Der Bund Freiheit der Wissenschaft (BFW) war ein deutscher eingetragener Verein von Personen aus verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Richtungen, der sich laut Eigenbeschreibung u. a. für die Freiheit der Wissenschaft und die Leistungsfähigkeit der Hochschulen und Schulen einsetzte. Schwerpunkt der Vereinstätigkeit war die Öffentlichkeitsarbeit zu Themen der Bildungspolitik.

Es handelte sich um eine heterogene Sammlungsbewegung, in der alle drei seinerzeit großen bundesrepublikanischen Parteien und viele verschiedene Berufssparten vertreten waren, die sich unter anderem als Reaktion auf psychische und physische Gewalt von Teilen der Westdeutschen Studentenbewegung gegen Andersdenkende an den Universitäten zu einem Verband formiert hatte. Der BFW entwickelte sich zur wichtigsten Plattform des intellektuellen Konservatismus in der Bundesrepublik Deutschland. Entstehungskontext des BFW sind die Studentenbewegung, die Hochschulreform und die Bildungsexpansion in den 1960er Jahren.

Geschichte Die neuere zeithistorische Forschung legt Wert darauf, auch die Nachfolgewirkungen der 1960er Studentenbewegung zu thematisieren, die die ältere Forschung kaum beachtet hat, obwohl sie für die Konstitution des BFW eine wichtige Rolle spielten: Die Erfahrungen meist psychischer, aber auch physischer Gewalt durch die Studentenbewegung trugen erheblich zur Entstehung, aber auch der weiteren Solidarisierung mit dem BFW bei.

Es wird in der Rückschau über die bekannten Bilder von Vietnamkongress und Kommune I oft vergessen, dass die 68er-Bewegung zunächst eine Hochschulrevolte war. Die Hochschullehrer sahen sich somit als die ersten Leidtragenden der Studentenbewegung. Der „Ordinarius“ mit dem tausendjährigen Muff unter dem Talar war für die Studenten das Sinnbild eines vermeintlich reaktionären Hochschulsystems (in dem damals tatsächlich noch immer nicht wenige Professoren mit NS-Vergangenheit lehrten). In Vorlesungen und Seminaren wurden Andersdenkende zudem mit Zwischenrufen und Sprechchören, nicht selten auch mit Eiern und Farbbeuteln angegriffen. Besonders in den frühen 1970er Jahren, als sich Teile der Bewegung radikalisiert hatten, gab es teils äußerst gewalttätige Aktionen durch Studenten aus dem extrem linken Spektrum gegen andersdenkende Lehrende und Studierende.

Bis in die 2000er-Jahre wurden die Gegner der Studentenbewegung, und damit auch der BFW, bei der historischen Erforschung der 1968er-Bewegung und der 1970er Jahre kaum beachtet. Zu diesem Zeitpunkt war über die „Achtundsechziger“ viel geschrieben worden, wenig aber über den Widerstand, den diese Bewegung aus den Universitäten selbst und aus anderen Bereichen der Gesellschaft erfuhr. Mit den neueren historischen Forschungen konnten einige Missverständnisse zwischen den „Achtundsechzigern“ (die von ihren Gegnern meist mit den Extremisten in ihren Reihen gleichgesetzt wurden) und dem Bund Freiheit der Wissenschaft wie auch verbreitete Fehlannahmen über den BFW korrigiert werden, denn die BFW-Mitglieder waren vielfach viel jünger, als es damals gelegentlich verbreitete Vorstellungen suggerierten. Außerdem hatte der Verein in der Führungsriege, aber auch unter den Mitgliedern, vom Regime des Nationalsozialismus Verfolgte und Remigranten, Christdemokraten und Sozialdemokraten. Der Verband war also kein Sammelbecken von reaktionären Reformgegnern, sondern betonte stets die Notwendigkeit von Reformen.

Die Analysen der neueren Forschung ergaben, dass es sich bei den Mitgliedern zwar vorrangig um Vertreter einer männlichen, von bürgerlichen Werten geprägten Bildungselite handelte, sie aber doch vielfach jünger und in ihren Einstellungen wesentlich moderner und progressiver waren, als ihnen von ihren Gegnern unterstellt wurde, für die der Interessenverband gelegentlich geradezu ein „Feindbild“ war. So traten sie etwa für eine notwendige Hochschulreform, die Abschaffung der Ordinariate und eine Besserstellung der Nichtordinarien und Assistenten ein. Viele der im BFW organisierten Professoren erlangten ihren wissenschaftlichen Ruf zudem in den „methodisch-theoretisch innovativsten Forschungszweigen“ ihrer Fächer und sahen ihre Arbeit als einen „Beitrag zur Festigung der liberal-demokratischen Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik“ an.

