La France insoumise (Abkürzung: FI, in den Medien auch LFI deutsch: Unbeugsames Frankreich) ist eine linkspopulistische, seit dem Februar 2026 durch den Conseil d’Etat an der „äußersten Linken des politischen Spektrums“ eingestufte und EU-skeptische Partei in Frankreich. Die FI wurde im Februar 2016 von Jean-Luc Mélenchon mit dem Ziel der Umsetzung des Programms L’Avenir en commun gegründet.
Geschichte
Die Partei ist Nachfolgerin der Parti de Gauche sowie der Wahlplattform Front de gauche, die im April 2017 in La France insoumise umbenannt wurde. Die politische Strategie der FI folgt nach Auffassung vieler Beobachter einem neuen gesamteuropäischen Populismus der radikalen Linken. Offiziell wurde die Gründung der Bewegung am 10. Februar 2016, zeitgleich mit Jean-Luc Mélenchons Bekanntgabe, bei den Präsidentschaftswahlen 2017 anzutreten.
Wahlteilnahmen Bei der französischen Parlamentswahl 2017 trat der Parteivorsitzende Jean-Luc Mélenchon als Spitzenkandidat an. Die FI gewann 17 Wahlkreise (nach 11 % der Stimmen im ersten Wahlgang) und konnte damit in der Nationalversammlung eine eigene Fraktion bilden. Bei der Europawahl 2019 errang die Partei mit Manon Aubry als Spitzenkandidatin 6,3 % der Stimmen und 6 Europamandate; dies galt als ein enttäuschendes Ergebnis – eine der führenden Parteimitglieder erklärte ihren Rücktritt;Abel Mestre: Charlotte Girard, figure de La France insoumise, quitte le mouvement. In: Le Monde, 8. Juni 2019, abgerufen am selben Tag (französisch). Mélenchon wurde für seine politischen Positionen und seinen Führungsstil parteiintern kritisiert.Abel Mestre: Jean-Luc Mélenchon pourrait se mettre – un temps – en retrait de la vie politique. In: Le Monde, 4. Juni 2019, abgerufen am 5. Juni 2019 (französisch).
LFI unterstützte erneut die Kandidatur von Mélenchon bei den Präsidentschaftswahlen 2022, der mit 21,95 % der Stimmen sein bis dahin bestes Ergebnis erzielte und dabei den höchsten Stimmanteil aller linksgerichteten Kandidaten erhielt, aber dennoch nicht in die Stichwahl einziehen konnte. Für die anschließenden Parlamentswahlen schloss sich die Partei mit anderen linken Gruppierungen zur Koalition NUPES (Nouvelle union populaire écologique et sociale) zusammen, die 151 gewählte Abgeordnete (darunter 75 für FI) gewinnen konnte. Bei der Parlamentswahl 2024 trat die Partei im Rahmen des Linksbündnisses Nouveau Front populaire an, das 193 der 577 Sitze erhielt.
Positionen Die Partei nimmt linkspopulistische Positionen ein. Im Wahlkampf zu der Parlamentswahl 2024 warb LFI unter anderem mit der Zurücknahme der von Macron durchgesetzten Rentenreform mit einer Herabsetzung des Regelrentenalters auf 60 Jahre, Anhebung der Renten auf das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns (SMIC) bei einer gleichzeitigen Erhöhung des SMIC (auf EUR 1600/Monat netto), Preiskontrollen für Güter des täglichen Bedarfs etc.
LFI strebt die Einrichtung, nach einem Referendum, einer verfassungsgebenden Versammlung an, die mit der Ausarbeitung der Verfassung einer Sechsten Republik beauftragt ist, die die derzeitige Fünfte Republik ablösen soll. Diese wird von der Partei als „Präsidialmonarchie“ (monarchie présidentielle) bezeichnet, da sie der Ansicht ist, dass der Präsident der Republik zu viel Macht konzentriert, ohne dass das Volk Kontrolle über sein Handeln ausüben kann. Dieser Verfassungsgebungsprozess wäre laut der FI auch eine Gelegenheit, andere Funktionsweisen wie das Verhältniswahlrecht bei den Parlamentswahlen vorzuschlagen (und das derzeitige Mehrheitswahlrecht zu ersetzen), oder die Möglichkeit, amtierende Mandatsträger abzuberufen. Die Änderung der Verfassung und damit der Institutionen wird von der Partei als grundlegend angesehen, die in der bis 2022 sinkenden Wahlbeteiligung (bei der Parlamentswahl 2022 lag sie bei 47,5 % in der ersten Runde) ein Zeichen für die Ablehnung des institutionellen Systems durch das französische Volk sieht.
