Die Tage nach Hitler (Originaltitel: De Dagen na Hitler) ist eine Fernsehdokumentation des öffentlich-rechtlichen Niederländischen Fernsehens (NPO) aus dem Jahr 2014.
Inhalt Der Film beschäftigt sich mit den letzten Tagen des „Dritten Reiches“ in Flensburg-Mürwik. Der Film fasst die Ereignisse um die letzten Reichsregierung unter Karl Dönitz herum grob chronologisch zusammen:
20. April bis 30. April An seinem Geburtstag, dem 20. April 1945, verließ Adolf Hitler noch einmal seinen Bunker inmitten von Berlin, um Hitlerjungen der Stadt, die im Volkssturm dienten, auszuzeichnen.Frankfurter Allgemeine Zeitung: 70 Jahre Kriegsende : „Werwölfe“ als Hitlers letztes Aufgebot, vom 30. April 2015 und Focus: , vom 1. Mai 2005; jeweils abgerufen am 22. Juni 2018. Kurz danach bestimmte der Diktator testamentarisch Großadmiral Karl Dönitz zum Reichspräsidenten und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. In der Vergangenheit hatte sich Dönitz gegenüber Hitler stets loyal und optimistisch gezeigt. Dennoch war die militärische Lage unverkennbar desaströs. Die britischen und amerikanischen Truppen standen inmitten von Deutschland. Berlin war kurz davor, vollständig von den Russen übernommen zu werden. Nur noch wenige deutsche Truppenreste kämpften überhaupt noch. Am 30. April 1945 nahm Hitler sich schließlich das Leben.
Anfang Mai 1945 Noch am 1. Mai 1945 hielt Dönitz eine Radioansprache, in welcher er verkündete, dass Hitler tot ist und dass er von diesem zuvor zum Nachfolger bestimmt wurde.Während der im Film eingespielten Radioansprache wird ein Sendemast des Flottenkommandos in Meierwik eingeblendet. Meierwik gehörte in den letzten Tagen zwar zum Sonderbereich Mürwik, doch der Sendemast existierte damals noch nicht. Die Rede konnte damals noch über den Reichssender Hamburg ausgestrahlt werden (vgl. auch: Sender Billwerder-Moorfleet).
mini|Die Marineschule Mürwik und das umliegende militärische Areal gehörten zum Sonderbereich Mürwik, dem Schauplatz der geschilderten Ereignisse. Das Deutsche Reich war durch den Krieg schwer in Mitleidenschaft geraten, mit Ausnahme der Provinz Schleswig-Holstein, die erheblich weniger vom Krieg zerstört worden war. Karl Dönitz zog sich mit der letzten Reichsregierung vor den vorrückenden Alliierten nach Flensburg-Mürwik zurück. Die an der dänischen Grenze gelegene Hafenstadt hatte die örtlichen Luftangriffe gut überstanden. Auch viele zivile Flüchtlinge strömten in die weitgehend von Bombenschäden verschonte Stadt. Im Binnenhafen sowie der restlichen Innenförde lagen im April/Mai 1945 etliche kleinere Boote, Kriegsschiffe der Marine und 250 Handelsschiffe, mit denen viele Flüchtlinge aus dem Osten, die vor der Roten Armee geflüchtet waren, weiter nach Flensburg transportiert worden waren. Flensburg, in dem vor dem Krieg, noch weniger als 70.000 Menschen lebten, wurde innerhalb kürzester Zeit eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern (vgl. Einwohnerentwicklung von Flensburg).Der Zeitzeuge Ernst Lorenzen vermutet im Film, dass es 150.000 Einwohner nach dem Krieg waren, was jedoch offenbar eine zu hohe Zahlenangabe sein dürfte. Dönitz kannte Flensburgs Vorort Mürwik schon von früher. In Mürwik wurde 1910 von Kaiser Wilhelm II. ein backsteingotisches Schloss, die Marineschule Mürwik, errichtet. Dort hatte Dönitz Teile seiner Marineausbildung erhalten.In der Dokumentation wird fälschlicherweise das Jahr 1912 als Errichtungsdatum angegeben. Die Mürwiker Marinebasis mit der Marineschule wurde Anfang Mai 1945 zum zentralen Rückzugsort der Reichsregierung und des Oberkommandos der Wehrmacht (vgl. Sonderbereich Mürwik).
