Weiden am See (, ) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Burgenland im Bezirk Neusiedl am See in Österreich. mini|Weiden am See

Geografie Die Weinbaugemeinde am Nordostufer des Neusiedler Sees befindet sich etwa zwei Kilometer südöstlich von der Bezirkshauptstadt Neusiedl am See. Einzige Ortschaft ist Weiden am See, Ortsteile der Ortschaft sind die Feriensiedlung, die Siedlung Grenzgasse, der Seepark und die Strandbadsiedlung.

Die Gemeinde hat eine Fläche von 32,51 Quadratkilometer. Davon entfallen mehr als vierzig Prozent auf den Neusiedler See, 38 Prozent sind landwirtschaftliche Nutzfläche, elf Prozent Weingärten.

Geschichte Funde im Bereich der Grenzgasse zeigen, dass das Gebiet schon in der Jungsteinzeit besiedelt war. Aus der Bronzezeit wurden zwei Gräber mit Gefäßen als Grabbeigaben gefunden. Aus der Zeit der römischen Besatzung wurde ein Grab mit einem Steinsarkophag aus dem 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus entdeckt.

Weiden wurde erstmals urkundlich 1338 als Weyden erwähnt und kam nach 1413 in den Besitz des Raaber (Győr) Domkapitels. 1588 verlieh Rudolf II. dem Ort das Marktrecht. Schwere Schäden erlitt der Ort im Zuge der Türkenkriege 1529 und 1683 sowie im Kuruzzenkrieg 1704 bis 1709. 1606 verwüstete ein Großbrand den Ort.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (sog. „Deutsch-Westungarn“). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Védeny verwendet werden.Dehio-Handbuch – Die Kunstdenkmäler Österreichs – Burgenland. Bearbeitet von Adelheid Schmeller-Kitt mit Beiträgen von Friedrich Berg, Clara Prickler-Wassitzky und Hannsjörg Ubl: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Verlag Anton Schroll, Wien 1976, ISBN 3-7031-0401-5.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen der überwiegende Teil des deutschsprachigen Westungarns in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). 1929–1930 wurde das Raaber Domkapitel bewogen, erhebliche landwirtschaftliche Flächen an die Einheimischen zu verkaufen, wodurch sich jedoch viele verschuldeten.Weiden am See auf atlas-burgenland.at, abgerufen am 9. August 2024.

3 Jahre nach dem (von den Weidenern überwiegend begrüßten) „Anschluss“ Österreichs wurde die Gemeinde Weiden mit der Gemeinde Neusiedl am See zusammengelegt. Die in Weiden lebenden Juden litten unter dem Nationalsozialismus und wurden verfolgt. Im Ort wurden viele Zwangsarbeiter aus Osteuropa eingesetzt. Insbesondere gegen und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs litt die Bevölkerung von Weiden an den Kampfhandlungen und den wiederkehrenden Übergriffen der einmarschierenden Roten Armee sowie dem Mangel an Nahrungsmitteln und Baustoffen. Einige vertriebene Volksdeutsche siedelten sich in Weiden an. 1947 wurde die Zusammenlegung mit Neusiedl wieder rückgängig gemacht.

1955 wurden die Planungen für den Ausbau des Seebades begonnen, welches 1959 eröffnet und schon 1965 erweitert wurde. 1976 wurde die Seepark Weiden Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. gegründet,Seepark Weiden Verwaltungs- und Betriebsgesellschaft m.b.H. in firmenabc.at, abgerufen am 9. August 2024. die Errichtung der Wohnsiedlung Seepark mit 400 Wohneinheiten erfolgte (nicht zur Freude aller Weidener) in den 1980ern, wobei man versuchte, auf traditionelle lokale Gestaltungsformen zurückzugreifen.Maik Novotny: Bauen um den Neusiedler See: Ebbe und Flut in der Steppe auf derstandard.at, 1. August 2021, abgerufen am 9. August 2024.

Bevölkerungsentwicklung

Bis 1939 stieg die Bevölkerung seit 1869 an. Dann sank die Einwohnerzahl leicht und 1981 waren die 1704 Menschen in Weiden am See wieder erreicht. Seit 1951 wächst die Bevölkerung. 2025 lebten da sogar schon 2597 Personen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Weiden am See Durch Weiden am See führt der von Frauenkirchen kommende und bis zur Einbindung in den Jakobsweg Österreich in Haslau-Maria Ellend überwiegend im Burgenland verlaufenden Jakobsweg Burgenland. mini|250px|Weiden (Mitte links) und Umgebung am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftssektoren In den Jahren 1999 bis 2010 nahm die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 250 auf 131 ab. Von diesen waren 77 Haupterwerbsbauern, die mehr als zwei Drittel der Flächen bewirtschafteten. Im Produktionssektor arbeiteten 36 Erwerbstätige in der Bauwirtschaft und 25 im Bereich Herstellung von Waren. Die wichtigsten Arbeitgeber des Dienstleistungssektors waren die Bereiche soziale und öffentliche Dienste (111) und der Handel (104 Mitarbeiter). WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)13125098119Produktion21146150Dienstleistung14954343205 1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999

Arbeitsmarkt, Pendeln Im Jahr 2011 lebten 1141 Erwerbstätige in Weiden am See. Davon arbeiteten 292 in der Gemeinde, beinahe zwei Drittel pendelten aus. mini|Bahnhof Weiden am See

Verkehr

Eisenbahn: Vom Bahnhof Weiden am See gibt es stündlich eine Direktverbindung nach Wien. Straße: Durch den Ort verläuft die Neusiedler Straße B51. Die Ost Autobahn A4 streift das Gemeindegebiet im Norden. Rad: Durch Weiden führt der Neusiedler-See-Radweg.

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder.

Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: ÖVP 10, UBW 6, SPÖ 5. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: ÖVP 12, SPÖ 9. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: ÖVP 11, SPÖ 10. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: ÖVP 13, SPÖ 7, GUW 3. (23) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 11, SPÖ 7, GUW 3, UPW 2. (23) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: ÖVP 10, SPÖ 9, ULW 4. (23)

Bürgermeister

1997–2022 Wilhelm Schwartz (ÖVP) seit 2022 Heinrich Hareter (SPÖ)

Wappen Blasonierung: „Ein roter Schild, der in der Mitte von einem natürlichen Fluss gequert wird und die lateinische Bezeichnung ‚Lacus Fertö‘ in sich trägt. Aus einem sich aus dem Wappenboden erhebenden grünen Dreiberg wachsen zwei sich kreuzende grüne Reben mit zwei roten Trauben empor. Im oberen Teil rechts und links zwei goldene Sterne, in der Mitte ein großes silbernes W, die Initiale des Ortsnamens.“

Gemeindepartnerschaften

seit 1969 Weiden in der Oberpfalz

Persönlichkeiten Silvia Grünberger (geb. Fuhrmann, * 1981), Politikerin Franz Glockner (1898–1947), Kammersekretär und Politiker der SPÖ Alexander Hareter (1883–1954), Kleinbauer und Politiker Karl Krikler (1915–1986), Politiker Max Matissek (* 1987), Windsurfer Jakob Michael Perschy (* 1960), Schriftsteller und Bibliothekar

Literatur Abschnitt Die Partnergemeinden. In: Petra Weiß: TÜPL Bruckneudorf – 150 Jahre Brucker Lager. Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 462–463. Hugo Huber: Geschichte der Marktgemeinde Weiden am See. Hrsg. Marktgemeinde Weiden am See, 2016.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Weinbaugemeinde im Burgenland

Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Neusiedl am See Kategorie:Ersterwähnung 1338