mini|hochkant|Valdemar Ammundsen als Bischof (1922) Ove Valdemar Ammundsen (* 19. August 1875 in Nørre Felding (heute Holstebro Kommune, Jütland); † 1. Dezember 1936 in Haderslev) war ein dänischer lutherischer Theologe und der erste Bischof des Bistums Haderslev. Er ist auch bekannt als einer der Pioniere der ökumenischen Bewegung.
Laufbahn Valdemar Ammundsen wuchs nach dem frühen Tod des Vaters in Kopenhagen auf und besuchte dort die Vestre Borgerdydskole. Sein Studium an der Universität Kopenhagen begann er 1893 und schloss es 1899 mit dem Kandidatenexamen ab, nachdem er schon 1897 einen Universitätspreis für eine Untersuchung zum 2. Brief des Petrus gewonnen hatte. Während einer Studienreise nach Deutschland wurde er 1901 aufgefordert, sich um eine Professur für Kirchengeschichte in Kopenhagen zu bewerben, die er schließlich erhielt. Als 1922 das Bistum Haderslev gegründet wurde (für die Gebiete in Nordschleswig, die nach der Volksabstimmung 1920 zu Dänemark gekommen waren), wurde Ammundsen zum ersten Bischof ernannt. Hier war er besonders bemüht, in den Spannungen zwischen Deutschen und Dänen zu vermitteln.
Soziale und ökumenische Arbeit Ammundsen war zeit seines Lebens in verschiedenen Organisationen tätig. Erste ökumenische Erfahrungen sammelte er im Christlichen Studenten-WeltbundSchjørring: Kristendom og socialt engagement. V. Ammundsen og hans samtid. Berlingske Forlag, 1980, S. 236., wo er unter anderem John Raleigh Mott kennenlernte und von 1915 bis 1918 als Vorsitzender amtierte. Er nahm an der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh und an der Gründungsversammlung des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen 1914 in Konstanz teil. Bei der Tagung des Weltbundes in Oud Wassenaar bei Den Haag unterstützte er Nathan Söderbloms Vorschlag einer großen Weltkonferenz, in der die Kirchen gemeinsam ihre Stellung zu den sozialen Fragen bestimmen sollten. Als diese 1925 als „Stockholmer Weltkirchenkonferenz“ verwirklicht wurde, nahm Ammundsen als Delegierter seiner Kirche teil und wurde in den Ökumenischen Rat für Praktisches Christentum gewählt. 1931 sorgte er dafür, dass Dietrich Bonhoeffer zum Jugendsekretär des Weltbundes für Freundschaftsarbeit gewählt wurde., abgerufen am 6. Mai 2017. Bei der Tagung des Exekutivausschusses des Weltbundes im September 1933 in Sofia und bei der gemeinsamen Tagung von Weltbund und Rat für Praktisches Christentum im August 1934 in Fanø setzte er sich erfolgreich für eine klare Parteinahme beider Organisationen für die Bekennende Kirche und gegen die von der NSDAP kontrollierte Reichskirche ein. 1934 übernahm er den Vorsitz im europäischen Ausschuss des Ökumenischen Rates, im nächsten Jahr auch die Präsidentschaft im Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kirchen.
Ammundsen gehörte ferner 1913 zu den Mitgründern des Kristeligt-socialt Forbund, einer dem religiösen Sozialismus britischer Prägung (Henry Scott Holland) nahestehenden Vereinigung in Dänemark.
Theologie Als Ammundsen 1901 Professor für Kirchengeschichte wurde, war die kirchliche Situation im Wesentlichen durch eine Konfrontation zwischen vier Flügeln geprägtSchjørring, Kristendom og socialt engagement. V. Ammundsen og hans samtid, Berlingske Forlag, 1980, S. 14.: die zwei Erweckungsströmungen Indre Mission und Grundtvigianismus, die Fakultätstheologen und Vertreter der neuen Strömung, die vor allem aus Deutschland kam, der liberalen Theologie, die beeinflusst war von den historisch-kritischen Prinzipien, die damals Eingang in die Geschichtswissenschaft fanden. Im letzten Teil des 19. Jahrhunderts waren Empirismus und Positivismus erfolgreich, und 1900 hatte Edvard Lehmann Adolf von Harnacks Das Wesen des Christentums übersetzt.Adolf Harnack: Kristendommens Væsen. Oversat af Edvard Lehmann. V. Pios Forlag, København 1900. 1903 gab Eduard Geismar Kristendom og Udvikling heraus, die bis dahin detaillierteste religiöse Antwort auf den Darwinismus in Dänemark,Geismar hos DarwinArkivet.dk, af Hans Henrik Hjermitslev worin Geismar die christlichen Glaubensaussagen in Hinsicht auf die Evolution neu interpretierte.
