Udopia ist das zwölfte Studioalbum des deutschen Rockmusikers Udo Lindenberg und die 15. Albumveröffentlichung insgesamt. Es wurde am 13. April 1981 bei der Plattenfirma Teldec veröffentlicht.
Hintergrund In der Vorbereitung auf die Namen verbrachte Udo Lindenberg zwei Monate in New York City und versuchte dort neue Impulse zu finden. Er erkundete die dortige Musikszene und fand Studiomusiker, die sein Panik-Orchester bei den Aufnahmen unterstützten. Außerdem versuchte er neue politische und gesellschaftliche Perspektiven einzunehmen. Dementsprechend verschärft er auf diesem Album nochmals seinen sozialkritischen Unterton, besonders in den Songs Affenstern, Straßenfieber und Ali, die sich mit dem Kalten Krieg, dem Generationenkonflikt und Fremdenfeindlichkeit auseinandersetzen., basierend auf einem Interview von 1981 mit Ingo Seiff In New York City fand er auch den für ihn charakteristisch gewordenen Hut. Er besuchte dort Landen Worth & Worth auf der Madison Avenue. Ohne diesen Hut der Marke Open Road wurde er später kaum noch gesehen. Dagegen trug er auf dem Plattencover von Udopia aber eine Schiebermütze. Auf der Cover-Rückseite trägt Lindenberg einen „Spitzenrock“ und oberhalb seines Armes steht ebendieses Wort, das möglicherweise in Zweitbedeutung auch Stilrichtung und Qualität des Albums ausdrücken soll.
Die Aufnahmen zum Album fanden im Winter 1980/Frühjahr 1981 statt, wobei das Gros der Songs in den Compass Point Studios auf Nassau (Bahamas) aufgenommen wurde. Das Studio gehört Chris Blackwell, dem Chef von Island Records. Aufgrund technischer Mängel sowie häufiger Stromausfälle konnte nur das Material zum Song Gegen die Strömung verwendet werden. Weitere Aufnahmen fanden in den Hamburger Rüssl-Studios sowie dem Studio der Plattenfirma Teldec in Hamburg-Eimsbüttel statt. Die Songs Straßenfieber und Grande Finale wurden in den Power-Station-Studios in New York aufgenommen. Das Album wurde von Udo Lindenberg und Dave King produziert und am 13. April 1981 veröffentlicht.
Das Album wurde von einer aggressiven Marketingkampagne begleitet. So trat Udo Lindenberg unter anderem in den Fernsehsendungen Musicbox, Rockpop, 5 nach 10, Scheibenwischer und Auf Los geht’s los auf.
Titelliste #TitelKomponistTexterLänge1.StraßenfieberRichard SupaUdo Lindenberg4:512.Mit dem Sakko nach MonakkoUdo LindenbergUdo Lindenberg4:333.Gegen die StrömungUdo Lindenberg, Dave KingUdo Lindenberg3:364.AffensternUdo Lindenberg, Dave KingUdo Lindenberg4:145.SandmännchenUdo Lindenberg, Jean-Jacques KravetzUdo Lindenberg3:396.Grande FinaleUdo Lindenberg, Dave KingUdo Lindenberg5:127.AliUdo Lindenberg, Jean-Jacques Kravetz, Steffi Stephan, Bertram EngelUdo Lindenberg3:378.Jonny GigoloUdo Lindenberg, Jean-Jacques Kravetz, Steffi Stephan, Bertram EngelUdo Lindenberg2:569.Kann denn Liebe Sünde seinLothar BrüneBruno Balz3:3710.Kugel im ColtUdo LindenbergUdo Lindenberg4:26
Remastered Version
Am 28. Oktober 2002 erschien eine Remastered Version des Albums. Diese enthielt den Bonustrack No Future? der vorher nur als Beilage zum Buch Rock’n'Roll und Rebellion – Ein panisches Panorama, als Liveversion auf Intensivstationen, auf der Kompilation Die Kollektion 1971–1982 sowie auf der Raritätensammlung Raritäten & Spezialitäten erhältlich war.
