Julius Schwarzbauer, auch Schwarzbaur (* 28. März 1873 in OchsenhausenKriegsstammrollen des Königreichs Bayern, eingesehen auf ancestry.de am 19. April 2017.; † nach 1940 in den Vereinigten Staaten) war ein süddeutscher Musikinstrumenten- und Orgelbauer. Er hatte seinen Lebensmittelpunkt in MindelheimFischer, Wohnhaas: Lexikon süddeutscher Orgelbauer. 1994, S. YY und wanderte 1928 in die Vereinigten Staaten aus.Einbürgerungsdokument vom 28. Januar 1936, eingesehen bei ancestry.de, 19. April 2017.
Leben Julius Schwarzbauer kam im Frühjahr 1873 im schwäbischen Ochsenhausen bei Biberach zur Welt. Seine Eltern waren der Schreinermeister Johann Nepomuk Schwarzbauer und dessen Ehefrau Karolina, geborene Stiefenhofer. Bei seinem Vater erlernte er das Schreinerhandwerk. Ab 1890 führte er die Orgelbauwerkstatt von Albert Krebs weiter, der diese zuvor von Othmar Sauter übernommen hatte.Hermann Fischer: 100 Jahre Bund Deutscher Orgelbaumeister. Orgelbau-Fachverlag, 1991, ISBN 978-3-921-84818-0, S. 290 (). Zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Eberhard Schwarzbauer (1875–1939)Der „Elektrotechniker“ Eberhard Schwarzbaur starb lt. Sterberegister Hamburg am 29. Januar 1939 im Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf. gründete er 1898 in seinem Heimatort Ochsenhausen die eigene Orgelbaufirma „Gebrüder Schwarzbauer“.Julius Schwarzbauer, ulmer-orgeln.de, abgerufen am 19. April 2017.
Am 19. Juli 1900 heiratete er in Mindelheim die dort geborene Josephine Stölzle (1870–1930). Aus dieser Ehe gingen die vier Töchter Julianna („Lya“, * 1900), Anna (* 1902), Martha (* 1903) und Josephine („Josy“, * 1905) sowie der Sohn Julius Max (* 1908) hervor.
Im Jahr 1901 verlegte Schwarzbauer seine Werkstatt nach Mindelheim.Orgelbauer Schwarzbauer, ulmer-orgeln.de, abgerufen am 19. April 2017. Im Ersten Weltkrieg diente er ab Oktober 1914 als Soldat des Königreichs Bayern in der Artillerie.Paul Marie Guillaume Joseph de Wit: Zeitschrift für Instrumentenbau. 1915 ().
Nach dem Konkurs seiner Firma Mitte der 1920er Jahre emigrierte Julius Schwarzbauer im August 1928 mit seiner Familie in die USA, wo er sich zunächst in Missouri, später in New York niederließ und als Orgelstimmer tätig war. Seine Ehefrau Josephine verstarb im Juni 1930 in St. Louis (Missouri). Anfang 1936 stellte Schwarzbauer einen Einbürgerungsantrag, aus dem auch hervorgeht, dass damals außer seiner Tochter Anna alle seine Kinder in New York lebten. Bei der US-Volkszählung im April 1940 wurde er im Alter von 67 Jahren mit dem Wohnsitz in der Jackson Avenue in der Bronx (New York City) und der Berufsangabe organ tuner (dt.: „Orgelstimmer“) erfasst.US-Census 1940, eingesehen auf ancestry.de am 19. April 2017.
Orgelbau Von 1900 bis 1924 baute Julius Schwarzbauer etwa 100 Orgeln mit pneumatischen Kegelladen für Pfarrkirchen und Kapellen im Allgäu und in Schwaben. Davon sind heute nicht mehr viele erhalten. Er führte zahlreiche Umbauten und Reparaturarbeiten an älteren Orgeln durch und fertigte kleinere Instrumente wie Klaviere an. In seiner Werkstatt bildete er auch Lehrlinge zu Orgelbauern aus.
Seine Gehäuse weisen oft historisierende Formen auf. Klanglich sind seine Instrumente der spätromantischen Epoche verpflichtet; seine letzten Instrumente zeigen bereits Züge der Elsässischen Orgelreform. Zu seinen Werken zählen auch Tonhallenorgeln, die sich in einem kompletten Schwellkasten befinden.
Während der Inflationszeit ging der Betrieb um 1924 in Konkurs, und die Werkstatt wurde von Hans Dolp (1887–1943) übernommen.Uwe Pape: Orgelbauwerkstätten und Orgelbauer in Deutschland von 1945 bis 2004. 2004, ISBN 978-3-921-14066-6. ().
