mini|Bild 1: Stadtansicht der Stadt Mainz vom südlichen Rheinufer her (H. Litfas, um 1838/1840), Porzellan Bildplatte, Verso in Schwarzlot signiert „H. Litfas“ mini|Bild 2: Denkmal Friedrich Wilhelm III. im südlichen Tiergarten mit Staffagefiguren, in der Darstellung signiert „Litfas“. Porzellan Bildplatte KPM; Pressmarke Zepter über KPM, Pressbuchstabe H. Verso in Schwarzlot signiert und datiert „H. Litfas, 1852“. 25,5×31,8 cm. mini|Bild 3: Ausritt in Glienicke: Schimmel Prinz Carls und livrierter Hofangestellter, Gemälde (H. Litfas, um 1860) mini|Bild 4: Signatur H. Litfas in Schwarzlot

Hugo Litfas (* um 1819 in der Region Mainz/Frankfurt; † 22. Mai 1869 Frankfurt/Main) war ein deutscher Lithograf und Zeichner des Biedermeier, aber auch als Maler von Porzellanbildplatten und Ölgemälden tat er sich hervor.

Leben Vermutlich aus dem Großherzogtum Hessen stammend, wohnte und arbeitete er im ersten Drittel seines Schaffens vornehmlich in Mainz. Auf der Industrie-Ausstellung für hessische Gewerbetreibende, welche anlässlich der „vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst“ 1840 in Mainz stattfand, stellte er seine bemalten Bildplatten und Tassen aus.Franz II Baur, H. Malten, Johann Wetter u. a.: Gedenk-Buch der vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst, begangen zu Frankfurt am Main am 24ten und 25ten Junius 1840. Eine Festgabe, hrsg. von den Buchdruckern, Schriftgiessern und Buchhändlern. Seifert’sche Buchdruckerei, Mainz 1840, , S. 349 ().

Genauso liegt seine künstlerische Ausbildung im Dunkeln, doch auf Grund seiner vielfältigen Tätigkeit als Porzellanmaler, Zeichner für Lithografien, Lithograf und Maler von Ölgemälden kann zumindest eine Lehrausbildung angenommen werden. Seine Handzeichnungen dienten oft auch anderen Lithografen als Motivvorlage. Besonders oft lieferte er für den Verleger und Lithografen J. Leonhardt Vorlagen als Zeichner.

Ab ca. 1845 verlegt Hugo Litfas, ca. 26 Jahre alt, seinen Lebensmittelpunkt und Wirkungskreis nach Berlin. Seine Meldeadresse im Jahr 1852 lautete: Kreuzgasse 10, Berlin. Einen Schwerpunkt bildeten jetzt in seinem Schaffen hauptsächlich Pferdeporträts. Dort ist auch sein etwas bekannterer Künstlerkollege Franz Krüger (1797–1857) im gleichen Genre tätig, welcher sehr erfolgreich zahlreiche Pferdeporträts verfertigt hat. In der Zeit um 1840/1890 waren diese Pferdedarstellungen beim Publikum sehr gefragt und beliebt. Auch der Hochadel wollte seine „Lieblinge“ verewigt haben, sodass Hugo Litfas u. a. auch für den Kronprinzen Friedrich Karl von Preußen, den König von Hannover, Graf Gustav Adolf v. Götzen, sowie Frh. v. Maltzahn Auftragsarbeiten ausführte.

In Berlin malte Litfas auch auf KPM-Bildplatten („Denkmal Friedrich Wilhelm III.“, Bildplatte 1852), sodass ihn manche als Porzellanmaler der Königlichen Porzellanmanufaktur (KPM) betrachten. Jedoch signierte er seine Porzellanwerke immer mit vollem Namen, was in Porzellanwerkstätten unüblich war. Daher ist für ihn eine fortwährende, berufliche Selbständigkeit anzunehmen. Seine letzten, bekannten Pferdelithografien brachte er um 1866/67 heraus, woraufhin er auf Grund von Krankheit Berlin verließ, wo er lange gearbeitet hatte und sich wieder ins heimische „Hessische“ zurückzog. Wo er dann auch am 22. Mai 1869 mit ca. 50 Jahren in Frankfurt am Main verstarb. Der Sterberegister-Eintrag in Frankfurt ist bekannt.