#TitelKomponistTexterLänge11.No futureUdo LindenbergUdo Lindenberg3:57
Besetzung Lindenberg wird auf dem Album von seiner Band, dem Panikorchester, musikalisch begleitet, des Weiteren agieren einige Gastmusiker: Gitarren: Elliot Randall, Peter Hesslein, Mike Miranda Bass: Dave King Keyboards: Thor Baldurson, Dave King, Thomas Sequi Schlagzeug: Thommy Price, Thomas Digi Klarinette: Bolle Burmeister Chöre: Rale Oberpichler, Freya Wippich, Elisabeth Richelsen
Texte und Musik Es ist gerade Udopia, das aus dem ursprünglichen Udo-Lindenberg-Kosmos durch seine Gesellschaftskritik ausbrach. Zwar bearbeitete er auch auf seinen früheren Alben immer mal wieder politische Themen, doch ist diesmal Politik das beherrschende Thema des Albums. Mit den neuen, gesellschaftskritischen Texten gelang es Udo Lindenberg, sich langsam als ernstzunehmender Politrocker zu etablieren. Im Gegensatz zu anderen Musikern der deutschen Rockszene konnte er Gesellschaftskritik mit einem Augenzwinkern verpacken, ohne allzu mahnend oder belehrend zu wirken. Musikalisch zeigte Udo Lindenberg die gesamte Bandbreite seines Schaffens. So zitiert das Eröffnungslied StraßenfieberStraßenfieber. YouTube-Audio. AC/DC und Punk, ist musikalisch etwas härter als der übliche Stil und erinnert etwas an Street Fighting Man von den Rolling Stones. Das Lied durfte wegen der obrigkeitskritischen Textpassage „In den Straßen steigt das Fieber. Und was verordnen sie? Schwere Knüppeltherapie gegen leichte Krawallerie“ nicht im Bayerischen Fernsehen gezeigt werden.
Auch das Antikriegslied Grande Finale ist eher härter, aggressiver, allerdings auch deutlich pessimistischer und voller Zukunftsangst, ganz unter dem Eindruck des Kalten Krieges.Grande Finale. YouTube-Video. Daneben gibt es mit der Neubearbeitung von Kann denn Liebe Sünde sein?Kann denn Liebe Sünde sein? YouTube-Video. von Lothar Brüne und Bruno Balz, ursprünglich für Zarah Leander geschrieben, auch Anklänge an den deutschen Schlager der 1930er und 1940er Jahre. Mit Kugel im ColtKugel im Colt. YouTube-Audio. ist auch wieder eine typische Udo-Lindenberg-Ballade auf dem Album zu finden. Ebenfalls grob ins Genre Ballade fällt das Stück Gegen die Strömung,Gegen die Strömung. YouTube-Audio. das musikalische und textliche Anleihen beim ein Jahr zuvor erschienenen Against the Wind von Bob Seger macht.Against the Wind. YouTube-Audio. von Bob Seger.
Pseudoautobiografisch, wie auf früheren Alben bereits einige Stücke (Bodo Ballermann etwa widmete sich Lindenbergs vermeintlicher Fußballerkarriere), ist das Stück Mit dem Sakko nach Monaco, das von einem alkoholaffinen „Prolo“ aus Gronau handelt:Mit dem Sakko nach Monaco. YouTube-Audio.
Diesem gelingt es, das Herz der Caroline von Monaco zu erobern, doch das Adelsgeschlecht zeigt sich sehr skeptisch ob des Lebenslaufes des neu hinzu Gekommenen:
Insbesondere die Brautmutter, Fürstin Gracia Patricia, zeigt sich besorgt:
Letztlich jedoch wird der Gronauer in der höheren Gesellschaft akzeptiert, auch von anderen Fürstenhäusern:
Getragen wird das Feuerwerk an Nonsensreimen durch Dave Kings Funkbass, der auch auf ein paar anderen Stücken des Albums einen Kontrast zu den von Steffi Stephan konventionell begleiteten Stücken bildet.
