mini|Juan Aberlemini|Saludemos la Patria orgullosos, eingespielt von der United States Navy Band Juan Aberle (geboren als Giovanni Enrico Aberle Sforza;Juan ist die spanische Version des italienischen Vornamens Giovanni * 10. Dezember 1846 in Vicaria, Neapel, Königreich beider Sizilien; † 28. Februar 1930 in Santa Ana, El Salvador) war ein italienischer Dirigent, Komponist, Pianist, Organist, Musikpädagoge und Musikjournalist. Er lebte viele Jahre in Guatemala und El Salvador und ist berühmt als Komponist der Nationalhymne El Salvadors Saludemos la Patria orgullosos. Er war ein Pionier der Institutionalisierung der Musikausbildung und gründete Musikschulen in San Salvador und Guatemala-Stadt. Aus letzterer ging das Musikkonservatorium Guatemalas hervor. Er war der erste Herausgeber eines Musikmagazins in Mittelamerika.

Leben

Kindheit und Ausbildung in Neapel 1846–1867 mini|Conservatorio San Pietro a Maiella Giovanni Aberles Vater Heinrich Aberle war Deutscher, seine Mutter war Angela Sforza aus Mailand.Dante Liano gibt als mögliche Alternative des Geburtsnamens seiner Mutter auch Storga an. Am 15. August 1863 wurde er gegen den Willen seiner Eltern am Reale Conservatorio di Musica di San Pietro a Majella in Neapel aufgenommen. Hier erhielt er Violin- und Klavierunterricht. Der Pianist Bejamíno Cesi (1845–1907), ein Schüler Sigismund Thalbergs, unterrichtete ihn im Klavierspiel. Weitere Lehrer waren Fernando Ponti und Claudio Conti (1836–1878), der ihn in Harmonielehre unterrichtete. Saverio Mercadante und Paolo Serrao waren seine Lehrer in Kontrapunkt und Komposition. 1864 schrieb er den Text und die Musik zu dem Werk Jerusalem, das vom Studentenorchester des Konservatoriums aufgeführt wurde und positive Kritiken erhielt. Ein Jahr später wurde er zum zweiten Leiter des Orchesters ernannt. Am 21. August 1866 wurde er mit Auszeichnung graduiert. Er wurde daraufhin Korepititor und Dirigent am Konservatorium. Die Stadtregierung in Neapel stellte ihn als Musikdirektor des zweiten Regimentes der Marineinfanterie ein. Diese Stellung entsprach nicht seinen künstlerischen Ansprüchen und er entschied sich, nach Amerika auszuwandern.

Aufenthalt in Paris 1867 Zunächst machte er Station in Paris. Sein ehemaliger Kompositionslehrer Mercadante hatte ein an Gioacchino Rossini adrssiertes Empfehlungsschreiben vorausgeschickt, in dem er seinen geliebten Schüler Aberle und seine musikalischen Qualitäten angekündigt hatte. Rossini gewährte daraufhin Aberle Unterkunft in Paris.

Aufenthalt in New York 1867–1870 Danach ging Aberle zunächst nach New York und arbeitete dort als Operndirigent. Als Klavierbegleiter fungierte er bei mehreren Konzertveranstaltungen, so einem Opernkonzert am 3. Juni 1868 unter Paolo Giorza (1832–1914), einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Kinder der im italienischen Unabhängigkeitskrieg gefallenen Soldaten am 7. Juni 1868 in der Steinway Hall und einer Veranstaltung am 20. Juli 1869 für die kubanischen Patrioten, die im ersten Unabhängigkeitskrieg, dem Zehnjährigen Krieg, gegen Spanien kämpften. An der Epiphany Church war er Organist und Chorleiter und komponierte diverse Kirchenmusik. Er wurde zum Ehrenvizedirigenten der Philharmonischen Gesellschaft ernannt. 1868 wurde am Grand Opera House seine Oper Love and War [Liebe und Krieg] aufgeführt. Am 12. Oktober 1869 fand in der Steinway Hall unter seiner Leitung ein Konzert für Ines Henriquez de Leon statt. Am 3. April 1870 wurde die neue Church of Epiphany geweiht. Zu diesem Gottesdienst wurde Louis Dachauers (1837–1878) Missa Nr. 2 aufgeführt. Aberle spielte unter dem Dirigat des Komponisten die Orgel. 1870 verließ Aberle New York und ging mit Egisto Petrelli und seiner Opernkompanie auf Tournee nach Lateinamerika.

