Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein (* 1. Oktober 1954Sayn-Wittgenstein, Fürstin von, Doris. In: lissh.lvn.ltsh.de. Landtagsinformationssystem Schleswig-Holstein, abgerufen am 5. Dezember 2017. als Doris UlrichElmar Schulten: Doris von Sayn-Wittgenstein: Unbekannte AfD-Frau stammt aus Bad Arolsen. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 11. Dezember 2017, abgerufen am 12. Dezember 2017. in Arolsen) ist eine deutsche Politikerin (AfD). Von 2017 bis 2022 war sie Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein. Sie war Landesvorsitzende der AfD Schleswig-Holstein.
Am 28. August 2019 wurde sie vom Bundesschiedsgericht aus der AfD ausgeschlossen. Sayn-Wittgenstein hatte für einen rechtsextremistischen Verein geworben, der auf der sogenannten Unvereinbarkeitsliste der AfD steht; das Parteigericht sah darin ein „parteischädigendes Verhalten“. Im April 2021 urteilte das Landgericht Berlin, dass von Sayn-Wittgenstein weiterhin AfD-Mitglied ist, da der Ausschluss aufgrund formaler Fehler nicht wirksam stattgefunden hat. Im Februar 2024 zog der AfD-Bundesvorstand seine Berufung beim Berliner Kammergericht aufgrund fehlender Erfolgsaussichten zurück, wodurch das Urteil des Landgerichts Berlin rechtskräftig geworden ist.
Leben Doris von Sayn-Wittgenstein wuchs als Tochter eines Postsekretärs und einer aus Schlesien heimatvertriebenen Mutter auf.shz.de am 10. Juli 2017: Doris von Sayn-Wittgenstein: „Deutschland ist so unbeliebt wie nie zuvor“ (abgerufen am 12. Dezember 2017) Sie hat zwei Schwestern, darunter die Schauspielerin Heike Ulrich, und einen Bruder, den Regisseur Armin Ulrich.Klassenkameraden und Lehrer erinnern sich: Doris von Sayn-Wittgenstein: Die unbekannte Fürstin stammt aus Bad Arolsen, Waldecksches Landeszeitung, 11. Dezember 2017. Sie studierte von 1973 bis 1980 Rechtswissenschaften an der Universität Heidelberg. Ihr Referendariat absolvierte sie beim Landgericht Heidelberg mit Stationen an der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer und bei einer amerikanischen Rechtsanwaltskanzlei.
Am 21. Februar 1983 wurde sie als Rechtsanwältin zugelassenBundesweites amtliches Rechtsanwaltsverzeichnis, abgerufen am 12. Dezember 2017. und arbeitete seitdem bis 2017 im Familienrecht.Doris von Sayn-Wittgenstein: AfD-Kandidatin, die selbst der Parteiführung unbekannt war. In: sueddeutsche.de, 4. Dezember 2017 Laut Anwaltauskunft des Deutschen Anwaltvereins ist sie Partnerin der Kanzlei Horstmann & v. Sayn-Wittgenstein in Dossenheim bei Heidelberg, Deutsche Anwaltauskunft, Deutscher Anwaltverein, abgerufen am 29. August 2019. auf der Website der Kanzlei ist sie aber seit spätestens Oktober 2016 nicht mehr verzeichnet.
Nach eigenen Angaben zog sie 2016 nach Schleswig-HolsteinPortrait der neuen AfD-Vorsitzenden: Doris von Sayn-Wittgenstein, SHZ vom 10. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017 und wohnt in Schwentinental im Kreis Plön. Der Landeswahlleiter, 24. März 2017, abgerufen am 5. Dezember 2017 (PDF; 196 kB). Von ihrem ersten Ehemann, der Ägypter gewesen sein soll, wurde sie geschieden.AfD-Frontfrau Fürstin von Sayn-Wittgenstein: Ich hieß zeitweise Ulrich. In: Der Spiegel, Nr. 50/2017. Artikel auch in Spiegel Online, 8. Dezember 2017.Adelstitel: AfD-Politikerin Sayn-Wittgenstein: Ich hieß früher Ulrich. WAZ, 8. Dezember 2017
Namensherkunft Ihr amtlicher Nachname Fürstin von Sayn-Wittgenstein ist wiederholt Gegenstand medialer Berichterstattung gewesen, da er dem einer Nebenlinie des früheren deutschen Adelshauses Sayn-Wittgenstein entspricht. Nach eigener Aussage habe sie während ihrer ersten Ehe den Familiennamen ihres Mannes getragen und „Doris Ulrich“ geheißen. Bei ihrer zweiten Ehe habe sie beschlossen, ihren „Geburtsnamen“ zu tragen. Nach Recherchen des Spiegel hieß sie nach ihrer Geburt jedoch „Doris Ulrich“ und diesen Nachnamen habe dann auch ihr erster Mann angenommen. Diese Aussagen sind nicht notwendigerweise widersprüchlich, da der „Geburtsname“ rechtlich unter bestimmten Voraussetzungen änderbar ist – etwa im Fall einer Adoption – also nicht immer den ersten Nachnamen nach der Geburt angibt. Ihre ehemaligen Klassenkameraden haben angegeben, sie habe bereits beim zehnjährigen Klassentreffen 1983 den Namen „von Sayn-Wittgenstein“ geführt.Elmar Schulten: Doris von Sayn-Wittgenstein: AfD Politikerin stammt aus Bad Arolsen. In: Hessische/Niedersächsische Allgemeine. 11. Dezember 2017.
Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn erklärte 2017, Doris von Sayn-Wittgenstein gehöre „nicht zur Familie“.Jörn Wenge: Diskussion um AfD-Politikerin: „Ich vermute, dass sie adoptiert worden ist.“ In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 5. Dezember 2017. Er wies darauf hin, dass 1979 seine entfernte Verwandte Elisabeth Gertrud (* 1927)Vgl. genealogy.euweb.cz, Tochter des Alexander Fürst von Sayn-Wittgenstein (1876–1947), auf Vermittlung des Titelhändlers Hans-Hermann Weyer einen Heiratsschwindler geheiratet habe, der alsdann den Namen seiner Frau angenommen und daraufhin das Weite gesucht habe. Laut der Saarbrücker Zeitung handelte es sich dabei um Bruno Lothar Koch.Adelstitel: Die adoptierten Fürsten. In: Saarbrücker Zeitung, 15. Juni 2017. Er machte ein Geschäft daraus, den Namen mit Hilfe von Adoptionen weiterzuverkaufen. Deshalb und infolge von „Kettenadoptionen“, also durch Adoptionen zuvor selbst Adoptierter oder durch von Adoptierten ehelich Einbenannte oder durch Weitergabe an deren Kinder, sei der Name in der Form „Fürst/in von“ anschließend an – bis heute – mehr als 50 Namensträger weitergegeben worden.Jörn Wenge: Diskussion um AfD-Politikerin – „Ich vermute, dass sie adoptiert worden ist“ In: Frankfurter Allgemeine (online), 5. Dezember 2017.
Auch Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe (FDP), Ex-Ehemann der Marie-Louise „Lilly“ Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, distanzierte sich und wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Stammlinie der Fürsten von Sayn-Wittgenstein (statt zu oder von und zu Sayn-Wittgenstein) erloschen sei und alle Träger dieses Nachnamens entweder als Erwachsene adoptiert worden seien oder von einem solchen Adoptierten abstammten. Schaumburg-Lippe bezeichnete Sayn-Wittgenstein als „Adoptivstapler[in]“ und zog einen Zusammenhang zu ihren politischen Positionen: „Die Partei, die uns sinngemäß täglich etwas von kulturfremden Sozialparasiten erzählt, hebt eine Person in verantwortliche Stellung, die parasitär an einer Kultur und Tradition andockt, mit der sie nichts zu tun hat.“Malte Arnsperger: Adels-Krieg um AfD-Mitgliedschaft: Fürst Schaumburg attackiert Fürstin von Sayn-Wittgenstein. In: Focus, 14. September 2016.Pascal Beucker: AfD-Politikerin mit adligem Namen – Verdacht der Adoptivstapelei. In: taz, 6. Dezember 2017. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2017, laut „alteingesessene[m] Adel“ werde der „Titel mit dem ‚von‘ am Anfang […] seit geraumer Zeit von Titelhändlern zu hohen Preisen verkauft.“Jens Schneider: Profil – Doris von Sayn-Wittgenstein. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Dezember 2017. Der AfD-Co-Vorsitzende Alexander Gauland bezeichnete Doris von Sayn-Wittgenstein nach ihrem Parteiausschluss 2019 als „die Dame, die wir die falsche Fürstin nennen“.Die selbsternannten Bürgerlichen von der AfD In: faz.net 2. September 2019, abgerufen am 3.9.19.
Mögliche Nähe zu Reichsbürgern Klaus Sojka, Initiator des Vereins „Die Deutschen“, der der Reichsbürgerbewegung nahesteht, gewann Sayn-Wittgenstein 2009 für einen Vorstandsposten und stellte für die „Vereinigung“ Die Deutschen beim Internationalen Gerichtshof einen „Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens der BRD“. Sojka starb im September 2009.Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Dezember 2017, AfD-Fürstin hat Vergangenheit in der Reichsbürger-Szene, online (abgerufen am 9. Dezember 2017) Eine Pressemitteilung des Vereins zu seiner Gründung 2009 nannte Sojka und Sayn-Wittgenstein als Mitglieder des Gründungsvorstands. Doris von Sayn-Wittgenstein erklärte 2017, sie wisse nicht, wie ihr Name dahin gekommen sei.shz.de am 7. Dezember 2017, Reichsbürger-Vorwurf. Kritik an AfD-Landeschefin (abgerufen am 9. Dezember 2017) Sojka habe sie zwar für einen Vorstandsposten im Verein gewonnen; sie erinnere sich aber nicht an eine Gründungsveranstaltung.
