mini|Forte Tombion: Überreste der Unterkunftskasematte Forte Tombion ist eine ehemalige italienische Befestigungsanlage in der norditalienischen Provinz Vicenza. Sie wurde zwischen 1884 und 1885 an der durch die Brentaschlucht führenden Straße etwa zwei Kilometer nördlich von Cismon del Grappa errichtet.

Lage Die Sperre liegt an einer Engstelle des Canale di Brenta, wie die südliche Fortsetzung des Valsugana-Tals ab Primolano bezeichnet wird, etwa 24 Kilometer nördlich von Bassano del Grappa. Der durch das Tal fließende Fluss Brenta bildet an dieser nur 200 m breiten Schlucht eine nach Westen ausholende Schleife an der die Sperranlage errichtet wurde. Seit dem dritten italienischen Unabhängigkeitskrieg von 1866 lag die Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem Kaisertum Österreich, ab 1867 Österreichisch-Ungarische Monarchie, nur wenige Kilometer nördlich von Primolano, einem am nördlichen Rand des Canale di Brenta liegenden Ortsteils von Cismon del Grappa.

Baugeschichte Die strategischen Bedeutung des Valsugana-Tals als Einfallstor nach Norden und nach Süden war seit alters her bekannt, dabei bot sich die Engstelle dieses Tales zwischen Primolano und Cismon del Grappa zur Errichtung einer Verteidigungsanlage geradezu an. So wurde eine in Sichtweite von Forte Tombion erbaute Burg, der Covolo di Butistione, bereits im 11. Jahrhundert erstmals namentlich erwähnt.

Nach dem Anschluss Venetiens an das Königreich Italien 1866 arbeitete der italienische Generalstab relativ schnell Pläne für den Bau von Sperranlagen in der Umgebung von Cismon del Grappa, Primolano und Arsiè aus. Letztlich fehlte es aber, wie in der angrenzenden k.u.k. Monarchie auch, an den nötigen finanziellen Mitteln, um diese Pläne auch umzusetzen.

Zwischen 1875 und 1879 übernahm eine zur Verteidigung der Alpen eingesetzte Kommission die Aufgabe, einen Verteidigungsplan auszuarbeiten. Die Kommission kam Anfang der 1880er Jahre zu dem Entschluss momentan nur eine einzige Sperre in der Gegend zu errichten, mit der mehrere Einbruchsrichtungen unter Kontrolle gehalten werden könnten. Dabei fiel die Wahl auf eine der engsten Stelle im Canale di Brenta zwischen Primolano und Cismon del Grappa, die unter dem Namen „Tombion“ bekannt war und von der man sowohl in Richtung Norden als auch in Richtung Süden im Falle einer Umgehung hätte einwirken können. Man war sich aber bereits damals bewusst, dass eine wirksame Sperrung nur durch den Bau weiterer Werke in der Umgebung Erfolg versprechend sein würde, was der Grundgedanke für den späteren Bau der Sperre Brenta-Cismon war.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 21–23

1884 begannen die Arbeiten am Forte Tombio. Dabei wurde mit Hilfe von Minensprengungen der Baugrund zwischen Bergwand und Flussufer eingeebnet. Der erste Bauabschnitt war bereits 1885 beendet. 1896 legte man zusätzlich einige Minenkammern in der Umgebung an, mit denen im Bedarfsfall die umliegenden Verkehrswege, inklusive der südlich des Werkes über den Torrente Cismon führenden Brücke, gesprengt werden könnten.

Als 1910 der Bau des 1908 begonnen letzten Teilstückes der Valsugana Eisenbahnlinie zwischen Bassano und Primolano am Forte Tombion zur Diskussion stand, wurde das Problem laut, wie man die Eisenbahnstrecke in die Anlage integrieren könne, ohne die Funktion der Sperre in Frage zu stellen. Die darauf erfolgten Veränderungen betrafen aber nicht nur die bauliche Einbeziehung der Eisenbahnstrecke, sondern auch die Armierung, die reduziert und nur noch in Richtung Norden ausgerichtet war. In der Folgezeit sah man von weiteren Arbeiten am Forte Tombion ab, da man es nach dem Bau der moderneren Werke Leone und Lisser als veraltet und überholt betrachtete.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 46–49

Beschreibung mini|Skizze der Anlage angefertigt durch das k.u.k. Evidenzbureau Forte Tombion bestand aus zwei einstöckigen Kasemattbatterien, die senkrecht zur Talstraße lagen und nordseitig Richtung Primolano sowie südseitig Richtung Cismon ausgerichtet waren. Zwischen beiden Batterien befand sich eine zweistöckige Unterkunftskasematte sowie ein parallel zur Straße verlaufendes am östlichen Talrand direkt an der Felswand gelegenes zweistöckiges Gebäude, in dem die Dienststuben, die Waffenkammer und am südlichen Eckpunkt die Pulverkammer lagen, während im Obergeschoss die Offiziersunterkünfte untergebracht waren. An der Westseite der Anlage zum Fluss Brenta hin, grenzte eine Steinmauer mit Schießscharten die Sperre ein. Eine solche offene Infanteriestellung war auch an der Ostseite hangaufwärts mit südlicher und nördlicher Ausrichtung errichtet worden.

