Bei der Kirche Mutter Gottes, Hilfe der Christen im polnischen Klusy handelt es sich um ein neogotisches Bauwerk aus dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert. Bis 1945 war sie evangelisches Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Klaussen (Kreis Lyck). Jetzt ist sie römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarrei Klusy im Bistum Ełk.
Geographische Lage Klusy liegt an der polnischen Landesstraße 16 (einstige deutsche Reichsstraße 127) zwischen den Städten Ełk () und Orzysz (Arys) im Osten der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Die jetzige Kreisstadt Pisz (Johannisburg) liegt 27 Kilometer in südwestlicher Richtung.
Der Standort der Kirche befindet sich in der Ortsmitte von Klusy an der Straße nach Ogródek (Ogrodtken, 1938 bis 1945 Kalgendorf).
Kirchengebäude Bereits 1354 existierte im damaligen Claussen eine weithin sichtbare Kapelle und war idyllisch zwischen den drei Seen Lipinsker See (1935 bis 1945: Seebrücker See, polnisch Jezioro Lipińskie), Druglin-Ses (1938 bis 1945: Insel-See, polnisch Jezioro Druglin Duży) und Krackstein-See (polnisch Jezioro Krakszytn) gelegen. Sie wurde Clausula Mariana genannt. Im Jahre 1754 wurde sie durch einen Kirchenneubau ersetzt, der jedoch 1858 abbrannte. In den Jahren 1883 und 1884 wurde die noch heute bestehende neugotische Kirche errichtet, die am 4. November 1884 feierlich eingeweiht wurdeWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, S. 124, Abb. 575. Sie wurde aus Backstein mit einem schlanken Turm erbaut.
Die Innenausstattung der Kirche war damals einheitlich neu. Die Orgel stammt aus der Werkstatt des Orgelbaumeister Max Terletzki in Königsberg (Preußen) (), die Glocken wurden 1861 gegossen. mini|links|250px|Innenansicht der Kirche
Bis 1945 war das Gebäude evangelisches Gotteshaus und wurde dann zugunsten der römisch-katholischen Kirche zwangsenteignet. Heute dient es als römisch-katholische Pfarrkirche der Pfarrei KlusyParafia Klusy im Bistum Ełk und erhielt den Namen Kościół Matki Bożej Wspomożenia Wiernych (Kirche der Mutter Gottes, Hilfe der Christen/Mariahilfkirche).
Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte Bereits vor 1354 bestand in Claussen ein kirchliches Zentrum vorreformatorischer ArtWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen, 1968, S. 493. Im 16. Jahrhundert wurde es von der lutherischen Reformation bestimmt und organisatorisch bis 1715 der Inspektion Lyck zugewiesenFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 64. Danach der Inspektion Johannisburg zugeordnet gehörte es seit dem beginnenden 19. Jahrhundert bis 1945 zum Kirchenkreis Lyck innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Anlässlich der Volkszählung 1925 registrierte man für das Kirchspiel Klaussen 3.088 Gemeindeglieder, die in einem größeren Umland lebten. Das Kirchenpatronat lag bei den staatlichen Behörden.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung machten der evangelischen kirchlichen Arbeit in der Region Klaussen ein Ende. Heute leben in Klusy nur sehr wenige evangelische Einwohner. Sie orientieren sich zur Kirchengemeinde in Ełk (Lyck), einer Filialgemeinden der Pfarrei in Pisz (Johannisburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Klaussen gehörten vor 1945 zwanzig Orte, Ortschaften bzw. WohnplätzeKirchspielorte Klaussen bei GenWikiDer * kennzeichnet einen Schulort:
