aggregiert, war er von 1822 bis 1833 Platzmajor in der Residenzstadt Potsdam.

1833 wechselte er als Mitglied in die Direktion der Allgemeinen Kriegsschule in Berlin, das heißt der späteren preußischen Kriegsakademie, um dort künftige Stabsoffiziere und Generalstäbler auszubilden. Nachdem Rauch 1834 zum Oberstleutnant befördert worden war, wurde ihm 1834 die Aufgabe des preußischen Kommissars für die Revue von Kalisch übertragen, die der russische Zar Nikolaus I. und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1835 als gemeinsames Großmanöver in Kongresspolen veranstalteten. Zum Abschluss der Revue erhielt Rauch den russischen Annen-Orden II. Klasse.

Nachdem er 1836 zum Oberst befördert worden war, stieg Leopold von Rauch als Mitglied in der Direktion der Allgemeinen Kriegsschule schließlich 1842 zum Generalmajor auf. 1848 trat er in den Ruhestand.

Wohnorte und Grabanlagen Als Potsdamer Platzmajor wohnte Leopold von Rauch mit Ehefrau und Familie zunächst in der Straße Am Kanal 22 (heute Yorckstraße 4) und ab 1830 in der Brauerstraße 4 neben dem Palast Barberini. Nach seiner Versetzung an die Allgemeine Kriegsschule in Berlin 1833 lebte er in einer Dienstwohnung im zugehörigen Schulgebäude in der Burgstraße 19.

Nach seiner Pensionierung bezog der verwitwete General von Rauch in Berlin die Zimmerstraße 26Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebung. Verlag Veit & Comp., Berlin 1851. S. 384., um von dort immer wieder zu seinen Söhnen Adalbert und Franz sowie deren Familie ins Böhmische nach Trziblitz und Netluk zu reisen. Seine letzte Berliner Adresse war Hollmannstraße 20.Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebung. Verlag A.W. Hayn, Berlin 1858. S. 362.

In Trziblitz starb der pensionierte General 1860. Sein Leichnam wurde nach Potsdam überführt. Auf dem Alten Friedhof fand er neben seiner bereits 1831 gestorbenen Ehefrau Amélie von Rauch geb. von Levetzow und seiner Mutter Johanna von Rauch (gestorben 1828) seine letzte Ruhestätte. 1917 erfolgte eine Umbettung. Auch diese Rauchsche Grabstelle besteht nicht mehr.

Jedoch blieb das gusseiserne Grabkreuz für Leopold von Rauchs Ehefrau Amélie erhalten und konnte in den 2020er Jahren restauriert werden. Es befindet sich heute im Steinmetzhof des Potsdamer Alten Friedhofs.

Ehefrau Amélie von Levetzow und ihre Schwestern Ulrike von Levetzow und Bertha Freifrau Mladota von Solopisk geb. von Levetzow mini|285x285px|Restauriertes Grabkreuz von Amélie von Rauch geb. von Levetzow auf dem Alten Friedhof in Potsdam Leopold von Rauch heiratete am 20. Februar 1827 in Prag bzw. Trziblitz/Böhmen (Třebívlice) Amélie von Levetzow aus dem Hause Teschow-Koppelow (* 6. Februar 1805 in Leipzig; † 1. Oktober 1831 in Potsdam). Sie starb jung bei der Geburt des dritten Sohnes.

Amélie von Levetzow war die zweite Tochter des mecklenburg-schwerinschen Kammerherrn und Hofmarschalls Otto von Levetzow, Besitzer der Rittergüter Hohen-Mistorf und Teschow, und dessen erster Ehefrau Amalie, geborene von Brösigke.

Nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann heiratete Amélies Mutter Amalie in zweiter Ehe den Offizier Friedrich Carl Ulrich von Levetzow. Nachdem dieser 1815 in der Schlacht von Waterloo gefallen war, wurde ihr dritter Ehemann 1843 Franz Graf von Klebelsberg-Thumburg, ehemaliger Präsident der Wiener Hofkammer und Mitbegründer des Nationalmuseums in Prag, dem in Böhmen das Gut Trziblitz (Třebívlice) und in Marienbad (Mariánské Lázně) das Klebelsbergsche Palais, das spätere Hotel „Weimar“ gehörte.

