Bürgel ist ein Stadtteil der südhessischen Großstadt Offenbach am Main und liegt im Mainbogen direkt am Main. In diesem Stadtteil lebten im Dezember 2022 etwa 10.300 Menschen.
Mit Rumpenheim und Bieber gehört Bürgel zu den drei ehemals selbständigen Orten, die heute Stadtteile von Offenbach am Main sind.
Geographie Lage mini|Arthur-von-Weinberg-Steg Nördlich von Bürgel liegt mit Rumpenheim ein weiterer Offenbacher Stadtteil. Der zwischen beiden Orten gelegene Schultheis-Weiher war im Sommer ein beliebter Badesee. Auf der anderen Mainseite im Westen liegt Frankfurt-Fechenheim. Im Westen und Süden ist Bürgel von Offenbacher Wohngebieten, teilweise auf Bürgeler Gemarkung, umschlossen. Im Norden, Richtung Rumpenheim, besteht mit der Hans-Böckler-Siedlung ein weiterer, kleiner Ortsteil. Der 1981 fertiggestellte Arthur-von-Weinberg-Steg verbindet Bürgel mit Frankfurt-Fechenheim. Die Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute führt durch Bürgel.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Siedlungsfläche stark vor allem nach Norden hin zum benachbarten Stadtteil Rumpenheim vergrößert. 2004 begann die Umlegung des Neubaugebietes „Bürgel-Ost“ und der „Mainzer Ring“ ist als Umgehungsstraße ausgebaut worden. Der Plan sieht dabei eine Bebauungsfläche von 183.000 m² vor.
Naturschutzgebiet Schultheis-Weiher
Der Schultheis-Weiher wurde Ende der 1970er Jahre von der Firma Cassella an den Umlandverband Frankfurt übergeben. Das Gebiet wurde in der zeitlichen Folge in ein Naturschutzgebiet und Freizeitareal umgewidmet. Die nordöstliche Seehälfte ist als Naturschutzgebiet eingestuft, der restliche Teil kann von Badegästen, Modellbootfahrern und Anglern genutzt werden.
Eine Reihe seltener Vogelarten kann hier beobachtet werden. So sind zum Beispiel Haubentaucher, Graureiher, Kormorane und Zwergtaucher anzutreffen. Auch Seetaucher sind beobachtet worden. Der Eisvogel ist jährlicher Wintergast.
Geschichte Zahlreiche Funde aus keltischer Zeit lassen auf eine lange Besiedlungszeit des heutigen Ortes schon vor den Römern schließensiehe Werner Schwarz: Vorgeschichtliche Funde in Offenbach und seinen Vororten in: Offenbacher Geschichtsverein: Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 20, 1970, S. 10–12, auch der Ortsname ist keltischen Ursprungs. So setzt der Heimatforscher Karl Nahrgang auch die Entstehung des Namens bereits in vorrömische Zeit (Bergilla Bürgel, Biberaha, daher: Bieber, Limares villa Lämmerspiel).siehe Karl Nahrgang: Stadt und Landkreis Offenbach am Main – Atlas für Siedlungskunde, Verkehr, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur, 1963, Tafel III 4/28 In späterer Zeit kamen weitere Orte hinzu, die aus den Fränkischen Militärkolonien um 500 entstanden: dies waren alle Orte, welche sich aus Personennamen und der Endung ‑heim zusammensetzen wie zum Beispiel in der Umgebung Rumpenheim, Dietesheim und die heutige Wüstung Meielsheim. Unter den Merowingern Ende des 6., Anfang des 7. Jahrhunderts kamen auch die Orte als Neugründungen hinzu, welche Personennamen mit Landschaftsbezeichnungen verbanden wie Offenbach.
Römer In Bürgel gibt es zahlreiche Hinweise auf eine römische Vorgeschichte. Die Karte gibt die Fundorte nur ungefähr an, um Schäden durch selbsterklärte aber unerfahrene Archäologen zu vermeiden. PDF, 45 kB Am Mittelweg befand sich ein größerer römischer Bestattungsplatz. Viele Grabbeigaben konnten in den Gräbern gefunden werden. Die dazugehörige Siedlung wird weiter südlich vermutet, wahrscheinlich an der Stelle des späteren Stiftshofes. Im Süden Bürgels wurde im Main eine Pfahlreihe gefunden, welche als Schiffsanlegestelle gedient haben könnte.siehe Johann Grieß: „Der Vorgeschichte auf der Spur“ in Offenbacher Geschichtsverein: „Offenbacher Geschichtsblätter Nr. 32“, 1982, S. 70 Im Norden des Ortes, auf dem heutigen Gelände des Wassersportvereins Bürgel, in Höhe des Bootshauses, wurde eine römische Brücke über den Main vermutet, jedoch ist der Nachweis einer Brücke in der neueren Literatur mangels datierender Funde nicht gesichert.
