Zeitlofs ist ein Markt im nordwestlichen Teil des Landkreises Bad Kissingen (Unterfranken).

Geografie Geografische Lage Zeitlofs liegt in der Region Main-Rhön etwa 40 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Bad Kissingen. Das Gemeindegebiet ist Teil der Hügellandschaft der südlichen Rhön mit einer Höhe von 242 bis . Die nördliche Gemeindegrenze bildet die Landesgrenze zwischen Bayern und Hessen. Durch Zeitlofs fließt der kleine Fluss Sinn.

Gemeindegliederung Es gibt zwölf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Detter (Gemarkungsteil 0), Eckarts-Rupboden, Forst Detter-Nord (Gemarkungsteil 0), Forst Detter-Süd (Gemarkungsteil 1), Roßbach, Roßbacher Forst (Gemarkungsteil 2), Rupbodener Forst, Weißenbach und Zeitlofs (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Zeitlofs liegt auch auf dem gemeindefreien Gebiet Kälberberg. Sie hat eine Fläche von 9,418 km² und ist in 1281 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7352,03 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Grieshof, Heilsberg, Schlagmühle und Trübenbrunn.

Name Etymologie Dem Namen Zeitlofs liegt der Genitiv des Personennamens Citolf zugrunde, bei dem das Grundwort, etwa mittelhochdeutsch hof, ausgefallen ist.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1167 „Citolves“ 1323 „Cytolfs“ 1355 „Zitolfs“ 1396 „Zeytolfs“ 1423 „Zitolffs“ 1466 „Zeitloffs“ 1529 „Zeitloß“ 1535 „Zeitloffs“ 1674 „Zeitlofs“

Geschichte Erste Erwähnung Zeitlofs wurde erstmals im Jahr 1167 mit dem Namen Citolves urkundlich erwähnt.

Verwaltungsgeschichte Im Jahr 1804 gehörten Zeitlofs mit Burgsinn und ihren Zubehörungen Eckarts, Trübenbrunn, Rupboden, Roßbach, Weißenbach, Detter, Heiligkreuz, Völkersleier, Dittlofsroda, Weikersgrüben, Gräfendorf und Höllich den Freiherrn von Thüngen. Sie lagen als enklavierte Besitzungen im Landgerichts- und Rentamtsbezirk Gemünden des Fürstentums Würzburg in Kurpfalzbayern.

1813 war Zeitlofs als Thüngener Patrimonialort enklaviert in das Districtscommissariat Wolfsmünster des Großherzogtums Würzburg. Schultheiß war Nikolaus Oßwald; Pfarrer Karl Adam Hartmann und Lehrer Johann Kretz. Samstags gingen Boten von Zeitlofs nach Würzburg und von Würzburg nach Zeitlofs ab. In Würzburg kehrten sie im „Schiff“ ein.

Infolge des Pariser Vertrages vom 3. Juni 1814 kam Zeitlofs mit dem Großherzogtum Würzburg im Juni 1814 zur Krone Bayern.

Religionen Evangelische Gotteshäuser gibt es in Detter, Eckarts, Rossbach, Weißenbach und Zeitlofs.

Eine nennenswerte Anzahl Katholiken kamen in die Gemeinde, als für den Truppenübungsplatz Wildflecken 1937 viele Bewohner abgesiedelt und in Weißenbach und Rossbach neuangesiedelt wurden, sowie durch Flüchtlinge und Vertriebene, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Bereich der Großgemeinde niederließen. In Weißenbach wurde 1950 eine kleine katholische Kirche als Filiale der Pfarrei Oberleichtersbach erbaut.

Jüdische Gemeinde Die Entstehung der jüdischen Gemeinde geht in das 16./17. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1840 hatte die jüdische Gemeinde mit 110 Mitgliedern ihre höchste Anzahl erreicht. Die jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge (Neubau 1885), eine Religionsschule und eine Mikwe (1925 neu errichtet). Ihre Toten wurden auf dem Jüdischen Friedhof in Altengronau bestattet.

Auf Grund der zunehmenden Repressalien und der Folgen des wirtschaftlichen Boykotts in der Zeit des Nationalsozialismus verließen bis Juli 1938 alle jüdischen Bewohner den Ort.http://www.alemannia-judaica.de/zeitlofs_synagoge.htm Das Gedenkbuch des Bundesarchivs verzeichnet 31 in Zeitlofs geborene jüdische Bürger, die dem Völkermord des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer fielen.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 der Markt Detter und die Gemeinden Eckarts-Rupboden, Roßbach und Weißenbach in den Markt Zeitlofs eingegliedert.

Einwohnerentwicklung 1961: 2151 Einwohner 1970: 2259 Einwohner 1987: 2114 Einwohner 1991: 2269 Einwohner 1995: 2295 Einwohner 2005: 2233 Einwohner 2010: 2135 Einwohner 2015: 2074 Einwohner 2016: 2062 Einwohner

Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2129 auf 2039 um 90 Einwohner bzw. um 4,2 %. 1997 hatte der Markt 2320 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Marktgemeinderat und Bürgermeister Der Marktgemeinderat umfasst 14 Sitze, die sich wie folgt verteilen: +Partei/ListeKommunalwahl 2020Kommunalwahl 2014CSU/Freie Bürger -9FWG Einheitsgemeinde Zeitlofs -5Gemeinsam für den Markt Zeitlofs (GMZ)14 - Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Matthias Hauke (Gemeinsam für den Markt Zeitlofs); dieser wurde am 15. März 2020 mit 86,3 % der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war von 1. Mai 1996 bis 30. April 2020 Wilhelm Friedrich (CSU/Freie Bürger).

