mini|Doppelrohrblattinstrument puik-puik mit konischer Holzröhre, sechs Fingerlöchern und Messingschallbecher aus Südsulawesi. Mundstück fehlt. Tropenmuseum, Amsterdam, vor 1936 Puwi-puwi, auch puik-puik oder pui-pui, sind unterschiedliche Einfachrohrblattinstrumente, gedoppelte Einfachrohrblattinstrumente und Doppelrohrblattinstrumente, die hauptsächlich auf den indonesischen Inseln Java und Sulawesi gespielt werden. Die zentraljavanische puwi-puwi ist ein seltenes oder verschwundenes, hölzernes Einfachrohrblattinstrument mit einer konischen Bohrung; in Südsulawesi besteht das heute gleichfalls seltene Einfachrohrblattinstrument aus einer zylindrischen Bambusröhre. Zwei dieser Röhren können zu einer Doppelklarinette verbunden sein.

Bekannter ist puik-puik in Südsulawesi als ein mit der javanischen tarompet verwandtes, konisches Doppelrohrblattinstrument, das in einem kleinen Ensemble mit der Trommel ganrang zur Begleitung von pakarena-Tänzen gespielt wird. Der höfische Frauentanz pakarena ist eine Kulturtradition der Makassaren.

Auf der Insel Alor bezeichnete puwi-puwi Anfang des 20. Jahrhunderts ein kleines, aus einem Blatt gefertigtes Blasinstrument mit Doppelrohrblatt.

Herkunft und Verbreitung Rohrblattinstrumente In Südostasien lassen sich vier Gruppen von Rohrblattinstrumenten unterscheiden: 1) einfache kurze Reisstrohpfeifen, bei denen ein seitlicher Einschnitt einen Halm zu einem Einfachrohrblattinstrument macht, 2) Instrumente aus Bambus oder Holz mit einem am Mundstück angebrachten Einfachrohrblatt und einer zylindrischen oder leicht konischen Bohrung, 3) gedoppelte Einfachrohrblattinstrumente (Doppelklarinetten) aus zwei parallel verbundenen Spielröhren und 4) mehrere (hier erwähnte) Typen von Doppelrohrblattinstrumenten, meist mit konischer Röhre (Kegeloboen).

Die im gesamten Malaiischen Archipel am weitesten verbreiteten Blasinstrumente sind Längsflöten aus Bambus oder Holz und unter diesen kommen vermutlich Außenkernspaltflöten vom Typ der javanischen suling am häufigsten vor. Suling werden solistisch zur privaten Unterhaltung, in kleinen informellen Ensembles zur Gesangsbegleitung und in den großen klassischen Orchestern (gamelan) gespielt. Doppelrohrblattinstrumente sind wesentlich seltener und in Indonesien nur regional in einem Inselbogen vom Norden Sumatras: Aceh (srune), Nordsumatra (sarune bei den Batak), Westsumatra (serunai bei den Minangkabau) bis nach Java (tarompet, selompret), Bali und Lombok (preret) bis Sumbawa und Südsulawesi bekannt. Sie werden in den meisten Fällen für die laut klingende Festmusik bei Prozessionen und zeremoniellen Veranstaltungen verwendet.

Einfachrohrblattinstrumente mini|Türkisches Einfachrohrblattinstrument sipsi aus Bambus. Selbst gefertigte Einfachrohrblattinstrumente aus Reisstrohhalmen, deren Lautstärke durch ein als Schalltrichter umgebundenes Blatt vergrößert wird, kommen praktisch überall dort vor, wo Reis angebaut wird. Über einige weitere Inseln als die bereits genannten gibt es Berichte über Einfachrohrblattinstrumente aus Bambus oder Holz, die in derselben Funktion wie die Flöten, aber im Unterschied zu den Doppelrohrblattinstrumenten meist nur im informellen Rahmen und solistisch eingesetzt werden. In Ensembles werden sie selten verwendet.Philip Yampolsky: Indonesia. I. 3. Instruments. (iii) Aerophones. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians, 2001