Hier liefen verschiedene Römerstraßen zusammen. Eine Straße kam von Höchst über den Frankfurter Domhügel und Fechenheim nach Bürgel, eine zweite kam von Friedberg über Vilbel, Bergen und Enkheim zur Mainkur (= Mainkehre). Der Verlauf beider Straßen ist unsicher und bisher nicht durch Ausgrabungen gesichert. In Bürgel teilten sich die Straßen nach Hanau und südlich des Maines in Richtung Frankfurt. Die Siedlung hat aufgrund der Funde mit Sicherheit mindestens bis ins dritte Jahrhundert bestanden. Die Gegend war Teil der Civitas Auderiensium in der Provinz Obergermanien.
Weitere Geschichte 790 bis 1619 mini|links|250px|Ersterwähnung Bürgel 790 Im Mittelalter gehörte Bürgel der Biebermark an und hatte Burgrecht in Frankfurt, die Wälder gehörten dem Wildbann Dreieich an.
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung, „Birgelen“, geht auf die Schenkung eines Salacho an das Kloster Lorsch zurück und datierte, laut einer Abschrift der Schenkungsurkunde im Codex Laureshamensis, vom 12. Juni 790.Glöckner, Karl, Codex Laureshamensis 02. Band – Kopialbuch, I. Teil Oberrhein-, Lobden-, Worms-, Nahe- und Speiergau, Darmstadt 1933, S. 251, Nr. 857 (Reg 2209): „Donatio Salachonis, in Birgelen“ Deutsche Übersetzung: Minst, Karl Josef (Übers.), Lorscher Codex: deutsch; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch, nach d. lat. Text d. Urschrift wiedergegeben von Lamey (1768–1770) und Glöckner (1929–1936), ins Dt. übertr. von Karl Josef Minst, (Band 3): Schenkungsurkunden Nr. 819 – 1999, Wormsgau, Lorsch, 1970, S. 26: „Schenkung des Salacho in Bürgel In Christi Namen mache ich, Salacho, eine Schenkung an den heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Leib in dem am Flusse Wischoz (Weschnitz) gelegenen Oberrheingauer Kloster Lorsch ruht; dem der ehrwürdige Richbodo als Abt vorsteht. Ich bestimme, daß meine Vergabung für alle Zeiten gültig sei. Ich übergebe in Birgelen (Offenbach/M.-Bürgel), das am Rhein (richtig: am Main) in pago worm(aciensi = im Wormsgau: error!) gelegen ist, eine Hofreite und die dazugehörigen Äcker, Felder, Wiesen, Weiden, Wege, Wälder, stehende und fließende Gewässer. Alles übergebe und übertrage ich unter dem heutigen Tag und in Gottes Namen auf ewig zu eigen. Damit ist der Vertrag abgeschlossen. Geschehen im Kloster Lorsch am 12. Juni im 22. Regierungsjahr (790) unseres Herrn, des ruhmreichen Kaisers (richtig: Königs) Karl. Handzeichen des Schenkgebers Salacho. Handzeichen der (Zeugen) Enginbald, Amalrich und Leibolf. Der Schreiber: Ruodolf.“ Diese Schenkung betraf jedoch nicht Bürgel insgesamt, sondern nur einzelne Güter. Eine weitere Schenkung an Lorsch gab es durch einen Meizolf 793.Glöckner, Karl, Codex Laureshamensis: 03. Band Kopialbuch, II. Teil: Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Darmstadt 1936, S. 135; Nr. 3456 (Reg. 2456), „Donatio Meizolfi in villa Bergilla curiam“ In Gottes Namen weise ich, Meizolf, dem heiligen Märtyrer ~N(azarius) eine Gabe zu. Der Leib des Heiligen ruht im Lorscher Kloster, dem der ehrwürdige Richbodo als Abt vorsteht. Die Übergabe erfolgt nach meinem Wunsch für immer und, wie ich ausdrücklich betone, aus freien Stücken. Ich schenke in pago Moynachgowe, im Dorf Bergilla einen Hof, eine halbe Hube und drei Leibeigene. Urkund dessen nachfolgende Fertigung. Geschehen im Lorscher Kloster am 25, Oktober im 26. Jahr (793) des Königs Karl.