Vor beiden Batterieblöcken befanden sich jeweils zwei Erdwälle zum Schutz der beiden Kasemattbatterien. Zwischen den Erdwällen lag jeweils ein 6 Meter breiter und 5 Meter tiefer Graben. Über beide Gräben führten am jeweils östlichen Grabenende direkt vor den beiden Toren der Anlage zwei einziehbare Brücken, über die die Talstraße durch die Anlage geführt wurde. Die beiden Tordurchfahrten waren mit Eisentoren verschlossen, die über Schießscharten verfügten und in denen jeweils eine kleine Tür für den Durchlass von Fußgängern eingelassen war.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 31–33

Die beiden Kasemattbatterien besaßen jeweils 5 Geschützkasematten, die an der Rückseite für den Rauchabzug offen waren. Daneben gab es in den beiden Batterieblöcken noch Munitions- und Bereitschaftskasematten für die Geschützbedienungen. Auf dem Dach der Batterieblöcke befanden sich Balustraden für die Infanterie, von denen das Vorfeld bestrichen werden konnte. Die Unterkunftskasematte besaß nur auf ihrer Südseite Fenster und Türen. Unter den beiden einziehbaren Brücken lag die Grabenstreiche, die über Poternen zu erreichen waren. Die Reichweite der Werksgeschütze lag aufgrund des gewundenen Tales in Richtung Norden bei 1.250 und in Richtung Süden bei 4.000 Metern. Mit den im Werkshof in offener Stellung liegenden Mörsern konnten auch die Sperren bei Primolano unter Beschuss genommen werden, falls diese vom Feind eingenommen worden wären. Als Besatzung waren 180 Mann plus weitere 180 Mann im Verteidigungsfall vorgesehen.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 35–36

Bei den 1911 erfolgten Umbauten wurde die Eisenbahnlinie Primolano-Bassano in die Verteidigungsanlage integriert, in dem sie parallel zur Straße am Werk durch einen künstlich gemauerten Tunnel vorbeigeführt wurde. Auf diesem wurden 3 Meter hohe steinerne Brustwehren mit Gewehrschießscharten errichtet, die sich nahtlos an die östlich hangaufwärts führende Mauer anschlossen. In der Tunnelmitte führte ein Durchgang zur bereits erwähnten parallel zur Straße liegenden Kasematte mit den Dienst- und Wachstuben. Beide Tunneleingänge konnten mit Eisentoren, die über Schießscharten verfügten, verschlossen werden.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 46–48

Bewaffnung Nach Fertigstellung 1885 war das Werk wie folgt bewaffnet: zehn 15 GRC/ret Haubitzen auf in Seitenrichtung beweglichen Lafetten, davon fünf nord- und fünf südseitig ausgerichtet mit einem Munitionsvorrat von insgesamt 5.000 Granaten; vier Mörser 15 AR/ret mit 1.600 Granaten Munition, sie konnten sowohl in Richtung Norden als auch in Richtung Süden eingesetzt werden; zwei Schnellfeuerkanonen 9 ARC für die Grabenstreiche.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 36–38

1911 beschränkte sich die Bewaffnung auf:

vier Kanonen 75 A Modell 1906 mit Schussrichtung Primolano; zwei Mörser 149 mm; vier Maschinengewehre Gardner Mod. 1886, die je nach Bedarf nord- oder südseitig eingesetzt werden konnten.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 50

Kriegsgeschichte Wenige Tage nach Beginn des Ersten Weltkrieges und der darauf folgenden italienischen Neutralitätserklärung vom 3. August 1914 wurde am 8. August offiziell das Sperrkommando Brenta-Cismon ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die vollständige Einsatzbereitschaft dieses Grenzabschnittes zu erreichen und die noch nicht fertiggestellten und zum Teil noch nicht einmal begonnenen Arbeiten an der Sperre zu beenden.

1915 Am 22. Mai 1915 berief man Forte Tombion in den Verteidigungszustand und stellte damit die volle Alarmbereitschaft her. Um 20:30 Uhr des gleichen Tages befahl das Sperrkomando in Arsiè die Mobilmachung und am Tag darauf die volle Einsatzbereitschaft für den Kriegsfall der Sperre Brenta-Cismon. Letztere umfasste zu diesem Zeitpunkt die Festungen Forte Tombion, Tagliata Covolo di Sant’Antonio, Tagliata della Scala, Tagliata delle Fontanelle, Forte Cima Lan, Forte Leone, Forte Lisser, die Kavernenbatterie Forte Coldarco sowie sieben weitere Batteriestellungen mit insgesamt 28 Geschützen unterschiedlichster Kaliber.

Am 24. Mai um 1:00 Uhr morgens erteilte die im Raum Brenta Cismon stehende 15. Division den Angriffsbefehl, dabei sollten die dort stehenden ständigen Befestigungen das Vorrücken der Truppen mit ihrer Werksartillerie eventuell unterstützen. Dazu kam es aber nicht, da die österreichisch-ungarische Verteidigungslinie von der Reichsgrenze auf eine leichter zu verteidigende Linie Lagorai – Levico – Hochfläche von Folgaria/Lavarone zurückverlegt worden war und so die Valsugana freigegeben wurde, so dass die vorrückenden italienischen Truppen auf keinen Widerstand stießen und damit jegliche Unterstützung durch die Sperrgruppe Brenta-Cismon hinfällig wurde. Bereits vierzehn Tage später befand sich die vorderste italienische Linie bei Ospedaletto, etwa 20 Kilometer Luftlinie von Forte Tombion entfernt. Bis Anfang November 1915 behielt Tombion die 1911 festgelegte Armierung bei, auch wenn die Besatzung schrittweise reduziert worden war. Ende November bildete es zusammen mit der Tagliata della Scala und Covolo di Sant’Antonio die Untergruppe Talsohle (Gruppo opere fondovalle) innerhalb der Sperre Brenta-Cismon.Luca Girotto: Forte Tombion. La Sentinella del Canal di Brenta. Storia ed immagini per la visita alla più antica tra le opere permanenti della “Fortezza Brenta-Cismon”. S. 53–56

1916