In Asien sind Einfachrohrblattinstrumente – von den einfachen Grashalmpfeifen abgesehen – allgemein selten. Zu den wenigen Rohrpfeifentypen gehören beginnend im Westen die sipsi in der Türkei, die pilili in Georgien, die dilli tüýdük in Turkmenistan und die balaban weiter östlich in Zentralasien. Hinzu kommen einige Hornpfeifen von der Ukraine (rischok) über Russland (schaleika, brelka) bis nach Armenien (pku) und in der isolierten Region Nordostindien (pepa). In Nordindien bezeichnet murali (Hindi, auch murli, allgemein „Flöte“) unter anderem ein seltenes Einfachrohrblattinstrument aus einer schlanken Bambusröhre.Curt Sachs: Die Musikinstrumente Indiens und Indonesiens. Zugleich eine Einführung in die Instrumentenkunde. Georg Reimer, Berlin 1915, S. 157

mini|Indisches gedoppeltes Einfachrohrblattinstrument pungi mit einer Kokosnussschale als Windkapsel. Ein wesentlich weiter, in ganz Indien verbreitetes, gedoppeltes Blasinstrument mit einer Windkapsel ist die pungi, die wiederum als Vorstufe der indischen Sackpfeife mashak betrachtet werden kann. Gedoppelte Blasinstrumente (Flöten und Rohrblattinstrumente), die seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Mesopotamien bekannt sind, tauchen im 2./1. Jahrhundert v. Chr. als Reliefabbildungen an indischen Stupas auf.Walter Kaufmann: Altindien. Musikgeschichte in Bildern. Band 2: Musik des Altertums, Lieferung 8. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 62 Sie waren damals und sind bis heute – vom Windkapselinstrument pungi abgesehen – in Indien selten; immerhin kommen in Indien gedoppelte Einfachrohrblattinstrumente gegenüber solchen mit einzelnen Spielröhren häufiger vor.Bigamudre Chaitanya Deva: Musical Instruments of India: Their History and Development. Firma KLM Private Limited, Kalkutta 1978, S. 116f Dasselbe gilt für China.Sibyl Marcuse: A Survey of Musical Instruments. Harper & Row, New York 1975, S. 729

In mit Ziegeln gemauerten Grabkammern in der vietnamesischen Provinz Thanh Hóa aus dem 1. Jahrhundert vor und nach der Zeitenwende wurden Bronzeobjekte gefunden, die Hinweise auf die Verwendung von Einfachrohrblattinstrumenten geben. Musizierende Figuren, die einen Kandelaber und andere Bronzelampen verzieren, zeigen Blasinstrumente mit einer Spielröhre, jedoch keine Doppelblasinstrumente vom Typ des griechischen aulos. Der Kandelaber könnte aus dem weiter südlich gelegenen, von indischer Kultur geprägten Reich Funan stammen. Er ist stilistisch mit der Kunst des Kuschana-Reichs im südlichen Zentralasien und in Nordindien verwandt, das kulturell wiederum vom antiken Griechenland beeinflusst war.Olov R. T. Janse: On the Origins of Traditional Vietnamese Music. (PDF; 4,0 MB) In: Asian Perspectives, Band 6, Nr. 1–2, 1963, S. 145–162, hier S. 148, 155 Im 15./16. Jahrhundert gab es in Vietnam ein Ensemble, das Sängerinnen mit dem gedoppelten Einfachrohrblattinstrument địch quản, der Querflöte trúc địch, der Laute đổi cảm, der Sanduhrtrommel yêu cồ und dem Bambusschlagstab trưởng cùng begleitete.Paul Collaer: Südostasien. Musikgeschichte in Bildern. Band I: Musikethnologie, Lieferung 3. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1979, S. 36 Vermutlich gelangten Doppelklarinetten von Indien (ohne die Windkapsel der pungi) während der hindu-javanischen Zeit nach Java und weiter nach Sulawesi, wo der hinduistische Kultureinfluss im 13./14. Jahrhundert den Süden der Insel erreichte.Walter Kaudern, 1927, S. 263

Einfachrohrblattinstrumente aus Reisstrohhalmen heißen auf der Malaiischen Halbinsel serunai padi (aus serunai, „Rohrblattinstrument“, und dem Zusatz padi, „Reispflanze“). Die gleichen längsgeblasenen Reisstrohhalme sind im Bundesstaat Sabah als kungkuyak oder pumpuak bekannt.Patricia Matusky: An Introduction to the Major Instruments and Forms of Traditional Malay Music. In: Asian Music, Band 16, Nr. 2, Frühjahr–Sommer 1985, S. 121–182, hier S. 144 Ähnlich machen auch die Batak in der Provinz Nordsumatra in ihrer Instrumentenklassifizierung keinen Unterschied zwischen den Rohrblattinstrumententypen und bezeichnen alle als sarune(i), wobei die Einfachrohrblattinstrumente regional einen Zusatz wie sarunei na met-met („kleines Rohrblattinstrument“), sarunei buluh („Bambus-Rohrblattinstrument“) oder sarunei ajang erhalten.Artur Simon: The Terminology of Batak Instrumental Music in Northern Sumatra. In: Yearbook for Traditional Music, Band 17, 1985, S. 113–145, hier S. 115, 128 Die sarunei mit Einfachrohrblatt spielen in mehreren Unterhaltungsensembles der Batak mit der Zupflaute hasapi zusammen. In der Provinc Aceh bildet das Einfachrohrblattinstrument srune (saruné) mit zwei großen Zylindertrommeln geundrang ein Instrumentalensemble.Paul Collaer, 1979, S. 86

