mini|Vor Beginn der Aufführung sind mehrere gangsa zur Auswahl für die Musiker und Tänzer am Boden ausgelegt. Ethnie Kalinga, im Baranggay Upper Uma der Gemeinde Lubuagan. Gangsa, regional auch gangha, hansa, ist ein flacher Gong aus Bronze oder Messing, der in der rituellen Musik mehrerer, zum indigenen Volk der Igorot gehörenden Gruppen auf der philippinischen Insel Luzon gespielt wird. Zwischen zwei und sieben gangsa in unterschiedlichen Größen werden bei Zeremonien der Dorfgemeinschaft (Reisernte, Friedensbünde) oder bei Übergangsfeiern (Hochzeiten) häufig zur Begleitung von Tänzen verwendet. Je nachdem, ob der Gong frei hängend in der linken Hand gehalten (Ensemble tadok oder pattang) und mit einem Holzstock in der rechten Hand angeschlagen oder auf den Oberschenkeln des Spielers liegt und mit beiden Händen geschlagen wird (Ensemble tupayya), ergeben sich unterschiedliche Klänge.

In den Philippinischen Kordilleren gelten gangsa als heilige Musikinstrumente, an deren Spielweise sich die rein der Unterhaltung dienenden Ensembles mit Instrumenten aus Bambus orientieren. Darüber hinaus genießen die Gongs eine besondere Wertschätzung als Mitgift und anderweitig als Tauschobjekt.

Herkunft und Verbreitung mini|hochkant|Flachgong im buddhistischen Kloster Erdene Dsuu in der Mongolei Der älteste chinesische Flachgong wurde in der südlichen Provinz Guanxi gefunden und um 200 v. Chr. datiert.Gretel Schwörer-Kohl: Gong und Gongspiele. VI. Geschichte. (1995) In: MGG Online, November 2016 Vermutlich ähnlich alt wie flache Gongs sind die in Südostasien weiter verbreiteten Buckelgongs, die als Buckelgongkreis khong wong yai unter anderem in den Ensembleformationen piphat in Thailand, als entsprechender Gongkreis kong thom im pin peat-Ensemble in Kambodscha, im gamelan auf Java und Bali sowie als kulintang im Süden der Philippinen und mit ähnlichen Namen auf einigen anderen Inseln im östlichen Malaiischen Archipel vorkommen. Flachgongs bringen keine so klar definierte Tonhöhe hervor wie Buckelgongs. Gangsa im Norden und die Buckelgongs kulintang im Süden sind die beiden gegensätzlichen Gong-Musiktraditionen der Philippinen. Von ihrem mutmaßlichen Ursprung in China verbreiteten sich Gongs beider Grundformen.Charles E. Griffith, Jr.: Folk Music in the Philippines. In: Music Supervisors' Journal, Band 10, Nr. 4, März 1924, S. 26, 28, 30, 62–64, hier S. 30, 62 Um 800 n. Chr. sind Gongs auf Reliefs am buddhistischen Stupa Borobudur auf Java abgebildet, zusammen mit diversen Blasinstrumenten, Saiteninstrumenten und einem Xylophon, dessen Form einem Mittelding zwischen den beiden Typen eines heutigen Metallophons entspricht.Jaap Kunst: Music in Java. Its History, its Theory and its Technique. 3. Auflage herausgegeben von Ernst L. Heins. Band 1. Martinus Nijhoff, Den Haag 1973, S. 107 Diese heißen auf Java saron (die Klangplatten liegen flach auf einem großen Holzkasten) und gendèr (die Klangplatten hängen an Schnüren über einzelnen Resonatoren aus Bambusröhren). Beide Typen werden auf Bali nach dem verwendeten Material als gangsa bezeichnet. Das indonesische Wort gangsa („Bronze“, „Messing“) wurde auch auf die philippinischen Flachgongs übertragen.

Die möglicherweise älteste Verwendung von Gongs ist der magische Schutz vor bösen Geistern, weshalb sie laut geschlagen wurden, um gemäß der asiatischen Vorstellung den Drachen am Verschlingen des Mondes bei einer Mondfinsternis zu hindern. Bestimmte Dayak-Völker auf Borneo wollten durch Gongschläge den aufkommenden Sturm davon abhalten, ihre Häuser wegzublasen. In buddhistischen Klöstern signalisieren Gongs den Beginn von Versammlungen und leiten Rituale ein.Sibyl Marcuse: A Survey of Musical Instruments. Harper & Row, New York 1975, S. 47 In China heißen so verwendete Flachgongs luo und in Myanmar entsprechen sie der Schlagplatte kyizi. Neben der heutigen Bezeichnung luo sind tang und cheng frühere Namen chinesischer Gongs, die teilweise zusammen mit den Gongs nach Korea, Japan und Vietnam gelangten. Borneo, die Philippinen und Java gehören ebenfalls zum Verbreitungsgebiet der Flachgongs in Südostasien.Heinrich Simbriger: Gongs und Gongspiele. (Internationales Archiv für Ethnographie, Band 36) E.J. Brill, Leiden 1939, S. 39