Rezeption Im Juli 1981 listete das Teenager-Magazin Bravo das Udopia-Album auf Platz 9 der Lesercharts und das Lied Straßenfieber ebenfalls auf Platz 9 der Single-Charts – ein großer Erfolg für Lindenberg, da gerade die Neue Deutsche Welle die sonstigen Charts dominierte.
Für Werner Burkhardt von Die Zeit schafft das Album wenig Neues. Zwar habe sich Udo Lindenberg umorientiert, war in New York und auf den Bahamas, habe aber dennoch mit den gleichen Leuten wie früher gearbeitet beziehungsweise Leute gesucht, die genau seinen Sound spielen. Er sieht das aber nicht als negativen Punkt:
Positiv besprochen wurde das Album im Express, der das Album mit den Worten „erfrischend neu im Sound, erfreulich ‚altbewährt‘ in den Wortspielen, weltweit aktuell, amüsant und stellenweise frecher, als es die Sender erlauben“ anpries. Die Zeitschrift Stereoplay nannte das Album „überzeugend“.beides zitiert nach
Kommerzieller Erfolg
Chartplatzierungen Udopia ist eines der erfolgreichsten Alben Udo Lindenbergs. Es befand sich 47 Wochen in den Charts und belegte dort Platz 5.
Auszeichnungen für Musikverkäufe Das Album verkaufte sich mehr als 250.000 mal und wurde daher 1993 vom Bundesverband Musikindustrie mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.
Udopia-Tour Im Oktober und November 1981 erfolgte die gleichnamige Tournee zum Album. Als Gast fungierte Inga Rumpf, die Tour führte durch 27 Städte: 08.10.1981: Kaunitz, Ostwestfalenhalle 09.10.1981: Essen, Grugahalle 10.10.1981: Bebra, Großsporthalle 11.10.1981: Hamburg, Congress Centrum 12.10.1981: Kassel, Stadthalle 13.10.1981: Offenbach, Stadthalle 14.10.1981: Münster, Halle Münsterland 15.10.1981: Köln, Sporthalle 16.10.1981: Bremen, stadthalle 17.10.1981: Hannover, Eilenriedehalle 18.10.1981: Berlin, Eissporthalle 20.10.1981: Nürnberg, Hemmerleinhalle 21.10.1981: Pirmasens, Messehalle 22.10.1981: Mainz, Rheingoldhalle 23.10.1981: Freiburg, Stadthalle 24.10.1981: Düsseldorf, Philipshalle 25.10.1981: Trier, Europahalle 26.10.1981: Koblenz, Rhein-Mosel-Halle 27.10.1981: Würzburg, Carl-Diehm-Halle 28.10.1981: München, Circus Krone 29.10.1981: Ludwigshafen, Eberthalle 30.10.1981: Ravensburg, Oberschwabenhalle 31.10.1981: Karlsruhe, Schwarzwaldhalle 01.11.1981: Darmstadt, Sporthalle 02.11.1981: Saarbrücken, Saarlandhalle 03.11.1981: Siegen, Siegerlandhalle 04.11.1981: Stuttgart-Sindelfingen, Messehalle Sindelfingen.
Wie bei bereits vorangegangenen Konzerten wurden die Songs auch diesmal durch Kleindarsteller inszeniert und dargestellt. Eine Zusammenfassung der Konzertmitschnitte von 1980 (Die Heizer kommen) und 1981 (Udopia Live) erschien am 1. März 1982 als Doppel-LP Intensivstationen.
Weblinks Udopia. Discogs.
Einzelnachweise
Kategorie:Album 1981 Kategorie:Album (Rock) Kategorie:Udo-Lindenberg-Album