Die Erfahrungen meist psychischer, aber vereinzelt auch physischer Gewalt durch die Extremisten innerhalb der ihrerseits heterogenen westdeutsche Studentenbewegung in der damaligen Zeit des Kalten Krieges trugen erheblich zur Entstehung, aber auch zu weiterer Solidarisierung mit dem BFW bei. Aber auch die damals unter Konservativen verbreitete Befürchtung einer kommunistischen Unterwanderung der Universitäten und einer sozialistischen Revolution spielte eine Rolle für die Entstehung des Verbandes, der in einer Zeit entstanden war, in der die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) an den Hochschulen West-Berlins zum Teil großen Einfluss hatte. In diesen Zusammenhängen bereitete Sorge, dass Teile besonders radikaler Studenten zur „Eroberung der Universität“ als erster Station auf dem „langen Marsch durch die Institutionen“ aufgerufen hatten.

Nach Auffassung des BFW wollten die radikalen Teile der Studentenbewegung den Marxismus nicht mehr als eine wissenschaftliche Deutungsmöglichkeit unter vielen, sondern nach dem Vorbild des „Ostblocks“ als Leitideologie aller Forschung und Lehre zu Grunde legen. Die Verbandsmitglieder argumentierten, der Marxismus dürfe nicht zum Wahrheitsmonopol erhoben und als allumfassendes Paradigma an den Hochschulen fungieren, habe aber dort als eine kritische Methode unter anderen durchaus seinen Stellenwert.

In den Zeiten der politisch-intellektuellen Polarisierung des westdeutschen akademischen Milieus in den 1970er Jahren waren prägende Figuren des BFW in seinem ersten Wirkungsjahrzehnt namhafte Geistes- und Sozialwissenschaftler, hochrangige Wissenschaftsfunktionäre und einflussreiche public intellectuals wie z. B. Ernst Fraenkel, Wilhelm Hennis, Georg Nicolaus Knauer, Helmut Kuhn, Richard Löwenthal, Ernst Nolte, Heinz-Dietrich Ortlieb, Konrad Repgen, Walter Rüegg, Otto von Simson und Friedrich Tenbruck. Schon diese Liste korrigiert ein verbreitetes Klischeebild, bei den im BFW organisierten Professoren habe es sich um das letzte Aufgebot einer älteren, erzkonservativen und vielfach NS-belasteten Ordinariengeneration gehandelt, der die Studentenbewegung den tausendjährigen Muff unter den Talaren wegblasen wollte. Ein Großteil der genannten Mitglieder zählte um 1970 noch zu den jüngeren Professoren, war akademisch nach 1945 sozialisiert worden und erst Anfang der 60er Jahre, also kurz vor der „68er-Revolte“ auf die Lehrstühle gerückt (so Roman Herzog, Hermann Lübbe, Hans Maier, Thomas Nipperdey, Erwin K. Scheuch und Alexander Schwan). Hinzu kamen vom Regime des Nationalsozialismus Verfolgte und Remigranten wie Ernst Fraenkel, Helmut Kuhn, Richard Löwenthal und einige mehr. Christdemokraten wie Roman Herzog, Helmut Kuhn, Hans Maier, Konrad Repgen und Sozialdemokraten wie Richard Löwenthal, Hermann Lübbe, Thomas Nipperdey, Heinz-Dietrich Ortlieb und Alexander Schwan hielten sich ungefähr die Waage. Auch der Erfinder des Vereinsnamens, der Historiker Ernst Nolte, galt damals mit seiner typologisch verfahrenden Faschismusanalyse noch keineswegs als konservativ.