mini|Schalltrichter des Rohrblattinstruments pepet wuno nio aus dem Blatt (wuno) einer Kokospalme (nio). Herkunft: Ende, Flores. Tropenmuseum, Amsterdam, vor 1995. Weitere, zum Teil historische Namen für idioglotte (Rohrblatt aus der Röhre herausgeschnitten) Blasinstrumente aus Reisstroh sind in Aceh wa, im dortigen Gayo-Hochland pepéon und bebeulen sowie im Alas-Gebiet iyup-iyup, bei den Toba-Batak oli-oli und alal, auf der Insel Nias lai waghè, in der Region Sunda in Westjava dami oder jarami, in Zentraljava demén oder derménan, bei den Toraja in Südsulawesi om-om, im Osten Sumbawas kafu (kafoa) und ra’us woja auf der Insel Flores. Von Flores wurden auch sieben bis zwölf Zentimeter lange, heteroglotte Einfachrohrblattinstrumente aus Bambus erwähnt (orupi und hu’a ha’u).Jaap Kunst: Music in Flores: A Study of the Vocal and Instrumental Music Among the Tribes Living in Flores. Brill, Leiden 1942, S. 155 Die bebeulen der Gayo im Gebiet Takengon in Aceh ist eine etwa 20 Zentimeter lange Klarinette aus einem Reisstrohhalm von 3 Millimetern Durchmesser und einem Schallbecher, der aus umgewickelten Pandanusblättern besteht. Die Position der vier bis sechs Fingerlöcher wird nicht exakt eingemessen, dafür dauert die Herstellung nur rund eine halbe Stunde.Margaret J. Kartomi: Bebeulen. In: Laurence Libin (Hrsg.): The Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 1. Oxford University Press, Oxford / New York 2014, S. 285

Der alte Name für Reisstroh-Klarinetten in der hindu-javanischen Literatur (bis zum 15. Jahrhundert) ist damyadamyan. Sundanesisch dami und in Zentraljava demén sind hiervon abgeleitet. Jaap Kunst fand in den 1920er Jahren zwei Arten von Blasinstrumenten aus Reisstroh. Die demén (oder derménan) besteht aus einem Abschnitt mit einem offenen unteren Ende und einem durch einen Fruchtknoten geschlossenen oberen Ende. Direkt hinter dem geschlossenen Ende ist ein Schlitz eingeschnitten. Das entstandene Rohrblatt umschließt der Spieler vollständig mit dem Mund, sodass es in seinem Mundraum frei schwingen kann. Ein solches Blasinstrument kann zwei oder drei Fingerlöcher und einen Schalltrichter aus umgebundenen Blattstreifen der Kokosnusspalme besitzen. Derselbe Reisstrohhalm ergibt anders eingeschnitten ein einfaches Instrument mit Doppelrohrblatt.Jaap Kunst, 1973, S. 241

Eine eigene Geschichte hat der Orchestertyp musik bambu klarinetPigi Jo Deng Dia – Musik Bambu Klarinet. Youtube-Video der Minahasa in der Provinz Nordsulawesi, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg als Abwandlung des hybriden Ensembles musik bambu seng („Musikgruppe-Bambus-Zink“) entstand. Dieses seit den 1930er Jahren aus Nachbauten europäischer Blechblasinstrumente in den namentlich genannten Materialien bestehende Orchester wurde um eine sogenannte klarinet, eigentlich eher ein Sopransaxophon aus Bambus, erweitert und heißt seitdem musik bambu klarinet.Ernst Heins: Begleitheft der CD Frozen Brass. Anthology of brass band music, 1. Asia. (Titel 19–22) Ethnic Series, PAN 2020, Paradox 1993

Bauform und Spielweise Java mini|Militärkapelle mit puwi-puwi, Trommeln und Paarbecken ceng-ceng am Kraton in Yogyakarta