In der Folgezeit wurden weitere Urkunden ausgestellt, die jedoch durch königliche Schenkungen eine gewisse Gebietsaufteilung begünstigte. So wurden 880 Güter in Bürgel mit Kirche an das Salvatorstift in Frankfurt (das spätere Bartholomäusstift, bekannt als Frankfurter Dom) übertragen. Hier zeigt sich, dass die lange verbreitete Sage eine Schwester Karls des Großen, die Bürgel bereits um 800 an das Petersstift in Mainz vermacht haben soll, nicht stimmen kann. In der Urkunde des Jahres 977, welche Offenbach zum ersten Mal erwähnt, wird nochmals ausdrücklich die Zugehörigkeit zum Salvatorstift bestätigt.
Die für lange Zeit maßgebliche Zugehörigkeit zum Mainzer Petersstift kam erst Mitte des 13. Jahrhunderts durch Erlangung verschiedener Besitzungen in Bürgel. Hin und wieder wurden Zehntrechte in Lehen gegeben, jedoch gehörte der Ort seit dieser Zeit dem Petersstift zu Mainz bis zur Aufhebung des Stiftes 1802.
Im Jahre 1018 wurde unter Kaiser Heinrich II. eine Reichsversammlung in Bürgel abgehalten. Es handelte sich zwar nicht um einen richtigen Reichstag, obwohl der Ort, an dem diese Versammlung stattgefunden haben soll, bis heute in der Bevölkerung den Namen „Reichstag“ trägt, jedoch zeigt sich, dass Bürgel zu dieser Zeit noch einen höheren Stellenwert besaß. Selbst von einer karolingischen Burg gibt es Berichte, die bei der Eroberung Bürgels durch Wilhelm von Holland im Jahre 1250 zerstört worden sei.
mini|hochkant|Kath. Kirche St. Pankratius Offenbach-Bürgel Nachdem bereits 880 eine Kirche belegt ist, wird das Patrozinium St. Pankratius eingeordnet in die ottonische Zeit, also gegen Ende des 10. Jahrhunderts Die Einteilung als eigenständige Pfarrei unter Verwaltung der Mutterkirche in Mühlheim ist bereits im Jahre 1297 festgehalten.
Aufgrund einer speziellen Steuerregelung für die Bestellung Rumpenheimer Äcker durch Bürgeler Einwohner kam es im Jahr 1456 zu größeren Streitigkeiten mit den Herren von Rumpenheim, die zur willkürlichen Gefangennahme einiger Bürgeler führte. Diese mussten zwar wieder unverzüglich freigelassen werden, jedoch hatte die Gemeinde an Jakob von Cronberg einen Betrag zu zahlen. 1497 klagte das Petersstift, dass unter anderem Bürgel Opfer mehrerer gewalttätiger Überfälle und Brandstiftungen seitens einiger Adliger wurde. Daraufhin kamen die Betroffenen unter die Oberhoheit des Erzbischofs von Mainz. Es wurde ein Vertrag geschlossen, der weitreichende Neuregelungen in rechtlicher und wirtschaftlicher Hinsicht traf. Jedoch blieb der Ort weiter Eigentum des Stiftes.
Trotzdem kam es gerade im 16. Jahrhundert zu einer Vielzahl von gewalttätigen Vorfällen, auch gerade durch die rechtlich verantwortlichen Herren des Amtes Steinheim. Entsprechende Gegenmaßnahmen waren danach die Aufgabe der neu bestellten Amtmänner, den Schultheiß „bestens“ zu unterstützen, und darauf zu achten, dass die Befestigungen in Stand gehalten werden und der ganze Ort mit einer Mauer umfangen wird. In dieser Zeit (1552) verliert Bürgel jedoch sein mindestens seit dem 14. Jahrhundert bestehendes Burgrecht in Frankfurt, welches den Bewohnern Schutz im Kriegsfalle zugestand. Das Burgrecht war durch Ausbesserungsarbeiten an der Befestigungsanlage Frankfurt gegeben, konnte aber auch durch Geldzahlungen stattdessen beibehalten werden. Diesen kam jedoch in entsprechender Zeit Bürgel nicht mehr nach, zumal es bei der Belagerung durch Moritz von Sachsen selbst auch in Mitleidenschaft gezogen wurde.
1620 bis 1878 mini|hochkant|Wappenvorschlag Bürgel nach dem „Hessischen Ortswappenbuch“ mini|hochkant|Heute häufig genutztes Wappen (inoffiziell) mini|hochkant|Ort des Reichstages von 1018 mini|Jungfernfahrt der Straßenbahn nach Bürgel