David Andrew Seaman, MBE (* 19. September 1963 in Rotherham) ist ein ehemaliger englischer Fußballtorhüter. Bekannt wurde er vor allem als langjährige „Nummer 1“ des FC Arsenal der 1990er- und zu Beginn der 2000er-Jahre. Während dieser Zeit gewann er drei nationale Meisterschaften (1991, 1998, 2002), vier FA-Cup-Trophäen (1993, 1998, 2002, 2003), einmal den Ligapokal (1993), sowie 1994 den Europapokal der Pokalsieger. Darüber hinaus absolvierte er 75 A-Länderspiele für England und war Stammtorwart bei jeweils zwei Europa- (1996, 2000) und Weltmeisterschaften (1998, 2002). Seaman gilt als einer der besten englischen Fußballtorhüter der jüngeren Vergangenheit, wenngleich ihm auch Fehler in entscheidenden Momenten unterliefen – speziell bei den beiden Weitschuss-Gegentreffern im Europapokalendspiel 1995 gegen Real Saragossa und im WM-Viertelfinale 2002 gegen Brasilien.

Sportlicher Werdegang Karrierebeginn (bis 1990) Seaman wurde im Listerdale Maternity im Rotherhamer Stadtteil Wyckersley geboren und gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Colin wuchs er in bescheidenen Verhältnissen seiner Geburtsstadt auf. Die beiden Elternteile waren noch Teenager – die Mutter bei seiner Geburt gar erst 16 Jahre alt – und für den Fußballsport hegten sie nur wenig Interesse. Für einen gelegentlichen Stadionbesuch in Rotherham reichte es dann aber doch und ab dem Alter von zehn Jahren wohnte Seaman sporadisch Heimspielen von Rotherham United bei. Sein Herz schlug jedoch Mitte der 1970er-Jahre für das nahe gelegene Leeds United, das damals unter Don Revie zu den besten englischen Fußballklubs gehörte. Selbst aktiv war Seaman in der Schule gewesen und hauptsächlich seiner Größe verdankte er es, dass er dort immer wieder als Torhüter spielen musste.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 26–29 Dabei zeigte er ein derart großes Talent, dass er schnell in der Auswahlmannschaft seiner Schule landete und später für die Stadt sowie die Grafschaft Yorkshire spielte – an Sonntagen stand er zudem für die Red Scorpions zwischen den Pfosten.

Sein Weg in den Profifußball war dennoch nicht eindeutig vorgezeichnet und als 16-Jähriger stand Seaman vor der Entscheidung, nicht doch lieber Cricket zu spielen. Ein entsprechendes Angebot des Yorkshire Cricket Club lehnte er aber ab und so fokussierte er sich auf den Fußball.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 39–41 Dabei stellte sich die Frage, zu welchem Verein er gehen könnte. Obwohl er einige Probetrainingseinheiten absolviert hatte (beispielsweise neben Rotherham United bei Sheffield Wednesday), war er vertraglich noch nicht gebunden. Es kristallisierten sich drei Kandidaten heraus. Sein Lehrer und Förderer Bob Earnshaw empfahl wenig uneigennützig „seinen“ FC Barnsley und zur Untermauerung des Interesses von Rotherham United stellte sich Trainer Bobby Saxton persönlich bei Seamans Eltern vor. Den entscheidenden Ausschlag gab jedoch Seamans große Fan-Leidenschaft für Leeds United und im Frühjahr 1979 schloss er sich der Jugendabteilung der „Whites“ an.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 50–52

Im September 1979 debütierte Seaman im Erwachsenenbereich für die Reservemannschaft von Leeds United gegen die Zweitvertretung von Preston North End.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seite 61 Zu seinem ersten Einsatz im Profiteam kam er im Alter von 18 Jahren im Rahmen eines Freundschaftsspiels gegen Glentoran Belfast in der nordirischen Hauptstadt.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seite 65 Dass weitere sportliche Entwicklungsschritte ausblieben, lag vor allem darin begründet, dass sich Leeds in eine sportlich schwierige Situation manövriert hatte. Allein während Seamans dreijähriger Zugehörigkeit zu dem Verein versuchten drei Trainer, an die alte Revie-Zeit anzuknüpfen. Dabei scheiterte zunächst Jimmy Adamson in den späten 1970er-Jahren und sein Nachfolger Allan Clarke stieg 1982 gar mit dem Klub in die zweite Liga ab. Im Rahmen des anvisierten Wiederaufstiegs entschloss sich der nächste Cheftrainer Eddie Gray unter anderem dazu, auf der Torhüterposition für Stammkeeper John Lukic einen Ersatzmann mit mehr Erfahrung zu verpflichten. Gleichzeitig erhielt Seaman die Freigabe für einen Vereinswechsel. Auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber kristallisierte sich der Viertligist Peterborough United heraus. Hinter diesem Wechsel stand Martin Wilkinson, der als Co-Trainer von Clarke ebenfalls entlassen worden war und anschließend in Peterborough die Aufgabe des Cheftrainers übernommen hatte. Maßgeblich war für Seaman besonders, dass ihm Wilkinson ein Stammplatz im Tor zusagte.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 66–69

