Konstantin Romanowitsch „Kita“ Megrelidse, (* 30. Dezember 1900 in Khrialeti, Georgische Sozialistische Sowjetrepublik; † 1943 bei Kirow, Sowjetunion) war ein sowjetischer Philosoph, Universitätsprofessor und Parteifunktionär der Kommunistischen Partei Georgiens.
Leben Megrelidse absolvierte das Gymnasium in Poti und studierte in Tiflis Psychologie und Philosophie. Während eines Studienaufenthaltes in der Weimarer Republik, in dessen Rahmen er zwei Semester an der Universität Freiburg verbrachte, hörte er Vorlesungen bei Edmund Husserl sowie Max Wertheimer an der Humboldt-Universität zu Berlin, an der er vier Semester verbrachte. In dieser Zeit schloss er sich der Kommunistischen Partei Deutschlands unter dem Namen Hans Schlosser an und schrieb für die georgischen kommunistischen Zeitungen Sarja Wostoka und Komunisti. Neben seinen Muttersprachen Georgisch und Russisch beherrschte er Deutsch, Französisch, Englisch und Türkisch. Nach seiner Rückkehr nach Tiflis im Juni 1927 war Megrelidse zwei Jahre als stellvertretender Leiter der Abteilung für Agitation und Propaganda des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Georgiens tätig. Währenddessen hielt er Vorlesungen über Philosophie, dialektischen- sowie historischen Materialismus an verschiedenen Hochschulen in Georgien, zunächst als Dozent und ab 1930 als Professor.
Ab dem 1. Februar 1934 war Megrelidse als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg tätig. 1935 reichte er schließlich seine Dissertation ein, eine Verteidigung fand jedoch nicht statt, da Megrelidse unerwartet aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden war. Offiziell begründet wurde dies damit, er sei 1923 wegen der Beteiligung an der menschewistischen Organisation seiner Frau verhaftet worden. Tatsächlich habe er seine Ehefrau Aleksandra Fjodorowna Karziwadse (1905–1960) allerdings erst 1929 kennengelernt.
Bereits 1937 versuchte Megrelidse erstmals, sein Werk Fundamental Problems of the Sociology of Thinking zu veröffentlichten. Dies scheiterte allerdings, als der verantwortliche Herausgeber Leon Georgjewitsch Basindschagian (1893–1938) vom NKWD verhaftet wurde. Nachdem Iwan Iwanowitsch Meschtschaninow von der Russischen Akademie der Wissenschaften das Werk im folgenden Jahr zur Veröffentlichung freigab, wurde die gesamte Auflage beschlagnahmt. 1939 wurde Megrelidse schließlich verhaftet und beschuldigt, Verbindungen zu einer konterrevolutionären Daschnak-Gruppe zu haben. Nach einem langwierigen Prozess wurde der inzwischen schwer erkrankte Megrelidse freigelassen, kehrte im Dezember 1939 nach Tiflis zurück und nahm eine Stelle als leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sprache, Geschichte und materielle Kultur der Nationalen Akademie der Wissenschaften Georgiens an.
Nachdem ihm eine Reihe von Akademikern erneut zur Veröffentlichung seines Werkes geraten hatte, wurde Megrelidse im Dezember 1940 erneut verhaftet, als er nach Sankt Petersburg reiste, um seine kurz vorher verhaftete Frau zu unterstützten. Er wurde wegen antisowjetischer Propaganda angeklagt und zu zehn Jahren Zwangsarbeit in einem Lager bei Kirow verurteilt, in dem er 1943 starb. Er hinterließ seine Frau und eine gemeinsame Tochter. Posthum wurde er im September 1958 rehabilitiert.
Sein Werk konnte schließlich durch die Sicherung einer Kopie seines Cousins im Jahr 1965 veröffentlicht werden.
Schriften Fundamental Problems of the Sociology of Thinking, Brill, Leiden 2023, ISBN 978-90-04-30008-8 (Übersetzung der 1965 veröffentlichten Fassung).
Literatur Rose-Luise Winkler: An den Ursprüngen wissenschaftssoziologischen Denkens. ISBN 978-3-86464-041-4, S. 661. Hilda Vitzthum: Mit der Wurzel ausrotten: Erinnerungen einer ehemaligen Kommunistin. ISBN 3-920896-85-8.
Einzelnachweise
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