Amtszeiten der Bürgermeister 1899–1910: Karl Stelzner 1911–1919: Michael Diller 1919–1933: Jakob Kenner 1933: Georg Kohlhepp 1933–1936: Konrad Schmidt 1937–1945: Johann August Biemüller 1945–1946: Heinrich Kalbfleisch 1946: Karl Zeller 1947–1948: Paul Dörr 1948–1960: Fritz Kenner 1960–1980: Otto Spahn 1981–1985: Heinz Stelzner 1987–1996: Leo Helfrich 1996–2020: Wilhelm Friedrich (CSU/Freie Bürger) seit 2020: Matthias Hauke (Gemeinsam für den Markt Zeitlofs)

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler

Die bedeutendsten Baudenkmäler der Gemeinde sind die Schlösser in Zeitlofs, Weißenbach und Roßbach sowie die evangelisch-lutherische Pfarrkirche in Zeitlofs aus dem 18. Jahrhundert.

Naturdenkmal Heilsbergeiche Die als eines der geschützten Naturdenkmäler des Landkreises Bad Kissingen eingetragene Stieleiche steht knapp einen Kilometer südwestlich des Orts, nur wenige Meter jenseits der Zeitlofser Gemarkungsgrenze, schon im gemeindefreien Gebiet Roßbacher Forst. Benannt ist die Eiche nach dem südöstlich von ihr gelegenen Hofgut Heilsberg. Das Alter des knorrigen Baumveterans wird mit etwa 300 Jahren angegeben. Er erreicht eine Höhe von 23 m bei einem Kronendurchmesser von 20 m. Mit einem Stammumfang von 6,15 Metern (gemessen auf ein Meter Höhe; Stand: 2009) und einem Taillenumfang von über 6 Metern (2018) gehört die Eiche zu den dicksten Bäumen der Rhön.„Heilsbergeiche im Roßbacher Forst bei Zeitlofs“ in „Monumentale Eichen“ von Rainer Lippert, bei www.monumentale-eichen.de

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Es gab 2007 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft 21, im produzierenden Gewerbe 139 und im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr 64 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Im sonstigen Dienstleistungsbereich waren am Arbeitsort 61 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 776. Im Bauhauptgewerbe gab es 5 Betriebe mit 60 Beschäftigten.

Einige Generationen betrieben von ca. 1860 bis in die 1970er Jahre im Ortsteil Eckarts eine Pappenmühle. Otto und Minna Umsonst gestalteten und betrieben die Mühle 1928 nach den damaligen Standards. Ab den 1950er Jahren übernahm der Bruder der Witwe Minna Umsonst, Fritz Tempel, mit seiner Frau Käthe die Pappdeckel-Produktion, die im gesamten fränkischen und hessischen Raum Zulieferer für viele Industriezweige wie zum Beispiel die Spielwaren- und Schuhhersteller zwischen Coburg und Frankfurt war.

Verkehr Die Eisenbahn-Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg durchquert u. a. im Verlauf der Sinntalbrücke Zeitlofs das Gemeindegebiet.

Die Bahnstrecke Jossa–Wildflecken bediente bis zur Stilllegung der Strecke die Haltepunkte Zeitlofs, Rupboden und Eckarts auf dem Gemeindegebiet.

1937 war Baubeginn der Reichsautobahn Fulda – Würzburg, die auf dem Gebiet der heutigen Großgemeinde von Rossbach über Weißenbacher Gebiet nach Rupboden führen sollte. Erdwälle und Brückenbauten erinnern an das wegen des Zweiten Weltkriegs unvollendete Bauvorhaben.

Bildung In der Gemeinde gibt es (Stand 2010): je einen Kindergarten in Weißenbach und Zeitlofs eine Grundschule in Zeitlofs

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Philipp von Thüngen (* 8. Oktober 1796 in Zeitlofs; † 27. Januar 1866 in Würzburg), Landrat, Erbküchenmeister, Kammerherr Ernst Steiner (* 22. April 1885 in Zeitlofs; † 16. März 1942 in Darmstadt), Pfarrer, Mitglied des Kaufmann-Will-Kreises, 1942 von der Gestapo ermordet. Edmund Ratz (* 4. April 1933 in Zeitlofs; † 31. August 2017 in Ansbach), 1999–2005 Bischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine und seit 2005 Erzbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, der Ukraine, in Kasachstan und Mittelasien Hans-Christoph Jahr (* 1953), Richter, Hochschullehrer und Rechtsanwalt

Personen, die in der Gemeinde wirkten oder wirken Jörg Geuder (* 16. Mai 1861 in Gnodstadt; † 12. März 1935 in Marktbreit), bekannter Gartenschriftsteller, Dichter und Sprachpfleger, hatte nach seiner Ausbildung zum Lehrer 1879–1880 seine erste Lehrerstelle in Zeitlofs.

Literatur Bernd K. Otto/Leo Übelacker: Markt Zeitlofs 1167 – 2007. Einblicke in die Geschichte eines Dorfes. Verlag der Rhön- und Saalepost, 2007. Wilhelm Friedrich / Klaus Zehner: Dorfentwicklung unter dem Einfluss von Naturschutz und sozioökonomischem Wandel. Das Beispiel der Gemeinde Markt Zeitlofs in der Rhön. In: Geographische Rundschau, Jg. 74 (2022), Heft 7/8, S. 52–55.

Weblinks

Gemeinde Zeitlofs

Schloss Zeitlofs: Mittelpunkt der Thüngenschen Zent

Einzelnachweise

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