mini|Bauerntanz an einem Bauernhaus in Steinbeck Der Bauerntanz ist eine barocke Fachwerkverzierung, die sich durch zwei übereinanderliegende Figuren kennzeichnet: ein Andreaskreuz und eine Raute. Dieses Muster wurde hauptsächlich auf der Vorderseite eines Hauses zur Weg- oder Straßenseite eingesetzt. Offenbar trat diese Verzierung zuerst in Süddeutschland auf. Auffällig ist das heute noch häufige Vorkommen in Süddeutschland und in kleinen Städten des Elsass. Vereinzelt findet man den Bauerntanz auch in Norddeutschland. Doch eine zahlenmäßige oder relative Verteilung der Verzierung kann heute nicht mehr vorgenommen werden, weil die meisten alten Bauernhäuser in Norddeutschland mittlerweile abgerissen oder umgebaut worden sind.
Regional wird der Bauerntanz auch Türkenkreuz, Bordesholmer Kreuz oder einfach der Geometrie nach Rautenkreuz genannt.
Hamburg Neugraben mini|Wirtschaftsgebäude in Hamburg-Neugraben mit doppeltem Bauerntanz In Neugraben (Hamburg) befindet sich in der Francoper Str. 63 ein Wirtschaftsgebäude (Zustand 1973) mit einem doppelten Bauerntanz in der Mitte (Stubbens Hus). Das Gerüst des Hauses reicht bis Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, 1910 wurde der Wirtschaftsteil verlängert.
Mecklenburg-Vorpommern Klausdorf Hierzu liegen noch keine weiteren Angaben vor, außer einer einzelnen Nennung.
Menzendorf Aus dem Buch von Karl Baumgarten „Kleine Mecklenburgische Bauernhaus-Fibel“ kommt noch ein weiteres Bauernhaus hinzu: In Menzendorf bei Schönberg (bei Wismar bzw. bei Lübeck) nordöstlich von Schlagsdorf und Schlagbrügge steht ein Bauernhaus (ca. 1800) mit Bauerntanz.
Petersberg In dem Buch „Landschaft und Bauernhaus in Mecklenburg“ von Karl Baumgarten und Angelika HeimKarl Baumgarten, Angelika Heim: Landschaft und Bauernhaus in Mecklenburg. 2., durchges. Auflage. Verlag für Bauwesen, Berlin 1991, ISBN 3-345-00051-2. wird der Bauerntanz mehrmals erwähnt:
In Petersberg findet sich ein Bauernhaus (Rückwärtige Giebel, Detail) auf der Seite 80/81 Abbildung 98 im Kreis Grevesmühlen (Inschrift Wilms & 30.06.1798). Die Verzierung befindet sich nur 1-mal nebeneinander. Petersberg befindet sich ebenfalls in der Nähe von Lübeck.
Wiederum in Thandorf eine Büdnerei (Schaugiebel, Detail) auf der Seite 89 Abbildung 114 im Kreis Gadebusch ca. 1800. Büdnerei ist eine Bezeichnung für Kleinbauer. Die Verzierung befindet sich 3-mal nebeneinander.
Auf den theoretischen Seiten des Buches wird erzählt, dass es sich bei dem Bauerntanz um a: ein Schaugiebel (Ende des 18. Jahrhunderts) bzw. b: Holzverschränkungen im Giebeltrapez des nordwestmecklenburgischen Bauernhauses handelt (Seite 26/27 Abbildung 25). Sonst ist diese Verzierungsform im übrigen Mecklenburg nirgends anzutreffen. Es bestehen offensichtlich kulturelle Beziehungen zum nordelbingischen Raum, da in Schleswig-Holstein der Bauerntanz als verbreitete Rautenform häufiger vorkommt. Der bekannte Arzt Rudolf Virchow gab dieser Verzierung die Bezeichnung Bauerntanz. Mal ist 1 Kreuz über der Tür, mal sind es 3. Der Bauerntanz soll auch in mitteldeutschen Landschaften vorgekommen sein (in der leicht abgerundeten Form), z. B. in Bad Windsheim, FLM Kommern, Hessenpark oder Sobernheim.