Theologisch orientierte sich Ammundsen an der liberalen Theologie, die um die Jahrhundertwende mit dem Motto „freie Forschung und positives Christentum“ auch in Dänemark Eingang fand; eine führende Gestalt war Frederik Christian KrarupPoul Georg Lindhardt: Kirken i går og i dag. 1955, S. 92.. In den 1880er Jahren hatte Frants Buhl die historisch-kritische Methode in die alttestamentliche Forschung eingeführt.
In den 1920er Jahren kritisierte die Bewegung Tidehverv die liberale Theologie und die dominierende „Erlebnisreligiosität“.Schjørring: Kristendom og socialt engagement. V. Ammundsen og hans samtid. Berlingske Forlag, 1980, S. 142 ff.
Jens Holger Schjørring charakterisierte Ammundsens Theologie als:
Familie Ammundsen war ein Sohn des Pfarrers Peter Ammundsen (1836–1889) und seiner Frau Frederikke Augusta Sørensen (1840–1920). Sein älterer Bruder John Ammundsen (1872–1959) war auch Theologe und amtierte von 1923 bis 1942 als Bischof des Bistums Lolland-Falster. Seit 1903 war Ammundsen mit Charlotte Balslev (1877–1961) verheiratet. Zu seinen Kindern gehören die Ärztin und Widerstandskämpferin Esther Ammundsen (1906–1992) und der Direktor Johannes Ammundsen (1913–1982).
Ehrungen Ammundsen wurde 1913 zum Ritter des Dannebrogordens ernannt, erhielt 1923 das Dannebrog-Kreuz in Silber und 1932 das Kommandeurskreuz 2. Klasse.
1917 zeichnete die Universität Oslo ihn mit der Ehrendoktorwürde aus.Æresdoktorer ved Universitetet i Oslo 1911–1917 auf der Website der Universität Oslo, abgerufen am 5. Mai 2017.
Veröffentlichungen (Auswahl) Novatianus og Novatianismen. Gad, København 1901. Menigheden og Teologien. Gad, København 1906. Den unge Luther. V. Pios, København 1907. Til Opbyggelse. Taler og Afhandlinger. København 1912. Søren Kierkegaards Ungdom. Gad, København 1912. Krig och krigsførende Kristne. Strejflys fra Tyskland, Frankrig, England. Gad, København 1916. Den kristne Kirke i det nittende Aarhundrede. Gyldendahl, København 1925. Social Kristendom. Fremstilling (og Vurdering) af W. Rauschenbuschs Kristendomssyn. Nyt Nordisk Forlag, København 1931. Einleitung. In: Edvard Lehmann: Grundtvig. Mohr, Tübingen 1932.
Literatur In memoriam Bishop Valdemar Ammundsen. Hrsg. von der World Alliance for International Friendship through the Churches. Valence-sur-Rhone 1937. Frode Beyer: Valdemar Ammundsen: Liv og tanker. Gad, København 1954. Frode Beyer, Jørgen Glenthøj: Valdemar Ammundsen. Ein Bischof überwindet die Grenzen. In: Günter Gloede (Hrsg.): Ökumenische Profile – Brückenbauer der einen Kirche Band I, 1961, S. 264 ff.
Jens Holger Schjørring: Kristendom og socialt engagement. V. Ammundsen og hans samtid. Berlingske Forlag, 1980, ISBN 87-19-40107-8.
Weblinks Bild Ammundsens auf HaderslevStift.dk World Alliance for International Friendship Through the Churches, Archivalien 1914–1947
Anmerkungen
Kategorie:Bischof von Haderslev Kategorie:Lutherischer Bischof (20. Jahrhundert) Kategorie:Lutherischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Kopenhagen) Kategorie:Kirchenhistoriker (Theologe) Kategorie:Person (Ökumenischer Rat der Kirchen) Kategorie:Ehrendoktor der Universität Oslo Kategorie:Kommandeur des Dannebrogordens Kategorie:Däne Kategorie:Geboren 1875 Kategorie:Gestorben 1936 Kategorie:Mann