mini|Aufräumarbeiten am Canal Hotel am 22. August 2003, drei Tage nach dem Anschlag. Der Bombenanschlag auf das Canal Hotel war ein Autobombenanschlag im irakischen Bagdad am 19. August 2003, bei dem 22 Menschen ums Leben kamen, darunter der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Sérgio Vieira de Mello. Das Canal Hotel wurde beim Anschlag zerstört. Zu dem Anschlag bekannte sich der islamische Fundamentalist und Terrorist Abū Musʿab az-Zarqāwī.
Ablauf Die Explosion wurde am Nachmittag des 19. August 2003 ausgelöst durch eine von einem Selbstmordattentäter gezündete Autobombe. Zum Zeitpunkt der Explosion hielt Martin Barber, Direktor des Minenräumungsprogramms der Vereinten Nationen (englische Abkürzung UNMAS), eine Pressekonferenz.
Das Tatfahrzeug wurde als ein großer Pritschen-Lkw der Marke Kamaz identifiziert. Diese in Osteuropa hergestellten Lkw waren in der Fahrzeugflotte des früheren irakischen Establishments vorhanden. Untersuchungen ergaben die Vermutung, dass die Bombe aus alten Munitionsbeständen des irakischen Vorkriegsarsenals gebaut wurde.
Die Wucht der Explosion beschädigte auch ein benachbartes Krankenhaus sowie ein Zentrum für zivil-militärische Operationen der U.S. Army. Die Schockwelle war noch über eineinhalb Kilometer weit zu spüren.
Direkt unterhalb des Büros von Sérgio Vieira de Mello befand sich das Humanitarian Information Centre des United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs, das von der Explosion direkt getroffen wurde. Von den acht Mitarbeitern und einem Besucher wurden einige sofort getötet. Sérgio Vieira de Mello und Gil Loescher überlebten zunächst schwerverletzt, waren aber in den Trümmern gefangen. In einer mehrstündigen Rettungsaktion konnte Loescher noch gerettet werden, nachdem ihm die zertrümmerten Beine amputiert wurden, Vieira de Mello starb jedoch, bevor er befreit werden konnte.OCHA bulletin tribute.
mini|Verladung des Transportsargs für Sérgio Vieira de Mello
Im Buch The Prince of the Marshes beschreibt der britische Autor Rory Stewart seine Erlebnisse am Tag des Anschlags:
Hintergrund Abū Musʿab az-Zarqāwī, Führer der terroristischen Organisation At-Tauhīd wa-l-Dschihād, bekannte sich im April 2004 zu dem Anschlag.
Zarqāwī zufolge war de Mello explizites Angriffsziel des Anschlags. Er gab hierfür als Grund an, dass de Mello Osttimor zur staatlichen Unabhängigkeit von Indonesien verhalf. Er sagte, dass de Mello an der ungesetzlichen Entfernung von Territorium aus dem Islamischen Kalifat beteiligt war und deshalb ein Dieb und Verbrecher sei.
Folgen Einen Monat nach dem Anschlag – am 22. September 2003 – gab es einen weiteren Selbstmordanschlag mit einer Autobombe nahe der Hauptverwaltung der Vereinten Nationen in Bagdad. Dabei wurden ein Sicherheitsangestellter getötet und 19 Personen verletzt.
Innerhalb von Wochen wurden nach den Anschlägen die meisten der 600 Mitarbeiter der Vereinten Nationen aus dem Irak abgezogen. Die Anschläge hatten bleibende Auswirkungen auf die Sicherheitsregeln der Vereinten Nationen.