Schlagresdorf Im Ort steht heute noch ein relativ gut erhaltenes Bauernhaus mit dem schönen „Ratzeburger Schaugiebel“. Über der „Grot Dör“ der Einfahrt zur langen Durchfahrtsdiele, erkennt man eine Fachwerkzier, den „Bauerntanz“. Website der Gemeinde Rehna. Abgerufen am 3. Juni 2017.
Thandorf mini|Stoffersches Bauernhaus In Thandorf in Mecklenburg-Vorpommern gab es auch ein Bauernhaus mit Bauerntanz. Das Baujahr ist nicht bekannt.
„Das schönste Bauernhaus in Raum Gadebusch ist das Stoffersche Haus“, schreibt Horst Stutz in einer Beschreibung der Bau- und Kunstdenkmale der Region. „Dieses Hallenhaus auf dem Rütterhof in der Dorfmitte von Thandorf verfiel zusehends in den vergangenen Jahren und wird derzeit völlig entkernt. Die Stallgebäude daneben wurden abgerissen, die Steine zu Recycling-Material geschreddert. Das Architektenpaar Ulla Hardt und André Nagtegaal aus Blüssen ließ das Hallenhaus mit dem wunderbar erhaltenen Ratzeburger Giebel und dem „Bauerntanz“ zu einer historischen Hofanlage von der Firma Kreihnhorst umbauen. Doppelhaushälften mit 111 Quadratmetern Wohnfläche werden jetzt bereits vermarktet.“
Der Landesheimatverband Mecklenburg-Vorpommern führt das Bauernhaus wie folgt auf:
„In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut und im 18. Jahrhundert zweimal erweitert, war das ‚Stoffersche Haus‘ in Thandorf, im Landkreis Nordwestmecklenburg, jahrelang unbewohnt und vom Verfall bedroht. Nach monatelanger Sanier- und Renovierung ist es wieder in alter Schönheit im Oktober 1999 entstanden.
Das Ratzeburger Bauernhaus schmückt einer der am reichhaltigsten gestalteten Schaugiebel in Mecklenburg: über das Grötdor der dreifache Bauerntanz, links davon im Backsteinfachwerk als Ornamente eine Mühle und zwei Rauten; beiderseits der Grotdör sind im Fachwerk als Balkenverstrebung die so genannten ‚Blitzbänder‘ zu sehen.“
Das Stoffersche Haus wird als Hof Nr. VIII (Rütterhofes oder Stelle Stoffers) bezeichnet. Die Scheune vom Hof Nr. VIII hatte auch einen Bauerntanz. Daneben gab es noch Hof Nr. V (Böttcher) mit nur einem Bauerntanz. Ebenso noch einen weiteren Hof mit einem Bauerntanz (als Eichenholz bezeichnet). Website der Gemeinde Thandorf. Abgerufen am 3. Juni 2017.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Thandorf noch sehr viele alte Bauernhäuser hat. Leider viele kurz vor dem Verfall, einige davon wieder restauriert.
Thandorf liegt in der Nähe von Lübeck, Dassow, Schlagsdorf, Groß Schlagbrügge und Ratzeburg.
Schleswig-Holstein mini|Wilmsdorfer Ehlers Scheune im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel, 1791 erbaut mini|Forsthaus Waldhusen (renoviert 2013)
Travemünder Winkel Der Travemünder Winkel liegt zwischen der Ostsee (im Norden), dem Fluss Trave (im Süden und Osten) und Hemmelsdorfer See (im Westen) und gehört zu Lübeck sowie dem Kreis Ostholstein (Gemeinden Ratekau und (in geringem Umfang) Timmendorfer Strand).
