mini|Stammwappen der Hendl
Hendl war der Name eines Tiroler Adelsgeschlechts, das seinen Stammsitz auf Schloss Goldrain im gleichnamigen Ort Goldrain im Vinschgau in Südtirol hatte. Die zuletzt geführte vollständige Titulierung lautete:
Grafen zu Goldrain und Kastelbell, Freiherren zu Juval, Maretsch, Reichenberg, Hendlsburg und Schlandersburg, Herren zu Ober- und Niederreichenberg, Galsaun und Kasten
Das Geschlecht ist erloschen.
Neben der Goldrainer Liniewurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch als Hendl zu Kasten bezeichnet gab es noch die Linie Hendl-Kastelbell. Weitere Nebenlinien hatten nur kurzen Bestand, sie erloschen bald wieder im Mannesstamm. Die auf dem Ansitz Kasten ansässige Familie nannte sich auch „Hendl zu Kasten“.
Ursprünge Die Ursprünge der Familie liegen im Dunkeln. Es ist wohl legendenhaft, dass sie mit einem gewissen Bertold Henli beginnt, der um 1300 aus der Schweiz nach Imst gekommen war, wie in verschiedenen Quellen dargestellt, so im „Ehren-Kräntzel“ des Franz Adam Graf von Brandis aus dem Jahre 1678Franz Adam von Brandis: Des Tiroler Adlers immergrünendes Ehren-Kräntzel. 2. Teil. Bozen 1678. und im Stammbaum der Churburg, wo es heißt:
Allerdings ist wenig wahrscheinlich, dass es sich um die gleiche Familie handelt, zumal dieser Bertold Henli ein anderes Wappen führte und auch im Zuge der Erhebung in den Freiherrenstand im Jahr 1615 der hier betroffenen Hendl davon nichts erwähnt wurde.solch eine wichtige Sache hätte man nicht weggelassen, wenn sie relevant gewesen wäre
Aufstieg und Wandel Waren die Hendl als Burgmannen und Verwalter verschiedener Landesherrlicher Burgen bereits hoch angesehen – die Familie wurde schon mit dem Prädikat „fest“ bedacht –, so vollzog sich ab etwa 1470 der allmähliche Wandel in den Adelsstand. Im Jahre 1474 ist Sigmund Hendl (II.)Die Ziffern stehen lediglich als Ordnungszahl, um Verwechslungen bei gleichnamigen Mitgliedern der Familie zu vermeiden. Sie sind nicht Bestandteil des Namens. als Besucher des Landtages erwähnt, und 1487 nahmen Hans (I.) und Walter bereits am Landtag selbst teil. Nachdem die Familie um etwa 1516 alle Besitzungen in Nordtirol aufgegeben hatte, verlagerte sich der Lebensmittelpunkt der Hendl in den Vinschgau. Sigmund Hendl (III.) konnte dem Landesherrn zur „Unterdrückung der Unruhen in Tirol“ den Betrag von 400 Gulden zur Verfügung stellen,Tiroler Landesarchiv, Urkunde II/3331 was sich im Nachhinein zu seinem Vorteil auswirken sollte. So konnte er im Jahre 1531 vom Erzherzog Ferdinand I. das Gericht Kastelbell als Pfand gegen die nicht unerhebliche Summe von 12.000 Gulden übertragen bekommen. Dieses Pfand sollte niemals ausgelöst werden – Kastelbell blieb bis 1825, die Burg bis 1956 im Besitz der Familie.Tiroler Landesarchiv, Urkunde I/782 Für die Verdienste, die die Brüder Reimprecht, Franz und Sigmund dem Kaiser Karl V. geleistet hatten – insbesondere Reimprecht, der an der Belagerung von Tunis 1535 teilgenommen hatte, wurden diese im Anschluss zum Ritter geschlagen.
Durch die Beteiligung der Hendl an den militärischen Auseinandersetzungen des Kaisers stand man bei Hofe in der Gunst und es gab einige Gelegenheiten, Grundbesitz und Vermögen zu mehren.nicht aufgeführt sind die Erbschaften 1551: der Kauf des Mairhofs zu Schanzen in Goldrain für 5375 Gulden (im Besitz der Familie bis 1821) 1555: Kauf der Burg Rotund im MünstertalTiroler Landesarchiv, Urkunde II/3374 1559: Kauf der Burg Reichenberg für 4500 GuldenLehensverleihung Tiroler Landesarchiv, Rep. 66/1, fol. 1142v 1562: Ablösung der an Kaspar von Montani verpfändeten Herrschaft Schlanders mit der Propstei Eyrs 1580: Erwerb der landesherrlichen Lehensburg Juval 1612: Burg Maretsch für 19.500 Guldenbereits 1657 für 9200 Gulden an Stift Stams verkauft 1632: Ansitz Löwenbrunn in Meran am Rennweg (bis 1689) um 1750: Haus Schlanderegg und Ansitz Hammersbach in Eppan (heute Eppanerhof)
Allerdings kam es auch hin und wieder zu finanziellen Engpässen, so musste sich die Oberösterreichische Kammer 1564 auf einen Darlehenswunsch an die Hendl mit der abschlägigen Antwort zufriedengeben:
weswegen er diesmal leider nicht aushelfen könne.
mini|Der Stammsitz Schloss Goldrain Um 1570 begann der Ausbau der kleinen Burg Goldrain zu einem Renaissanceschloss, der bis 1607 durch Ulrich Freiherr Hendl aus der Franz’schen Linie beendet wurde und das soziale Prestige beträchtlich steigerte.