Erster Aufenthalt in Guatemala 1870–1876 Am 5. Juni 1871 erreichte er mit Petrelli Guatemala-Stadt, die Hauptstadt des ehemaligen Generalkapitanats Guatemala. Hier löste sich die Opernkompanie aufgrund finanzieller Probleme auf. Die meisten Sänger der Kompanie ließen sich in San Salvador nieder und wirkten am dortigen Nationaltheater. Aberle entschied sich für Guatemala-Stadt. Er arbeitete an einem der dortigen Theater, an welchem auch seine Oper Conrado di Monferrato aufgeführt wurde. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit der Komposition und Aufführung von Operetten wie Vitor Pissani und Los falsos monederos. Am 29. März 1873 gründete Aberle mit begrenzten finanziellen Mitteln und wenigen Lehrern eine private Musikschule im kurz zuvor aufgelösten Kloster San Domingo in Guatemala-Stadt. Er leitete die Schule selbst, die zweiundfünfzig Internatsschüler und zwanzig externe Schüler bei ihrer Gründung besuchten. Zu den ersten Schülern zählten Víctor Manuel Figueroa, Juan Cividanes, Alfonso Méndez und Salvador Iriarte. Die Einrichtung entwickelte sich im Laufe der Zeit zum Conservatorio Nacional de Música de Guatemala. Aberle finanzierte die Schule zunächst mit seinem eigenen Vermögen. Durch die Beharrlichkeit Aberles, der die Ergebnisse des ersten Jahres vorstellen konnte, wurde am 27. Mai 1874 eine Vereinbarung zur Schaffung einer Musikhochschule und einer Philharmonischen Gesellschaft getroffen, in der die Regierung Aberle eine monatliche Zahlung von 165 Pesos für den Gehalt der Dozenten und Mitarbeiter zusicherte. Aberle wurde zum Vorsitzenden der Philharmonischen Gesellschaft ernannt. In der Schule wurden die Fächer Musiktheorie, Harmonielehre, Kontrapunkt, Klavier, Gesang, Orgel, Violine, Violoncello, Kontrabass, Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Posaune, Chor und Orchester, sowie spanische Grammatik, Arithmetik, Geographie, Literatur und litografía musical angeboten. Unterstützt wurde Aberle in Verwaltung und Unterricht vom ebenfalls emigrierten Italiener Leopoldo Cantilena. 1876 beendete der Staat die Unterstützung, requirierte das Gebäude für das guatemaltekische Heer und schloss die Schule.

Aberle leitete das Orchester der La Sociedad Filarmónica [Philharmonische Gesellschaft] und übernahm auch organisatorische und administrative Aufgaben der Gesellschaft. 1876 übernahm er die Orchesterleitung einer italienischen Opernkompanie, die von dem Impressario und Tenor Hercules Pizzioli geleitet wurde und sich auf einer Tournee durch Mittel- und Südamerika befand.

Erster Aufenthalt in El Salvador

1876–1879 Am 5. Juni 1876 erreichten sie die Hafenstadt Nueva San Salvador, heute La Libertad, in El Salvador. Mit lokaler musikalischer Unterstützung, unter anderem von Heinrich Richard Drews Krepps (1844–1916), dem Dirigenten der Sinfonica Nacional de El Salvador, an der Violine, wurde am 28. Juli 1876 Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti aufgeführt. Es folgten Aufführungen weiterer Opern Giuseppe Verdi und Donizettis in den nächsten Wochen. Höhepunkt war ein Benefizkonzert am 12. September 1876 zur Rekonstruktion des Hauptfriedhofs San Salvadors, der beim Erdbeben vom 19. März 1873 zerstört worden war. Aufgrund dieses Engagements für das Allgemeinwohl lernte er den Präsidenten Rafael Zaldívar kennen. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft. Zaldívar überzeugte Aberle auch, die Tournee abzubrechen und sich in El Salvador niederzulassen. Am 15. Dezember 1876 konkretisierte sich das Angebot des Präsidenten. Aberle schloss einen Vertrag mit dem Kriegsministerium über die Leitung der Militärkapelle des Departamento La Libertad, die auch Banda Marcial No. 2 genannt wurde und ihren Sitz in Nueva San Salvador hatte. Später wurde er auch Leiter der Militärkapelle des Departamento Santa Ana. Für diese Ensembles schrieb er mehr als zweihundert kurze Kompositionen. Jedoch benötigte er um diese Ämter ausüben zu können, einen militärischen Grad, so wurde Aberle zum Teniente coronel (Oberstleutnant) der salvadorianischen Armee ernannt. Am 31. Dezember 1877 fand ein Benefizkonzert mit Chor- und Instrumentalmusik für das Krankenhaus der Hauptstadt und die Waisenhäuser in San Salvador und Santa Tecla statt, bei dem er als Dirigent, Korrepetitor und Klavierbegleiter mitwirkte.