Der Reichsregierung folgten die Eliten der NSDAP, unter denen sich die gesamte Spitze der SS befand (vgl. Rattenlinie Nord). Schleswig-Holstein galt als nationalsozialistenfreundliche Provinz, in der ein Verstecken und Untertauchen möglich wäre. Himmler war mit einem Stab von 150 bis 200 höheren SS-Funktionären nach Flensburg gekommen. Viele hochrangige Offiziere, höhere SS- und Polizeiführer befanden sich in der Stadt, unter ihnen auch Alfred Rosenberg. Des Weiteren befanden sich Leute wie der Auschwitzkommandant Rudolf Höss und die Euthanasie-Verantwortlichen Karl Brandt und Karl Gebhardt in der Stadt. Der Krieg, ihr großes Abenteuer, war für diese SS-Leute unwiderruflich zu Ende, ihre Zukunft war ungewiss. Zum Anlaufpunkt wurde das Grenzlandmuseum. Tagsüber lagerten sie im Schwarzen Walfisch, einer alten Flensburger Gastwirtschaft. Sie betranken sich dort und vergnüngten sich mit Wehrmachtshelferinnen.Im Film werden zur Untermalung des geschilderten Sachverhaltes Bilder von feiernden Marinesoldaten gezeigt, unter ihnen auch Karl Dönitz. Gerhard Paul, der den Sachverhalt im Film schildert, schreibt ihn dort jedoch lediglich SS-Leuten zu. In der Bevölkerung kursierten Gerüchte, dass die Angehörigen der SS passende Zivilkleidung und falsche Ausweise in der Stadt erhielten, damit sie bequem untertauchen könnten. Tatsächlich erhielten im Polizeipräsidium und in der Marineschule ungefähr 2000 höhere SS- und Polizeifunktionäre neue Identitäten, mit neuen Ausweisen und neuen Uniformen. Sie tauchten dann unter den tausenden Wehrmachtssoldaten unter, die sich in Schleswig-Holstein aufhielten. Auch von Himmler heißt es, dass er bald nach seiner Ankunft eine einfache Soldatenuniform angezogen habe. Der Inspekteur der Konzentrationslager, Richard Glücks, nahm sich am 10. Mai im Marinelazarett Flensburg-Mürwik das Leben und wurde danach in Flensburg begraben.
mini|Die Sportschule am Rande der Marineschule, wo die letzte Reichsregierung ihren Sitz hatte, wird ebenfalls im Film gezeigt. Dem neu ernannten Staatsoberhaupt Karl Dönitz wurde ein Quartier in der Kommandeursvilla der Marineschule bereitgestellt, in der regulär der Kommandeur der Marineschule mit seiner Familie wohnte. Auch Dönitz’ Stab wurde offenbar auf dem Schulgelände untergebracht. Dazu gesellte sich noch ein Bataillon mit der Leibwache von Dönitz. Außerdem befanden sich in Mürwik auch Flüchtlinge und Überreste von Militär, unter anderem von der Kriegsmarine. Auf dem Gelände, in direkter Nachbarschaft zur Villa, war ein kleines Marinelazarett mit vielen verwundeten Soldaten eingerichtet worden. Am Rand des Areals der Marineschule, in der Sportschule, hatte die letzte Reichsregierung ihren Sitz. Dort arbeiteten 350 bis 400 Personen, Militärs und zivile Arbeitskräfte. In den oberen Räumen des sogenannte Kommandeurstrakts der Sportschule lagen die Zimmer die Dönitz selber nutzte.
Morgens gegen acht wurde Dönitz alltäglich von seiner Kommandeursvilla mit seinem Auto 500 Meter weiter zur Sportschule gefahren. Mit seinem Adjutant Walter Lüdde-Neurath beriet er sich dort hinsichtlich der aktuellen Lage. Dönitz hatte die Niederlage längst begriffen, ließ aber dennoch zunächst weiterkämpfen. Eine sofortige Kapitulation hätte offenbar dazu geführt, dass die deutschen Truppen und viele Flüchtlinge dort geblieben wären, wo sie sich gerade befanden. Viele wären in sowjetische Kriegsgefangenschaft geraten. Unter den Deutschen herrschte erhebliche Angst vor den Russen. Daher versuchte die deutsche Seite die Kapitulation zu verzögern. Dönitz wollte noch möglichst viele Menschen mit Schiffen aus Ostpreußen evakuieren lassen. In den Tagen, an denen noch Menschen aus Ostgebieten herausgeholt werden konnten, starben jedoch offensichtlich 10.000 Menschen pro Tag in Kampfhandlungen. Dazu kamen noch die Standgerichte, die beispielsweise beim Hissen einer weißen Flagge zur Stelle waren.Der sich in der Dokumentation äußernde Historiker Dieter Hartwig, belegt diese Zahlen offenbar durch Statistiken, die besagen, dass in den letzten drei Monaten durchschnittlich pro Tag noch 10.000 Menschen starben.