Wilmsdorf Im Jahre 1791 wurde in Wilmsdorf am Hemmelsdorfer See bei Lübeck im Travemünder Winkel eine Scheune mit Bauerntanz gebaut.
Eigentümer dieser Scheune war die Familie Friedrich Carl und Anna Catharina Ehlers, wie es auch die Inschrift auf dem Sturzbalken der Groot Dör ausweist. Bauernvogt Friedrich Carl Ehlers (junior) (um 1750 geboren, 3. Kind aus der ersten Ehe von Friedrich Carl Ehlers – senior u. Kirchenjurat in Ratekau – und vor der Volkszählung von 1819 gestorben) heiratet 1785 (seine Cousine) Anna Catharina Krahn (geb. 1762) aus Grammersdorf.
Die Scheune stand auf dem Friesenholm am Hemmelsdorfer See. Sie ist eine Dreiständerkonstruktion mit einer aus der Mitte versetzten Durchfahrt. Sie wurde 1972 abgetragen, in ihre Einzelteile zerlegt, nummeriert und im Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel wieder aufgebaut. „Im ehemaligen Fürstbistum Lübeck waren Zierformen im Giebel in Ziegel- und Balkensetzung üblich. Hier sind die teilweise zurückgesetzten Ziegel mit Muschelkalk ausgeputzt. Die Ziegelfiguren lassen ‚Rispen‘, ‚Windmühle‘ und ‚Donnerbesen‘ erkennen, der Fachwerkverband den ‚Wilden Mann‘ und den ‚Bauerntanz‘. Diese Motive sind heidnische und christliche Symbole.“
Waldhusen Forsthaus Waldhusen (1765) des St.-Johannis-Kloster in Lübeck mit doppeltem Bauerntanz.
Brodten Hufnerhaus Ka(h)rstedt in Brodten Grossenhof 10. Das Hufnerhaus 1786 als Vierständerhaus von Hans Hinrich Laste und Engel Catharina Lastehn erbaut. Durchgreifend saniert wurde das große Hufnerhaus 1981/82. Im Inneren erfuhren der bis dahin nach Aufgabe der ehemaligen Stallungen mit der großen Mitteldiele ungenutzt liegende Wirtschaftsteil sowie das Dachgeschoss einen neuen Ausbau unter Berücksichtigung der alten Konstruktionselemente (Architekt Joh. Rehder, Bremen). Daneben fand die gründliche Instandsetzung des Äußeren statt. Das gesamte Reetdach des stattlichen Gebäudes wurde erneuert. Die sachgerechte Wiederherstellung zeigt sich besonders deutlich an der Giebelfront des Wirtschaftsteils mit dem großen Tor und den vielfältigen Füllziegelmustern.
Gneversdorf Hufnerhaus Beythin von 1786 am Gneversdorfer Kamp 11a mini|Hof Kahrstedt Hufnerhaus von 1786, Brodten
Groß Grönau: Hufnerhaus Engelbrecht Krummesse: Weidemannsches Haus Mustin: Kätner Burmester (1834) Ottendorf: Bauerntanz Muster im Stadtwappen Sandesneben: Pfarrhaus (1925), Bauerntanz in Stein Sierksrade: Gasthaus Steen Ratekau: Hufnerhaus Oelschlaeger (1797)
Weitere Bauten befinden sich in Gudow, Ritzerau, Scharnhagen und Warnsdorf (Ratekau).
Niedersachsen Duderstadt Fachwerkhaus mit Bauerntanz normal und gerundet; Hinterstraße 35 (Haus Nr. 296), erbaut 1725. Weitere Häuser siehe auch Liste der Baudenkmale in Duderstadt.
Hildesheim Kesslerstraße, Domprobstei
Steinbeck und Tötensen mini|Steinbeck: Bauernhaus mit dreifachem Bauerntanz In Steinbeck bei Hamburg befindet sich ein erhaltener Hof mit Bauernhaus, das über einen Bauerntanz verfügt.