Name Änderungs-name1938 bis 1945 Polnischer Name Name Änderungs-name1938 bis 1945 Polnischer Name Bogatzewo Bogaczewo *Lipinsken Lipińskie Friedrichswerder *Ogrodtken Kalgendorf Ogródek Gorzekallen Gortzen Gorzekały Przykop Grondowken (Forst) *Reuschendorf Ruska Wieś Grünthal *Rogallen Rogale Hohenau Tamkowo Rogallicken Kleinrosenheide Rogalik Karlssorge *Rosinsko Rosenheide Rożyńsk Kempnio (Forst) *Rostken Rostki Skomackie *Klaussen Klusy *Skomatzko Dippelsee Skomack Wielki Kosseln (Forst) Thalau Skomack Wielki (Osada)
Pfarrer (bis 1945) Bis 1945 amtierten an der Pfarrkirche Klaussen als evangelische Geistliche: Andreas Rynckius, ab 1585 Georg Schlobowius, 1605 Jacob Wissnerus, bis 1668 Albert Knopcka, 1668–1674 Martin Maletius, 1674–1682 Georg Przyalgowski, ab 1682 Jacob Kirschberg, bis 1683 Jacob Moncowius, 1690–1739 Bartholomäus Lupochowius, 1727–1731 Michael Junius, 1733–1762 Johann Christian Groß, 1763–1802 Johann Caspar, 1798–1818 Johann Jacob Tusch, 1819–1837 Leopold Kraska, 1837–1847 Friedrich Theodor von Lenski, 1847–1858v. Lenski (1808–1858) war Angehöriger des Corps Masovia. Theodor Buzello, 1859–1864 Philipp Salkowski, 1865–1872 Carl Adolf Preuß, 1872–1885 Hermann Carl Otto Baatz, 1885–1893 Robert Paul Sczesny, 1893 Johann Hermann Bolz, 1893–1903 Max Myska, 1903–1912 Bruno Albert Rathke, 1912–1916 Paul Bernecker, 1920–1921 Walter Otto Martin Walsdorff, 1920–1926 Kurt Rudloff, 1928 Heinrich Will, 19339–1932 Ernst Schmittat, 1932–1933 Kurt Wiele, 1933–1934 Heinrich Bartholomeyczyk, 1936–1937 Kurt Friedrich Sulima, 1936–1939 Erich Willamowski, 1938–1942Sitz in Prostken Gerhard Wittkat, 1943–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Klaussen sind erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtEZA: Kirchenbücher Klaussen: Taufen: 1775 bis 1820 Trauungen: 1773 bis 1839 Begräbnisse: 1773 bis 1845.
Römisch-katholisch Pfarrei 150px|mini Vor 1945 lebten nur wenige katholische Kirchenglieder in der Region Klaussen. Sie waren in die Pfarrkirche St. Adalbert in der damaligen Kreisstadt Lyck (polnisch Ełk) im Dekanat Masuren II (Sitz in Johannisburg, polnisch Pisz) im Bistum Ermland eingepfarrtKlaussen (Landkreis Lyck) bei GenWiki.
Nach 1945 siedelten sich in Klusy zahlreiche polnische Neubürger an, nahezu ausnahmslos römisch-katholischer Konfession. Im Jahre 1947 übernahmen sie die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus, das sie der Gottesmutter, Hilfe der Christen (Mariahilfkirche) widmeten. Heute besteht hier eine eigene Pfarrei mit Filialkirchen in Rożyńsk (Rosinsko, 1938 bis 1945 Rosenheide) und Skomack Wielki (Skomatzko, 1938 bis 1945 Dippelsee). Sie ist Teil des Dekanat Ełk - Święty Rodziny innerhalb des Bistums Ełk der Römisch-katholischen Kirche in Polen.
Pfarreiorte Zur Pfarrei Klusy gehören zehn Orte, Ortschaften bzw. Wohnplätze:
Name Deutscher Name Name Deutscher Name Gorzekały Gorzekallen/Gortzen Rogalik Rogallicken/Kleinrosenheide Klusy Klaussen Rostki Skomackie Rostken Lipińskie Lipinsken Rożyńsk Rosinsko/Rosenheide Ogródek Ogrodtken/Kalgendorf Ruska Wieś Reuschendorf Rogale Rogallen Skomack Wielki Skomatzko/Dippelsee
Verweise Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1880er Jahren Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Muttergotteskirche Kategorie:Maria-Hilf-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Ełk Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Klusy (Orzysz)Kirche