Von der Mitte der 1800er Jahre bis 1978 vertrat die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die Position, dass Männer mit afrikanischer Abstammung das Priestertum nicht erhalten durften. Schwarzen Mitgliedern war es auch nicht erlaubt, an den meisten Tempelzeremonien teilzunehmen. Diese Glaubensansichten beeinflussten die Ansichten der Bürgerrechte. Unter dem ersten Präsidenten der Kirche Jesu Christi, Joseph Smith, wurden schwarze Mitglieder zum Priesteramt in der Kirche ordiniert. Diese Praxis wurde unter dem zweiten Präsidenten, Brigham Young, im Jahr 1852 abgeändert. In den meisten anderen mormonischen Kirchen wie zum Beispiel der Gemeinschaft Christi war eine Priesterumsordinierung für schwarze Mitglieder weiterhin möglich., webpage, abgerufen am 17. Juni 2006.“African-Americans” Strangite.org. Abgerufen am 18. Oktober 2007. Nach der Ermordung Joseph Smiths und der Ankunft der Mitglieder im Salzseetal in Utah lehrte Brigham Young, dass Schwarze kein Wahlrecht haben sollten, dass sie keine öffentlichen Ämter ausführen dürften und dass Gott Mischehen verbieten würde. Diese Ansichten wurden von den Gegnern der Sklaverei zu dieser Zeit kritisiert. Brigham Young lehrte jedoch auch, dass die Priestertumseinschränkung eines Tages aufgehoben werden würde. Brigham Young hatte eine wichtige Funktion bei der kurzzeitigen Legalisierung der Sklaverei im Utah-Territorium und begründete dies mitunter mit dem Priestertumsverbot.Brigham Young (January 23, 1852). “We Must Believe in Slavery” (see also The Complete Discourses of Brigham Young, ed. Richard S. Van Wagoner (Salt Lake City: Smith-Pettit Foundation, 2009), 1, S. 473–474; The Teachings of President Brigham Young, Volume 3: 1852–1854, comp. and ed. Fred C. Collier (Salt Lake City: Collier’s Publishing, 1987), S. 26–29.) Obwohl die Mitgliedschaft allen Ethnien offenstand, schlossen sich bis 1978 nur wenige Schwarze der Kirche Jesu Christi an. Auch von der Bürgerrechtsbewegung wurden die Ansichten der Kirche Jesu Christi kaum bemerkt und deshalb nicht herausgefordert. Mit Beginn der 1960er Jahre wurde die Position der Kirche Jesu Christi zunehmend kritisch gesehen. Bei einem Versuch, das Verbot aufzuheben, stimmten jedoch nicht alle Mitglieder der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel einer Änderung zu, sodass die damalige Position der Kirche beibehalten wurde. Im Jahr 1978 erklärte die Kirche Jesu Christi unter ihrem damaligen Präsidenten, Spencer W. Kimball, dass eine Offenbarung zum Priestertum empfangen und die Einschränkung von afrikanischen Mitgliedern hinsichtlich der Ordinierung zum Priesteramt aufgehoben wurde. Gleichzeitig wurden die Segnungen des Tempels allen würdigen Mitgliedern der Kirche, Männern wie Frauen, zugänglich gemacht.
Im Jahr 1997 gab es circa 500.000 schwarze Mitglieder in der Kirche Jesu Christi. Dies entspricht einem Anteil von 5 Prozent. quoting Deseret News 1999–2000 Church Almanac. Deseret News, Salt Lake City, Utah 1998, S. 119. “A rough estimate would place the number of Church members with African roots at year-end 1997 at half a million, with about 100,000 each in Africa and the Caribbean, and another 300,000 in Brazil.” Bis ins Jahr 2008 ist die Anzahl der schwarzen Mitglieder weltweit auf eine Million angestiegen.
