Dariusz Tomasz Michalczewski (* 5. Mai 1968 in Danzig) ist ein ehemaliger polnischer und deutscher Boxer, der von 1994 bis 2003 Weltmeister im Halbschwergewicht war sowie kurzzeitig Weltmeister im Cruisergewicht. Aufgrund seines offensiven Boxstils wurde er in Deutschland unter dem Spitznamen „Tiger“ bekannt. Michalczewski blieb in seiner Profikarriere über den Zeitraum von zwölf Jahren ungeschlagen.
Amateurkarriere Dariusz Michalczewski begann in seiner polnischen Heimat mit dem Boxsport und trainierte in den Vereinen Stoczniowiec Gdańsk und Czarni Słupsk. Als sein Entdecker gilt sein Onkel Josef Baranowski. Michalczewski wurde 1985 Polnischer Juniorenmeister im Weltergewicht,Polish Junior National Championships 1985 sowie 1986 Polnischer Jugendmeister im Halbmittelgewicht.Polish (U-19) National Championships 1986 Darüber hinaus gewann er im selben Jahr eine Bronzemedaille bei der Junioren-Europameisterschaft in KopenhagenEuropean Junior Championships 1986 und nach einem Finalsieg gegen Mihai Leu die Goldmedaille beim Gazeta Pomorska Tournament in Bydgoszcz.Gazeta Pomorska U-19 Tournament 1986
1987 wurde er Polnischer Meister im HalbmittelgewichtPolish National Championships 1987 und erkämpfte eine Bronzemedaille beim Feliks Stamm Tournament in Warschau.Feliks Stamm Memorial 1987 Im April 1988 setzte er sich bei einem Turnier in Karlsruhe gemeinsam mit einem Landsmann von seiner Mannschaft ab und wohnte danach zunächst in Wien.
Im Jahr 1989 holte ihn der damalige Bundesliga-Cheftrainer Valentin Silaghi nach Leverkusen, sodass er 1989/90 und 1990/91 für den TSV Bayer 04 Leverkusen in der 1. Deutschen Bundesliga boxte.German 1.Bundesliga 1990/1991 - 6th RoundGerman 1.Bundesliga 1990/1991 - 4th RoundGerman 1.Bundesliga 1989/1990 - 6th RoundGerman 1.Bundesliga 1990/1991 - 5th RoundGerman 1.Bundesliga 1990/1991 - 1st RoundGerman 1.Bundesliga 1989/1990 - 7th RoundGerman 1.Bundesliga 1989/1990 - 5th RoundGerman 1.Bundesliga 1990/1991 - 3rd RoundGerman 1.Bundesliga 1989/1990 - 10th Round 1990 gewann er mit einem Finalsieg gegen Torsten May den Chemiepokal in Halle.Chemistry Cup 1990 In Leverkusen trainierte Michalczewski auch unter seinem Onkel Josef Baranowski und war Mitarbeiter des Fuhrparks der Bayer-Werke.
Er nahm für seine neue Heimat Deutschland am Weltcup 1990 in Havanna teil, wo er im Viertelfinale gegen den späteren Cupsieger Roberto Álvarez ausschied.World Cup 1990 Im März 1991 gewann er das Trofeo Italia Tournament in MestreTrofeo Italia Tournament 1991 und im Mai 1991 im Halbschwergewicht die Europameisterschaft in Göteborg; er besiegte dabei Lubomir Agow, Patrice Aoussi, Rostyslaw Saulytschnyj und Peter Zwezerijnen.European Championships 1991 Kurz vor der Weltmeisterschaft in Sydney und den Olympischen Spielen in Barcelona wechselte er ins Profilager. Während seiner Zeit in Leverkusen waren seine Trainer Valentin Silaghi und Fritz Sdunek. Er beendete seine Amateurkarriere mit 139 Siegen aus 150 Kämpfen.Dariusz Michalczewski, Pfaffen Sport
Profikarriere Er wurde Profiboxer und von der Universum Box-Promotion unter Vertrag genommen, wo er zunächst von Eckhard Dagge, dann von Chuck Talhami trainiert wurde. 1993 gewann er den IBF-Intercontinental-Titel im Halbschwergewicht. Er erhielt den Kampfnamen „Tiger“, unter anderem passend zu seinem angriffslustigen Kampfstil und seiner Wendigkeit. Dazu äußerte er 1994: „Ich mache das Spiel mit, schließlich kann man Michalczewski nicht so leicht aussprechen.“ Passend zu seinem Kampfnamen war Michalczewskis Einlaufmusik der Titel „Eye of the Tiger“ der Gruppe Survivor.