1771 baute der Zimmermann Hans Christoph Knupper aus Marmstorf in Tötensen ein Haus mit Bauerntanz und drempelartiger Überhöhung, der Grotdör-Wand. Das Bauernhaus fiel einer Brandstiftung zum Opfer und wurde dann abgerissen.
Ende des 18. Jahrhunderts heiratete Hans Michael Knupper (ein Bruder des vorgenannten), gebürtig aus Marmstorf (südwestlich von Hamburg damals gelegen, inzwischen nach Hamburg eingemeindet), in die alteingesessene Familie Tamke in Steinbeck ein und baute 1779 ebenfalls ein Haus mit Bauerntanz sowie mit der drempelartigen Überhöhung der Grotdör-Wand. Das Bauernhaus ist noch erhalten.
Später bauten die Bauern Minkens und Reeps ebenfalls ein Bauernhaus mit Bauerntanz.
Wilhelm Marquardt hat vermutet, dass der Zimmermann Christoph Knupper auch das Haus in Steinbeck gebaut hat und aufgrund seiner Ausbildung und Reisen zum Erlernen des Zimmermannhandwerkes die Verzierungsform aus dem „Süden“ mitgebracht hat. Vielleicht lassen sich aufgrund des Handwerks noch Verbindungen zu anderen Orten mit dem gleichen Fachwerk in alten Bauernhäusern finden.
Bremen Hermann-Böse-Straße 29, Haus Caesar am Kaiser-Friedrich-Denkmal
Sachsen-Anhalt mini|hochkant|Quedlinburg: Breite Straße 35 Eine große Anzahl an Gebäuden mit einem Bauerntanz bzw. Rautenkreuz befinden sich in Quedlinburg und Wernigerode. Ballenstedt: Das Alte Rathaus, Am Alten Markt 1, wurde 1682 errichtet und verfügt in der Fassade über einen Bauerntanz. Behnsdorf: Fachwerkhaus Bauernstraße 3, Behnsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Flechtingen im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Blankenburg: Haus Markt 3 Falkenstein/Harz: Kirche Wieserode Gernrode: Rathaus Güntersberge: Haus Marktstraße 63 Halberstadt: Häuser Grauer Hof 7/8, Rosenwinkel 11, Trillgasse 10, Voigtei 42 Haldensleben: Haus Stendaler Straße 10 Stendaler Straße 14 Markt 18 Burgstraße 5 Harzgerode: Am Erker des Rathauses am Marktplatz 1, die Häuser Bergfaktorei am Marktplatz 5, Röderscher Sattelhof am Marktplatz 8, der Bahnhof Harzgerode, Haus Unterstraße 4 Ilsenburg: Landhaus Zu den Rothen Forellen Magdeburg: Das Haus Alt Ottersleben 44 wurde offenbar nach 1995 abgerissen Tangermünde: Häuser Kirchstraße 54 und 59, Lange Straße 70 Quedlinburg: Häuser Altetopfstraße 15, das Alte Wasserwerk, Augustinern 55, Ballstraße 18 und 24, Breite Straße 35, Hohe Straße 22, Konvent 22, Mühlenstraße 6, Reichenstraße 4, Schmale Straße 4, Steinweg 4/23/45/48/68/69/70 und Word 1, 2 sowie 12. Wernigerode: Schiefes Haus in der Klintgasse 5 mit Bauerntanz an den Außenseiten, Fachwerk im Innenhof des Schloss Wernigerode, Krellsche Schmiede von 1678 in der Breiten Straße 95 mit elf Bauerntänzen, die hier Rautenkreuz genannt werden. Daneben Breite Straße 51 und 97, Hinterstraße 38 und 52, Johannisstraße 17, Lindenallee 25, die Kreuzkirche in der Lindenbergstraße, Marktstraße 5 und 10, Nöschenröder Straße 79, Pfarrstraße 52 und Teichdamm 3–4.
Thüringen