Leopold von Rauchs Ehefrau Amélie hatte zwei Schwestern: Die ältere, Ulrike von Levetzow (1804–1899), veranlasste Johann Wolfgang von Goethe 1823 zu seinem Gedicht „Marienbader Elegie“; sie erbte von ihrem Stiefvater Franz Graf von Klebelsberg das Gut Trziblitz (Třebívlice). Briefe Leopold von Rauchs dokumentieren seine Verehrung für Ulrike von Levetzow. Amélies jüngere Halbschwester aus der zweiten Ehe ihrer Mutter Amalie mit Friedrich Carl Ulrich von Levetzow, Bertha Freifrau Mladota von Solopisk, geborene von Levetzow (1808–1884), erwarb in der Nachbarschaft von Trziblitz (Třebívlice) das Gut Netluk (Pnětluky). Ihr kam es darauf an, in räumlicher Nähe zu ihrer Mutter und ihrer Schwester Ulrike zu leben. Netluk (Pnětluky) gehört zur Gemeinde Podseditz (Podsedice).

Johann Wolfgang von Goethe stand nicht nur mit Ulrike von Levetzow in persönlicher Verbindung, sondern auch mit ihrer Mutter Amalie und ihren beiden Schwestern Amélie und Bertha.Richard Friedenthal: Goethe. Sein Leben und seine Zeit. R. Piper&Co. Verlag, München 1982. ISBN 3-492-10248-4. S. 544 1827 nahm Goethe deshalb auch Anteil an der Eheschließung von Amélie von Levetzow mit Leopold von Rauch.

Sohn Franz von Rauch und Nachkommen Das Ehepaar Leopold und Amélie von Rauch hatte drei Söhne, von denen der jüngste 1831 nur wenige Tage nach seiner Geburt starb.mini|246x246px|Franz von Rauch als k. k. Rittmeister, aquarellierte Zeichnung von Josef Zumsande, 1851Der älteste Sohn, Franz von Rauch (* 1828 in Potsdam; † 1911 in Netluk - Pnětluky), wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter bei seiner Tante Ulrike von Levetzow in Trziblitz (Třebívlice) auf. Zwischen Ulrike von Levetzow und ihrem Neffen Franz von Rauch bestand eine herzliche verwandtschaftliche Verbindung; sie fand ihren Ausdruck in einer regen, umfangreichen brieflichen Korrespondenz. Dank seines Stiefgroßvaters Graf Klebelsberg erhielt er – wie auch sein jüngerer Bruder Adalbert – Hausunterricht, und zwar zunächst durch den katholischen Reformpädagogen Johann von Hermann und später durch den evangelischen Theologen Carl Erhard Buschbeck.

Franz von Rauch leistete 1845/1846 zunächst seine militärische Dienstpflicht als Einjährig-Freiwilliger in der preußischen Armee ab. 1847 wechselte er in die k.k. Armee als Kavallerieoffizier und stieg im österreichischen 1. Ulanen-Regiment Graf Civalart, das im böhmischen Pardubitz (Pardubice) stationiert war, zum Premier-Rittmeister auf. 1857 trat er in den Ruhestand. 1910 wurde ihm der Charakter eines k.u.k. Majors der Landwehr verliehen. Über seine Zeit als österreichischer Civilart-Ulanenoffizier legte er ein 1914 veröffentlichtes Tagebuch an.Franz von Rauch: Tagebuchblätter eines jungen Civilart-Ulanenoffiziers aus den Jahren 1848, 1849, 1850, 1856 und 1866. Mit einem Nekrolog des k.u.k. Generals der Kavallerie Karl Fischer von Wellenborn (herausgegeben von Luise von Rauch). L. W. Seidel & Sohn, Wien 1914.

Von seiner zweiten Tante Bertha Freifrau Mladota von Solopisk, geborene von Levetzow erbte Franz von Rauch 1884 das Gut Netluk (Pnětluky), das er seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Militärdienst bereits verwaltet hatte. In Netluk legte er eine archäologisch-mineralogische Sammlung an, die 1912 in das Museum der Stadt Aussig (Ústí nad Labem) gelangte.Johann Weyde: Die vorgeschichtliche Sammlung des Freiherrn Franz von Rauch. In: Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes. 9. Jahrgang 1929, Heft 3, S. 119–124. Der Maler Josef Zumsande fertigte 1851 ein Porträt Franz von Rauchs an, das ihn als österreichischen Ulanenoffizier zeigt.Als Frontispiz in Franz von Rauchs "Tagebuchblätter eines jungen Civilart-Ulanenoffiziers", die seine Tochter Louise von Rauch 1914 veröffentlicht hat.