Die große Begeisterung und das Interesse für Pferde setzte sich in der Litfas-Familie fort. Sein Sohn, der praktische Tierarzt und Oberveterinär Georg Litfas (1864–1940) war lange Zeit als Rossarzt beim preußischen Militär tätig.

Werkthematik Anfangs waren seine künstlerischen Themen Stadt- und Landschaftsansichten (zahlreiche Mainzansichten, Schloss Gracht in Erftstadt-Liblar). Aber bereits 1846 wird seine Vorliebe für Pferdebilder deutlich (Bildplatte/Porzellan „Galoppierender Schimmel, der seinen Reiter abgeworfen hat“), welche sich dann später auch noch verstärkt manifestiert in der Wiedergabe von zahlreichen Pferdeporträts realer Rassepferde.

Gesamtwerk Reproduktionsgrafik fremder Künstler nach H. Litfas Das Gutenbergfest in Mainz am 14. Aug. 1837, Lithografie von J. Leonhardt Wasserschloss Gracht in Erftstadt-Liblar, bei Lithogr. Anstalt Henry & Cohen, Bonn 1850

Zeichnungen Das Gutenbergfest in Mainz am 14. Aug. 1837 Buch-Illustration: Franz Ortalli: Die Eingeweide der Schädel-, Brust- und Bauchhöhle des menschlichen Körpers in normaler Lage. Zum Gebrauch für Aerzte und Staatsprüfungs-Aspiranten. Mit IX colorierten Tafeln, die Gegenstände in Lebensgrösse darstellend. Florian Kupferberg, Mainz 1838/1839. Wasserschloss Gracht in Erftstadt-Liblar. 1850

Lithografien Mainzer Ansichten, mehrere Lithografien, um 1840 Mathilde Monet, bekannte Reiterin. 1846/47 Louise Loisset, bekannte Zirkus-Reitkünstlerin bei einer ihrer Glanznummern. 1846/47 Maja, Dunkelmuskatschimmel v. Ficus, 1850 Ein Schimmel in der Stalltür, nach Krüger, 1851 Creß mit der Meute 1853Friedrich Stuhr: Jahresbericht des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Schwerin, 1. Juli 1912. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Band 77 (1912); S. 1–80, hier S. 26, Anlage C.: Voß: Zuwachs der Bildersammlung 1911/1912. Nr. 23 („Creß mit der Meute. Gem. u. lith. von H. Litfas. Druck v. J. Hesse in Berlin. Verl. v. G. Bernasconi in Neustrelitz. Farb. Lith.“); Scan. In: mvdok.lbmv.de, abgerufen am 14. Mai 2017. Mit der Meute jagen, 1854 Der Günstling, 1854 Incognito, Pferdeportrait, 1855/58 Sea-Horse, Pferdeportrait, 1855/58 Anatomie des Pferdes, Pferdeportrait, 1855/60 – 2 Blätter 34×53,5 cm Jesuit, Steeplechase Pferd von Dr. Faustus im Besitz des Grafen Gustav von Götzen, 1858/60; einzige Lithografie, auf welcher der Vorname Hugo von Litfas vermerkt ist – ansonsten H. Litfas. Der Kunstreiter E. Renz mit Arabeska und Mac-Donald, 1865/68 Negus, Pferdeporträt, ca. 1865/68 Intus, Pferdeporträt, ca. 1865/68 Emir, Pferdeporträt, ca. 1865/68

Porzellan-Bildplatten Stadtansicht der Stadt Mainz vom südlichen Rheinufer her, um 1838/1840 (siehe Bild 1) Galoppierender Schimmel, der seinen Reiter abgeworfen hat, 1846 Denkmal Friedrich Wilhelm III. im südl. Tiergarten in Berlin, 1852 (siehe Bild 2) Pferde und Kutschen, zwei Bildplatten für Friedrich Karl v. Preußen (Nachlass des Baron Cerrini), 1861

