mini|World Conference Center (WCCB), Luftaufnahme (2011) mini|Neuer Plenarsaal (2015) Das World Conference Center Bonn (WCCB) ist ein Kongresszentrum im Bundesviertel von Bonn, in unmittelbarer Nähe des Rheins. Es umfasst Teile des Bundeshauses – darunter den Neuen Plenarsaal des Deutschen Bundestages – und einen 2015 fertiggestellten Erweiterungsbau als neues Hauptgebäude. Das Kongresszentrum wurde 1999 als Internationales Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB) gegründet, 2007 erhielt es seinen heutigen Namen.

Geschichte Im Mai 2007 wurde der Grundstein für einen Erweiterungsbau, ein Kongresszentrum und ein angeschlossenes Hotel gelegt. Die Bezeichnung „World Conference Center Bonn“ (WCCB) löste die bis zum 14. Mai 2007 benutzte Bezeichnung „Internationales Kongresszentrum Bundeshaus Bonn“ (IKBB) ab.

Zu den beauftragten Unternehmen zählten: Ed. Züblin AG für die Hochbauarbeiten, Imtech unter anderem für Sanitäranlagen und Lüftung sowie die Elektro-Anlagenbau GmbH Neustrelitz (EAN).Fragen nach der Verantwortung bleiben unbeantwortet: Schweigen bei den Firmen und im Presseamt. In: General-Anzeiger Bonn online. 28. März 2015.

Im Februar 2009 war der Investor für den Erweiterungsbau, SMI Hyundai, nicht mehr in der Lage, das Projekt zum Abschluss zu bringen. Nach Beantragung eines Insolvenzverfahrens durch den Generalübernehmer kamen Ende September 2009 die Bautätigkeiten zum Stillstand. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelte gegen Akteure des Projektes und 2011 wurde vor dem Landgericht Bonn ein Verfahren eröffnet.

Nach Jahren der Auseinandersetzungen konnte die Stadt Bonn im Mai 2012 die Eigentumsrechte am WCCB-Grundstück zurückerhalten.Heimfall des WCCB Grundstück. In: bonn2012.de. 11. Mai 2012. Die Fertigstellung des Konferenzzentrums wurde von der Bundesstadt Bonn sichergestellt; im April 2013 wurden die „konkreten Kosten“ dafür auf 76,8 Mio. Euro geschätzt.Offener Brief: OB Jürgen Nimptsch erklärt die Kostenexplosion., In: Bonner Generalanzeiger, 13. April 2013, abgerufen am 22. Juli 2023. Als Termin für die Fertigstellung des Kongresszentrums wurde Frühjahr 2015 genannt. Die Stadt Bonn stellte die Fertigstellung des WCCB-Hotels durch den Verkauf des 17-stöckigen Hotel-Rohbaus im August 2014 sicher. Als Termin für die Fertigstellung des Hotels wurde Anfang 2016 genannt.Verkauf des WCCB Hotel-Rohbaus an die BonnVisio Gruppe. In: General-Anzeiger Bonn online. 9. Oktober 2014.

Am 7. Juni 2015 fand die Eröffnung des neuen Konferenzbaus des WCCB unter Teilnahme des UNO-Generalsekretärs Ban Ki-moon statt.Eröffnung des WCCB in Bonn. Ein Freudentag für Bonn und den OB. In: General-Anzeiger Bonn online. 8. Juni 2015.

Neuer Plenarsaal mini|Plenum Der Bundestag hatte bis Mitte der 1980er-Jahre in der ehemaligen Turnhalle der Pädagogischen Akademie Bonn getagt. Nachdem sich der Saal als zunehmend baufällig und den Anforderungen des Parlamentes nicht mehr gewachsen erwies, entschied man, das denkmalgeschützte Gebäude abzureißen und an seiner Stelle von der Stuttgarter Architektengruppe Behnisch & Partner einen Neubau errichten zu lassen. Das Gebäude sollte dem Geiste der alten Bundesrepublik folgend Transparenz, Bürgernähe und Bescheidenheit ausdrücken.

Alle Bereiche des Glas- und Stahlgebäudes sind einsehbar, es gibt keine einzige durchgehende Wand. Die aus statischen Gründen unvermeidlichen Betonwände sind durch großflächige Kunstwerke kaschiert. Die Sitzordnung ist im Unterschied zu bisherigen Parlamentsgebäuden kreisrund gewählt. Dadurch sitzen die Abgeordneten Regierung, Präsidium und Redner nicht gegenüber, sondern mit ihnen zusammen. Außerdem gibt es so keine Außensitze. Seit der Bundestagswahl 1998 ist die Sitzordnung unverändert, lediglich die Stenographenplätze vor dem Rednerpult wurden entfernt.

Der eigentliche Plenarsaal liegt unter dem Boden der Umgebung, wodurch das gesamte Gebäude kleiner und somit bescheidener wirkt. Die Eingänge für die Abgeordneten und für die Besucher liegen nur wenige Meter auseinander, und auch das Foyer ist von einem Besucherbalkon einsehbar.

Der Bundestagsadler, die sogenannte fette Henne, ist eine Kopie des ersten Adlers aus dem alten Plenarsaal, die aus optischen Gründen aus Aluminium anstatt aus Gips gefertigt wurde. Das Gefieder des Wappenvogels ist asymmetrisch und lückenhaft, um den Abgeordneten vor Augen zu führen, dass sie niemals Perfektion erreichen werden.