Letztlich war die Kapitulation aber unabwendbar. Dönitz beschloss, schrittweise zu kapitulieren.
mini|Filmaufnahmen der Dokumentation zeigen diese Szene zur Kapitulation auf dem Timeloberg aus einem etwas anderen Blickwinkel. In der Mitte des Bildes Admiral Hans-Georg von Friedeburg, der von Dönitz den Auftrag erhielt, zu kapitulieren. Zweiter von Links: der britische Field Marshal Bernard Montgomery. 4. Mai 1945 In der handschriftlichen, internen Tageschronik der Stadt Flensburg wurde am 4. Mai festgehalten, dass in der Stadt Gerüchte aufgekommen seien, dass ein Großangriff bevorstände. Die Stadt solle durch den Kommandanten Lüth bis zum Äußersten verteidigt werden. Die Situation in der Stadt war angespannt. Immer mehr Flüchtlinge erreichten die Stadt. Aus dem Ostraum kamen immer mehr Schiffe mit Flüchtlingen und Verwundeten an. Die Verwundeten befanden sich teilweise in einem jämmerlichen Zustand. Gleichzeitig waren die Lazarette überfüllt. Vor den Lebensmittelgeschäften bildeten sich lange Schlangen. In der Zivilbevölkerung herrscht eine äußerst schlechte Stimmung.
Am selben Tag erfolgte im alliierten Hauptquartier in der Lüneburger Heide die Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, Dänemark und den Niederlanden. Die Kapitulation trat am folgenden Morgen um 8 Uhr in Kraft.Zum Thema entstand im Übrigen schon 1980 der dänische Dokumentarfilm Da englænderne kom – maj 1945. Die deutschen Truppen auf der britischen Ostflanke ergaben sich entsprechend. Eine halbe Million Deutsche geriet daraufhin in Kriegsgefangenschaft. Die deutschen Truppen, die sich in Dänemark befanden, marschierten zurück ins Land. Ihre Route führte entlang des Flensburger Hafens und anschließend über die Straße Norderhofenden hinweg.
Die Kapitulation hatte auch Auswirkung auf den Dienst der deutschen Soldaten, beispielsweise auf Asmus Jepsen, den Kommandanten eines Sonderzuges von Karl Dönitz, der nach Flensburg gebracht werden sollte. Nachdem der Zug aber am 4. Mai auf dem kleinen Bahnhof von SörupFälschlicherweise wird im Film der Bahnhof von Flensburg eingeblendet. (ungefähr 10 Kilometer südöstlich von Flensburg entfernt) von britischen Flugzeugen angegriffen worden war, konnte er in Folge nicht mehr weiterfahren. Asmus Jepsen, der unweit des Bahnhofs wohnte, begab sich darauf zu Fuß nach Hause. Zur Sicherheit meldete er sich beim örtlichen Bürgermeister zurück. Am nächsten Tag wurde er von der geheimem Feldpolizei in seiner Wohnung im Beisein seiner Familie festgenommen. Zwei Tage nachdem in Norddeutschland die offizielle Kapitulation vollzogen worden war, wurde er auf einem Schießplatz bei Flensburg hingerichtet (vgl. Twedter Feld). Noch heute mutmaßt eine seiner Töchter, dass ihr Vater irgendwas Bedeutsames wusste.Ungefähr Minute 25 des Films. Im Sonderzug befanden sich wichtige Unterlagen der Kriegsmarine sowie offenbar auch viele private Gegenstände von Dönitz selbst. Sie vermutet, dass die Hinrichtung eine Art Racheakt von Dönitz war. Es gab darüber hinaus noch weitere Hinrichtungen von jungen Soldaten, die das Kriegsende als Ende ihrer Dienstpflicht fehlinterpretierten, was es nun einmal nicht war. Die Disziplin sollte gewahrt bleiben. Noch marschierten aus Skandinavien tausende Soldaten zurück nach Deutschland. Wenn diese gemacht hätten, was ihnen in den Sinn kam, hätte dies zu großen Problemen führen können. Daher wurde in solchen Fällen durchgegriffen, womit die Ordnung generell aufrechterhalten werden sollte.
mini|Auch von der Kapitulation in Reims sind in der Dokumentation Filmsequenzen enthalten. 7. bis 9. Mai 1945