Gemälde Der Pikör Cress vor dem Gutshof Pinnow (bei Duckow), 1853; in Familienbesitz der Freiherren v. MaltzahnEine Abbildung findet sich im Artikel Die Maltza(h)n 1194–1945. In: gutpinnow.de, abgerufen am 15. Mai 2017 (maßgeblich ist die Signatur am rechten unteren Bildrand; in der Mouse-over-Legende wird das Bild irrtümlich Ernst Litfaß zugeschrieben). Mit der Meute jagen, 1854 Incognito, Pferdeportrait, 1855/58 Sea-Horse, Pferdeportrait, 1855/58 Jesuit, Steeplechase Pferd von Dr. Faustus im Besitz des Grafen Gustav von Götzen, 1858/60 Ausritt in Glienicke, Schimmel Prinz Carls v. Preußen und livrierter Hofangestellter, um 1860 (siehe Bild 3)

Literatur Franz II Baur, H. Malten, Johann Wetter u. a.: Gedenk-Buch der vierten Jubelfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst, begangen zu Frankfurt am Main am 24ten und 25ten Junius 1840. Eine Festgabe, hrsg. von den Buchdruckern, Schriftgiessern und Buchhändlern. Seifert’sche Buchdruckerei, Mainz 1840, , S. 349 (); J. D. Sauerländer, Frankfurt a. M. 1841, . Rudolph Lepke’s Kunst-Auctions-Haus [Berlin] (Hrsg.): Antiquitäten aus verschiedenem Besitz: darunter grosse Miniaturen-Sammlung und Sammlung antiker Kleinkunst; Versteigerung: Dienstag, den 14. Mai, Mittwoch, den 15. und Donnerstag, den 16. Mai 1918 (Katalog Nr. 1807). Berlin 1918, S. 13, Nr. 156, doi:10.11588/diglit.17891. Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. 4. Band, IV.: Die Kunstdenkmäler des Kreises Euskirchen. Verlag L. Schwann, Düsseldorf 1900, S. 613 (). Auktionskatalog. Auktionshaus Ketterer Kunst, 328. Auktion, „Wertvolle Bücher“, 19./20. November 2007 in Hamburg, Lot 717. Margarete Cohn: Franz Krüger, Leben und Werke. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Hohen Philosophischen Fakultät der Kgl. Universität Breslau. Verlag Schatzky, Breslau 1909, – [Abt.] B. Genrebilder, S. 113, Nr. 340, . Staatsbibliothek zu Berlin, Handschriftenabteilung: Slg. Darmstaedter; Signatur: Slg. Darmstaedter 2n 1853: Litfas, H., Blatt 1, Berlin, 19. März 1853. – 1 Schreiben, 1 Blatt. – Deutsch; Brief; Handschrift. Katalog der Privat-Bibliothek Seiner Majestät des Königs von Hannover. Schlütersche Hofbuchdruckerei, Hannover 1858, , Anhang: Verzeichniss der in der Bibliothek Seiner Majestät des Königs enthaltenen Kupferwerke. [Abt.] X. Naturhistorische Werke. S. 33 f., hier S. 34 (), und im Namen- und Sach-Register dieses Anhangs [!], S. 35–39, hier S. 37 (; der dortige Verweis auf S. 24 ist eine Verschreibung der zuvor genannten S. 34 des Anhangs; NB: die Angabe „[S.] 24“ ist zudem fälschlicherweise mit dem Hauptteil des Buches verlinkt). Katalog Schloss Glienicke. 1987. Bestandskatalog. University of Amsterdam, Central Library, Amsterdam, 1012 WP Netherlands.Homepage. In: uba.uva.nl, abgerufen am 15. Mai 2017 (Suche nach H. Litfas). Paul Graupe (Hrsg.): Das alte Berlin – Ölgemälde, Aquarelle, Graphik. Auktion am 8. Mai 1926 (Katalog Nr. 64). Berlin 1926, , S. 24. Phillips, London, March 18, 1997, Lot 15–19th Century European Paintings & Watercolours (Sale No. 30273).

Einzelnachweise

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