mini|Schweizergarten in der Straße Słowackiego 42 Der Schweizergarten in Stolp, im damaligen Hinterpommern, war ein ausgesprochenes Gartenlokal mit Saalbetrieb und GasträumenSchmidt, Paul: Von der Gastlichkeit, den Gaststätten, deren Wirten und Gästen. 2. Fortsetzung (227–231) S. 230. In: Stolper Heimatblatt, Jahrgang XII (12 Ausgaben in einem Band), Lübeck 1959 unweit des Rosengartens und in unmittelbarer Nähe der Kreuzkirche in der damaligen Gr. Auckerstraße.Einwohnerbuch der Stadt Stolp 1931, S. 217; Eigentümerin: Voll, Emma, Witwe, nachdem ihr Ehemann Paul Voll der Gastwirt und Eigentümer vom Schweizergarten war. In den Räumen der Restauration Schweizergarten fanden kulturelle, lokalpolitische und weitere Versammlungen zur Freizeitgestaltung in der pommerschen Provinz statt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Lage Der SchweizergartenSiehe Schweizergarten in Karte der Mitteldeutschen Zeitung „Stolp (Pommern ) Stadtzentrum“, Bild 8 in: Ulrich Kruggel: Die beiden letzten Tage von Stolp in Pommern 1945. MZ-Beitrag vom 26. Januar 2015. befand sich in der Großen Auckerstraße/Ecke Bütower StraßeSiehe im Stadtplan Stolp i. Pom. H 7–8, hergestellt von der Ostland – Druckerei Stolp im Jahre 1940; Digitalisiert von: Bałtycka Biblioteka Cyfrowa (Baltische Digitalbibliothek). (heute: ul. Słowackiego/ul. Lutosławskiego in Słupsk, Polen)Straßenverzeichnis MY.Słupsk, unweit des Rosengartens im einstigen XIV. Stadtbezirk,Adressbuch von Stolp 1938; S. 413 der aus dem XI. Bezirk hervorging. Anlässlich der 600-Jahr-Feier der Stadt Stolp fanden im Schweizergarten Tanzveranstaltungen statt. Die „Restauration Schweizergarten“Friedhelm Schulz, Bernhard Wolter: Stolp. Bilder aus dem Leben der Stadt von 1860 bis 1984. Herausgegeben im Auftrag der Heimatkreisausschüsse Stadt Stolp und Landkreis Stolp. Bonn-Bad Godesberg 1984, S. 89. wurde so bekannt, dass sie zur Wegbeschreibung in der Stadt Stolp herangezogen wurde.Ingrid Bodschwinna: Leben pur – so war es! Berlin 2010, ISBN 978-3-940281-17-3, S. 85. Der Stolper vereidigte Landmesser und spätere Vermessungsdirektor Otto Laudan nannte das Lokal Schweizergarten als Orientierungspunkt bei der Beschreibung der einstigen Ortslage der Windelbahn,Otto Laudan: Ortsbezeichnungen und Flurnamen im Stadtkreis Stolp. Druck: Delmanzosche Buchdruckerei, Stolp i. Pom. 1933, S. 31; Aus: Ostpommersche Heimat (Beilage zur Zeitung für Ostpommern). 1933, Nr. 13 bis 17 einer früheren Festwiese für die Schuhmacher-Brüderschaft,E. Rutz: Das Windelbahnfest der Stolper Schuhmacher. In: Pommern in Wort und Bild. Stettin 1904, ISBN 978-3-8128-0032-7, S. 377 ff..

Für den Schweizergarten selbst wurde in der Beschreibung einer Luftaufnahme des Stadtbildes, fotografiert aus einem Zeppelin heraus im Jahre 1914, die Schlosskirche in der Nähe des Rosengartens als eine Orientierung für die Lage des Schweizergartens genannt.Friedhelm Schulz, Bernhard Wolter: Stolp. Bilder aus dem Leben der Stadt von 1860 bis 1984. Herausgegeben im Auftrag der Heimatkreisausschüsse Stadt Stolp und Landkreis Stolp. Bonn-Bad Godesberg 1984, S. 105

Ursprünge der Restauration Der im südlichen Stadtgebiet Aucker ansässige Instrumentenmacher Heinrich Kalvaß, verdiente seinen Lebensunterhalt in den Jahren 1864Wohnungs-Anzeiger für die Stadt Stolp nebst den vorzüglichsten Adressen des Stolper Kreises auf das Jahr 1864. Stolp 1864, S. 35 bis 1876Wohnungs-Anzeiger für die Stadt Stolp nebst den vorzüglichsten Adressen des Stolper und der umliegenden Kreise (Bütow, Lauenburg, Rummelsburg, Schlawe). Stolp 1876, S. 162 auf Grund einer ihm behördlich erteilten Schankkonzession mit einer Schankwirtschaft in der Großen Auckerstraße 13 als so genannter Tabagist.Wohnungsanzeiger für die Stadt Stolp (1876), S. 34 Nachdem Kalvaß im Aucker ein neu erschlossenes Grundstück in der „Gr. Auckerstraße 38“ erwerben konnte, eröffnete er dort eine Restauration und arbeitete als Wirt zusammen mit seiner Ehefrau Louise, geborene Krischewski. Es gab im Gast- und Wohnhaus nicht nur eine Wohnung für die Wirtsleute, sondern auch mehrere Mietwohnungen, darunter eine Mansardenwohnung, die zum Einkommen des Gaststätten-Inhabers beitrugen.

