Die Schlacht um Vicksburg, auch Belagerung von Vicksburg genannt, fand vom 19. Mai bis zum 4. Juli 1863 rund um die Kleinstadt Vicksburg, Mississippi statt. Sie war die letzte Schlacht des Zweiten Vicksburg-Feldzugs und gilt als eine entscheidende Schlacht des Amerikanischen Bürgerkrieges.James McPherson, Battle Cry of Freedom, S. 637.
Die Schlacht begann mit zwei erfolglosen Angriffen der Tennessee-Armee der Union auf die Stellungen der Konföderierten vor Vicksburg. Generalmajor Ulysses S. Grant begann danach mit der Belagerung der Stadt, die nach sechs Wochen und einem Tag am Unabhängigkeitstag zur Kapitulation der die Stadt verteidigenden konföderierten Mississippi-Armee führte. Mit dem Fall von Vicksburg verlor die Konföderation ihren vorletzten Stützpunkt am Mississippi. Mit der darauf folgenden Kapitulation von Port Hudson, Louisiana stand das gesamte Mississippi-Tal unter Kontrolle der Union. Die Konföderation war in zwei Teile gespalten.
Vorgeschichte Der Mississippi war vor Kriegsbeginn die wirtschaftliche Lebensader für die Staaten des mittleren Westens. Mit Kriegsbeginn war diese Verbindung unterbrochen. Präsident Lincoln hatte schon 1862 die Einnahme von Vicksburg als unabdingbare Voraussetzung für den Sieg gefordert.“See what a lot of land these fellows hold, of which Vicksburg is the key! The war can never be brought to a close until that key is in our pocket...” Lincoln in einer Rede an zivile und militärische Führer – zitiert u. a. hier: nps.gov Generalmajor Grant hatte im ersten Vicksburg-Feldzug mit der Tennessee-Armee erfolglos versucht, Vicksburg von Norden und Westen einzunehmen. Im zweiten Vicksburg-Feldzug überquerte die Tennessee-Armee den Mississippi ungefähr 40 Meilen südlich der Stadt, griff zunächst nach Nordosten in Richtung Jackson, Mississippi an und wandte sich danach nach Westen. Grant schlug die konföderierte Mississippi-Armee unter Generalleutnant John C. Pemberton entscheidend in der Schlacht am Champion Hill und hatte am 17. Mai den Big Black überschritten.
Vicksburg sperrte, in Verbindung mit den anderen Befestigungen entlang des Mississippi, den Fluss für die Nutzung durch die Union. Nachdem nur noch Port Hudson und Vicksburg als Stützpunkte am Mississippi übrig geblieben waren, wurde die Stadt durch Präsident Davis zum Scharnier der Föderation ernannt. Mit der Verteidigung der Bundesstaaten Mississippi und Louisiana östlich des Mississippis beauftragte Davis Generalleutnant Pemberton und dessen Mississippi-Armee. Pemberton gelang es, die Tennessee-Armee während des ersten Vicksburg-Feldzuges abzuwehren. Nach der Invasion Mississippis gelang es Pemberton nicht, seine Kräfte zusammenzufassen und Grant nach der Landung zu schlagen. Nach der Schlacht am Champion Hill wichen die Truppenteile der Mississippi-Armee zum Big Black demoralisiert, aber meist geordnet aus. Nach der Niederlage an der Brücke über den Big Black flohen die konföderierten Soldaten am 17. Mai in die Befestigungen von Vicksburg.
Gelände Vicksburg liegt am Ostufer des Mississippi auf einem Höhenzug bis zu 60 m über dem Fluss. Der Höhenzug erstreckt sich von Haynes Bluff, zwölf Meilen nordöstlich am Yazoo, bis zur Mündung des Big Black in den Mississippi, 30 Meilen südlich; sie fällt zur Landseite bis zum Big Black ab und bot für die Verteidigung gut geeignete überhöhte Stellungen. Das Schlüsselgelände für die Verteidigung Vicksburgs lag nordöstlich der Stadt am Yazoo bei Haynes Bluff.
