Żegoty ( Siegfriedswalde, früher auch Siebertswalde, Seubertswalde und Soubertswalde) ist ein Dorf in der Gmina Kiwity (Landgemeinde Kiwitten) im Powiat Lidzbarski (Kreis Heilsberg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
mini|Dorfkirche, 1606 neu errichtet nach einem BrandMonumenta Historiae Warmiensis oder Quellensammlung zur Geschichte Ermlands. Band 1, Mainz 1860, S. 433, Fußnote 232.
Geographische Lage Żegoty liegt im ehemaligen Ostpreußen etwa 13 Kilometer östlich der Kreisstadt Lidzbark Warmiński (Heilsberg) und 40 Kilometer nordöstlich von Olsztyn (Allenstein) im Nordwesten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Östlich des Orts fließt die Simser (polnisch Symsarna).
Geschichte
Ortsgeschichte
Im 13. Jahrhundert gehörte die Ortschaft zum Herrschaftsbereich des Deutschen Ordens. Im Jahre 1338 verlieh ihr der ermländische Bischofsvogt Heinrich von Luter dem zu errichtenden Kirchdorf die Handfeste nach Kulmer Recht.Dietrich Lange: Siegfriedswalde, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005)Informationszentrum Ostpreußen: Żegoty – Siegfriedwalde
Nach der Zweiteilung des Deutschordensstaats Preußen im Zweiten Frieden von Thorn 1466 kam das Dorf mit dem Fürstbistum Ermland zum autonomen Preußen Königlichen Anteils, das sich freiwillig der Oberhoheit der polnischen Krone unterstellt hatte. Im Zuge der ersten polnischen Teilung 1772 kam Siegfriedswalde zum Königreich Preußen.
Im Jahr 1789 wird Siegfriedswalde als ein königliches Dorf mit 74 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet, dessen Kirche eine Filiale von Seeburg (polnisch Jeziorany) sei.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, Volständige Topographie vom Ost-Preußischen Cammer-Departement, S. 186.
Am 21. Mai 1874 wurde Siegfriedswalde ein Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk im ostpreußischen Kreis Heilsberg innerhalb des Regierungsbezirks Königsberg.Rolf Jehke: Amtsbezirk Siegfriedswalde Waren ihm anfangs sechs Nachbarkommunen zugeordnet, waren es am Ende aufgrund struktureller Veränderungen noch drei.
Der Nachbarort Makohlen (polnisch Maków) wurde am 30. September 1928 inn die Landgemeinde Siegfriedswalde eingegliedert.
Bis 1945 gehörte das Dorf Siegfriedswalde zum Kreis Heilsberg im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde der Ort unter der Bezeichnung Żegoty im Sommer 1945 gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens zum Bestandteil der Volksrepublik Polen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Bevölkerung. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit aus Siegfriedswalde vertrieben.
Heute ist Żegoty eine Ortschaft im Verbund der Gmina Kiwity (Landgemeinde Kiwitten) im Powiat Lidzbarski (Kreis Heilsberg), von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte das Dorf 397 Einwohner.
Demographie
+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1816 443 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 317. 1858 647 darunter eine evangelische Person und 645 KatholikenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 111, Ziffer 131. 1871 700 darunter 100 Evangelische und 150 JudenGustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 19, Ziffer 14. 1910 710 1933 739 1939 740
Amtsbezirk 1874–1945
Zum Amtsbezirk Siegfriedswalde gehörten zwischen 1874 und 1945 die Orte:LG = Landgemeinde, GB = Gutsbezirk Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Frauenwalde Świętno 1928 nach Tollnigk eingemeindet Klotainen (LG) Klutajny Klotainen (GB) 1928 in die Landgemeinde Klotainen eingegliedert Makohlen Maków 1928 nach Siegfriedswalde eingemeindet Siegfriedswalde Żegoty Tollnigk Tolniki Wielkie
Religion mini|Innenansicht der Kirche mini|Grabstellen an der Kirche noch aus der Zeit vor 1945 Eine kirchliche Gemeinde wurde in Siegfriedswalde bereits in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gegründet.Erzbistum Ermland: Pfarrei Żegoty (polnisch) Eine erste Kirche aus dem gleichen Jahrhundert brannte im 16. Jahrhundert ab und wurde nach dem Wiederaufbau am 27. August 1606 von Bischof Simon Rudnicki St. Johannes dem Evangelisten geweiht. Wegen Baufälligkeit wurde ein Neubau notwendig, der 1909/10 neogotisch errichtet wurde und dessen Inneneinrichtung von damals auch noch heute erhalten ist.
Bis 1945 gehörten die mehrheitlich römisch-katholischen Einwohner von Siegfriedswalde zur Pfarrei Seeburg (Jeziorany) im Bistum Ermland, während der evangelische Bevölkerungsteil dem Kirchspiel der evangelischen Kirche Heilsberg im Kirchenkreis Braunsberg innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet war.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 453
Die katholischen Kirchenglieder des Orts gehören jetzt mit ihrer eigenen Pfarrkirche zum Dekanat Lidzbark Warmiński (Heilsberg) im Erzbistum Ermland, während die evangelischen Kirchenglieder heute zur Diözese Masuren der evangelisch-lutherischen Kirche in Polen gehören.
Verkehr Żeloty liegt an einer Nebenstraße, die die Woiwodschaftsstraße 513 bei Lidzbark Warmiński (Heilsberg) mit der Woiwodschaftsstraße 593 bei Wójtówko (Voigtsdorf) mit einander verbindet und dabei parallel zum Flüsschen Simser (Symsarna) verläuft.
Eine Bahnanbindung besteht für den Ort heute nicht mehr. Von 1901 bis 1996 war Tollnigk (polnisch Tolniki Wielkie) die nächste Bahnstation und lag an der Bahnstrecke (Niedersee–) Rothfließ–Heilsberg–Zinten (–Königsberg), die zuletzt nur noch auf polnischer Seite befahren wurde, heute aber nicht mehr existiert.
Persönlichkeiten
Aus dem Ort gebürtig
Josef Graw, geboren am 29. März 1854 in Siegfriedswalde, deutscher Politiker (Zentrum) († 1929)
Mit dem Ort verbunden
Paul Schwartz (1878–1945), römisch-katholischer Pfarrer, ab 1928 in Siegfriedswalde und hier verstorben am 12. Februar 1945 Leo Olschewski (1894–1942), römisch-katholischer Pfarrer, nach 1919 kurzzeitig Kaplann in Siegfriedswalde Paul Langkau (1903–1945), römisch-katholischer Geistlicher, ab 1933 Pfarrer in Siegfriedswalde, von Rotarmisten verschleppt und im Lager im Ural 1945 als Märtyrer verstorben
Weblinks
GenWiki: Siegfriedswalde (mit historischer Landkarte) Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Siegfriedswalde
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 1338 Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Kiwity