mini|hochkant|Peter Berling (1996), porträtiert von Erling Mandelmann. Unter dem Titel Die Kinder des Gral, alternativ auch Grals-Zyklus oder Grals-Pentalogie genannt, wird eine fünf Bände umfassende Buchreihe aus dem Genre des historischen Romans des deutschen Autors Peter Berling zusammengefasst, die zwischen den Jahren 1991 und 2005 im Verlagshaus Bastei Lübbe erschienen ist.

Band, 1991: Die Kinder des Gral, ISBN 3-404-12060-4 Band, 1993: Das Blut der Könige, ISBN 3-404-12368-9 Band, 1995: Die Krone der Welt, ISBN 3-404-12634-3 Band, 1997: Der schwarze Kelch, ISBN 3-404-14262-4 Band, 2005: Der Kelim der Prinzessin, ISBN 3-7857-2193-5

Rahmenhandlung Bei den titelgebenden Kindern des Grals handelt es sich um den Jungen Roç und das Mädchen Yeza, die beide in die katharische Gemeinde Okzitaniens im heutigen Südfrankreich hineingeboren wurden. Über ihre genaue Herkunft sind nur die wenigsten eingeweiht, wie auch um ihre Bedeutung lange ein Geheimnis gemacht wird. Sie leben als Geschwister, müssen aber nicht zwangsläufig dieselben Eltern gehabt haben. Sie stehen im Zentrum eines von der geheimen Gesellschaft der Prieuré de Sion ersonnenen »Großen Plans«, wonach sie als das Heil bringende Königspaar gelten, unter deren Herrschaft das christliche Abendland und das islamische Morgenland zu einem im Frieden vereinten Königreich neugeordnet werden sollen.

Von den inquisitorischen Vertretern der katholischen Kirche aber werden sie als Ketzerkinder und Brut des verhassten Staufergeschlechts angesehen und deshalb verfolgt. Noch als Kleinkinder werden sie in der Nacht vor der Kapitulation des Montségur 1244 von Mitgliedern der Prieuré in Sicherheit gebracht, um sie vor dem Zugriff der Kirchenoberen zu bewahren. So zu Waisen geworden, nimmt sich ihrer der Franziskaner William von Roebruk fürsorglich an. Zusammen müssen sie, stets im Verborgenen, vor den eifernden Häschern der Kirche fliehen und werden dabei an unzählige geographische wie historische Orte der Mittelmeerwelt des 13. Jahrhunderts und darüber hinaus verschlagen. Ihre Wege kreuzen sich mit mancherlei Fürsten, Kreuzrittern und Assassinen, Mamluken und Mongolen. Dabei müssen sie sich ihren Verfolgern wie auch der Idealisierung ihrer Unterstützer erwehren, um eines Tages ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Doch werden die Kinder stets aufs Neue von ihrem Schicksal als das Königspaar des Grals, der Letzten der Blutslinie Davids, eingeholt.

Die Bände im Einzelnen Die Kinder des Gral

Der Handlungszeitraum erstreckt sich vom Herbst 1243 bis Herbst 1247.

Die Handlung des ersten Bandes beginnt mit der Belagerung des Montségur im Sommer 1243, an welcher der eher dem weltlichen Müßiggang verschriebene Franziskaner William von Roebruk als Feldkaplan des königlichen Seneschalls teilnimmt. Hier wird er am Vorabend der Kapitulation der Katharer unfreiwilliger Zeuge der Evakuierung zweier Kleinkinder durch Mitglieder eines geheimen Zirkels, dem sowohl Ritterbrüder der Templer und Deutschherren als auch kirchliche Würdenträger und ungläubige Sarazenen anzugehören scheinen. Statt von ihnen als unliebsamer Zeuge getötet zu werden, wird William mit der Obhut der Kinder betraut und befindet sich mit ihnen von nun an auf der Flucht vor dem eifernden Ketzerhasser Vitus von Viterbo.