Ziele Die Regierung der Nordstaaten beabsichtigte, die Kontrolle über den unteren Mississippi zu erhalten, um so den Fluss für die Wirtschaft nutzen zu können. Gleichzeitig würde durch die Einnahme Vicksburgs die Konföderation in zwei Hälften geteilt und ein Teil des Anakonda-Plans verwirklicht werden. Die Südstaaten verfügten mit Vicksburg und Port Hudson, Louisiana nur noch über zwei befestigte Stützpunkte am Mississippi, über die eine sichere Verbindung mit den Gebieten westlich des Flusses gehalten werden konnte. Der Wegfall dieser Verbindung würde besonders den Warenverkehr erheblich beeinträchtigen. Für die Konföderation ging es zusätzlich um ihr Ansehen in der Welt und in der Bevölkerung, das Halten von Vicksburg wurde zum Prestigeobjekt.
Ausgangslage Generalmajor Grant begann die Belagerung mit den drei Korps, die bisher den zweiten Vicksburg-Feldzug durchgeführt hatten. Nach der kampflosen Einnahme von Haynes Bluff setzte er sofort Truppenteile zur Abwehr eines Angriffs aus Osten ein. Im weiteren Verlauf der Belagerung verstärkte Grant sich durch Großverbände aus seinem eigenen Wehrbereich und aus den Wehrbereichen Missouri und Ohio auf mehr als 70.000 Mann. Mehr als die Hälfte dieser Truppen setzte Grant zur Abwehr eines Angriffs Joseph E. Johnstons aus Osten ein. Generalleutnant Pemberton konnte mit den am Big Black geflohenen Divisionen und den in Vicksburg stationierten Divisionen Stevensons und Forneys die Verteidigung der Stadt aufbauen. Er hatte am 26. Mai 17.356 dienstfähige Soldaten zur Verfügung,The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 923: Tagesdienststärke am 26. Mai die in ausgebauten Stellungen die Stadt verteidigten.
Schlacht In der Nacht des 18. Mai erreichten die ersten Truppenteile der Tennessee-Armee die äußeren Befestigungsanlagen der Stadt. Grant wollte den Erfolg der Vortage ausnutzend die demoralisierten Konföderierten in einer letzten Anstrengung angreifenThe War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 54: Der Gegner ist demoralisiert und Vicksburg nehmen, bevor Johnston in seinem Rücken zu einer Gefahr für die Tennessee-Armee werden konnte. Angriff am 19. Mai mini|Angriff am 19. Mairot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Das XV. Korps Shermans erreichte Haynes Bluff, um das noch um die Jahreswende erbittert gekämpft worden war, kampflos in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai. Diesem Korps folgte das XVII. McPhersons, das sich links von Sherman entfaltete, und danach das XIII. John McClernands, das am linken Flügel der Armee eingesetzt wurde. Generalmajor Grant befahl den Angriff aller Korps am 19. Mai 14:00 Uhr.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 329: Angriffsbefehl für den 19. Mai Der Angriff begann nach fünfstündiger Artillerievorbereitung mit einer Division des XV. Korps.
mini|Skizze der ‘Stockade Redan’ Die Konföderierten verteidigten sich dem XV. Korps gegenüber aus Stellungen mit dem Schwerpunkt in der ‘Stockade Redan’, einem Festungswerk im Norden der Verteidigungslinie. Dem vorderen Regiment des XV. Korps gelang es, bis auf den feindseitigen Hang der ‘Stockade Redan’ vorzugehen, blieb dort jedoch im Feuer der Konföderierten liegen. Erst im Schutz der Dunkelheit konnten die überlebenden Soldaten der Union auf ihre eigenen Linien ausweichen.
Die beiden anderen Korps der Tennessee-Armee nahmen zunächst nicht am Angriff teil, da sie ihre Sturmausgangsstellungen noch nicht erreicht hatten. Erst während des Angriffs des XV. Korps konnten sie ihre Ausgangsstellungen nehmen. Dabei kam es nur zu Scharmützeln mit den konföderierten Verteidigern. Die Verluste der Tennessee-Armee betrugen 157 Gefallene, 767 Verwundete und 8 Vermisste; insgesamt 942 Soldaten.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil II, S. 159: Verluste der Tennessee-Armee Die Verluste der Konföderierten sind nicht im Einzelnen festgehalten; Pemberton bezeichnete sie als gering und forderte in seiner Meldung über die erfolgreiche Abwehr des Angriffs die Versorgung mit Zündhütchen und einen schnellen Entsatz.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 899: Erfolgreiche Abwehr
Angriff am 22. Mai Trotz dieses Misserfolgs bestand Grant auf einem erneuten Angriff. Dazu verabredete er zunächst am 21. Mai die Zusammenarbeit mit der Mississippi-Flottille, die bis eine halbe Stunde nach Angriffsbeginn die Befestigungen der Konföderierten beschießen sollte.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 333: Unterstützung durch die Flotte Grant befahl anschließend persönlich den Kommandierenden Generalen den Angriff für 10:00 Uhr am nächsten Tag.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 333 f: Befehl für den Angriff Dazu ließ er einen Zeitvergleich durchführen, damit sichergestellt war, dass alle Korps zum gleichen Zeitpunkt antreten würden.Personal Memoirs of U.S. Grant, Kapitel XXXVI, S. 14: Zeitvergleich mini|Angriff am 22. Mairot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Die ganze Nacht feuerten die Mörser der Flottille in die Stellungen der Konföderierten und die Stadt. Die gesamte verfügbare Artillerie eröffnete am frühen Morgen gemeinsam mit Scharfschützen das Feuer. Der Angriff aller Korps begann gleichzeitig um 10:00 Uhr. Sherman hatte seine Divisionskommandeure noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Angriffsbeginn nicht auf ein Zeichen, sondern ab dem befohlenen Zeitpunkt stattzufinden habe.