Eine Gesinnungsnähe zur Reichsbürgerbewegung bestreitet Sayn-Wittgenstein, auch Klaus Sojka habe nicht zu dieser gehört. Es sei damals auch um ungeklärte Eigentumsfragen der nach dem Zweiten Weltkrieg Vertriebenen gegangen. Auch nach der deutschen Wiedervereinigung betrachtet Sayn-Wittgenstein die Frage der Entschädigung der Vertriebenen aus den früheren deutschen Ostgebieten als offen. Dazu verweist sie auf ihre verstorbene Mutter, der in den 1990er Jahren von einer Bundesbehörde bestätigt worden sei, dass bezüglich des bei der Vertreibung zurückgelassenen Vermögens noch nicht alles geklärt, eine Regelung momentan politisch aber „nicht opportun sei“.WeltN24 am 7. Dezember 2017: AfD-Landeschefin bestreitet Nähe zu »Reichsbürgern« (abgerufen am 12. Dezember 2017)
AfD-Politikerin
Sayn-Wittgenstein trat im März 2016 in die AfD ein. Nach eigener Aussage hatte sie mit der 2013 von Bernd Lucke gegründeten AfD zunächst nicht viel anfangen können.Sympathie fürs Rechtsradikale. In: neues deutschland, 4. Dezember 2017 Von April 2016 bis Mai 2017 war sie Beisitzerin im Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein. Sie wurde im Oktober 2016 auf dem Landesparteitag in Henstedt-Ulzburg auf den dritten Platz der Landesliste für die Landtagswahl 2017 gewählt. Bei dieser Landtagswahl zog sie über die Landesliste in den Landtag von Schleswig-Holstein ein, dem sie bis zu ihrem Ausscheiden nach der Landtagswahl 2022 angehörte. Auf dem Landesparteitag im Juli 2017 wurde sie zur neuen Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein gewählt. Sie erhielt 68 % der Stimmen und setzte sich damit gegen den bisherigen Amtsinhaber Jörg Nobis durch.
Im Dezember 2017 kandidierte sie beim AfD-Bundesparteitag in Hannover überraschend für den Bundesvorsitz. Sie wurde zwar nicht gewählt, verhalf aber dem rechten Parteiflügel Der Flügel um Björn Höcke dazu, den als gemäßigt geltenden Berliner AfD-Vorsitzenden Georg Pazderski an der Bundesspitze zu verhindern. Nach zwei Abstimmungen ohne klares Ergebnis zogen beide Kandidaten zurück; Alexander Gauland trat als Kompromisskandidat an und wurde gewählt.
Parteiausschluss und ordentliches Gerichtsverfahren Am 4. Dezember 2018 wurde Sayn-Wittgenstein aus der AfD-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein ausgeschlossen.AfD-Landtagsfraktion schließt Landeschefin Sayn-Wittgenstein aus. In: welt.de. 4. Dezember 2018. Anlass für diesen Schritt waren Sayn-Wittgensteins Aktivitäten für den als rechtsextrem eingestuften Verein Gedächtnisstätte e. V. im thüringischen Guthmannshausen, für den sie am 18. Dezember 2014 in einem Schreiben um Unterstützung geworben haben soll. Ob sie Mitglied des 1992 von der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck gegründetenMatthias Popien: Streit um Sayn-Wittgenstein geht in eine neue Runde. In: abendblatt.de. Hamburger Abendblatt vom 29. November 2018 Vereins ist oder war, ist umstritten. Er steht seit 2015 auf der Unvereinbarkeitsliste für AfD-Mitgliedschaften.
Andreas Speit schrieb Ende 2018 in der taz, sie habe weitere Kontakte zur rechtsextremen Szene gehabt: So habe sie zwischen 2014 und 2017 Veranstaltungshinweise verschiedener rechtsextremer Gruppen per E-Mail weiterverbreitet. Auf Nachfrage der taz bestritt Sayn-Wittgenstein diese Kontakte.Ein Herz für "SS-Kameraden In: taz. 17. Dezember 2018. Sie beabsichtige, ihr Landtagsmandat zu behalten.AfD-Fraktion schließt Sayn-Wittgenstein aus. In: ndr.de. 4. Dezember 2018.