Nachdem für die Kinder im apulischen Otranto ein Versteck gefunden wurde, soll die Kurie auf eine falsche Fährte gelockt werden, indem William und ein falsches Kinderpaar unter das Gefolge des kurz vor seiner Abreise zu den Mongolen stehenden Giovanni del Piano di Carpinis geschmuggelt werden sollte. Doch auf dem Weg nach Süddeutschland, von wo die Reisegesandtschaft aufbrechen sollte, geht William in den Tälern der Alpen verschollen und fällt in die Geiselhaft der Saratz. Nachdem er diesem halbheidnischen Volk das Evangelium gepredigt und sich in die Tochter seines Gastgebers verliebt hat, steht er kurz davor, sich mit einer Zukunft als Priester der Saratzgemeinde abzufinden. Doch die Abenteuerlust treibt ihn wieder aus den Alpen zu den Kindern, an deren Fersen nach wie vor Vitus hängt. Um ihm zu entgehen, wird die Flucht nach Konstantinopel fortgesetzt, wo Carpinis Reisegesellschaft auf ihrem Weg zurück ins Abendland erwartet wird. Aber auch diverse andere Mächte finden sich hier ein, mit je eigenen Interessen an den Kindern, die hier der Welt als das kommende Friedenskönigspaar offenbart werden sollen.

Die Handlung wird zum Teil aus der Ich-Perspektive Roebruks erzählt. Diese Abschnitte stellen Auszüge aus einer fiktiven Chronik des Mönches (Roebruksche Chronik), dar, die von ihm „im Andenken der Kinder aus königlichem Blut“ (In memoriam infantium ex sanguine regali) geschrieben worden sein soll. Verschollen geglaubt, sei diese Chronik vom Autor nur noch in Fragmenten in arabischen Bibliotheken wiederentdeckt und für den Roman übersetzt worden.

Das Vorwort besteht gleichfalls aus einem fiktiven Schreiben Roebruks an seinen Mitbruder Lorenz von Orta, vermeintlich ein Bestandteil der Starkenberg-Rollen, welches er am Vorabend seiner tatsächlichen Reise in das Reich der Mongolen 1253 geschrieben haben soll.Die erst im frühen 15. Jahrhundert zusammengestellte Starkenberg-Rolle (oder Starkenberger Rotulus) befindet sich im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck (Urk. I 5761) und beinhaltet Textdokumente der Herren von Starkenberg.

Eigens für den Roman ins Deutsche übersetzt hat der Autor den Incipit des Berichts von Giovanni del Piano di Carpinis über dessen Reise zu den Mongolen (Ystoria Mongalorum quos nos Tartaros appellamus). Carpinis Reisebegleiter Benedikt von Polen wird hier als Ghostwriter des Werkes vorgestellt, der allerdings des Schreibens nicht mächtig ist. Der von der Prieuré zur Abschrift genötigte William vermerkt allerdings im Incipit nicht wie gefordert seinen Namen (zwecks der Aufrechterhaltung der Behauptung über seine und der Kinder Teilnahme an dieser Reise), sondern, historisch korrekt, den seines Ordensbruders Benedikt.

Das Blut der Könige mini|Kreuzzugsszene aus der ältesten Abschrift von Joinvilles Vie de Saint Louis. Französische Buchmalerei, frühes 14. Jahrhundert. Der Handlungszeitraum erstreckt sich von August 1248 bis Juni 1251.

Im Sommer 1248 durchkreuzt eine gewaltige Flotte das Mittelmeer von Frankreich nach Zypern. König Ludwig IX. hat zum Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems von den Ungläubigen aufgerufen und die Ritterschaft seines Reiches hat ihn erhört. Darunter auch der Graf Jean de Joinville, der sich im Orient den Erwerb von Nachruhm als Chronist verspricht, nachdem ihm am Hof seines kaiserlichen Vetters Friedrich II. auf Sizilien so manch Unbill widerfahren ist. Doch wird sein Schiff in der griechischen See von der Triere der berüchtigten Gräfin von Otranto gerammt und versenkt, so dass sich sein Weg ein Jahr nach einer ersten Begegnung in Konstantinopel ein weiteres Mal mit dem der geheimnisumwobenen Kinder des Grals und deren mütterlichst umsorgenden Hüters, des dicken Franziskaners William von Roebruk, kreuzt.