Auf Java kommt das Wort gangsa in der Zusammensetzung pandai gangsa in einem 862 datierten Beleg vor.Jaap Kunst: Hindu-Javanese Musical Instruments. Martinus Nijhoff, Den Haag 1968, S. 5 Pandai bedeutet Schmied in der Kombination pandai besi („Eisenschmied“). Gangsa geht auf Sanskrit kansá oder kansya in derselben Bedeutung „Bronze“ oder „Messing“ zurück. Im alten Indien waren Gongs offenbar unbekannt. Die einzige infrage kommende Reliefabbildung, die Arsenio Nicolas (2011) als Gong unklarer Form interpretiert, befand sich am Stupa von Amaravati und stammt aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Walter Kaufmann (1981) hält den an einer Stange hängenden Korpus mit breitem Rand hingegen für eine Trommel.Walter Kaufmann: Musikgeschichte in Bildern. Band 2. Musik des Altertums. Lieferung 8: Altindien. Hrsg. Werner Bachmann. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1981, S. 104, Abb. 61 Bei späteren indischen Darstellungen an Hoysala-Tempeln aus dem 12. Jahrhundert soll zu erkennen sein, dass es sich um Flachgongs handelt.Arsenio Nicolas: Kansá, Kansya (Sanskrit: Bell Metal, Gong, Percussion Plate). In: Pierre-Yves Manguin, A Mani, Geoff Wade (Hrsg.): Early Interactions between South and Southeast Asia: Reflections on Cross-Cultural Exchange. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 2011, S. 354; Arsenio Nicolas: Musical Nomenclature for the Sanskrit term kangsa in Southeast Asia. In: Himanshu Prabha Ray (Hrsg.): The Archaeology of Knowledge Traditions of the Indian Ocean World. Routledge India, 2020, S. 211–242, hier S. 212 Von kansá abgeleitete Namen in anderen indischen Sprachen für Gongs sind kamsatalo kamso (Pali), kamsara (Bengali), kamsala (Marathi und Kannada) sowie peddaganta (Telugu) und ghana (Kannada). Ghana bezeichnet zugleich in der indischen Klassifizierung von Musikinstrumenten die Gruppe der (in Indien meist aus Metall bestehenden) Idiophone.Heinrich Simbriger, 1939, S. 13f In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten kamen weite Teile Südostasiens unter indischen Kultureinfluss. Die Philippinen blieben hiervon weitgehend ausgespart.

Unabhängig von der indischen Herkunft des Wortes gangsa stehen die auf Luzon so bezeichneten Flachgongs mit den Gongs auf dem jenseits des südchinesischen Meeres gelegenen asiatischen Festland, dem Gebiet von Vietnam und Südchina, in einer alten, vielleicht in prähistorische Zeit zurückreichenden Beziehung. Hierauf verweisen Gemeinsamkeiten in Form, Spielweise der Gongs und kulturellen Eigenheiten zwischen den indigenen Völkern der philippinischen Kordilleren und den Montagnards im zentralen Bergland von Vietnam. Die in Stelzenhäusern lebenden Minderheitsvölker in den vietnamesischen Bergen verwenden je nach Anlass Ensembles mit zwischen zwei und 22 Buckel- oder Flachgongs.Tran Van Khe, Nguyen Thuyet Phong: Vietnam, Socialist Republic of. 3. Instrumental ensembles. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Macmillan, London 2001 Die Gesamtheit ihrer rituellen Musik und Tänze wurde zum immateriellen UNESCO-Welterbe erklärt.

Spielweise mini|Zu Unterrichtszwecken aufgehängte gangsa im Kindermuseum Museo Pambata in Manila Die gangsa bestehen aus Bronze oder Messing und besitzen üblicherweise einen Durchmesser von etwa 30 Zentimetern und einen senkrecht abgeknickten, fünf Zentimeter hohen Rand. Sie produzieren einen diffusen metallenen Klang mit einer mehr oder weniger bestimmbaren Tonhöhe. Jeder Gong wird einzeln von einem Spieler geschlagen. Der kniende Spieler schlägt, klopft oder gleitet mit den Handflächen über den Gong. Der stehende Musiker schlägt mit einem Holzschlägel auf die Fläche oder gegen den Rand, wobei er den Schlag frei ausklingen lässt oder mit dem Unterarm dämpft.