Einer der Hauptgründer der Notgemeinschaft für eine freie Universität (NofU), die einer der Verbände war, aus dem der BFW entstand, war Ernst Fraenkel, der als einer der „Väter“ der modernen Politikwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin gilt und im Dritten Reich als Jude (auch im Widerstand gegen den Nationalsozialismus) gezwungen war, Deutschland zu verlassen. Sein schon 1940 in den USA und dann 1974 in Deutschland erschienenes Werk „Der Doppelstaat“ gilt auch heute noch als wesentliche Standardliteratur über das nationalsozialistische Deutschland. Fraenkel sah durch monatelange Angriffe und Bedrohungen der Studentenbewegung gegen Andersdenkende und ihn selbst große Gefahren und litt sehr darunter. Die Studentenbewegung beanspruchte aber für sich, den deutschen Widerstand stellvertretend nachzuholen und gegen „faschistische“ Strukturen des deutschen Staates zu kämpfen. Die andere Seite sah das als Gefährdung der jungen Demokratie und zog Parallelen zum Ende der Weimarer Republik. Aus diesen Gegensätzen wuchs die damalige Auseinandersetzung besonders an den Hochschulen. Die neuere Forschung hat inzwischen gezeigt, dass ein Wandel in der öffentlichen Aufarbeitung des Nationalsozialismus bereits vor der 68er-Bewegung eingesetzt hatte und dass sie möglicherweise sogar den Nationalsozialismus als „in der Gegenwart ubiquitärallgegenwärtig anzutreffenden Faschismus“ wieder entpersonalisiert und „derealisiert“ hat. Dies hat nach neuesten zeithistorischen Forschungen zu einer politischen „Begriffsverwilderung“ geführt, wie sie auch an den damaligen Auseinandersetzungen um den NofU und den BFW abzulesen ist.

Seit den 1970ern gab es trotzdem zahlreiche Bezeichnungen (z. T. in Form von Graffiti) für den Verband als rechtsextreme Vereinigung, wie etwa „Rechtskartell“, „akademische NPD“, „brauner“ oder „faschistischer Bund“. Hier nahm die bis heute verbreitete Praxis der gegenseitigen Faschismusvorwürfe ihren Ausgang. Jüngere Professoren wie zum Beispiel Thomas Nipperdey, die sich selbst zur liberalen Reformavantgarde zählten, waren empört, dass die Studenten sie selbst als „Nazis“ angriffen mit Äußerungen wie „NiPerDey ist ein Faschistenschwanz“.

Aber auch manche Reaktionen des BFW führten dazu, dass die Auseinandersetzungen zwischen „Rechts“ und „Links“ sich in den 1970er und 1980er Jahren intensivierten. In Reaktion auf die Proteste gegen den Vietnamkrieg, die Notstandsgesetze und den Radikalenerlass sowie die damit zusammenhängenden, angeblich verfassungsfeindlichen studentischen Unruhen beschworen zum Beispiel die Mitinitiatoren des BFW, Karl Holzamer und Gerhard Löwenthal, medienwirksam die vermeintliche Gefahr eines kommunistischen Umsturzes in der Bundesrepublik. Beide „Seiten“ gerieten immer tiefer in eine Spaltung in ein „rechtes“ und ein „linkes“ Lager. Seit den 1990er Jahren wandte er sich zunehmend der Schulpolitik und weiteren Fragen der Hochschul- und Bildungspolitik zu. Die verbliebenen Veteranen des BFW kämpften übrigens bis ins Jahr 2014 an entscheidender Stelle fast Seite an Seite mit den Studentenvertretungen gegen die Bologna-Reform. Aber das hatten beide Seiten gar nicht recht bemerkt. Der Verband litt später teilweise unter Geldmangel und dem hohen Alter seiner Mitglieder und löste sich im Jahre 2015 auf. Arbeiten zum BFW reproduzierten aufgrund der vielen Missverständnisse und Missdeutungen aus seiner Entstehungszeit noch bis zum Ende der 2000er Jahre die typischen Allgemeinplätze gegen den Verband. Dieses Muster brachen erstmals wissenschaftlich fundierte und ausgewogenere Artikel aus den Jahren 2008 und 2010.

Ursachen und Gründe für die Entstehung: psychische und physische Gewalt Gerade aus der Entstehungszeit des BFW gibt es viele Beispiele von Gewalt Studierender des extrem linken Spektrums gegen Lehrende, aber auch gegen Kommilitonen. Manfred Scheler beispielsweise stieß früh zur NofU. Er konnte 1969 die Zwischenprüfung nur noch unter Polizeischutz abnehmen. Es kam auch in den Folgejahren zu einer Kampagne, die für ihn eine zweijährige „Hetzjagd ohnegleichen“ bedeutete. 1973 etwa drohten ihm (der „Sau“) zwei Studenten mit einem „Genickschuß“. Manfred Scheler kam durch die ganze Situation einem „psychischen und physischen Zusammenbruch“ nahe. Eines der frühen Mitglieder war auch Folkmar Koenigs, Lehrstuhl-Inhaber an der Technischen Universität zu Berlin. Auch er gab in den 1970er Jahren seine Erfahrungen mit physischer Gewalt im Zusammenhang mit Teilen der Studentenbewegung zu Protokoll.