Nahostkonflikt und Antisemitismusvorwürfe Die Partei positioniert sich im Nahostkonflikt stark propalästinensisch. Die LFI bezeichnet die Hamas nicht als Terrororganisation, weshalb ihr unter anderem von der damaligen Premierministerin Élisabeth Borne Antisemitismus vorgeworfen wurde. In einer Erklärung kurze Zeit nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 sprach die Fraktion von der „bewaffneten Offensive der palästinensischen Streitkräfte unter Führung der Hamas“, welche „vor dem Hintergrund der Verschärfung der israelischen Besatzungspolitik“ stattfände. Man beklage „die israelischen und palästinensischen Todesopfer“. Laut der Fraktionsvorsitzenden der LFI, Mathilde Panot, ist der bewaffnete Flügel der Hamas verantwortlich für Kriegsverbrechen. Auf Nachfrage antwortete sie, dass die Fraktion die Gesamtheit der Kriegsverbrechen verurteile, welche auf Terror abzielten, man könne sie also als terroristisch bezeichnen.
In einer Umfrage unter französischen Juden 2024 wurde La France insoumise von 92 Prozent als Partei genannt, die zur Steigerung des Judenhasses beitrage (Les Écologistes 60 %, Rassemblement National 49 %); 57 % gaben an, Frankreich bei einem Sieg der Partei bei der Präsidentschaftswahl 2027 verlassen zu wollen.Le Figaro: Pour 92% des Juifs français, La France insoumise contribue à faire monter l’antisémitismeDavide Basso: Hamas-Israel-Konflikt: Französische Sozialdemokraten verlassen Linksbündnis www.euractiv.de, 11. Oktober 2023
Wahlergebnisse Präsidentschaftswahlen Jahr Kandidat Erster Wahlgang Zweiter Wahlgang Anmerkungen Stimmen(absolut) Stimmen(relativ) Stimmen(absolut) Stimmen(relativ) 2017 Jean-Luc Mélenchon 7.059.951 19,58 % Nicht qualifiziert (4. Platz) Besiegt20227.712.52021,95 % Nicht qualifiziert (3. Platz)
Parlamentswahlen Jahr Erster Wahlgang Zweiter Wahlgang Sitze insgesamt Anmerkungen Stimmen(absolut) Stimmen(relativ) Sitze Stimmen(absolut) Stimmen(relativ) Sitze 201711,03 % 04,86 % 17 Opposition2022Als Wahlbündnis NUPES mit anderen Parteien zusammen14,22 % 416,79 % 71 ParteisitzeBündnissitze2024Als Wahlbündnis Nouveau Front populaire mit anderen Parteien zusammen10,49 %208,55 %52 Parteisitze
BündnissitzeGrößte Partei innerhalb des siegendes Bündnisses (NFP). LFI und die andere NFP-Parteien können keine Regierung bilden und bleiben in der Opposition
Europawahlen Jahr Spitzenkandidat Stimmen(absolut) Stimmen(relativ) Sitze Rang EU-Fraktion2019Manon Aubry 1.428.548 6,31 % #5Die Linke20242.448.7159,89 % #4
Literatur Charlotte Belaïch, Olivier Pérou: La Meute: Enquête sur la France Insoumise de Jean-Luc Mélenchon, Éditions Flammarion, 2025, ISBN 978-2080428714
Weblinks
Nachweise
Kategorie:Partei (Frankreich) Kategorie:EU-skeptische Partei Kategorie:Sozialistische Partei Kategorie:Politische Organisation (Paris) Kategorie:Parteigründung 2016