mini|hochkant=0.6|Sérgio Vieira de Mello, 2002 Opfer
Name Alter Nationalität PositionSérgio Vieira de Mello55Sondergesandter der Vereinten Nationen, Unterstützungsmission der Vereinten Nationen im IrakNadia Younes57Leiter des Mitarbeiterstabs von Vieira de MelloFiona Watson35Im Mitarbeiterstab von Vieira de MelloJean-Sélim Kanaan33, , Im Mitarbeiterstab von Vieira de MelloRichard Hooper40Senior advisor to the UN Under-Secretary-General for the Department of Political AffairsManuel Martín-Oar56Naval captain, Assistent des spanischen special ambassador im IrakChristopher Klein-Beekman32Programmkoordinator, UN Children’s FundReham Al-Farra29Department of Public Information Martha Teas47UNOHCI ManagerLeen Assad Al-Qadi32UNOHCI InformationsassistentRanillo Buenaventura47UNOHCI Sekretariat für Vieira de MelloReza Hosseini43UNOHCI Humanitarian affairs officerIhsan Taha Husein26UNOHCI FahrerBasim Mahmoud Utaiwi40UNOHCI SicherheitspersonalRaid Shaker Mustafa Al-Mahdawi32United Nations Monitoring, Verification and Inspection Commission (UNMOVIC)Gillian Clark47Christian Children’s FundArthur Helton54Director of peace and conflict studies, U.S. Council on Foreign RelationsAlya Ahmad Souza54WeltbankKhidir Saleem SahirBürgerAli Mohammed Hendi BürgerSaad Hermis Abona45Arbeiter bei einem UN-Zulieferer (Canal Hotel Cafeteria)Omar Kahtan Mohamed Al-Orfali34Fahrer/Übersetzer, Christian Children’s FundEmaad Ahmed Salman al-Jobody45Elektriker
Marilyn Manuel, eine philippinische Mitarbeiterin bei Vieira de Mello, stand ursprünglich auch als vermisst und vermutlich tot auf der Liste.The Independent Panel on the Safety and Security of UN Personnel in Iraq Sie hatte jedoch überlebt; sie war in ein irakisches Krankenhaus gebracht worden, das ihre Einlieferung nicht an die Vereinten Nationen weitergemeldet hatte.
Nachforschungen und Vermutungen In einem Audiomitschnitt, der am 6. April 2004 auf einer Website veröffentlicht und vom CIA als „wahrscheinlich authentisch“ eingestuft wurde, bekannte sich Abū Musʿab az-Zarqāwī zu mehreren Anschlägen, darunter dem vom 19. August 2003.
Im Februar 2006 präsentierte die US-amerikanische TV-Sendung Frontline einen Audiomitschnitt von Zarqawi – möglicherweise den aus April 2004 –, in dem Zarqawi Motive für den Anschlag gab:
Im Dezember 2004 hielt auch die Jamestown Foundation Abu Musab al-Zarqawi und seine Organisation Jama'at al-Tawhid wal-Jihad für verantwortlich für diesen Anschlag.
Die italienische Zeitung Corriere della Sera identifizierte den Selbstmordattentäter als den Algerier Fahdal Nassim. Andere Spekulationen zogen Baathisten, militärische Sunniten oder Schiiten oder organisierte Verbrecherbanden in Betracht.Council on Foreign Relations The UN Attack
Sami Muhammad Ali Said al-Dschaaf, bekannt als Abu Umar al-Kurdi, gab zu, den Terrorangriff für Abu Mussab al-Zarqawi geplant zu haben. Al-Kurdi wurde 2005 von US-Kräften gefangen genommen und von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt; das Todesurteil wurde am 3. Juli 2007 durch Erhängen vollstreckt.
Nachwirkung Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, verkündete, dass die Anschläge nicht die Bemühungen der Vereinten Nationen stoppen werden, den Irak wiederaufzubauen:
Die Tochter des schwerverletzt überlebenden Gil Loescher, die Filmemacherin Margaret Loescher, produzierte 2004 einen Film über die Erlebnisse ihres Vaters mit dem Titel Pulled from the Rubble.
Am 11. Dezember 2008 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution die humanitäre Hilfe betreffend. Hierin wird das in der humanitären Hilfe unter dem Dach der Vereinten Nationen tätige Personal gewürdigt, und im Gedenken an die 22 Opfer des Terroranschlags vom 19. August 2003 wurde mit dieser Resolution der Welttag der humanitären Hilfe – wiederkehrend am 19. August – ausgerufen.
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Islamistischer Terroranschlag im Irak Kategorie:Kriminalfall 2003 Kategorie:Politik 2003 Kategorie:Geschichte (Bagdad) Kategorie:Religion (Bagdad)