Am 20. Juni 1991, über ein Jahr bevor das Parlament seinen neuen Plenarsaal im „Behnisch-Bau“ beziehen sollte, entschied sich der Deutsche Bundestag für den Umzug von Regierung und Parlament nach Berlin, siehe Berlin/Bonn-Gesetz. Quer durch alle Fraktionen wurde debattiert, ob die Hauptstadt des wiedervereinigten Deutschlands auch Sitz von Parlament und Regierung werden sollte. Um 21:49 Uhr gab Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth bekannt, dass 337 Stimmen (Endergebnis 338) für den Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin abgegeben worden waren. 320 Mitglieder des Bundestages hatten sich erfolglos dafür eingesetzt, zwar den Bundesrat und den Sitz des Bundespräsidenten nach Berlin zu verlegen, das Parlament und die Regierung aber in Bonn zu belassen.

Der Deutsche Bundestag tagte hier zwischen 1992 und 1999, das Plenum mit den Fraktionssitzen, der Regierungsbank, dem Bundesrat und dem Präsidium bot insgesamt 734 Plätze. Die auf drei Seiten über den Parlamentariern gelegenen Tribünen boten Platz für 496 Personen sowie für Medienvertreter.

Am 1. Juli 1999 fand die letzte Sitzung des Deutschen Bundestages in Bonn statt. Den neuen Plenarsaal übernahm das Internationale Kongresszentrum Bundeshaus Bonn, das heutige World Conference Center Bonn, in dem nationale und internationale Konferenzen stattfinden.

Wasserwerk

mini|Wasserwerk Für die Zeit des Abrisses des alten Plenarsaals und des Neubaus benötigte der Bundestag ein Ausweichquartier. Die Wahl fiel auf das Pumpenhaus des ehemaligen Gronauer Wasserwerks aus dem Jahre 1892 direkt am Fuße des Langen Eugen. Für den Bundestag wurde es im Jahre 1985 zum Sitzungssaal umgebaut und von 1986 bis 1992 genutzt. Das Gebäude hat etwa die halbe Grundfläche des alten und des neuen Plenarsaals. Nur für 404 der 519 Abgeordneten gab es feste Plätze. Im Bedarfsfall wurden zusätzlich 36 Wandklappsitze benutzt sowie weitere Stühle aufgestellt. Um nach der deutschen Vereinigung 1990 Plätze für die zusätzlichen 144 Abgeordneten aus den Neuen Ländern zu schaffen, wurden die Armlehnen der Stühle entfernt und die Stuhlreihen noch enger aufgestellt.

Wasserwerk und Pumpenhaus wurden von 1999 bis Ende 2015 vom WCCB genutzt., World Conference Center Bonn

Kongresszentrum und Hotel mini|Modell des geplanten „United Nations Congress Center“ (UNCC) in Bonn Nachdem der Plenarsaal und das Wasserwerk am 1. August 1999 zum „Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus Bonn“ überführt worden waren, konkretisierten Bund und Stadt Überlegungen zu einem umfassenden Erweiterungsbau, um das bisher meist für die Ausrichtung internationaler Konferenzen genutzte Maritim-Hotel zu ersetzen. Im August 2000 wurde dafür ein 100 Meter hoher „Bonn-Kegel“ ins Spiel gebracht Der BonnKegel-ein Kongresszentrum von Weltgeltung. BonnKegel mit Zitaten aus der Homepage "Bonn Arena" in: Die-Region Online, ohne Datum, abgerufen am 20. November 2022, der als Multifunktionshalle auch Stätte von Konzerten und Sportereignissen werden sollte. Ende des Jahres wurden die Überlegungen seitens der Stadt forciert. Die über 400 Millionen Mark teure Halle stellte sich aber später als unrealistisch dar.

Im Februar 2002 wurden die Planungen wieder aufgenommen. Am 27. Februar 2002 trafen in Anwesenheit des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan der Bund, das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Bonn die „Vereinbarung über die Ansiedlung internationaler Einrichtungen in Bonn und IKBB“. Die Stadt erhielt vom Bund den Plenarsaal, das Wasserwerk und den sogenannten „Vizepräsidentenanbau“ zur Nutzung zur Verfügung und übernahm die Trägerschaft für das Projekt. Am 21. Dezember 2004 ging das Büro „YES architecture“ – Ruth Berktold aus München und Marion Wicher aus Graz – als Sieger aus einem sechsmonatigen Architektenwettbewerb hervor.WCCB - World Conference Center Bonn., Ausführliche Beschreibung des Projekts auf der Webseite von "YES ARCHITECTURE", in: Baunetz online, abgerufen am 5. Juni 2023. Die Ankündigung der Stadt Bonn lautete: "IKKB:Tagen im House of Parliament".IKBB: Tagen im House of Parliament., Webseite der Stadt Bonn mit Modellfoto vom 22. Dezember 2004, Memento des Originals in: Internet Archive, abgerufen am 5. Januar 2023.

Im September 2005 präsentierte Man Ki Kim, Chairman/CEO der SMI Hyundai Corporation einen 17-seitigen "Geschäftsplan – Vereinte Nationen Kongresszentrum in Bonn, Marketingplanung, Auszug aus dem Businessplan", in dem auch ein „state of the art“-Design und ein Modellfoto für ein Informations- und Technologiehotel zu finden sind. Auf Seite 4 wird der "Grundgedanke der Mission" erläutert, die Kooperative Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn. Darin heißt es: "Um die Mission durchzuführen, werden wir (u. a.) eine strategische Partnerschaft mit ausländischen Regierungen entwickeln, um das Internationale Geschäftszentrum (IBC) als Teil des UN-Kongresszentrums zu etablieren. Eine der existierenden IKBB Geschäftsgebäude werden zur IBC umgewandelt, um bis zu 40 Vertreter aus allen Ländern der Welt zu beherbergen".Geschäftsplan – Vereinte Nationen Kongresszentrum in Bonn-Marketingplanung, Auszug aus dem Businessplan., Memento des Originals vom 15. September 2005 in: Internet Archive, abgerufen am 20. November 2022.