In den heiligen Schriften des Mormonentums 300px|mini|Der Plan der Erlösung in Swahili. Das Buch Mormon berichtet, dass bereits kurze Zeit nach der Ankunft der Einwanderer aus Jerusalem auf dem amerikanischen Kontinent, eine abtrünnige Gruppe, die Lamaniten, eine dunkle Hautfarbe angenommen hätte. Die ungläubigen Lamaniten seien wegen ihres Übeltuns von der Gegenwart Gottes abgeschnitten und ein träges Volk geworden. Als Zeichen ihres Unglaubens seien sie mit einer dunklen Haut verflucht worden. Die dunkle Hautfarbe sollte verhindern, dass sich die Nachkommen der beiden Gruppen vermischten. Das Buch Mormon berichtet auch davon, dass sich viele Lamaniten später wieder zu Gott bekehrten, teilweise rechtschaffener lebten als die andere Gruppe und wieder von Gott angenommen wurden. Dabei erwähnt das Buch Mormon, dass einige Lamaniten, die den Glauben angenommen und sich wieder mit den rechtschaffenen Nephiten vereinigt hätten, erneut eine helle Haut bekommen hätten. Ungeachtet dessen besteht eine zentrale Lehre des Buches Mormon darin, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer Hautfarbe – von Gott angenommen werden. Das Buch Mormon erklärt ebenso, dass es ein Gebot bzw. der Wille Gottes ist, dass die Lamaniten nicht wegen ihrer dunklen Hautfarbe geschmäht werden. Anzustreben ist laut dem Buch Mormon eine Gesellschaft, in der untereinander Einigkeit herrscht, Neid und Streit vermieden wird und es trennende Bezeichnungen wie „Lamaniten oder sonst irgendwelche -iten“ nicht gibt. Die Kirche Jesu Christi vertritt heute die Ansicht, dass es zwar keine eindeutigen Informationen über Mischehen oder genetische Vermischung zwischen den Völkern des Buches Mormon oder ihren Nachkommen und anderen Bewohnern des alten Amerika im Buch Mormon gibt, dass aber davon auszugehen ist, dass in dem Zeitraum, der vom Text des Buches abgedeckt wird, eine gewisse Vermischung stattgefunden hat und genetische Veränderungen darauf zurückzuführen sind. Die Kirche Jesu Christ erklärt heute, dass das Buch Mormon nur eine kurze Sequenz der Geschichte einiger amerikanischer Urbevölkerungen beschreibt. Die Völker im Buch Mormon können den Ahnen der amerikanischen Urbevölkerung zugezählt werden, stellen aber nicht deren einzige Vorfahren dar.
Die im Buch Mormon wichtigen Propheten und Geschichtsschreiber Mormon und Moroni gehörten zu dem Volk der Nephiten.NephitesBuch Mormon Völker Dieses Volk wurde von den Lamaniten vernichtet, nach dem Buch Mormon.Mormon, Nephite ProphetBuch Mormon: Mormon 6
Vor 1847 mini|Jane Manning war ein frühes afroamerikanisches MitgliedBringhurst: Saints, Slaves, and Blacks, S. 223, Tabelle 8 in Joseph Smiths Haushalt in Nauvoo und folgte später Brigham Young ins Utah-Territorium. Sie fragte die Kirchenführung, ob sie das Endowment bekommen dürfe, aber es wurde ihr wegen des Verbots mehrmals verweigert. Während der ersten Jahre des Mormonentums wurden Männer mit afrikanischer Abstammung zum Priestertum ordiniert. Bekannt ist, dass in der Anfangszeit der Kirche zwei schwarze Männer, Elijah Abel und Walker Lewis, zum Priesteramt ordiniert wurden und der damalige Prophet der Kirche, Joseph Smith, von der Priestertumsübertragung in Kenntnis gesetzt wurde. Dokumentiert ist zudem, dass Joseph Smith ab dem Jahr 1842 öffentlich gegen die Sklaverei predigte.