Die Nationalhymne El Salvadors Zu Beginn des Jahres 1879 beauftragte Präsident Zaldívar Aberle mit der Komposition einer Nationalhymne auf den Text des Gedichts Saludemos la Patria orgullosos, das Juan José Cañas geschrieben hatte. Sie sollte die damals in Gebrauch befindliche Hymne ersetzen. Diese Hymne war am 8. Oktober 1866 die erste Nationalhymne El Salvadors geworden. Der Text stammte von dem kubanischen Arzt Tomás M. Muñoz, dem Redakteur von „El Constitucional“, dem damaligen Organ der Regierung El Salvadors, die Musik von Rafael Orozco. Sie war auf Initiative des damaligen Präsidenten Francisco Dueñas Díaz aus Anlass des fünfundvierzigsten Jahrestags der Unabhängigkeit El Salvadors in Auftrag gegeben worden, da das Land noch über keine Nationalhymne verfügte. Aberle erledigte seinen Auftrag zügig, obwohl er kein Honorar für die Komposition erhielt, und es blieb noch genügend Zeit für die Schüler und Hochschüler der Hauptstadt die Hymne für die Uraufführung einzustudieren. Im zweiten Teil verwendete Aberle das Thema des Krönungsmarsches aus dem vierten Akt der Oper Le Prophète von Giacomo Meyerbeer. Eine solche Praxis war damals nicht unüblich. Am 15. September 1879 fand dann zum achtundfünfzigsten Jahrestag der Unabhängigkeit ein Festakt statt, bei dem die Hymne uraufgeführt wurde. Ort des Spektakels war der Vorplatz des Palacio Nacional in San Salvador. Begleitet wurden der Chor der Schüler von einer Militärkapelle. Anwesend waren Präsident Zaldívar, die Minister, kirchliche Würdenträger und die höheren Verwaltungsbeamten. Die Originalpartitur ging wohl bei einem Brand des Archivo General de la Nación [Generalarchiv der Nation] am 19. November 1889 verloren. Für den Festakt zum Jubiläum 1879 komponierte Aberle noch andere Stücke, einen Marsch Independencia [Unabhängigkeit] für zwei Militärmusiken und eine Hymne auf den im selben Jahr gefallenen chilenischen Seehelden Arturo Prat Chacón. Am 9. April 1902 erließ die Nationalversammlung ein Dekret, indem Canas und Aberle eine Medaille aus Gold überreicht werden sollte, da sie Text und Musik der Hymne unentgeltlich geschaffen und zur Verfügung gestellt hatten. Die feierliche Verleihungszeremonie der Medaillen fand am 15. September 1902 statt. Sie wurden vom Präsidenten Republik Guatemala, General Tomás Regalado überreicht. Am 13. November 1953 wurde Saludemos la Patria orgullosos offiziell zur Nationalhymne El Salvadors erklärt.

1879 bis 1890 Am 25. August 1879 fand in der Catedral Metropolitana, an der Stelle der heutigen Iglesia del Rosario, und im Präsidentenpalast das öffentliche Verlöbnis der Präsidententochter Sara Zaldívar mit Francisco Aguilar statt. Die Militärkapellen San Salvadors, Santa Teclas und die Banda de los Altos Poderes unter Aberle, Drews Krepps und Rafael Olmedo (* 1837; † 1899) umrahmten die Feierlichkeiten mit Musik.