So verfängt sich nun auch Joinville in das Gespinst aus Intrigen und Verschwörungen, welches die Kinder umgibt. Neben der ominösen Geheimgesellschaft der Prieuré de Sion haben weitere Interessenten das Feld des Geschehens betreten. Die einen verfolgen durch eine dynastische Vereinigung mit dem Gralsgeschlecht eine Bereinigung der Usurpation des Throns der Franken durch die Capets, Prinz Robert von Artois strebt nach dem Thron Ägyptens mit Yeza als seiner Königin, während sich zugleich sein Bruder Karl von Anjou, skrupellos aus dem Hintergrund agierend, eine eigene Herrschaft über die Mittelmeerwelt verspricht. Von ihm wird der kaltblütige wie gefährliche Bretone Yves auf die Jagd nach den Kindern gehetzt. Doch geben sich Roç und Yeza ihren Beschützern wie Verfolgern zunehmend selbst bestimmender zu erkennen und sorgen unter diesen mit ihren eigenwilligen Handlungen für zusätzliches Chaos, während zeitgleich am Nil der Kampf zwischen Kreuzrittern und Muslimen tobt.

Wie schon im Vorgänger wird auch im zweiten Band des Gralszyklus der Erzählung in zwei Perspektiven gefolgt. Neben der personalen Perspektive tritt dieses Mal mit Jean de Joinville ein neuer Erzähler in der Ich-Perspektive in Erscheinung, der ein persönliches Tagebuch (Diarium) führt, in welchem er seine Erlebnisse und Eindrücke über den Kreuzzug und die Geschehnisse rund um die Kinder des Grals festhält. Im Verlauf der Geschichte gesellt sich ihm kurzzeitig William von Roebruk als sein Alter Ego der Niederschrift hinzu. Das Tagebuch stellt sich dabei als Originalversion von Joinvilles viele Jahre später geschriebener Königsvita (Vie de Saint Louis) heraus, welche letztlich nur eine auf den Kreuzzug und die Person des Königs redigierte Fassung des Tagebuchs darstellt, während über die Geschichte um die Gralskinder dem Willen der Prieuré gemäß ein „strengstes Stillschweigen“ vereinbart worden ist und sie deshalb auch in der Überlieferung Joinvilles der Damnatio memoriae anheimgefallen sind. Zahlreiche in der Vita beschriebene Anekdoten und genannte Personen sind für die Romanhandlung, teils wortwörtlich und teils in Details verändert, verwendet worden. Als Nebenfigur tritt weiterhin der ägyptische Chronist Ibn Wāsil auf, aus dessen Geschichte zur Ayyubidendynastie (Mufarriǧ al-kurūb fī aḫbār Banī Ayyūb) gleichfalls Elemente in den Roman eingeflossen sind.

Die Krone der Welt Der Handlungszeitraum erstreckt sich vom Juni 1251 bis in den Sommer 1256. mini|Darstellung und Beschreibung der Einnahme von Alamut durch die Mongolen in einer Ausgabe der Universalgeschichte des Raschid ad-Din. Persische Buchmalerei, 15. Jahrhundert. Alamut, die wundersame Festung der Assassinen in Persien unter der Herrschaft ihres wahnsinnigen wie grausamen Imams, erweist sich für Roç und Yeza nicht als das wie erhofft sichere Refugium, wohin sie den Nachstellungen des Anjou entkommen sind. Die gewaltige Kriegsmacht der Mongolen unter dem neu gewählten Khagan Möngke rüstet zum Feldzug gegen die islamische Welt und droht deren Reiche und Herrscher unter ihrem Sturm hinweg zu spülen. Schon fordern sie von den Assassinen die Herausgabe des königlichen Paares, welches angeblich die Weltherrschaft verspricht. Die nicht minder besorgte Kurie zu Rom will das verhindern und setzt unter dem Deckmantel einer vom französischen König befohlenen Missionsreise einen Agenten auf sie an. Um einen neuerlichen Anschlag auf ihr Leben zu vereiteln, stellt sich William von Roebruk mit seinem vermeintlichen Erfahrungsschatz aus seiner ersten fingierten Mongolenreise freiwillig als Führer dieser neuerlichen Mission zur Verfügung. So macht sich William dieses Mal tatsächlich zu der langen Reise in das weite Tartarenland im fernen Osten auf, in der Hoffnung, dort mit „seinen Kindern“ wiedervereint zu werden.