In Peterborough bekam Seaman fortan ausreichende Spielpraxis und in zwei Jahren verhalf er in 91 Viertligaspielen dem Verein dazu, jeweils in der oberen Tabellenhälfte zu landen. Besonders positiv bewertete Seaman selbst in der Rückbetrachtung, dass er im „Unterhaus“ des englischen Profifußballs in Bezug auf Wettkampfhärte und Robustheit geschult wurde. Nicht selten setzten die technisch wenig begabteren Angriffsspieler darauf, sich durch einen hohen körperlichen Einsatz Vorteile zu verschaffen und dabei schien ein junger Torwart ein beliebtes Ziel zu sein. Seaman reifte zu einem der vielversprechendsten englischen Torwarttalente, das im Oktober 1984 dann auch in der englischen U-21-Auswahl sein Debüt feierte. Im selben Monat war er für eine Ablösesumme von 100.000 Pfund zu Birmingham City gewechselt, das gerade erst aus der ersten Liga in die Second Division abgestiegen war.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 74–76

Bei den „Blues“ aus Birmingham entwickelte sich Seaman in besonderem Maße in seinem Torwartspiel weiter, was vor allem daran lag, dass sein neuer Trainer Ron Saunders, der zuvor sehr erfolgreich beim Rivalen Aston Villa gewirkt hatte, ein größeres Verständnis für seine Position hatte und die Arbeit spezifischer ausrichtete – zuvor hatte sich Seaman darum mehr oder weniger „selbst gekümmert“. Auch in Bezug auf Disziplin und Ernährung wurde mehr Wert gelegt. Unmittelbar nach seiner Verpflichtung stand Seaman aufgrund des vorherigen Abgangs von Stammkeeper Tony Coton zum FC Watford zwischen den Pfosten und zum Ende der Saison 1984/85 gelang als Vizemeister der direkte Wiederaufstieg in die Eliteklasse. Dabei hatte die Mannschaft um den neuen Torhüter die ligaweit wenigsten Gegentreffer kassiert. Ein wichtiger Faktor, auf den Saunders gesetzt hatte, war die Erfahrung im Team. Später hatte das etwas in die Jahre gekommene Team um Spieler wie Des Bremner Schwierigkeiten, sich auf höchstem Niveau zu behaupten. Dass 1986 der erneute Abstieg folgte, lag speziell an der geringsten Torausbeute der Blues aller Erstligavereine. Zwar musste auch Seaman 73 Gegentore hinnehmen, aber sein Ruf hatte darunter nicht gelitten, wie seine zehn Berufungen in die englische U-21-Startformation unter Beweis stellten. Vor Beginn der Spielzeit 1986/87 wechselte Seaman kurz nach Saunders’ Demission für 225.000 Pfund zum in der First Division aktiven Londoner Verein Queens Park Rangers.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 83–92

In den insgesamt vier Spielzeiten bis 1990 gelang es Seaman mit dem neuen Klub, sich dauerhaft als Erstligatorwart zu etablieren. Titelgewinne waren zwar zumeist außer Reichweite – größte Erfolge waren in der Liga der fünfte Rang in der Saison 1987/88 sowie der Einzug ins FA-Cup-Viertelfinale in der Spielzeit 1989/90 –, aber in der Mannschaft von Trainer Jim Smith (später Gerry Francis) agierte er an der Seite einiger renommierter Spieler, darunter Terry Fenwick und Les Ferdinand bzw. im weiteren Verlauf Peter Reid und Ray Wilkins. Besonders gut verstand sich Seaman mit Trainer Smith, der auch große Popularität bei den anderen Spielern genoss. Als Smith dann im Dezember 1988 entlassen wurde, trübte sich Seamans Verhältnis zu dem Klub jedoch ein. Grund dafür war der neue Trainer Francis und der Umstand, dass Seaman seinen 1990 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte. Francis entzog Seaman das Kapitänsamt, das dieser zwischenzeitlich übernommen hatte und auch das Verhältnis mit dem zum Co-Trainer aufgestiegenen Peter Reid verschlechterte sich zusehends. Seaman hatte im November 1988 unter Bobby Robson gegen Saudi-Arabien sein erstes Länderspiel für die englische A-Nationalmannschaft bestritten und um gleichsam die Perspektiven dort zu verbessern, als auch im Verein um Titel mitspielen zu können, bemühte er sich darum, bei einem ambitionierteren Klub unterzukommen. Erste Wechselbestrebungen zum FC Arsenal scheiterten zunächst daran, dass John Lukic, der im Gegenzug von Arsenal zu QPR ausgeliehen werden sollte, sein Einverständnis verweigerte. Erst der erneute Trainerwechsel von Francis zu Interimslösung und Ex-Arsenal-Spieler und -Trainer Don Howe bewirkte die entscheidende Forcierung – Howe hatte vorher bereits hinter dem Engagement von Arsenals Torwarttrainer Bob Wilson gestanden, der Seaman einmal pro Woche zu trainieren begann (die Liaison hielt für mehr als ein Jahrzehnt an). Der wechselwillige Seaman, der nun in Teilen der eigenen Anhängerschaft angefeindet wurde, einigte sich schließlich im Mai 1990 mit Arsenals Trainer George Graham, wobei ihm zugutekam, dass sein Berater Jerome Anderson über weitreichende Kontakte und Klienten bei Arsenal verfügte. Die Ablösesumme betrug letztlich 1,3 Millionen Pfund, wobei Arsenal wiederum eine Million Pfund für den zu Leeds United zurückgekehrten Lukic erhalten hatte. Weitere Interessenten hinsichtlich Seamans Verpflichtung waren zuvor Tottenham Hotspur, Celtic Glasgow und Manchester United gewesen, wobei speziell der Wechsel zu „United“ daran scheiterte, dass Trainer Alex Ferguson keinen sofortigen Transfer anstrebte.David Seaman, Safe Hands – My Autobiography, Seiten 93–108

Erste Meisterschaft, Pokaltrophäen und Aufstieg zu Englands Nummer 1 (1990–1996)