Angehörige der Familie konnten sich in der Folgezeit militärisch auszeichnen. Franz Hendl war von 1568 bis 1578 Kommandant der Besatzungstruppen in Trient, das im Temporalienstreit von den Tirolern besetzt worden war.wo er sich recht unbeliebt gemacht hatte Weiterhin war er Tiroler Obrister Feldzeugmeister, Viertelhauptmann im Vinschgau sowie Tiroler Landeshauptmann von 1590 bis zu seinem Tod 1591.
Hans Hendl (III.) konnte beim Landesherrn durchsetzen, dass er das von ihm erworbene Haus in Glurns zu einem adeligen Sitz erhob (Hendlsburg) und der gesamten Familie Hendl das Recht verlieh, sich fortan „Herren von und zu Hendlsburg“ zu nennen.
Verwandtschaftliche Bindungen durch Einheirat in Familien des alten und einflussreichen Adels taten ein Übriges – im Jahre 1615 wurde die Familie in den Freiherrenstand erhoben.
Ab dem Jahre 1600 stehen keine größeren Erwerbungen von Liegenschaften zu Buche. Lediglich durch Erbschaften gab es noch nennenswerten Zuwachs. So von Annenberg und nach dem Tod des Vaters der Elisabeth Hendl-Goldrain, Karl Sigmund von Schlandersberg, die als einziges Kind Burg Schlandersberg und den Ansitz Kasten mit dem allodialen Kastengut und der Burg Hochgalsaun erbte. Der bereinigte Wert lag bei 21.641 Gulden.
Eventuell bereits seit 1650 wurden Versuche unternommen, im Martelltal Bergbau zu betreiben und Erz abzubauen. Das Ergebnis dürfte sich in Grenzen gehalten haben. Es weist jedoch darauf hin, dass die Hendl über die nötigen finanziellen Möglichkeiten verfügten, ein solches Risiko einzugehen. Finanzielle Probleme gab es bis in das ausgehende 18. Jahrhundert nicht – der Graf Josef Nikolaus konnte es sich um 1800 sogar erlauben, in einer Nacht die sogenannte Schgörenwiese im Wert von 4000 Gulden zu verspielen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts spätestens begann jedoch der Schritt in die Bedeutungslosigkeit. Immer mehr aus dem Vermögensbestand wurde veräußert. Aus der Erbmasse von Franz Josef Hendl und Elisabeth Hendl († 1813) wurde der meiste Grund und Boden von den Erben nahezu unverzüglich verkauft. Auch die verpachtete Burg Schlandersberg wird 1819 mitsamt dem benachbarten Visolgütl, einem Bauernhof mit Äckern, Wiesen, Alpen und den Wasserrechten des Schlandraunbaches, für 12.000 Gulden verkauft.
Die Revolution von 1848 hatte man noch relativ unbeschadet überstanden, doch wurde der Besitz durch ständige Erbteilungen weiter geschmälert, auch wiesen die inzwischen verfallenen Burgen keinen, oder nur noch einen geringfügigen Wert auf. Es gab auch keine bemerkenswerten Persönlichkeiten mehr – man schien sich mit dem Dasein des Beamtentums bzw. der Geistlichkeit zufriedenzugeben. Nach 1848 blieben der Familie, außer dem Grundbesitz im Vinschgau und einige, nicht genauer beschriebene, Liegenschaften in Ulten und im Überetsch, nur noch die überwiegend verpachteten landesfürstlichen Mannslehen.
Nach dem Tod von Graf Kaspar wurde 1861 ein letztes Mal das Lehensvermögen der Hendl-Goldrain genau aufgelistet. Es handelte sich dabei um: die ruinöse Feste Reichenberg im Münstertal die ruinöse Burg Hochgalsaun das Weingut Zoblhof zu St. Pauls im Landgerichtssprengel Kaltern.
Der Gesamtwert wurde auf nur 7663 Gulden 12½ Kreuzer geschätzt. Die Güter waren verpachtet, der Pachtzins betrug lediglich 1117 Gulden 25 Kreuzer.
