Maroboudon (; ) ist ein Ortsname, der in der Geographia des Claudius PtolemaiosPtolemaios, Geographia 2,11,14 (online). als einer der im Süden der Germania magna und in der Nähe der Donau liegenden Orte (πόλεις) mit 35° 00′ Länge und 49° 00′ (nach der Handschrift U) bzw. 51°, 15' Breite (nach der Handschrift X) angegeben wird. Maroboudon liegt damit nach Ptolemaios zwischen Bikourgion und Redingouinon. Wegen des Alters der Quelle kann eine Existenz des Ortes um 150 nach Christus angenommen werden.

Lokalisation Bislang konnte der Ort nicht sicher lokalisiert werden. Viele Autoren identifizieren die Ortsangabe in der Geographia mit dem Herrschersitz des Markomannen-Fürsten Marbod. Die archäologische Fundlage kombiniert mit der historischen Quellinterpretation verortet Marbods Haupteinflussbereich (teilweise ausschließlich) im Böhmischen Becken. Das Areal war geografisch durch die umliegenden Mittelgebirgszüge abgeschirmt und militärisch gut zu verteidigen.

Die dort auffälligen römischen Importgegenstände in germanischen Gräbern aus dem ersten Jahrhundert (z. B. in Třebusice in Mittel-Böhmen, vgl. Droberjar (2024)) nach der Zeitenwende stützen die historischen Angaben über die Anwesenheit von römischen Händlern an Marbods "Königssitz" Marobudum.

Ein interdisziplinäres Forscherteam um Andreas Kleineberg, das die Angaben von Ptolemäus neu untersuchte, spricht sich gegen eine Lokalisierung in Böhmen (in Marbods Markomannenreich) aus und verortet Maroboudon nach den transformierten antiken Koordinaten beim heutigen Amberg in Bayern. Nach BergerDieter Berger: Duden – Geographische Namen in Deutschland. Mannheim 1993, S. 37. war Amberg in der Karolingerzeit eine Kaufmannssiedlung am Übergang der Goldenen Straße – der Fernhandelsstraße zwischen Nürnberg und Prag – über die damals schiffbare Vils. Möglicherweise lag an diesem Flussübergang, so Berger, bereits in älterer Zeit ein Handelsplatz.Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knobloch, Dieter Lelgemann: Germania und die Insel Thule. Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikumene“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011, ISBN 978-3-534-24525-3, S. 54–55.

Antike Quellen Strabon, Geographika 7,1,3. Tacitus, Annalen 2,62,2. Claudius Ptolemäus 2,11,14.

Literatur

Corinna Scheungraber, Friedrich E. Grünzweig: Die altgermanischen Toponyme sowie ungermanische Toponyme Germaniens. Ein Handbuch zu ihrer Etymologie unter Benutzung einer Bibliographie von Robert Nedoma. Herausgegeben von Hermann Reichert (= Philologica Germanica 34). Fassbaender, Wien 2014, ISBN 978-3-902575-62-3, S. 235–237.

Weblinks Edition der Geographike Hyphegesis mit Übersetzung und Karte der Germania magna, abgerufen am 16. November 2016 Google Earth in der Antike. In: Der Spiegel. 39/2010, abgerufen am 16. November 2016

Einzelnachweise

Kategorie:Siedlungsname (Germania magna)