Lehren betreffend schwarzer Personen vor 1978 Schwarze und das Vorherdasein Einige Mormonen versuchten vor 1978 das Priestertumsverbot damit zu begründen, dass Schwarze im voridischen Dasein nicht so glaubenstreu und tapfer waren. Joseph Fielding Smith schrieb zum Beispiel: „Nach der Lehre der Kirche waren die Schwarzen als Seele – also im Vorherdasein, in einem Zustand des Unglaubens. Sie waren deshalb nicht würdig. Sie durften geboren werden, bekamen aber nicht die Segnungen des Priestertums.“Letter to J. Henderson (10. April 1963). Smith gab an, dass sich einige Seelen bei der Verbannung Luzifers aus der Gegenwart Gottes, weniger tapfer zeigten.Smith, Joseph Fielding, Way to Perfection, 1950, S. 46 Smith hob jedoch hervor, dass es sich dabei nur um eine persönliche Meinung seinerseits handelte.(Deseret News, Church Section, 14. Juni 1962) Nach 1978 wurde die Ansicht, dass sich Schwarze im Vorherdasein weniger tapfer zeigten, seitens der Kirche und insbesondere von dem Apostel Jeffrey R. Holland als nicht richtig bezeichnet und verurteilt.Matthlew L. Harriss, Newl G. Bringhurst (ed.): The Mormon Church and Blacks: A Documentary History, S. 134
Lehren zum Status der Schwarzen im Jenseits Im Mormonentum gibt es verschiedene Reiche der Herrlichkeit. Zur Erlangung des höchsten Reiches ist unter anderem eine Siegelung im Tempel erforderlich. Diese im Tempel geschlossenen Ehen wurden schwarzen Mitgliedern vor dem Jahr 1978 verwehrt. Einige interpretierten dies so, dass Schwarze nicht alle Segnungen der höchsten Herrlichkeit erhalten und im Jenseits nur die Rolle eines dienenden Engels einnehmen werden. Im Jahr 1954 gab der Apostel Mark E. Petersen bei einem Studentenvortrag an der Brigham Young University unter anderem an, dass schwarze Mitglieder in das höchste Reich kommen werden, aber nur als Diener.Address at Convention of Teachers of Religion, BYU, Utah, August 27, 1954. Ähnlich äußerte sich der Apostel George F. Richards während einer Rede bei einer Generalkonferenz im Jahr 1939.Elder George F. Richards: Conference Report, April 1939, S. 58. “[t]he Negro is an unfortunate man. He has been given a black skin. But that is as nothing compared with that greater handicap that he is not permitted to receive the priesthood and the ordinances of the temple, necessary to prepare men and women to enter into and enjoy a fullness of glory in the celestial kingdom.”
Zahlreiche Kirchenführer, inklusive Joseph Smith,In regards to black people, Joseph Smith taught that “They have souls, and are subjects of salvation.” , selected by Joseph Fielding Smith. Deseret Book Company, Salt Lake City 1976, 269, ISBN 0-87579-243-X. Brigham Young,Brigham Young said “when all the rest of the children have received their blessings in the Holy Priesthood, then that curse will be removed from the seed of Cain, and they will then come up and possess the priesthood, and receive all the blessings which we are now entitled to” quoted by the First Presidency, August 17, 1949. Wilford Woodruff,Wilford Woodruff said “The day will come when all that race will be redeemed and possess all the blessings which we now have” quoted by the . George Albert Smith,George Albert Smith reiterated what was said by both Brigham Young and Wilford Woodruff in a statement by the David O. McKay,David McKay taught “Sometime in God’s eternal plan, the Negro will be given the right to hold the priesthood. In the meantime, those of that race who receive the testimony of the Restored Gospel may have their family ties protected and other blessings made secure, for in the justice of the Lord they will possess all the blessings to which they are entitled in the eternal plan of Salvation and Exaltation.” (Mormonism and the Negro, S. 23) Joseph Fielding SmithIn reference to black people, Apostle Joseph Fielding Smith taught: “Every soul coming into this world came here with the promise that through obedience he would receive the blessings of salvation. No person was foreordained or appointed to sin or to perform a mission of evil. No person is ever predestined to salvation or damnation. Every person has free agency.” (Joseph Fielding Smith Jr.: Doctrines of Salvation, Bd.1, S. 61) und Harold B. LeeIn 1972, Harold B. Lee said, “It’s only a matter of time before the black achieves full status in the Church. We must believe in the justice of God. The black will achieve full status, we’re just waiting for that time.” (Kimball, Lengthen Your Stride, working draft chapter 20, page 22; citing Goates, Harold B. Lee, 506, quoting UPI interview published November 16, 1972.) lehrten jedoch, dass die schwarzen Mitglieder ebenso die höchste Herrlichkeit mit allen Segnungen ererben werden.
Fluch von Kain und Ham mini|200px|Joseph Smith und Brigham Young lehrten, dass Schwarze unter dem Fluch des Ham waren.