Das Lehen Galsaun wird als zerfallenes Schloss samt den zugehörigen Wäldern, Wiesen, Äckern, Grundzinse und Zehenten, Fischwaid, Gejaid und Federspiel im ehemaligen Gericht Kastelbell, in Martell, von Naturns bis zur Töll, von Kasten bis zur Spondiniger Brücke beschrieben.Die herrschaftlichen Jagdrechte wurden 1849–1851 entschädigungslos aufgehoben. Allerdings waren viele der Grundstücke durch Hochwasser der Etsch verwüstet und nicht mehr nutzbar.
Das Weingut Zoblhof zu St. Pauls bestand nur aus drei Wingerten ganz ohne Bauwerke, die mit Pergeln belegt waren und einen geschätzten Wert von 2240 Gulden hatten. Der Ertrag war nur mittelmäßig – der Pächter konnte den geforderten Zins in Höhe von 275 Gulden nur noch schwer aufbringen und antwortete auf ein Schreiben des Grafen Anton als Eigentümer:
Die Grafen Hendl dieser Epoche zeigten kein großes Engagement in der Bewirtschaftung ihrer Güter. Sie lebten in den Stadtwohnungen, verzehrten ihre Revenuen und kümmerten sich wenig um die Abläufe.
Nach dem Tod von Graf Emanuel wurden die Liegenschaften 1872 von den Erben, den Brüdern Arthur und Bernhard Carl verkauft.die letzten des Geschlechts Der Ertrag belief sich auf: Hochgalsaun mit den dazugehörenden Grundstücken 12.800 GuldenSüdtiroler Landesarchiv, Verfachbuch Schlanders 1873, fol. 2139; 1883 fol. 2760 ff.; fol. 1554 Reichenberg 2650 GuldenSüdtiroler Landesarchiv, Verfachbuch Glurns 1873, fol. 522; 1877 fol. 409 der Zoblhof 8754 Gulden.Südtiroler Landesarchiv, Verfachbuch Kaltern 1873, fol. 931; 1883 fol. 2508, 2518, 3850
Diese 24204 Gulden waren alles, was vom großen Vermögen der Grafen Hendl übrig blieb.
Linien Die Stammlinie Siegmund Hendl (I.) (erstmals 1421, letztmals 1445 urkundlich erwähnt) ⚭ Barbara vom Turm zu Mals ⚭ Agnes Ratgeb
mini|Auf Burg Fernstein lagen die Anfänge
Als erster Hendl ist für das Jahr 1421 ein Sigmund HenleinDa die Zeitpunkte der Namensänderungen nicht nachvollzogen werden können, werden die betroffenen Personen von nun an nur mit ihrem zuletzt geführten Namen benannt. als Zeuge urkundlich erwähnt, der auch nachweislich im Jahre 1423 vom Landesherrn die Pflege der Burg Fernstein übertragen bekam.Tiroler Landesarchiv, Urkunde I/1104 Als auf der Burg Fernstein ansässig wurde Sigmund letztmals im Jahre 1439 erwähnt. Für das Jahr 1445 erscheint er dann als Pfleger von Burg Ehrenberg, womit er schon recht hohen sozialen Status erreicht hatte, ohne jedoch bereits zum Adel zu zählen. Der Aufstieg in den Adelsstand war nicht mehr unerreichbar. Er ist dann jedoch bereits vor dem 17. August 1446 verstorben.
Nachkommen: Reimprecht Hendl zu Imst (Erstmals 1446, letztmals 1450 urkundlich erwähnt) Sigmund (II.) (erstmals 1510, letztmals 1548 urkundlich erwähnt)
Der zweite Sohn von Sigmund I. Hendl, Sigmund II. Hendl, hatte sich inzwischen in Südtirol niedergelassen, wo er Magdalena Ratgeb geheiratet hatte. Er war von 1456 bis 1466 Richter in Schlanders und Verwalter der Propstei Eyrs.
Nachkommen: Hans Hendl zu Goldrain (II.) († 1516) ⚭ Rosina Vegler von Hauzenheim Ursula ⚭ Bartholomäus Schildmann Regina ⚭ Georg Ramung von Rameck
Dieser Zweig ist im Mannesstamm erloschen.
Hans (I.) (erstmals 1474, letztmals 1496 urkundlich erwähnt)
Der dritte Sohn von Sigmund Hendl (I.), Hans Hendl (I.) heiratete Ursula Giebinger, Tochter des aus Bayern stammenden Pflegers der Burg Tratzberg. Deren einziges Kind, die Tochter Anna, sollte den Simon Scheck ehelichen, dessen Familie im Besitz der kleinen Burg Goldraindamals Coldroun genannt – eingegangen in den heutigen italienischen Namen von Goldrain – Coldrano war. Anna ist jedoch bereits vor der Hochzeit verstorben. Dieser Zweig war damit im Mannesstamm erloschen.
Reimprecht Hendl zu Imst