Sein Profidebüt gab Michalczewski am 16. September 1991 gegen den Amerikaner Frederic Porter. Diesen hatte er in der ersten Runde zwei Mal und in der zweiten Runde ganze drei Mal am Boden, weshalb Michalczewski den Kampf durch Technischen Knockout (TKO) in Runde zwei gewann. Er bestritt vor seinem ersten Weltmeisterschaftskampf weitere 22 Duelle, von denen er alle durch Knockout gewann. Am 28. Mai 1994 gewann er den Ausscheidungskampf um den Titel der WBO gegen Melvis Wynn durch K. o. in der zweiten Runde.
Gewinn der WBO-Weltmeisterschaft Am 10. September 1994 gewann Michalczewski in Hamburg den WBO-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht durch einstimmigen Punktsieg gegen Titelverteidiger Leeonzer Barber. Vor 7000 Zuschauern in der Alsterdorfer Sporthalle ließ Michalczewski seinen Gegner ab der fünften Runde dank seiner Führhand immer weniger zur Entfaltung kommen und profitierte zudem von seiner überlegenen Kondition. Dagegen schien der US-Amerikaner, der die härteren Treffer anbrachte, mit fortlaufender Kampfdauer zunehmend zermürbt und wurde zudem zweimal wegen Tiefschlag verwarnt.Box Sport, Ausgabe vom 21. September 1994, S. 16 ff. Damit war er der sechste deutsche Boxer, der Weltmeister wurde. In: abendblatt.de (PDF)
Im Dezember des gleichen Jahres konnte Dariusz Michalczewski seinem WBO-Titel im Halbschwergewicht auch noch den WBO-Cruisergewicht-Titel hinzufügen. Dabei gewann er durch K. o. in der zehnten Runde gegen den Argentinier Nestor Giovannini, welcher den Gürtel vorher dem Deutschen Markus Bott abgenommen hatte.Box Sport, Ausgabe vom 21. Dezember 1994, S. 20 ff. Der Südamerikaner hatte mit seinem eher durchwachsenen Kampfrekord als „Alibi-Weltmeister“ gegolten und nie die Anerkennung anderer Boxgrößen dieser Gewichtsklasse wie Orlin Norris oder Alfred Cole erreicht. Nur wenige Tage später gab Michalczewski, der von den Lesern der Zeitschrift BoxSport zum „Boxer des Jahres 1994“ gewählt wurde, seinen Cruisergewicht-Titel wieder ab, um sich auf seine angestammte Gewichtsklasse zu konzentrieren.Box Sport, Ausgabe vom 11. Januar 1995, S. 16 ff.
Im Gegensatz zu Henry Maske, dessen Boxauftritte im Fernsehen regelmäßig von mehreren Millionen Zuschauern verfolgt wurden, kämpfte Michalczewski vor einem begrenzten Publikum im Bezahlfernsehen bei Premiere. Sein Management war daher stetig bestrebt, den Bekanntheitsgrad des WBO-Weltmeisters zu steigern, der in der Umfrage eines Meinungsforschungsinstitutes in Sachen Popularität weit hinter dem IBF-Weltmeister Maske sowie Graciano Rocchigiani rangierte. Dazu gehörten unter anderem die wiederkehrenden Kampfansagen an Maske, seitdem dieser im Frühjahr 1993 zum ersten deutschen Profiweltmeister im Halbschwergewicht aufgestiegen war, denen jedoch von der Gegenseite keine Beachtung geschenkt wurde.Box Sport, Ausgabe vom 23. April 1996, S. 19: Im Frühjahr 1996 sagte Maske bei einem Interview, dass anderthalb Jahre zuvor auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin ein schriftliches Kampfangebot an Michalczewski gemacht wurde, was dieser ablehnte. Tatsächlich hatte Michalczewskis Manager Klaus-Peter Kohl noch im Mai 1995 einem möglichen Duell gegen Maske eine Absage erteilt mit den Worten: „Deutschland lebt mit zwei Weltmeistern doch ganz prima“ (vgl. Box Sport, Ausgabe vom 30. Mai 1995, S. 19) Maske zog daraufhin einen Schlußstrich unter dieses Thema.