Eigentumswechsel Im Stolper Adressbuch von 1889 wird Louise Kalvaß, geborene Krischewski, verwitwete Restaurateur Gr. Auckerstraße 38 als Eigentümerin dieser Liegenschaft genannt.Adreßbuch für die Stadt Stolp 1889, S. 8 Die Abänderung der Hausnummern in der Großen Auckerstraße erlebte der erste Gastwirt des Schweizergartens nicht mehr, da er zuvor gestorben war. Aus dem Gartenlokal-Grundstück wurde nach der Umnummerierung die Große Auckerstraße 42. Die Witwe von Kalvaß wurde Eigentümerin des Anwesens und zeitweilig auch die Inhaberin des Lokals, bis sie die Gastwirtschaft Gr. Auckerstraße 42 um 1897 an den Restaurateur Erhard Züger verkaufte.Adreß-Buch der Stadt Stolp i. Pom. 1897 S. 6 Gastwirt Züger ließ erstmals im Stolper Adressbuch von 1897 den Wirtshaus-Namen Schweizergarten hinter seinen Familiennamen einfügen.Adreß-Buch der Stadt Stolp i. Pom. 1897 S. 43 Um 1907 übernahm der Gastwirt Max Ehrhard den Schweizergarten als Inhaber und wurde zugleich Eigentümer der Baulichkeit.Adressbuch der Stadt Stolp i. Pom. 1907, S. 7 Ab 1912 wird Paul Voll im Stolper Adressbuch jenes Jahres als Inhaber und Eigentümer genannt. Das Adressbuch für 1927 nahm ausdrücklich den langjährigen Wirtshausnamen Schweizergarten für die Restauration in der Auckerstraße 42 zusammen mit dem Namen des Inhabers und Eigentümers Paul Voll letztmals auf.Adreß-Buch der Stadt Stolp i. Pom. 1927, S. 51 Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern

In den 1930er Jahren betrieben Emma Voll, die zu jener Zeit auch Eigentümerin des Gasthauses war, und ihr Vertreter, der Gastwirt Franz Squar, den SchweizergartenDeutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel. Ausgabe 1937. Provinz Pommern. Deutsches Reichs-Adressbuch, Berlin 1937. bis Verkauf der Liegenschaft. Im Stolper Adressbuch 1938 wird Fritz Groth als Inhaber der Gastwirtschaft genannt und als Eigentümerin der Immobilie eine Anna Steingräber, die wie Gerhard Steingräber, ein Sägewerksbesitzer, in der Große Auckerstraße 42 wohnte. Zu den Mietern gehörte u. a. der Gastwirt Fritz Groth.Adressbuch der Stadt Stolp i. Pom. 1938 S. 267; Digitalisiert, S. 283: Große Auckerstr. 42 Emma Voll verzog nach dem Eigentumswechsel in die Stolper Hindenburgstraße 29.Adressbuch der Stadt Stolp i. Pom. 1938 S. 183, Spalte 2

Tanzveranstaltung im Schweizergarten zum Stadt-Jubiläum 1910 Zum Stadtjubiläum 1910 besuchten Wilhelm II. und die Deutsche Kaiserin Königin von Preußen Auguste Viktoria am 5. September Stolp. Zum Abschluss der Festlichkeiten am 6. September fanden die vom Ersten Bürgermeister des Stadtkreises Stolp, Werner Zielke,Werner Zielke war Oberbürgermeister der Stadt Stolp von 1905 bis 1924 und ist 1932 gestorben. Laut Otto Laudan: Ortsbezeichnugen und Flurnamen im Stadtkreis Stolp, S. 35 organisierten „Tanzbelustigungen“ unter festlicher Beleuchtung der Innenstadt und der Flussufer der Stolpe im Schweizergarten und in anderen Restaurants, z. B. im Schützenhaus, als Abendveranstaltung statt.Gedenk-Blatt zur Sechshundertjahrfeier der Stadt Stolp sowie ausführliches Programm der Festtage vom 4. bis 6. September 1910. Druck: Buchdruckerei Otto Kellerstrass Stolp i. Pom.; Digitalisat

Vorträge und Veranstaltungen in der Weimarer Republik In den Räumen des Schweizergartens in der Weimarer Republik tagten mehrere Vereine und es wurden dort Vorträge in öffentlichen Veranstaltungen gehalten.

Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Verband (DHV) hielt am 6. Oktober 1924 im Schweizergarten eine öffentliche Versammlung für kaufmännische Arbeitnehmer zum Thema „Berufspolitik – unsere Rettung!“ ab.Stolper Post vom 4. Oktober 1924 In der Einladung zu dieser Abendveranstaltung begründete der Leiter der Kreisgeschäftsstelle Hinterpommern des DHV in Stolp, Walter Schmidt, das gewählte Thema damit, dass in „freier Aussprache“ zu den „Erfordernissen und Aufgaben der nächsten Zeit sachlich Stellung“ genommen werden sollte. Als Referent wurde der ostpreußische Gauvorsteher Woltmann vom Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband angekündigt, der 1922 in der Zeitschrift des Zentralverbandes der Angestellten, Der freie Angestellte als „sogenannter deutschnationaler Handlungsgehilfe“ bezeichnet und zudem kritisiert wurde, dass er „in verschiedenen Versammlungen dreist Behauptungen auf(-stellte), die er selbst nicht angehört hatte und darum nicht ganz genau wiedergeben konnte.“Der freie Angestellte, Nr. 7, Berlin, den 29. März 1922, S. 56.

Parteinaher Stolper Verein Ein parteinaher Stolper Verein der DNVP, der Deutschnationale Volksverein Stolp Stadt und Land, hielt in den 1920er Jahren seine Mitgliederversammlung im Schweizergarten ab. Zu einer Abendveranstaltung am 6. November 1924 wurden sowohl die Vereinsmitglieder als auch von ihnen „eingeführte Gäste“ eingeladen. Die Ortsgruppe Stolp organisierte diese Mitgliederveranstaltung und gewann als Hauptredner den preußischen Regierungsassessor von Zitzewitz-Kottow, der seit 30. September 1924 als Nachrücker Reichstagsabgeordneter der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) war.Tageszeitung „Stolper Post“ vom 4. November 1924

Kriegerverein Der Kriegerverein Stolp 1876, hielt im Schweizergarten seine monatliche Mitgliederversammlung ab.Stolper Post. Tageszeitung für Stadt und Land. Amtliches Publikationsorgan vom 8. August 1927, S. 4 Die Restauration war für diesen Verein auch Treffpunkt für Aufmärsche, zum Beispiel zur Teilnahme an der Fahnenweihe der Arbeitnehmergruppe Stolp des Pommerschen Landbundes am 10. Juli 1927 durch Pastor Hans Borkenhagen aus Stolpmünde auf der Spielwiese der Waldkatzenanlage, der seiner Weiherede das Bibelwort Psalm 90 Vers 17 zu Grunde legte.Stolper Post. Tageszeitung für Stadt und Land Nr. 157/1927, Seite 4 (Inserat) und Bericht in Nr. 160/1927, S. 3

Gartenbauer Die Bezirksgruppe Stolp und Umgebung des Landesverbandes Pommern des Reichsverbandes des deutschen Gartenbaues e. V. traf sich im Restaurationsbetrieb Schweizergarten, um dort ihre Bezirksgruppenversammlungen durchzuführen, z. B. am Donnerstag, den 3. Januar 1929 um 14 Uhr.Zeitschrift Die Gartenbauwirtschaft, Jahrgang 43, Nr. 51 vom 20. Dezember 1928; Digitalisiert von der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin Anlässlich der Haupttagung des Landesverbandes Pommern des Deutschen Reichsverbandes des Deutschen Gartenbaues e. V. 1930 in Stolp versammelte sich der Landesverbandsausschuss unter seinem Vorsitzenden Lange im Schweizergarten und befasste sich am 1. September mit der Lage des pommerschen Gartenbaues. Der Begrüßungsabend der „Bezirksgruppe Stolp und Umgebung“ wurde am 1. September 1930 ebenfalls dort durchgeführt und mit einem Konzert, einem kurzen Theaterstück und mehreren Vorträgen gestaltet.Gartenbauwirtschaft, Jahrgang 45, Nr. 33, S. 3; Digitalisiert von der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Berlin In der Einladung der „Bezirksgruppe Stolp und Umgebung“ für die Hauptversammlung und die „Gemeinsame Mittagstafel“ am 2. September 1930 wurde ebenfalls als Versammlungsort der Schweizergarten angegeben. Der Stolper Gärtnereibesitzer Otto SchwuchowAdreßbuch der Stadt Stolp i. Pom.; Seite 23 unter C leitete diese Bezirksgruppe des Reichsverbandes deutscher Gartenbauer e. V. ehrenamtlich.

Deutsche Christen Der evangelische Geistliche Karl Thom hielt am 9. Februar 1932 einen Vortrag im Schweizergarten über das Thema Nationalsozialismus und Evangelische Kirche.Nachruf zum Tode Thoms im Jahr 1935; Digitalisierte Chronik

Karneval im Schweizergarten