Der Sturm blieb wie am 19. Mai an den Hängen der Festungswerke und Lünetten liegen. Nur das XIII. Korps meldete Einbrüche in die konföderierten Stellungen. Grant, der von einem Beobachtungspunkt im Bereich des XVII. Korps das Scheitern des Angriffs verfolgte, glaubte den Meldungen McClernands nicht. Auf die wiederholte Meldung McClernands, er benötige Verstärkungen, um seinen Erfolg auszubauen, befahl Grant, um jede mögliche Chance zu bewahren, fast alle Truppen des XVII. Korps zur Unterstützung abzustellen. Gleichzeitig ließ er die Angriffe des XV. Korps wiederholen.
Pemberton wehrte die Angriffe durch Verlagern des Schwerpunktes flexibel ab.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 907 ff: flexible Verteidigung In seinem Bericht meldet er die Abwehr aller Angriffe unter geringen eigenen Verlusten und großen des Gegners.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 275: Angriff abgewehrt
Grant meldete Halleck am 22. Mai, dass die Verluste nicht übermäßig stark seien. Sie betrugen 502 Gefallene, 2.550 Verwundete und 147 vermisste Soldaten.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil II, S. 167: Verluste der Union In seinem offiziellen Bericht bedauert er die Verluste, die besonders nach dem ersten erfolglosen Sturm eingetreten seien. Er schob sie jedoch McClernand zu, der wegen seiner falschen Meldungen einen erneuten Einsatz zusätzlicher Kräfte und einen erneuten Angriff veranlasst hätte.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil I, S. 37 f: Verluste Insgesamt beurteilte Grant den Angriff nicht als völlig erfolglos. Schließlich hätten die Truppen Stellungen nahe der gegnerischen Befestigungen erobern und halten können. In Anbetracht der Stärke der gegnerischen Stellungen kam er zu der Überzeugung, dass eine Belagerung Vicksburg das geeignete Mittel sei, die Stadt zu erobern.The War of the Rebellion, Serie I, Band XXIV, Teil III, S. 337: Beginn der Belagerung
Die Belagerung mini|Belagerungsring um Vicksburgrot: konföderierte Truppenblau: Unionstruppen Die Mississippi-Armee hatte in den letzten sieben Monaten die Lünetten, Forts und Palisaden angelegt, an denen am 19. und 22. Mai die Angriffe der Nordstaatler gescheitert waren. Die Befestigungen erstreckten sich vom Fluss zwei Meilen nördlich der Stadt im Bogen nach Osten und Süden um die Stadt herum und erreichten den Fluss wieder neun Meilen südlich der Stadt. Sie verliefen entlang eines Höhenzuges.
Grant verstärkte die Tennessee-Armee mit Großverbänden aus Missouri und Kentucky. Mehr als die Hälfte aller ihm zur Verfügung stehenden Truppen – ungefähr 36.000 Soldaten – setzte Grant unter Shermans Kommando in den Überwachungskräften (Army of Observation) ein. Deren Auftrag bestand darin, einen eventuellen Angriff Johnstons abzuwehren. Dazu führten Großverbände mehrere Raids nach Norden und Osten durch, auf denen sie in einer Art verbrannter Erde das Land verwüsteten, damit es für Entsatzoperationen nicht mehr nutzbar war.The War of the Rebellion, Serie 1, Band XXIV, Teil I, S. 39f Auftrag der Überwachungskräfte; Teil III, S. 379 Alles zerstören
Durchführung