Die sechs hauptsächlichen, zu den Igorot gezählten Ethnien in den Kordilleren von Luzon sind die Bontok (Bontoc), Ibaloi, Ifugao, Isneg (auch Apayao), Kalinga und Kankanai.Robert Lawless: Hunting and Fishing among the Southern Kalinga. In: Asian Studies, 11:3, Dezember 1973, S. 83–109, hier S. 83 Weitere heißen Gaddang, Ilongot und Tinguian. Musikalische Gemeinsamkeiten der verschiedenen Ethnien sind vor allem der zeremonielle Einsatz von Flachgongs, die Verwendung zahlreicher Bambusinstrumente, darunter der Röhrenzither, die bei den Kalinga und Bontok kolitong genannt wird und eine epische Gesangstradition, die bei den Kalinga als gasumbi und ullalim bekannt ist. Die Themen des während der Erntesaison vorgetragenen gasumbi sind Brautwerbung und Kopfjagd; beim ullalim geht es um die Kämpfe, Errungenschaften und magischen Fähigkeiten eines legendären Helden. Die Flachgongs sind die heiligsten Musikinstrumente der indigenen Völker in den Philippinischen Kordilleren. Wenn früher ausschließlich von erwachsenen Männern gespielte Gongs erklangen, handelte es sich um eine Friedenszeremonie zwischen benachbarten Volksgruppen, um eine Übergangszeremonie (Hochzeit), um eine Opferzeremonie oder um ein anderes bedeutendes Ritual der Gemeinschaft. Üblicherweise können heute gangsa auch zu Übungszwecken und zur Unterhaltung, regional auch von Frauen, gespielt werden.Aaron Prior, 2011, S. 47

Kalinga mini|Set von sechs gangsa der Kalinga. Nationalmuseum für Ethnologie in Osaka Gangsa werden bei den Kalinga in der Provinz Kalinga nach wie vor in der Familie vererbt und sind der wesentliche Teil der nationalen Musikkultur. Die Gongs sind die einzigen, nicht selbst angefertigten Musikinstrumente der Kalinga und müssen von auswärts bezogen werden. Die Spielweise des zeremoniellen gangsa-Ensembles liefert die verbindlichen musikalischen Strukturen und Spieltechniken, die von den rein der Unterhaltung dienenden Ensembles mit Bambusinstrumenten, darunter den Stampfrohren tongatong, übernommen werden. Weil ein gangsa-Ensemble aus sechs Gongs unterschiedlicher Größe besteht, besitzt etwa die Bambusröhrenzither kolitong sechs, auf die Tonhöhen der Gongs gestimmte Saiten. Die gangsa-Töne sind von tief nach hoch benannt: (1) balbal, (2) kadwa, (3) katlo („dritter“), (4) kapat („vierter“), (5) opop oder kalima, (6) lalat, kanom oder anungos. Die zweisaitige Bambusröhrenzither tambi (dem Typ der javanischen gumbeng entsprechend) wird im gleichnamigen Ensemble gespielt, das aus sechs unterschiedlich großen Instrumenten besteht, welche die vom gangsa-Ensemble übernommenen Bezeichnungen für die Tonhöhen tragen.Aaron Prior, 2011, S. 75 Es gibt des Weiteren Ensembles mit sechs Bambusschlaggabeln balingbing und Gruppen von sechs sitzenden Musikern, von denen jeder anstelle eines Flachgongs ein über seinen Knien liegendes Bambusrohr (patatag) wie eine einzelne Xylophonklangplatte schlägt. Analog zu den gangsa werden auch sechs Pfeifen der Panflöte saggeypo geblasen.José Maceda: Music in the Philippines. In: Mantle Hood, José Maceda: Music. (= Handbuch der Orientalistik, herausgegeben von Bertold Spuler. 3. Abteilung: Indonesien, Malaysia und die Philippinen. 6. Band) E.J. Brill, Leiden 1972, S. 29 Wie eine gangsa-Rhythmik von Bambusinstrumenten übernommen wird, zeigen Musiker mit der Bambusklapper pattanggok (patangguk), deren einseitig herausragende Zunge sie gegen eine am Boden liegende Bambusstange schlagen.Kalinga Culture Group – Bamboo Gangsa. Youtube-Video (Fünf Männer schlagen die Bambusklapper pattanggok.) Die Übernahme zeremonieller Gong-Spielweisen in der privaten Musik der Bambusröhrenzithern erinnert an die Musik der Buckelgongs ogung bei den Batak in Nordsumatra, die durch ebensolche Bambusröhrenzithern gondang buluh nachgeahmt werden kann.