Seine erste Titelverteidigung bestritt Michalczewski am 11. März 1995 in der Deutz Sporthalle in Köln gegen den unbekannten Spanier Roberto Dominguez, der in der WBO-Rangliste an Nummer zehn geführt wurde. Nur der Unerfahrenheit des Herausforderers, der bis dato fast ausnahmslos Gegner mit negativem Kampfrekord geboxt hatte, war es zu verdanken, dass Michalczewski seinen Titel behalten durfte. Nachdem er in den ersten Minuten mehrere Wirkungstreffer und einen Niederschlag hatte überstehen müssen, gelang dem Weltmeister in der zweiten Runde der entscheidende Schlag zum K. o.-Sieg.Box Sport, Ausgabe vom 22. März 1995, S. 17
Mit dem Italo-Amerikaner Paul Carlo war der nächste WM-Herausforderer ein weiterer Gegner, der mit Platz acht nur in der WBO-Rangliste vertreten war.Box Sport, Ausgabe vom 16. Mai 1995, S. 21 Am 20. Mai 1995 kam es zum Aufeinandertreffen, wobei Michalczewski auch diesmal boxerische Schwächen offenbarte. Wie bereits bei seiner ersten Titelverteidigung sorgte er am Ende mit seinem linken Haken für die vorzeitige Entscheidung, als sich Rechtsausleger Carlo in der vierten Runde nach dem ersten Niederschlag auszählen ließ.Box Sport, Ausgabe vom 30. Mai 1995, S. 19
Am 19. August stand für Michalczewski die erste Pflichtherausforderung auf dem Programm. WBO-Ranglisten-Erster und damit Gegner war der Mexikaner Everado Armenta, der mit Ausnahme seiner verlorenen Kämpfe gegen Frank Tate und Lupe Aquino bis dato nur gegen unbekannte Boxer gekämpft hatte. Gegen den Rechtsausleger hatte Michalczewski keine Probleme und siegte nach überzeugender Vorstellung durch K. o. in Runde fünf.Box Sport, Ausgabe vom 22. August 1995, S. 16
Sieben Wochen später stieg der Wahl-Hamburger zu seiner vierten Titelverteidigung gegen Phillipe Michel in den Ring, der noch nie in seiner Karriere vorzeitig verloren hatte. Obwohl zweimal schwer angeschlagen bewies der amtierende Französische Meister auch gegen Michalczewski seine guten Nehmerfähigkeiten. Am Ende musste dieser erstmals seit seinem WM-Gewinn elf Monate zuvor gegen Barber wieder über die volle Distanz von zwölf Runden gehen. Dass der verdiente einstimmige Punktsieg zu keinem Zeitpunkt in Gefahr geriet, war der fehlenden Schlagkraft seines Gegners zu verdanken, der wiederholt die mangelnde Deckung des Weltmeisters auszunutzen verstand.Box Sport, Ausgabe vom 17. Oktober 1995, S. 19
Nach einer weiteren erfolgreichen Titelverteidigung gegen den überforderten Kasachen Asluddin UmarovBox Sport, Ausgabe vom 10. April 1996, S. 19 sollte der nächste WM-Kampf im Free-TV übertragen werden. Da bereits für August des gleichen Jahres der große Showdown mit Graciano Rocchigiani geplant war, welcher sich nach langer Abstinenz durch zwei spektakuläre Kämpfe gegen Henry Maske wieder ins Rampenlicht katapultierte, wurde mit der Verpflichtung von Christophe Girard ein vermeintlich kalkulierbares Risiko eingegangen. Der Franzose erinnerte mit seinem defensiven Kampfstil an Henry Maske, der mittlerweile von der US-amerikanischen Fachzeitschrift The Ring als bester Boxer im Halbschwergewicht eingeschätzt wurde.Box Sport, Ausgabe vom 23. April 1996, S. 19 Doch der erste Auftritt am 8. Juni 1996 http://www.deutsches-boxmuseum.de/1996juni08.htm vor einem Millionenpublikum in Deutschland und Polen geriet zu einem Fiasko, an dessen Ende ein äußerst umstrittener Punktsieg zugunsten des Titelverteidigers bekanntgegeben wurde. Girard war es wiederholt gelungen, den anstürmenden Michalczewski mit gelungenen Kombinationen auszukontern, denen letztendlich aber die Schlagkraft für eine vorzeitige Entscheidung fehlte.Box Sport, Ausgabe vom 11. Juni 1996, S. 16 Dem Weltmeister selbst gelang es erst in den letzten Runden die Akzente zu setzen, als sein Gegenüber dem hohen Gewichtsverlust im Zuge der Kampfvorbereitung Tribut zollen musste und konditionell abbaute.
Skandalkampf gegen Graciano Rocchigiani