Werkliste Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Bemerkungenca. 1900Mattsies: Die Kirchenorgel, mattsies.info, abgerufen am 19. April 2017.MattsiesMariä Himmelfahrtnicht erhalten1900Schwarzbauer-Orgel Dorschhausen, sandtner-orgelbau.de, abgerufen am 19. April 2017 Dorschhausen St. Mariä Heimsuchungzentriert|160x160pxII/P15Renovation durch Sandtner; historischer Prospekt der Schwarzbauer-Orgel in modifizierter Form wiederverwendet1900WeingartenBasilika St. MartinII/P22Chororgel, Neubau hinter dem Gabler-Prospekt; nicht erhalten1906, ulmer-orgeln.de, abgerufen am 19. April 2017.SchönebürgKreuzbergkircheII/P10pneumatische Spiel- und Registertraktur, Kegellade, 3 feste Kombinationen (p, mf, f), Renovation 1985; erhalten1906Orgelprospekte, bistum-augsburg.de, abgerufen am 19. April 2017.ThierhauptenSt. Peter und Paul zentriert|160x160pxII/P27neues pneumatisches Orgelwerk mit Kegelladen1906KirchhaslachMariä Himmelfahrtzentriert|160x160pxII/P27neues Orgelwerk; erhalten1907 st-georg-westendorf.de, abgerufen am 19. April 2017.WestendorfSt. Georgnicht erhalten, Orgel aus 1969 von Orgelbau Sandtnerum 1907RammingenSt. Magnuszentriert|160x160pxII/P161957 Umbau durch Gerhard Schmid1908BubesheimSt. Mariä Geburtzentriert|160x160pxRenovierung 1988 durch die Orgelbaufirma Offner1908ObergriesbachSt. Stephanzentriert|160x160pxII/P16um 1910IllerzellSt. Ulrich1911HammerstettenSt. Nikolauszentriert|160x160pxI/P10neues Orgelwerk1912PfaffenhausenSt. Stephan160x160pxII/P31→ Orgel1913/1914DirlewangPfarrkirche St. Michaelzentriert|160x160pxII/P23nicht erhalten; 1963 Neubau Gerhard Schmid mit Rückpositiv in neuzeitlicher Formensprache1914Historische Orgeln, bistum-augsburg.de, abgerufen am 19. April 2017.Gennach (Langerringen)Pfarrkirche St. Johannes Baptistzentriert|160x160pxII/P26erhalten1914BedernauPfarrkirche St. Georgzentriert|160x160pxEinbau einer neuen Orgel durch Julius Schwarzbauer bei Erhaltung des alten Gehäuses; diese wurde 1988 wiederum durch ein neues Instrument der Firma Schmid ersetzt und um ein Rückpositiv erweitert.1916Die Orgel der Pfarrkirche. kirche-lechbruck.de (Memento des Originals), abgerufen am 4. Februar 2021. Lechbruck am See Pfarrkirche Mariä Heimsuchung zentriert|160x160pxII/P34umgebaut erhalten (heute II/36); mit Fernwerk im Speicherboden des Chorraums.vgl. Orgelbeschreibung, www.organindex.de, abgerufen am 4. Februar 2021.1916 Rückholz St. Georg zentriert|160x160pxII/P11pneumatische Kegellade; erweitert 1959 von Zeilhuber1918SchnerzhofenWallfahrtskapelleSt. Antonius von Paduazentriert|160x160px1919/1920St. Martin BatzenhofenOrgelgutachten 2012, orgelfreunde.bplaced.net, abgerufen am 11. Januar 2021.BatzenhofenPfarrkirche St. MartinOpus 58, pneumatische Kegelladenorgel; 2017 abgebaut und 2019 durch Orgelbau Wech (Buchloe) durch ein neues Instrument im historischen Gehäuse ersetztInformationen zur Orgel1920jos: Schwabniederhofen: Neue Orgel macht Kirche klanglich zum Dom. merkur.de, abgerufen am 19. April 2017.SchwabniederhofenPfarrkirche Heilig KreuzGehäuse und Holzpfeifen der Schwarzbauer-Orgel wurden in eine neue Orgel integriertMittelneufnachPfarrkirche St. Johannes Evangelistzentriert|160x160pxII/P11pneumatische Traktur; im Orgelzentrum Valley
Literatur
Johannes Mayr, Wolfgang Manecke: Historische Orgeln in Oberschwaben. Der Landkreis Biberach. Schnell & Steiner, Regensburg, 1995. Christian Kohler: Orgeln und Orgelbauer im Allgäu von 1850 bis zur Gegenwart. Diplomarbeit, Musikhochschule Augsburg/Nürnberg 2007.
Weblinks
Julius Schwarzbauer in der Virtuellen Fachbibliothek Musikwissenschaft Julius Schwarzbauer in der Bayerischen Bibliographie Organ index: Julius Schwarzbauer
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Orgelbauer (20. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Klavierbauer Kategorie:Orgellandschaft Oberschwaben Kategorie:Württemberger Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (Mindelheim) Kategorie:Deutscher Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1873 Kategorie:Gestorben im 20. Jahrhundert Kategorie:Mann